Metin Hakverdi

deutscher Politiker (SPD), MdHB

Metin Hakverdi (* 25. Juni 1969 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er war von 2008 bis 2013 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Metin Hakverdi (2014)

Leben und BerufBearbeiten

Hakverdi wuchs in Hamburg-Wilhelmsburg auf. Sein aus der Türkei stammender Vater war Taxifahrer, seine Mutter kommt aus Mecklenburg-Vorpommern und arbeitete als Sekretärin.[1] 1988 absolvierte er sein Abitur am Gymnasium Kirchdorf/Wilhelmsburg. Zuvor erlangte er 1986 nach einem einjährigen Aufenthalt in Simi Valley ein High School Diploma. Er studierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Indiana University Bloomington Rechtswissenschaft und schloss das Studium 1999 mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen ab. Im Jahr 2000 erhielt er seine Zulassung als Rechtsanwalt und gründete anschließend eine Kanzlei.[2]

PolitikBearbeiten

Hakverdi trat 2002 der SPD bei.[1] Bei der Bürgerschaftswahl 2008 gewann er im Wahlkreis Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder ein Direktmandat und zog in die Hamburgische Bürgerschaft ein. Auf der Wahlkreisliste kandidierte er auf Platz drei hinter Philipp-Sebastian Kühn und Hildegard Jürgens, konnte aber die meisten Stimmen der Kandidaten erreichen. In der 19. Wahlperiode war er Mitglied im Haushaltsausschuss und im Rechtsausschuss.

Bei der Bürgerschaftswahl 2011 konnte Hakverdi erneut ein Direktmandat im Wahlkreis Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder gewinnen. Auf der Wahlkreisliste kandidierte er erneut auf Platz drei hinter Philipp-Sebastian Kühn und Susanne Kilgast, konnte aber nach Philipp-Sebastian Kühn die zweitmeisten Stimmen der Kandidaten erreichen. In der 20. Wahlperiode war er Mitglied im Haushaltsausschuss, im Ausschuss Öffentliche Unternehmen und im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Elbphilharmonie.

Im Dezember 2012 wurde Hakverdi als Nachfolger von Hans-Ulrich Klose als Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Hamburg-Bergedorf – Harburg nominiert. Er setzte sich gegen den Harburger Kreisvorsitzenden Frank Richter und Ingo Egloff durch.[3] Bei der Bundestagswahl 2013 gewann er mit 40,4 Prozent der Erststimmen das Direktmandat und zog in den Deutschen Bundestag ein.[1] Mit diesem Ergebnis erhielt Hakverdi von allen Hamburger Direktkandidaten das beste Ergebnis.

In der 18. Wahlperiode war Hakverdi Mitglied im Rechtsausschuss, im Finanzausschuss und im Parlamentarischen Finanzmarktgremium. Außerdem war er stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss, im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und im Cum/Ex-Untersuchungsausschuss.[4] Er war stellvertretender Fraktionssprecher für Recht und Verbraucherschutz und Berichterstatter seiner Fraktion für die Themenbereiche Abgeordnetenbestechung, Frauenquote und Bürgerrechte.[5] Außerdem war er Mitglied der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe, der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe und der deutsch-südosteuropäischen Parlamentariergruppe (Albanien, Kosovo, Serbien, Montenegro und Mazedonien).[6]

Nachdem Hakverdi im November 2016 als Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Hamburg-Bergedorf – Harburg bestätigt worden war,[7] verteidigte er bei der Bundestagswahl 2017 sein Direktmandat mit 34,8 Prozent der Erststimmen.[8] So wie bei der Bundestagswahl 2013 erhielt Hakverdi von allen Hamburger Direktkandidaten das beste Ergebnis.[9]

In der 19. Wahlperiode war Hakverdi zunächst Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und im Finanzausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss. Seitdem die Nachrückerin Dorothee Martin im Juni 2020 seinen Sitz im Finanzausschuss übernahm, ist er Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und im Unterausschuss zu Fragen der Europäischen Union sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss und im Haushaltsausschuss. Er ist stellvertretender Fraktionssprecher für die Angelegenheiten der Europäischen Union und Vorsitzender des Gesprächskreises USA/Nordamerika der SPD-Bundestagsfraktion.[10]

Verwicklung in ScheineheaffäreBearbeiten

Hakverdi war in die Scheineheaffäre um Bülent Çiftlik verwickelt, der zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt wurde.[11] Am 22. April 2010 berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dass bei den Ermittlungen gegen Çiftlik eine E-Mail entdeckt wurde, der zufolge Hakverdi eine Frau über die rechtlichen Folgen einer Scheinehe beraten haben soll.[12] Olaf Scholz und Michael Neumann forderten Hakverdi daraufhin auf, für Transparenz zu sorgen, und kritisierten, dass er erst nach Erscheinen des Spiegel-Berichts die Partei- und Fraktionsspitze informierte.[13] Hakverdi sagte aus, dass er die Frau zwar empfangen habe, aber anschließend an einen Fachanwalt für Familienrecht weitergeleitet habe. Dieser Fachanwalt für Familienrecht war sein damaliger Kanzleikollege und die Beratung fand laut der Rechnung im Beisein von Hakverdi statt.[14] Am 29. April 2010 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Hakverdi wegen des Verdachts der Beihilfe zum Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz eingeleitet.[15] Die Fraktionsspitze teilte am 2. Mai 2010 mit, dass Hakverdi sein Mandat bis zur Klärung des Falls ruhen lassen werde.[16] Am 5. Mai 2010 gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass das Verfahren gegen Hakverdi nach Zahlung einer Geldauflage eingestellt werde.[17]

Ehrenamtliche TätigkeitenBearbeiten

Hakverdi ist Helfer des Technischen Hilfswerks im THW-Ortsverband Hamburg-Harburg und durchlief im Oktober 2016 die Grundausbildung.[18] Zudem ist er Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.[19]

Weblinks und QuellenBearbeiten

Commons: Metin Hakverdi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Renate Pinzke: Neuer SPD-Shootingstar Metin Hakverdi: Von Wilhelmsburg in den Bundestag. In: mopo.de. 27. September 2013, abgerufen am 22. Juli 2017.
  2. Lebenslauf metin-hakverdi.de
  3. Sven-Michael Veit: Genossen für Metin. In: taz.de. 9. Dezember 2012, abgerufen am 22. Juli 2017.
  4. Metin Hakverdi – Abgeordneter der 18. Legislaturperiode spdfraktion.de
  5. Recht und Verbraucherschutz metin-hakverdi.de
  6. Internationale Politik metin-hakverdi.de
  7. Andreas Göhring: Bundestagskandidaten: Hakverdi und Gundelach nominiert. In: harburg-aktuell.de. 12. November 2016, abgerufen am 22. Juli 2017.
  8. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein 2017: Vorläufiges Ergebnis der Bundestagswahl 2017 in den Wahlkreisen im Vergleich zur Bundestagswahl 2013;Wahlkreis 23 Hamburg-Bergedorf-Harburg - Erststimmen. (PDF; 7.4 KB) 24. September 2017, abgerufen am 26. September 2017.
  9. Andreas Göhring: Metin Hakverdi: Ein klarer Sieger unter den Verlierern. In: harburg-aktuell.de. 25. September 2017, abgerufen am 26. September 2017.
  10. Metin Hakverdi – Abgeordneter der 19. Legislaturperiode spdfraktion.de
  11. Bülent Ciftlik muss in Haft: Urteil in Karlsruhe bestätigt. In: welt.de. 21. Dezember 2018, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  12. Gunther Latsch: Weiterer SPD-Politiker gerät ins Zwielicht. In: spiegel.de. 22. April 2010, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  13. Per Hinrichs: Scheinehen-Affäre: Hinweis auf Hakverdi erschüttert SPD. In: welt.de. 24. April 2010, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  14. Gunther Latsch: Neue Vorwürfe gegen SPD-Politiker Hakverdi. In: spiegel.de. 29. April 2010, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  15. Per Hinrichs: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Metin Hakverdi. In: welt.de. 30. April 2010, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  16. Per Hinrichs: Scheinehe: Zweiter SPD-Mann lässt Mandat ruhen. In: welt.de. 3. Mai 2010, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  17. Per Hinrichs: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Hakverdi gegen Bußgeld ein. In: welt.de. 5. Mai 2010, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  18. Lars Hansen: Bundestagsabgeordneter ist jetzt THW-Helfer. In: abendblatt.de. 10. November 2016, abgerufen am 22. Juli 2017.
  19. Metin Hakverdi. In: Webseite der Europa-Union Deutschland. Abgerufen am 19. August 2020.