Hamburg-Wilhelmsburg

Stadtteil von Hamburg
Wappen von Wilhelmsburg
Wappen von Hamburg
Wilhelmsburg
Stadtteil von Hamburg
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Über dieses Bild
Koordinaten 53° 29′ 42″ N, 10° 0′ 40″ OKoordinaten: 53° 29′ 42″ N, 10° 0′ 40″ O
Fläche 35,3 km²
Einwohner 53.518 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte 1516 Einwohner/km²
Postleitzahl 20539, 21107, 21109
Vorwahl 040
Bezirk Hamburg-Mitte
Verkehrsanbindung
Autobahn A1 A255
Bundesstraße B75
S-Bahn S3Hamburg S3.svg S31Hamburg S31.svg
Bus Bus
MetroBus
13
Bus
SchnellBus
34
Bus
StadtBus
151
Bus
StadtBus
152
Bus
StadtBus
154
Bus
StadtBus
156
Bus
StadtBus
252
Bus
StadtBus
351
Bus
StadtBus
355
Bus
NachtBus
640
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Wilhelmsburg (niederdeutsch: Willemsborg) ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg. Wilhelmsburg ist der flächenmäßig größte Stadtteil Hamburgs und hat nach Rahlstedt, Billstedt, Eimsbüttel und Winterhude die fünftgrößte Einwohnerzahl. Bis zum 29. Februar 2008 gehörte Wilhelmsburg zum Bezirk Harburg.[1]

Geografische LageBearbeiten

 
Ländliches Wilhelmsburg: Windmühle Johanna
 
Industrie auf der Hohen Schaar
 
IBA-Bauten in der „Neuen Mitte Wilhelmsburg“

Wilhelmsburg liegt – zusammen mit den Stadtteilen Steinwerder, Kleiner Grasbrook und Veddel – im „Stromspaltungsgebiet“ zwischen den beiden großen Elbarmen Norderelbe und Süderelbe-Köhlbrand. Volkstümlich werden diese Gebiete oft als eine große zusammenhängende Elbinsel betrachtet und bezeichnet, tatsächlich bestehen sie aber aus einer Vielzahl kleinerer Inseln und Halbinseln.

Der Stadtteil Wilhelmsburg umfasst neben der gleichnamigen Hauptinsel, die ihrerseits im 18. Jahrhundert durch Eindeichung aus mehreren kleinen Inseln (Stillhorn, Georgswerder, Moorwerder) entstand, außerdem die Insel Hohe Schaar und einen Teil der Insel Neuhof.

Wilhelmsburg grenzt im Norden an die Stadtteile Steinwerder, Kleiner Grasbrook und Veddel, im Osten an Rothenburgsort, Spadenland und Ochsenwerder, im Süden an Neuland, Harburg und Heimfeld sowie im Westen an Moorburg und Altenwerder. Ganz im Südosten, an der Bunthäuser Spitze, grenzt Wilhelmsburg zudem an die niedersächsische Gemeinde Seevetal.

Das Gesamtgebiet zwischen Norder- und Süderelbe/Köhlbrand umfasst etwa sieben mal sieben Kilometer, also gut 50 Quadratkilometer. Davon entfallen rund 35 Quadratkilometer auf den Stadtteil Wilhelmsburg, die gleichnamige Hauptinsel ist etwa 25 Quadratkilometer groß.

Räumliche GliederungBearbeiten

Wilhelmsburg hat aufgrund seiner Geschichte kein gewachsenes Zentrum, sondern teilt sich in sehr unterschiedliche und zum Teil weit voneinander entfernte Bereiche:

GeschichteBearbeiten

 
Denkmal mit den Eindeichungsdaten der verschiedenen Teile Wilhelmsburgs

Die Elbinsellandschaft entstand am Ende der Weichsel-Kaltzeit vor etwa 11.700 Jahren, als die letzten holsteinischen Gletscher abschmolzen und zwischen den Geesträndern im Norden und Süden des heutigen Hamburger Stadtgebietes ein Meer von kleinen und größeren Insel hinterließen. Menschen siedelten hier seit dem 14. Jahrhundert – von Spadenland in den Vierlanden kommend – zunächst auf Warften oder Wurten, künstlichen Erdhügeln, die so vor Hochwasser geschützt waren. Sommerdeiche schützten die Felder.[2] 1672 erwarb Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Celle drei große Elbinseln, die durch Verbindungsdeiche miteinander verbunden wurden und fortan den Namen „Wilhelmsburg“ trugen. Die Georg-Wilhelm-Straße erinnert an den einstigen Gründer.

Nach der Annexion des Unterelbegebiets durch Frankreich war Wilhelmsburg zwischen 1811 und 1814 ein Kanton im Arrondissement Hambourg des Departements der Elbemündung, danach wieder Teil des Königreiches Hannover, das nach der Niederlage im Deutschen Krieg 1866 zur preußischen Provinz wurde.

 
Chemische Werke Reiherstieg (1907)
 
Vogelhüttendeich im Reiherstiegviertel (1907)
 
Sturmflut 1962 in Wilhelmsburg

Nach dem Beitritt Hamburgs zum Deutschen Zollverein 1888 und dem damit verbundenen Ausbau des Hamburger Hafens entstanden auch auf preußischer Seite zahlreiche neue Hafenbecken, Kanäle, Straßen und Brücken, Fabriken und Mietskasernen, ein Güterbahnhof, die Wilhelmsburger Industriebahn und das Reiherstiegviertel als hafennahes Arbeiterwohngebiet. Der erste industrielle Großbetrieb war die Hamburger Wollkämmerei, die schon 1890 etwa 1000 Beschäftigte hatte. Fast die Hälfte davon waren Einwanderer aus Westpreußen und Posen.[3]

1925 wurde Wilhelmsburg aus dem Landkreis Harburg herausgelöst und zum Stadtkreis (kreisfreie Stadt) erhoben. 1927 wurde es mit dem benachbarten Harburg zur Großstadt Harburg-Wilhelmsburg vereinigt. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz wurde Harburg-Wilhelmsburg mit Wirkung vom 1. April 1937 zunächst als Stadt dem Land Hamburg eingegliedert und 1938 auch formell eingemeindet.

1951 wurde Wilhelmsburg Stadtteil des Bezirkes Harburg. Von der Sturmflutkatastrophe 1962 wurde die Elbinsel besonders schwer getroffen: von 315 Todesopfern in ganz Hamburg waren allein 222 in Wilhelmsburg zu beklagen, vor allem im Reiherstiegviertel und einer Behelfsheimsiedlung am Klütjenfelder Hauptdeich.[4][5]

Am 1. März 2008 wurde Wilhelmsburg aus dem Bezirk Harburg ausgegliedert und dem Bezirk Hamburg-Mitte zugeordnet.[1][6]

BevölkerungBearbeiten

ÜberblickBearbeiten

Die Wilhelmsburger Bevölkerung setzt sich folgendermaßen zusammen (Daten des Statistikamt Nord, Stand Dezember 2018):

  • Gesamtbevölkerung: 54.068 Personen (Hamburg: 1.891.810 Personen).
  • Minderjährigenquote: 20,6 %, liegt deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von 16,4 %.
  • Anteil der Haushalte mit Kindern: 22,8 %, liegt deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von 17,8 %.
  • Altenquote (65-Jährige und Ältere): 13,5 %, liegt deutlich unter dem Hamburger Durchschnitt von 18,1 %.
  • Personen mit Migrationshintergrund: 60,4 %, liegt weit über dem Hamburger Durchschnitt von 35,5 %.
  • Personen mit Migrationshintergrund (unter 18-Jährige): 78,2 %, liegt weit über dem Hamburger Durchschnitt von 52 %.
  • Ausländeranteil: 32,2 %, liegt weit über dem Hamburger Durchschnitt von 17,3 %.
  • Anteil von Leistungsempfängern nach SGBII (Hartz IV): 20,6 %, liegt deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von 9,9 %.
  • Arbeitslosenquote: 8,4 %, liegt deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von 4,8 %.

Wilhelmsburg zählt zu den weniger wohlhabenden Hamburger Stadtteilen. Die durchschnittlichen jährlichen Einkünfte pro Steuerpflichtigen betrugen hier im Jahre 2013 etwa 21.890 Euro und sind deutlich geringer als der Hamburger Durchschnitt (39.054 Euro)[7].

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die folgende Übersicht zeigt die Volkszählungsergebnisse der Gemeinde Wilhelmsburg nach dem jeweiligen Gebietsstand. Mit der Vereinigung mit der damaligen Stadt Harburg 1927 zu Harburg-Wilhelmsburg überschritt die Einwohnerzahl der Gemeinde die Grenze von 100.000 und machte sie zur Großstadt. Bei der Zählung am 16. Juni 1933 hatte die Stadt 112.593 Einwohner. Seit dem 1. Januar 1938 ist sie Teil der Stadt Hamburg. Die Einwohnerzahlen beziehen sich ab 1890 auf die „ortsanwesende Bevölkerung“ und ab 1925 auf die Wohnbevölkerung.

Im Jahr 2016 waren 20,9 % der Bevölkerung jünger als 18 Jahre (Hamburg: 16,2 %), 60,4 % hatten einen Migrationshintergrund, unter den Jugendlichen lag diese Zahl bei 78,9 % (Hamburg: 34,1 bzw. 50,4 %).[8]

Stichtag
Jahr
Einwohner
01. Dezember 1890 8.800
02. Dezember 1895 12.772
01. Dezember 1900 16.640
01. Dezember 1905 22.359
01. Dezember 1910 28.225
01. Dezember 1916 26.369
05. Dezember 1917 25.380
08. Oktober 1919 28.402
16. Juni 1925 32.517
Jahr 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Einwohner 44.047 44.477 45.636 46.686 46.876 47.523 47.729 47.670 47.772 47.604 47.256 46.280 46.110
Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Einwohner 46.125 47.180 47.857 47.847 48.322 48.957 49.132 49.803 50.091 50.472 50.731 51.171 52.372
Jahr 2014 2015 2016 2017 2018
Einwohner 52.892 53.764 55.074 54.169 54.068

PolitikBearbeiten

Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Wilhelmsburg zum Wahlkreis Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder. Die Bürgerschaftswahlen seit 1966 führten zu folgenden Ergebnissen:

Ergebnis der Bürgerschaftswahl 2020 in Wilhelmsburg
 %
50
40
30
20
10
0
43,1
18,1
17,2
6,6
6,1
2,4
2,2
4,2
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2015
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,1
+6,8
+2,4
-2,4
-0,7
+2,4
-1,5
-2,0
Bürgerschaftswahl SPD Grüne2) Linke1) CDU AfD Die Partei FDP Übrige
2020 43,1 % 18,1 % 17,2 % 06,6 % 06,1 % 02,4 % 02,2 % 04,2 %
2015 48,2 % 11,3 % 14,8 % 09,0 % 06,8 % 03,7 % 06,2 %
2011 53,2 % 08,1 % 10,8 % 15,3 % 03,4 % 09,2 %
2008 43,6 % 05,6 % 08,7 % 35,6 % 02,6 % 04,8 %
2004 35,5 % 06,1 % 43,0 % 01,6 % 13,8 %3)
2001 36,2 % 03,4 % 00,3 % 19,1 % 02,1 % 38,9 %4)
1997 41,8 % 06,7 % 00,4 % 25,6 % 01,8 % 23,7 %5)
1993 47,7 % 07,2 % 17,5 % 02,4 % 25,2 %6)
1991 59,4 % 03,3 % 00,2 % 28,0 % 02,6 % 06,5 %
1987 58,4 % 03,6 % 33,5 % 02,9 % 01,6 %
1986 55,7 % 05,8 % 34,3 % 02,3 % 01,9 %
Dez. 1982 65,7 % 03,9 % 28,3 % 01,3 % 00,8 %
Juni 1982 56,3 % 04,9 % 33,3 % 03,5 % 02,0 %
1978 66,7 % 02,1 % 26,5 % 02,5 % 02,2 %
1974 60,5 % 29,0 % 07,1 % 03,4 %
1970 68,0 % 24,1 % 03,2 % 04,7 %
1966 72,4 % 21,5 % 03,3 % 02,8 %

1) 1991 und 1997 als PDS/Linke Liste, 2001 als PDS.
2) 1978 als Bunte Liste – Wehrt Euch, 1982 bis 2011 als GRÜNE/GAL.
3) Darunter 8,2 % für ProDM/Schill.
4) Darunter 34,9 % für die Schill-Partei.
5) Darunter 10,9 % für die DVU.
6) Darunter 11,6 % für die Republikaner und 5,5 % für die Statt Partei.

Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte hat für den Bereich der Stadtteile Wilhelmsburg, Kleiner Grasbrook, Steinwerder und Veddel den Regionalausschuss Wilhelmsburg-Veddel eingesetzt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kulturzentrum Honigfabrik am Veringkanal

Kulturelle EinrichtungenBearbeiten

  • Die Honigfabrik ist ein 1979 aus der Jugendzentrumbewegung entstandenes Kulturzentrum.[9]
  • Das Bürgerhaus ist ein Veranstaltungszentrum.
  • Die Veranstaltungshalle Soul Kitchen, bekannt aus dem gleichnamigen Film, war seit 2010 ein Veranstaltungsort für Konzerte, Kunst und Soziokultur.
  • Die Rialto Lichtspiele, 1913 erbautes Lichtspielhaus/Theater, das am 3. Mai 2013, nach über 25 Jahren Leerstand, für einen Sommer wiedereröffnet wurde. Neben Kinofilmvorführungen fanden hier auch Lesungen, Theateraufführungen und Konzerte statt. Das Kino wurde 2017 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
  • Die WCW Gallery, die sich als nicht kommerzieller Hybrid von Ausstellungsraum, Galerie und Kunstwerk versteht.
  • Museum Elbinsel Wilhelmsburg e.V., 1907 im Wilhelmsburger Rathaus gegründet. Es befindet sich im alten hannoverschen Amtshaus von 1724 in Kirchdorf und wurde auf den Grundmauern des "Adligen Sitzes Stillhorn" von 1620 errichtet.

BauwerkeBearbeiten

 
Zum „Energiebunker“ umgebauter ehemaliger Flakturm Wilhelmsburg

Kirchen und MoscheenBearbeiten

 
Kreuzkirche aus dem Jahr 1388

FriedhöfeBearbeiten

  • Evangelischer Friedhof der Kreuzkirche Kirchdorf
  • Evangelischer Friedhof Wilhelmsburg (entwidmet)
  • Friedhof Am Industriebahnhof, Träger: Ev. Kirchengemeinde St. Raphael; auch „Eisenbahnerfriedhof“ bzw. „Bahnhofsfriedhof“ (entwidmet)
  • Friedhof Kirchdorf-Amtshof
  • Friedhof Finkenriek

NaturdenkmälerBearbeiten

 
Naturschutzgebiet Auenlandschaft Norderelbe

Im Naturschutzgebiet Heuckenlock beherbergt Wilhelmsburg einen der letzten Tideauenwälder Europas. Er liegt am Südufer der Elbinsel rund einen Kilometer flussabwärts hinter der Bunthäuser Spitze, an der sich Norder- und Süderelbe teilen. Ebenfalls in Wilhelmsburg gelegen sind die Naturschutzgebiete Rhee und Auenlandschaft Norderelbe sowie die Möwenkolonie Hohe Schaar.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Alljährlich im Juni findet im Norden von Wilhelmsburg das Spreehafenfest statt.
  • Im Reiherstiegviertel feierte man bis Ende August 2008 das Fährstraßenfest.
  • Das Dockville-Festival ist mittlerweile eines der größten Festivals in Hamburg. Das Elbinsel-Festival findet einmal im Jahr statt.
  • 48h Wilhelmsburg ist ein Musik-Festival, welches einmal im Jahr stattfindet. Im Jahr 2016 waren 150 Acts auf 60 Bühnen zu sehen und zu hören. Die Künstler haben immer einen Bezug zur Insel. Die "Bühnen" können auch mal eine Privat-Wohnung, ein Straßenlokal oder ein Parkhaus sein.

FilmeBearbeiten

 
Drehort für Soul Kitchen

Das deutsche Filmdrama Nordsee ist Mordsee, welches die Jugendkriminalität in den 1970er-Jahren thematisiert, spielt zu wesentlichen Teilen in Wilhelmsburg, u. a. in der damals neuen Großwohnsiedlung östlich der S-Bahn-Haltestelle Wilhelmsburg ("Bahnhofsviertel") und am Veringkanal nahe dem Wasserturm. Soul Kitchen spielt ebenfalls in Wilhelmsburg, u. a. in der Soulkitchenhalle. Für den Hollywoodfilm A Most Wanted Man wurden mehrere Szenen in Wilhelmsburg gedreht.[12]

Der Harburger Filmemacher Dennis Albrecht drehte im Museum Elbinsel Wilhelmsburg und anderen Orten auf der Elbinsel seine Serie "Filmstadt". Ali Hakim drehte hier seinen Film "Bonnie & Bonnie", der auf dem Filmfest Hamburg 2019 Premiere feierte.

IBA HamburgBearbeiten

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung wurden verschiedene Projekte auf der Elbinsel Wilhelmsburg realisiert.

IGS 2013Bearbeiten

 
Haupteingang der igs 2013

Auf der Elbinsel Wilhelmsburg fand von April bis Oktober 2013 die Internationale Gartenschau (igs 2013) statt. Auf ca. 100 Hektar wurde mit einem Investitionsvolumen von 70 Millionen Euro das Motto „In 80 Gärten um die Welt“ umgesetzt.[13] Die igs hat wegen geringerer Besucherzahlen als vorhergesagt mindestens 37 Millionen Euro Verlust gemacht. Als ein Grund für die geringen Besucherzahlen wurden die hohen Eintrittspreise vermutet.[14] Das Gelände wurde im Oktober 2013 umgewandelt in den Wilhelmsburger Inselpark.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Industrie- und HafenanlagenBearbeiten

Im Westen Wilhelmsburgs liegen auf dem Gebiet der Hohen Schaar die Nynas-Raffinerie, das Shell-Forschungslabor und andere Betriebe der Petrochemie. Im Norden gibt es die Werft Theodor Buschmann, im Süden Unternehmen der Lebensmittelindustrie wie die Kampffmeyer Mühlen und die Deutsche Extrakt Kaffee.

VerkehrBearbeiten

 
Neue Wilhelmsburger Reichsstraße

Verkehrstechnisch ist die Situation von der Insellage sowie umfangreichen Hafen- und Eisenbahnanlagen geprägt. Mit der Aufhebung des Hamburger Freihafens am 1. Januar 2013 entfielen zwar die Kontrollen an der ehemaligen Zollgrenze; die durch die Lage der Grenzübergänge beeinflusste Straßenführung ist jedoch noch nicht beseitigt.

StraßenverkehrBearbeiten

 
Busbahnhof am S-Bahnhof Wilhelmsburg

Wilhelmsburg wird im Osten von der Bundesautobahn A 1 in Nord-Süd-Richtung durchquert. Die Wilhelmsburger Reichsstraße mit ihren Elbbrücken verbindet als Bundesstraße B 75 die Hamburger Innenstadt mit dem Stadtteil Harburg. Die westlichen Hamburger Hafengebiete sowie die A 7 sind mit Kraftfahrzeugen über die Köhlbrandbrücke erreichbar. Im Südwesten ermöglicht die Kattwykbrücke eine Querung der Süderelbe. Wenig Bedeutung für den Autoverkehr heute hat der Alte Elbtunnel, der Wilhelmsburg (Steinwerder) nach Norden hin zur Innenstadt anbindet, der aber an Bedeutung für den Radverkehr nicht zu vernachlässigen ist. Wilhelmsburg ist wegen der Nähe zum Hafen in starkem Maße von LKW-Verkehr belastet.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird durch verschiedene Buslinien innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) sichergestellt. Durch eine (zuschlagpflichtige) Schnellbuslinie wird Wilhelmsburg direkt an die Hamburger Innenstadt angebunden. Die anderen Buslinien dienen neben den örtlichen Verbindungen als Zubringer zu den beiden in Wilhelmsburg befindlichen S-Bahn-Stationen Wilhelmsburg und Veddel der ebenfalls im HVV verkehrenden S-Bahn-Linien S3 und S31.

 
Kilometerstein am Loop

Im Fahrradverkehr ist Wilhelmsburg als künftiger Hamburger Modellstadtteil für den Radverkehr durch die Presse gegangen. Dazu wird neben den Velorouten zwischen Harburg und der Hamburger City bzw. City-Süd ein Freizeitrundkurs ausgebaut, der Loop genannt wird. Zwei erste Abschnitte sind als Fahrradstraßen ausgebaut worden.

SchienenverkehrBearbeiten

 
S-Bahnhof Wilhelmsburg

In Nord-Süd-Richtung verlaufen gebündelt mehrere Eisenbahnstrecken mit jeweils zwei Gleisen über die Elbinsel. Dies sind von Westen nach Osten:

Der Rangierbahnhof Hamburg-Wilhelmsburg wird heute nur noch zum Abstellen von Güterzügen und Lokomotiven verwendet. Die ursprüngliche Aufgabe der Zugbildung in und aus dem Hafen hat der Rangierbahnhof Maschen übernommen. Um den Rangierbahnhof entstand mit dem Bahnhofsviertel ein eigener Stadtteil.

Das verzweigte Netz der Hamburger Hafenbahn hat auf der Elbinsel zwei der drei Haupthafenbahnhöfe. Im Hafenbahnhof Hohe Schaar werden Güterwagen mit den Massengütern Getreide, Kali und Mineralölprodukten, im Hafenbahnhof Hamburg-Süd Wagen mit Containern, Kraftfahrzeugen, Früchten und nicht containerisierbaren Stückgütern behandelt. Die aus dem Netz der DB hereinkommenden Züge werden dort zerlegt und die Wagen den Kaianlagen und Betrieben im Hafen zugestellt bzw. mit den Wagen aus dem Hafen werden Züge für Ziele in ganz Europa zusammengestellt.

Die Gleisanlagen zwischen Reiherstieg und der Wohnbebauung gehörten ehemals zur Wilhelmsburger Industriebahn, die nach der Flutkatastrophe 1962 von der Hafenbahn übernommen wurde.

Im Zuge des Baus der U-Bahn-Linie U4 der Hamburger Hochbahn wird auch eine Verlängerung über Wilhelmsburg nach Harburg diskutiert.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

  •  
    Altes Rathaus Wilhelmsburg, heute Kundenzentrum des Bezirksamts Hamburg-Mitte
    Das Rathaus Wilhelmsburg mit einem Kundenzentrum des Bezirks Hamburg-Mitte befindet sich in der Mengestraße.
  • Das Polizeikommissariat 44 hat seinen Sitz in der Georg-Wilhelm-Straße.
  • Die Feuer- und Rettungswache Wilhelmsburg (F34) der Feuerwehr Hamburg ist zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmsburg in der Rotenhäuser Straße untergebracht.

BildungBearbeiten

  •  
    Schule Perlstieg
     
    Schule Rotenhäuser Straße
    Elbinselschule[15]
  • Katholische Schule Bonifatiusstraße
  • Schule An der Burgweide[16]
  • Schule Fährstraße
  • Schule Prassekstraße
  •  
    Helmut-Schmidt-Gymnasium
    Schule Rotenhäuser Damm
  • Schule Stübenhofer Weg
  • ReBBZ Wilhelmsburg, Standort Krieterstraße[17]
  • ReBBZ Wilhelmsburg, Standort Zeidlerstraße[17]
  • Nelson-Mandela-Schule in Kirchdorf[18]
  • Stadtteilschule Wilhelmsburg[19]
  • Helmut-Schmidt-Gymnasium, bis 2012 Gymnasium Kirchdorf/Wilhelmsburg (Kiwi)[20]
  • Berufliche Schule Anlagen- und Konstruktionstechnik am Inselpark BS13 (ehem. Gewerbeschule G17 und Berufliche Schule William Lindley G2)[21]
  • Berufliche Schule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg BS14 (ehem. Gewerbeschule G18)[22]
  • Berufliche Schule für medizinische Fachberufe auf der Elbinsel Wilhelmsburg (ehem. Staatliche Schule Gesundheitspflege W4)[23]
  • Freie Schule für Gestaltung, Berufsfachschule für Grafik-Design

SchlaglichterBearbeiten

  • 17. Februar 1962: Durch die Sturmflut starben über 300 Menschen, die Mehrzahl davon in Wilhelmsburg.
  • 1976: Der Jugendfilm Nordsee ist Mordsee von Hark Bohm wurde in der Großwohnsiedlung östlich des S-Bahnhof Wilhelmsburg gedreht. Der Filminhalt bezieht sich größtenteils auf die Probleme und Sorgen von Jugendlichen in sozialen Brennpunkten in den 1970er-Jahren.
  • 26. Juni 2000: Der sechsjährige Junge Volkan wurde durch zwei Kampfhund-Mischlinge getötet. Der Vorfall führte zu einigen Gesetzesänderungen hinsichtlich Züchtung, Einfuhr und Haltung von Hunden.
  • Mai 2001 bis März 2002: Die Zukunftskonferenz Wilhelmsburg erarbeitete umfassende Forderungen zur Entwicklung des Stadtteils.
  • 2005: Die europäische Solar-Bauausstellung fand in Hamburg-Wilhelmsburg statt.
  • 2009: Die als Hommage an den Stadtteil gedrehte Filmkomödie Soul Kitchen (2009) von Fatih Akin gewann bei den 66. Internationalen Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury.

PersönlichkeitenBearbeiten

In Wilhelmsburg geborenBearbeiten

  • Heinrich Pachowiak (1916–2000), römisch-katholischer Geistlicher und Weihbischof des Bistums Hildesheim
  • Alex Christensen (* 1967), DJ, Komponist und Musik-Produzent
  • Peter Heppner (* 1967), Musiker, Songwriter und Musikproduzent
  • Marvin Willoughby (* 1978), ehemaliger deutscher Basketballnationalspieler
  • Ömer Şişmanoğlu (* 1989), deutsch-türkischer Fußballspieler
  • Claus-Peter Rathjen (* 1949 auf Neuhof), Lehrer und Schauspieler, gründete 1996 mit anderen die Operetten Compagnie Hamburg (1. Vorsitzender und Produzent), engagierte sich von 2008 bis 2019 im Museum Elbinsel Wilhelmsburg e.V. im Bereich Presse- und Kulturarbeit

Mit Wilhelmsburg verbundenBearbeiten

  • Ernst Reinstorf (1868–1960), Lehrer, Heimatforscher und Schriftsteller
  • Wilhelm Offenstein (1889–1964), Theologe und Generalvikar des Bistums Hildesheim sowie Politiker (Zentrum), war von 1925 bis 1928 Pfarrer von St. Bonifatius in Hamburg-Wilhelmsburg
  • Heino Zinserling (* 24. Oktober 1891 in Duderstadt; † 26. Mai 1980 in Wilhelmsburg), Maler und Grafiker
  • Hans Conrad Leipelt (1921–1945), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Dursun Akçam (1930–2003), türkischer Schriftsteller in Deutschland
  • Christiane Fux (* 1966 in Freiburg im Breisgau) ist in Wilhelmsburg aufgewachsen und schreibt Kriminalromane, in denen ein fiktiver Wilhelmsburger Bestatter ermittelt.
  • Marcus Wiebusch (* 1968 in Heidelberg), Sänger der Band Kettcar und Mitgründer des Plattenlabels Grand Hotel van Cleef
  • Metin Hakverdi (* 1969 in Hamburg), Hamburger Politiker der SPD und seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU): Die Insel denen, die drauf wohnen! Hamburg 2009, Broschüre online (PDF, 3,2 MB)
  • Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU): Unternehmen Wilhelmsburg. Stadtentwicklung im Zeichen von IBA und igs, Assoziation A, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86241-426-0
  • Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg Honigfabrik e.V. (Hrsg.): Wilhelmsburg. Hamburgs große Elbinsel, Medienverlag Schubert, 2. Aufl. Hamburg 2014, ISBN 978-3937843-46-9
  • Ernst Reinstorff: Geschichte der Elbinsel Wilhelmsburg: Von Urbeginn bis zur Jetztzeit, Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg e. V., 2003 (Erstauflage 1955), ISBN 3-8334-0282-2
  • Studio Urbane Landschaften, IBA Hamburg (Hrsg.): Wasseratlas – Elbland Hamburg: Wasser-Land-Topologien, JOVIS-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-939633-94-5
  • Hans Harms, Ronald Kunze, Dirk Schubert: Die Baugenossenschaften in Harburg-Wilhelmsburg. Hamburg-Harburg 1994.

WeblinksBearbeiten

Commons: Hamburg-Wilhelmsburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Friederike Ulrich: Sternschanze, HafenCity – Hamburgs neue Stadtteile. In: Hamburger Abendblatt. 1. März 2008, abgerufen am 18. Juli 2009.
  2. Kleine Geschichte Wilhelmsburgs, in: Wilhelmsburger Straßen, Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg und Hafen, Hamburg 2017, S. 6.
  3. Kleine Geschichte Wilhelmsburgs, in: Wilhelmsburger Straßen, Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg und Hafen, Hamburg 2017, S. 6+7.
  4. Ekkehard Lauritzen: Die große Flut von 1962. Abgerufen am 18. Juli 2009.
  5. Herr der Flut - DER SPIEGEL 10/1962. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  6. Vgl. Gesetz über die räumliche Gliederung der Freien und Hansestadt Hamburg (RäumGlG) vom 6. Juli 2006, HmbGVBl. 2006, S. 397.
  7. Statistikamt Nord, Hamburger Stadtteilprofile Berichtsjahr 2016 Seite 48–49; Datenstand 31. Dezember 2016 (abgerufen am 6. Februar 2018)
  8. Statistikamt Nord, Hamburger Stadtteil-Profile Berichtsjahr 2016, S. 48–49, abgerufen am 6. Februar 2018
  9. Honigfabrik Wilhelmsburg. Abgerufen am 21. Januar 2019 (deutsch).
  10. Neue Brücke über die Elbe. In: Baruther Anzeiger, 14. Mai 1937.
  11. NDR: Wilhelmsburg: Kirche weicht Wohnungen. Abgerufen am 21. Januar 2019.
  12. A Most Wanted Man auf Filmtourismus.de. Abgerufen am 24. Juni 2015.
  13. www.igs-hamburg.de (Memento vom 21. Dezember 2014 im Internet Archive)
  14. Gartenschau-Bilanz: Bunte Beete, keine Knete. Abgerufen am 7. Oktober 2015.
  15. Elbinselschule abgerufen am 7. Oktober 2015
  16. Schule An der Burgweide abgerufen am 7. Oktober 2015
  17. a b https://rebbz-wilhelmsburg.hamburg.de/ abgerufen 21. Januar 2019
  18. Nelson-Mandela-Schule abgerufen am 7. Oktober 2015
  19. Stadtteilschule Wilhelmsburg abgerufen am 7. Oktober 2015
  20. Helmut Schmidt Gymnasium. Abgerufen am 22. Januar 2019.
  21. Berufliche Schule Anlagen- u. Konstruktionstechnik am Inselpark BS13. Abgerufen am 22. Januar 2019.
  22. Startseite | Berufliche Schule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg (BS14). Abgerufen am 22. Januar 2019.
  23. Berufliche Schule für medizinische Fachberufe auf der Elbinsel Wilhelmsburg in Hamburg. Abgerufen am 22. Januar 2019 (deutsch).