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EntstehungBearbeiten

Der Marschall bezeichnet ein hohes Amt an fürstlichen Höfen und war der (militärische und politische) Führer der Ritterschaft des jeweiligen Fürsten. In der Renaissance spaltete sich das Amt in seine unterschiedlichen Bereiche auf, so den militärischen Führer, den Leiter des Hofes und auch den Vorsitzenden der Adelsvertretung.

Bei feierlichen Gelegenheiten trug der Hofmarschall einen langen Stab als Zeichen seiner Würde und machte bei Hof an der Marschallstafel, einer Nebentafel für die Personen, welche nicht an der fürstlichen Tafel selbst Plätze erhielten, den Wirt. Die Person des Hofmarschalls mit dem langen Stab sieht man heute noch u. a. am englischen Hof.

Aus dem Marschallstab (Kommandostab) wurde im Mittelalter ein Würdeabzeichen der höchsten militärischen Befehlshaber. Beim Militär war Generalfeldmarschall (auch Feldmarschall, Marschall der Armee o. dgl.) der höchste Dienstgrad.

Der Großadmiralstab wurde bei der deutschen kaiserlichen Marine ohne vorherige Tradition dem Marschallstab nachgebildet.

Marschallstäbe in verschiedenen LändernBearbeiten

SpartaBearbeiten

Kommandostäbe waren bereits im klassischen Griechenland in Gebrauch. Belegt ist dies etwa für die Armee Spartas, von der Plutarch berichtet, dass der Feldherr Gylippos während der Belagerung von Syrakus 414 v. Chr. allein durch seinen Kommandostab und Feldherrnmantel die Wende bewirkte.[1]

Römisches ReichBearbeiten

In der römischen Frühzeit, später auch in der Diktatur war dem König, Prätor, Konsul und zuletzt auch dem Diktator eine Gruppe von Liktoren zugeordnet, die die Funktion der Leibwächter ausübten. Ihr Zeichen war das Liktorenbündel (lat. fasces). Ursprünglich waren die Fasces einfache Gerten, die als harmlose Schlagwaffe benutzt wurden. Später wurden die Fasces als Rutenbündel mit einer Beilklinge als Hoheitszeichen dem Würdenträger vorangetragen. Diese Fasces wandelten sich über die folgenden Jahrhunderte zu einem bloßen Ehrenzeichen.

Heiliges Römisches ReichBearbeiten

Bereits die Feldmarschälle des Heiligen Römischen Reiches trugen Kommandostäbe, die aber sehr unterschiedlich gearbeitet waren. Wallenstein wird als erster Generalis von um 1634 mit Stab so später dargestellt. Prinz Eugen führte einen Kommandostab, der aus zwei zusammengeschweißten Musketenläufen gearbeitet war und viele Durchbrechungen aufwies.

Nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches (HRR) 1806 wurden keine Reichsgeneralfeldmarschälle mehr ernannt.

Auch die Generalfeldmarschälle bzw. Feldmarschälle verschiedener Reichsländer des HRR wie Kurbrandenburg (siehe Bild von Alexander von Spaen, 1691), Kurbayern, Kurhannover, Kursachsen oder Kurpfalz trugen einen Stab.

PreußenBearbeiten

 
Preußischer Marschallstab von 1895

Beim Tode von Arthur Wellesley, Herzog von Wellington, 1852 führte Preußen den Marschallstab wieder ein. Wellington war ehrenhalber Generalfeldmarschall der preußischen Armee. Vor seiner Beerdigung wurde festgestellt, dass er zwar einen englischen Marschallstab mit ins Grab bekommen sollte, aber – weil nicht vorhanden – keinen preußischen. So wurde im Schnellverfahren ein preußischer Marschallstab gefertigt und mit in das Grab gelegt.

Der preußische 30 cm lange Feldmarschallstab zeigte auf himmelblauem Samt abwechselnd goldene Königskronen und heraldische Adler. An den Querschnittflächen war der schwarze heraldische königliche Adler auf weißem Grund angebracht.

Die Marschallstäbe der anderen deutschen Staaten ähnelten meist den preußischen Stäben dieser Zeit, mit Abweichungen in Bayern und Württemberg.[2]

InterimsfeldmarschallstabBearbeiten

Den Interimsfeldmarschallstab (im täglichen Dienst getragen) gab es nur bei den deutschen Streitkräften. Der Stab war von Kaiser Wilhelm II. gestiftet worden. Er glich einem Reitstock mit goldener Königskrone am oberen Ende. Mitunter wurden Marschallstäbe besonders angefertigt, so für das 50-jährige Militärjubiläum von König Albert von Sachsen und zum 90. Geburtstag des Feldmarschalls Helmuth von Moltke (mit Diamanten besetzte Marschallstäbe der preußischen Ausführung).[2]

Deutsches KaiserreichBearbeiten

Da sich das Deutsche Heer auf die Bundesstaaten verteilte, wurden im Deutschen Kaiserreich Marschallstäbe wie vor 1871 von den Bundesstaaten verliehen.

 
Replik: Marschallstab von GFM von Richthofen

Wehrmacht nach 1935Bearbeiten

Im „Dritten Reich“ gab es infolge des aufblühenden systematischen Personenkults erstmals einheitliche Marschallstäbe für alle Reichsteile. Adolf Hitler beförderte 1936 Werner von Blomberg zum Generalfeldmarschall und verlieh ihm einen Marschallstab, der nach 1945 in die USA kam und heute im National Museum of American History ausgestellt wird. In der Folge wurden unterschiedliche Marschallstäbe für Heer und Luftwaffe gefertigt.

Heer

Die Marschallstäbe waren beim Heer mit rotem Samt bezogen. Sie trugen das Eiserne Kreuz und den Wehrmachtsadler. Auf den Knäufen war unten das Eiserne Kreuz und oben der Wehrmachtsadler eingelassen.[3]

Luftwaffe

Bei der Luftwaffe waren die Stäbe hellblau bezogen. Sie trugen wie beim Heer das Eiserne Kreuz und den Wehrmachtsadler sowie zusätzlich das Balkenkreuz. Der 49 cm lange Marschallstab von Albert Kesselring tauchte im Dezember 2010 in einer amerikanischen Auktion auf.[4]

Marine

 
Großadmiralsstab von Erich Raeder

Seit 1900 führten Großadmirale der deutschen Marine an Stelle des Marschallstabes den Großadmiralstab und an Stelle des Interimsfeldmarschallstabes den Interimsgroßadmiralstab (ein Fernrohr).[2]

Generalfeldmarschälle ohne Marschallstab

Die Generalfeldmarschälle Friedrich Paulus, Ferdinand Schörner (beide Heer) und Robert Ritter von Greim (Luftwaffe) erhielten keinen Marschallstab, da Paulus in Stalingrad kurz nach seiner Beförderung in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet, sowie Schörner und von Greim erst 1945 zum Generalfeldmarschall befördert wurden und aufgrund der Kriegsverhältnisse keine Marschallstäbe mehr angefertigt werden konnten. Schörner erhielt noch den Interimsstab.[2]

Reichsmarschall

Die formale Eigenschaft des ranghöchsten Befehlshabers einer Teilstreitkraft der Wehrmacht mit der ansonsten unter dem Oberbefehl Adolf Hitlers militärisch funktionslosen Bezeichnung des Reichsmarschalls erforderte im nationalsozialistischen Personenkult ein besonderes Ehrenzeichen für den Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring. Dieser verlieh sich zu seiner von ihm selbst betriebenen Beförderung zum Reichsmarschall einen Marschallstab.[5]

InterimsfeldmarschallstabBearbeiten

Der Interimsfeldmarschallstab war für Heer und Luftwaffe gleich und ähnlich dem Preußens. Im Unterschied hatte er aber einen glatten Knauf sowie eine Ananas als Abschluss. Er war mit Wehrmachtsadlern verziert.[3]

PolenBearbeiten

 
Amtsstab des Sejm-Marschalls

König August der Starke ernannte als polnischer König August II. (1697–1733) auch königlich polnischen Generalfeldmarschälle, die einen Stab führten.

Der Marschall von Polen führte als Amtszeichen einen sogenannten Pusikan, einen Streitkolben.

Der Präsident des Sejm, der ersten Kammer des polnischen Parlaments, wird als Sejm-Marschall bezeichnet. Auch er führt einen Marschallstab.

Britisches WeltreichBearbeiten

In Großbritannien wurden die Marschallstäbe bereits 1736 eingeführt und behielten seitdem ihre Form. Der Stab ist mit rotem Samt bezogen, auf dem englische Löwen aufgelegt sind. Am oberen Ende des Stabes ist ein berittener Ritter aufgesetzt, der einen Drachen tötet, was auf den heiligen Georg zurückgeht.

Auch die Marschälle aus Armeen der früheren Kolonien des Britischen Empires erhielten diese Art von Marschallstäben, insbesondere Kanada und Australien.[2]

FrankreichBearbeiten

 
Details eines französischen Marschallstabes

In Frankreich erhielten die Marschälle seit dem 18. Jahrhundert den Baton fleurdelisé, 20 Zoll lang, 1,5 Zoll stark, mit blauem Samt überzogen und mit heraldischen Lilien belegt. Auf die goldgefassten Enden sind auf einer Seite Name und Rang des Inhabers aufgebracht, auf der anderen das Motto Terror belli decus pacis („Schrecken im Krieg, Zierde in Friedenszeiten“). Die späteren kaiserlichen und republikanischen Marschallstäbe sind statt mit Lilien mit napoleonischen Adlern bzw. Sternen belegt.

Zitate zum MarschallstabBearbeiten

Es wird überliefert, Napoleon habe die Soldaten mit der Rede motiviert, dass ein jeder einen Marschallstab in der Patronentasche („giberne“) trage. Damit habe er sagen wollen, dass jeder gemeine Soldat die Möglichkeit besitze, ein Kommandierender zu werden.

Marschallstäbe in MuseenBearbeiten

 
Preußische Marschallstäbe in der Eremitage

Die Marschallstäbe der im folgenden aufgeführten Generalfeldmarschälle befinden sich in Museen und können dort besichtigt werden:

Großadmiralstäbe in MuseenBearbeiten

Marschallstab in der HeraldikBearbeiten

 
Gekreuzte Stäbe hinter dem Wappen

Der Stab ist in der Heraldik nicht besonders verbreitet. In und hinter dem Wappenschild haben nur Militärpersonen oft auch im Adelsstand diese gemeine Figur verwendet, wenn sie auch im wirklichen Besitz dieses Militärsymbols waren. Dargestellt wird er hinter dem Wappen als Schragen gekreuzt und der zeigt oft die Zeichen des Originales. Manche Heraldiker rechnen diesen Stab zur Armatur.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • André Stirenberg, André Hüsken: Mythos Marschallstab. Der Marschallstab in der preußischen und deutschen Geschichte von 1852 bis 1945. H. M. Hauschild, Bremen 2004, ISBN 3-89757-252-4.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Marschallstäbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Marschallstab – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Plutarch, Nikias, 14
  2. a b c d e André Stirenberg, André Hüsken: Mythos Marschallstab. Der Marschallstab in der preußischen und deutschen Geschichte von 1852 bis 1945. 2004.
  3. a b Adolf Schlicht, John R. Angolia: Die deutsche Wehrmacht. Uniformierung und Ausrüstung 1933–1945. Band 1: Das Heer. 4. Auflage. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-01390-8.
  4. Nazi baton fetches $731,600 at auction in Towson (Memento des Originals vom 17. August 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archives.explorebaltimorecounty.com, abgerufen am 25. Februar 2011
  5. Adolf Schlicht, John R. Angolia: Die deutsche Wehrmacht, Uniformierung und Ausrüstung 1933–1945. Band 3: Die Luftwaffe. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-02001-7.