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Spültab

Maschinengeschirrspülmittel ist die offizielle Bezeichnung für Geschirrspülmittel, die in Geschirrspülmaschinen verwendet werden. Die Pressstücke davon werden im allgemeinen Sprachgebrauch auch „Tabs“ (als Kurzform von „Tablet(te)“) genannt und kommen in Geschirrspülmaschinen von Privathaushalten zum Einsatz. Im Jahr 2018 besaßen ca. 70 % aller deutschen Haushalte eine Geschirrspülmaschine; mittlerweile benutzen 75 % davon "Tabs", während der Marktanteil der ursprünglich angebotenen pulverförmigen und somit individuell dosierbaren Maschinengeschirrspülmittel stetig sinkt.[1]

Die Reinigungsleistung geht bei konventionellen Maschinengeschirrspülmitteln von Tensiden im alkalischen Milieu aus, daneben wirken noch Bleichmittel, Enzyme und andere waschaktive Inhaltsstoffe.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das erste Maschinengeschirrspülmittel war Calgonit, das 1929 im Unternehmen von Johann Adam Benckiser entwickelt wurde und vorerst nur für gewerbliche Kunden zur Flaschenreinigung eingesetzt wurde. Erst 30 Jahre später (1960) präsentierte Benckiser ein Maschinengeschirrspülmittel in Pulverform für den Hausgebrauch. 1987 entwickelte Dennis W. Weatherby bei seiner Arbeit für Procter & Gamble das pulverförmige Maschinengeschirrspülmittel Cascade mit Bleichmittel.[2] 1990 wurde von Benckiser das erste Produkt in Tablettenform, 1995 der erste „2-in-1“-Reiniger vorgestellt.[3]

Laut Bundeskartellamt haben die Verbraucher jahrelang überhöhte Preise für Spülmaschinen-Tabs gezahlt. Die Hersteller Henkel und Reckitt Benckiser hatten als Monopol Preiserhöhungen zwischen 2005 und 2007 abgesprochen.[4]

Weltweit bedeutende Hersteller sind unter anderem Henkel (Somat), Reckitt Benckiser (Finish), Dalli-Werke (Handelsmarken), Procter & Gamble (Cascade), Ecover und Ecolab.

Mehrphasen-TabsBearbeiten

 
Mehrphasen-Tab, hier „MaxIn1“

Häufig werden Spülmaschinenreiniger im Handel als Mehrphasen-Tabs angeboten.

  • 2-in-1: Diese enthalten neben dem Geschirrreiniger noch zusätzlich Klarspüler,
  • 3-in-1: mit zusätzlichem Wasserenthärter (auch als „Salzersatz“ beworben),
  • 4-in-1: mit zusätzlichem Glasschutz[5]
  • 5-in-1: mit zusätzlichen Bleichmittelaktivatoren (Spülkraftverstärker),
  • 7-in-1: mit zusätzlichem Edelstahlglanz und „Power-Entkruster“,
  • noch „höherwertige“ Spülmaschinenreiniger werden mit zum Teil allgemeingültigen Eigenschaften („Fettlösekraft“, „Reinigungsverstärker“) beworben, die Tabs mit „weniger“ aufgezählten Vorteilen ebenfalls erbringen können, beispielsweise:
    • „11-in-1-Geschirrreiniger-Tabs“: mit „Reiniger, Klarspüler, Glasschutz, Salzfunktion, Edelstahlglanz, Reinigungsverstärker, Niedrigtemperatursystem, Schnell-Trocken-Formel, Geruchsneutralisierer, Fettlösekraft, Silberschutz“[6]

Generell wären Baukastensysteme, die je nach lokaler Wasserhärte und im konkreten Spülgang vorhandener Verschmutzung individuell dosiert werden können, für die Umwelt die beste Lösung.[7]

InhaltsstoffeBearbeiten

Seit dem 1. Januar 2017 enthalten Maschinengeschirrspülmittel wegen der Umsetzung der Detergentienverordnung fast keine Phosphate mehr. Da sich die Inhaltsstoffe durch Rezepturänderungen der Hersteller ohne Ankündigung ändern können, ist es ratsam, die aktuellen Seiten der Hersteller und Vertreiber unter dem Namens des jeweiligen Produkts zu durchsuchen. Dort finden sich dann gemäß Detergentienverordnung die jeweils aktuellen Rezepturen im INCI-Code.

Beispiele von Inhaltsstoffen[1]:

Sogenannte „ECO-Programme“ nutzen die auch bei herkömmlichen Spülmaschinenreinigern enthaltenen Enzyme. Bei diesen längeren Waschprogrammen mit geringerer Temperatur wirken die Enzyme, bei Kurzzeitprogrammen sind höhere Waschtemperaturen und aggressivere Waschmittel notwendig, bei denen aber die Enzyme denaturiert werden. Aktuelle Mehrphasen-Tabs enthalten meist beiderlei Reinigungssysteme.

Die Protease Subtilisin ist als atemwegs-sensibiliserend[28] bekannt und liegt deswegen in Maschinengeschirrspülmitteln zum Zwecke des Verbraucherschutzes in gekapselter Form vor.

Auswirkungen auf die UmweltBearbeiten

Alle Reinigungsmittel gelangen nach der Verwendung in die Kanäle bzw. Kläranlagen und Fließgewässer und verursachen dort Kosten oder Umweltschäden.

Vorgefertigte Standard-Tabs beinhalten eine Dosierung, die für alle Wasserhärte-Grade des Verkaufsgebietes ausreichen und so verhindern eine geringere Dosierung bei geringerer Wasserhärte oder bei geringem Verschmutzungsgrad des Geschirrs, sie lassen sich aber mithilfe eines Messers portionieren. Die wirtschaftlichen Interessen der Reinigungsmittelproduzenten (Absatzförderung d. h. Mehrverkauf durch vorgegebene „quasi vorgeschriebene“ Packungsgrößen) stehen hier im Gegensatz zur Vermeidung von unnötiger Chemikalienfreisetzung und zu den Notwendigkeiten der Umweltschutzvorsorge. Eine Reduktion ist nur durch Verwendung von einzeln eingeschwemmten Baukastenmitteln mit entsprechend angepassten Spülmaschinen möglich.

Die Einzelverpackungen (Portionsverpackungen) von Tabs und Umhüllungen[29] werden als unnötiger Müll gesehen[30], eine luftfeuchtigkeitsdichte Grundverpackung und die Entnahme mit einem Bestecklöffel zur einfachen Handhabung ohne Berührung würden genügen. Die gelegentlich angebotenen wasserlöslichen Verpackungen aus Polyvinylalkohol-Folie vereinfachen zwar die Handhabbarkeit, die wasserlöslichen Hüllsubstanzen belasten aber auch die Abwässer.

Der Korrosionsinhibitoren Benzotriazol und Tolyltriazol sind relativ gut wasserlöslich, aber schwer abbaubar und stehen unter dem Verdacht, als endokriner Disruptor zu wirken[31]. Sie werden in Kläranlagen nur zu einem kleinen Anteil eliminiert und gelangen in großen Mengen in Flüsse, Seen und Meere.[32][33][34]

Phosphonate und auch Ethylendiamintetraessigsäure(EDTA)-Metallkomplexe sind ebenfalls biologisch schwer abbaubar und reichern sich daher in der Umwelt an.[35][36]

Ein Test der Stiftung Warentest im Jahr 2015 hat gezeigt, dass einige phosphatfreie Spülmaschinentabs bereits eine vergleichbar gute Reinigungswirkung erzielen wie phosphathaltige Mittel.[37] Die EU hat die Verwendung von Phosphaten in Geschirrspülmitteln ab Anfang 2017 stark begrenzt[38]; im Zuge der Umstellung kam es daher gegen Ende des Jahres 2016 zu erheblichen Produktänderungen in den Supermarktregalen.[1]

LiteraturBearbeiten

  • Klaus Henning: Wasch- und Reinigungsmittel, 2. Auflage, Verlag für chemische Industrie H. Ziolkowski GmbH, Thannhausen/Burg, ISBN 978-3-87846-291-0
  • Günter Wagner: Waschmittel, Chemie, Umwelt, Nachhaltigkeit, 5. Auflage, 2017, Wiley-VCH-Verlag, Weinheim, ISBN 978-3-527-34316-4.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Klaus Ruppersberg, Wolfgang Proske: Spülmaschinentabs. In: Chemie in unserer Zeit. Band 53, Nr. 3. Wiley VCH, ISSN 0009-2851, S. 180–186, doi:10.1002/ciuz.201800816 (wiley.com [abgerufen am 14. August 2019]).
  2. The History of Dishwashing Detergent.
  3. Finish/Calgonit– 80 Jahre sauberes Geschirr (PDF-Datei; 31 kB) (Memento vom 12. November 2013 im Internet Archive).
  4. n24.de, abgerufen am 5. Januar 2012.
  5. Sicherheitsdatenblatt 4-in-1-Geschirrreiniger (PDF; 115 kB).
  6. 11-in-1-Tabs.
  7. Spülmaschine kaufen: Worauf Sie achten sollten. Abgerufen am 14. August 2019.
  8. a b c d e f g h [ 7in1 Sicherheitsdatenblatt gemäß EG-Richtlinie 91/155/E für einen 7 in 1 Reiniger].
  9. a b Ökologie und Haushaltschemie (Memento vom 10. Juni 2012 im Internet Archive), Broschüre des Umweltbüro für Berlin-Brandburg e. V.
  10. Betriebsanweisung gemäß § 14 GefStoffV für Geschirr-Reiniger Tabs Ultra (Memento des Originals vom 2. Januar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/punsh.pu.ohost.de (PDF; 34 kB).
  11. a b Karl-Heinz Lautenschläger: Taschenbuch der Chemie. Deutsch, 2007, ISBN 978-3-817-11761-1, S. 765–766 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. a b Sicherheitsdatenblatt gemäß EG-Richtlinie 91/155 und 93/112 EWG Claro 4in1 Tabs mit Glasschutzformel (PDF; 115 kB).
  13. M. Paladini, G. Schnorbus: Einsatz von Phosphonaten in flüssigen Vollwaschmitteln, Seifen-Öle-Fette-Wachse, 115. Jahrgang (1989), S. 508 bis 511.
  14. Detergentien-Zusatzstoff (Memento vom 19. Juli 2012 im Internet Archive), Produktbeschreibung, englisch, abgerufen am 4. Januar 2012.
  15. Kosswig, Stache: Die Tenside, Carl Hanser Verlag, München 1993
  16. H.-J. Krause, A. Syldatk, Konrad Henkel: Neue Tenside aus gemischten Guerbet-Alkoholen. In: Fette, Seifen, Anstrichmittel. 87, 1985, S. 386, doi:10.1002/lipi.19850871005.
  17. Produktdatenblatt eines Maschinengeschirrspülmittels (Memento des Originals vom 7. September 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.hollu.com (PDF; 100 kB), abgerufen am 3. Januar 2012.
  18. Sicherheitsdatenblatt eines Reinigers (PDF; 72 kB).
  19. Registrierungsdossier zu Subtilisin (Abschnitt GHS) bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 21. Mai 2019.
  20. Seite 765
  21. a b Patentschrift für ein Maschinengeschirrspülmittel.
  22. Patentschrift (Memento des Originals vom 13. Dezember 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.surechem.org, abgerufen am 4. Januar 2012.
  23. Benziotriazol, abgerufen am 3. Januar 2012
  24. Patentschrift Klarspülmittel mit wasserlöslichem Metallsalz zur Verwendung beim maschinellen Geschirrspülen mit Glaskorrosionsschutz, abgerufen am 3. Januar 2012.
  25. Sendungsmanuskript Glaskorrosion (PDF; 69 kB), abgerufen am 4. Januar 2012.
  26. Stiftung Warentest: Gläser und Besteck in der Spülmaschine (test 02/2004) abgerufen am 4. Februar 2013
  27. Maschinengeschirrspülmittel und Verfahren zu seiner Herstellung, Patentschrift.
  28. Subtilisin | 9014-01-1. Abgerufen am 14. August 2019.
  29. Stiftung Warentest: Müllpackung, abgerufen am 4. Feb. 2013.
  30. Müllvermeidungsregeln, pdf-Datei, abgerufen am 5. Januar 2012.
  31. Martin Heidenreich: 1H-Benzotriazol. 10. Mai 2016, abgerufen am 14. August 2019.
  32. W. Giger, C. Schaffner, HP. Kohler (2006): Benzotriazole and Tolyltriazole as Aquatic Contaminants. 1. Input and Occurrence in Rivers and Lakes. Environ. Sci. Technol. 40, S. 7186–7192. PMID 17180965
  33. „Frostschutzmittel in der Nordsee entdeckt“ (Welt online).
  34. Hendrik Wolschke, Zhiyong Xie, Axel Möller, Renate Sturm, Ralf Ebinghaus: Occurrence, distribution and fluxes of benzotriazoles along the German large river basins into the North Sea. In: Water Research. Band 45, Nr. 18, November 2011, S. 6259–6266, doi:10.1016/j.watres.2011.09.028 (elsevier.com [abgerufen am 14. August 2019]).
  35. Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen: EDTA in NRW – ein synthetischer Stoff in einer aquatischen Umwelt@1@2Vorlage:Toter Link/www.lanuv.nrw.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  36. Heintz, Reinhardt: Chemie und Umwelt, Vieweg-Verlag, ISBN 3-528-36349-5.
  37. Spülmaschinen-Tabs im Test der Stiftung Warentest In: test 5/2015, S. 62–66 und test.de vom 23. April 2015.
  38. Amtsblatt der Europäischen Union: VERORDNUNG (EU) Nr. 259/2012 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES. 14. März 2012, abgerufen am 5. Dezember 2018.

WeblinksBearbeiten