MZ Baghira

Motorradmodell von Motorradbau in Zschopau (MZ)
MZ Motorrad- und Zweiradwerk
MuZ 660E Baghira Bj2004.jpg
MZ Baghira StreetMoto
660E
Hersteller MuZ
Verkaufsbezeichnung Baghira
Produktionszeitraum 1997 bis 2008
Klasse Motorrad
Bauart Enduro, Supermoto
Motordaten
Einzylinder-Viertaktmotor
Hubraum (cm³) 660 cm³
Leistung (kW/PS) 37 kW (50 PS) bei 6500/min
Drehmoment (N m) 57 Nm bei 5250/min
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 160
Getriebe 5 Gänge
Antrieb Kettenantrieb
Bremsen Scheibenbremsen vorn und hinten
Radstand (mm) 1530
Maße (L × B × H, mm): 2300 × 850 × 1290
Sitzhöhe (cm) 93
Leergewicht (kg) 170

MZ Baghira und Mastiff sind Motorräder mit Einzylindermotor, die ab 1997 von der MZ Motorrad- und Zweiradwerk GmbH in Zschopau hergestellt wurden. Während die Produktion der Baghira bis 2008 erfolgte, wurde die der Mastiff bereits eher eingestellt. Die Motorräder wurden in Kit-Bauweise gebaut. Der kunststoffbeschichtete Rahmen ist eine Eigenentwicklung, viele andere Teile stammen aus den Baukästen der Zulieferindustrie. Die Verkleidungsteile wurden bei Acerbis gefertigt, das Zentralfederbein stammt von White Power, die Ø 45 mm Gabel von Marzocchi und der Motor von Yamaha. Neben KTM war MuZ in den späten 1990er der einzige Hersteller, der eine Super-Moto-Variante ab Werk anbot. In Motor- und Fahrleistungen war die MuZ der KTM durchaus ebenbürtig.

Die Geschichte der Baghira beginnt 1996. Mit der Übernahme von MZ durch die Hong Leong Group aus Malaysia wurde frisches Kapital für die Entwicklung eines neuen Motorrads zur Verfügung gestellt. Aufbauend auf den Erfahrungen mit der MZ-Skorpion-Modellen sollte eine Enduro mit guter Geländetauglichkeit und herausstechender Optik entwickelt werden. Das Design stammt von Masanori Hiraide, einem ehemaligen Yamaha-Mitarbeiter, und Oliver Neuland. Im Frühjahr 1997 wurden Baghira und Mastiff der Presse vorgestellt.

Die Modellpalette der Baghira umfasste Enduro-Versionen sowie verschiedene Supermoto-Varianten (genannt Baghira Streetmoto). Zusätzlich wurden die Baghira Enduro und die Baghira Streetmoto auch als höhenreduzierte HR Variante angeboten. Als Sondermodelle gab es z. B. die komplett in Schwarz lackierte Supermoto „Baghira Black Panther“ und die in mattgrün und schwarz gehaltene Enduro Baghira Forest, die einer Bewerbung von MZ als Streitkräftelieferant entsprang. Der Name „Baghira“ verweist auf die deutsche Übersetzung des Panthers Bagheera aus Rudyard Kiplings Dschungelbuch.[1]

Technische DatenBearbeiten

AntriebBearbeiten

Der Viertaktmotor stammt von der Yamaha XTZ 660 Ténéré. Der wassergekühlte Einzylindermotor erzeugt aus 660 cm³ Hubraum eine Nennleistung von 37 kW (50 PS) und ein maximales Drehmoment von 57 Nm bei einer Drehzahl von 5250 min−1. Der Zylinder hat eine Bohrung von 100 mm Durchmesser, der Kolben einen Hub von 84 mm bei einem Verdichtungsverhältnis von 9,2:1. Der Zylinderkopf hat eine kettengetriebe obenliegende Nockenwelle, welche über Kipphebel drei Einlass- und zwei Auslassventile ansteuert. Das Getriebe hat fünf Gänge, die Krafttrennung erfolgt durch eine mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung. Der Sekundärantrieb ist über eine O-Ring-Kette ausgeführt.

Das Motorrad beschleunigt in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

Daten EnduroBearbeiten

  • Bereifung: 90/90-21; 120/80-18
  • Bremsen vorn: Scheibenbremse (282 mm) 2-Kolben Grimeca
  • Bremsen hinten: Scheibenbremse 1-Kolben Grimeca
  • Federelemente: Teleskopgabel/Zentralfederbein
  • Sitzhöhe: 930 mm (HR 890 mm)
  • Radstand: 1530 mm
  • Leergewicht (fahrfertig): 170 kg
  • max. Zuladung: 190 kg

Daten StreetMotoBearbeiten

  • Bereifung: 120/70-17; 160/60-17 (ab Modell Black Panther)
  • Bremsen vorn: Scheibenbremse (298 mm) 2-Kolben Grimeca
  • Bremsen hinten: Scheibenbremse 1-Kolben Grimeca
  • Federelemente: Teleskopgabel/Zentralfederbein
  • Sitzhöhe: 900 mm (HR SM 850 mm)
  • Radstand: 1530 mm (HR SM 1456 mm)
  • Leergewicht (fahrfertig): 170 kg
  • max. Zuladung: 180 kg

Daten MastiffBearbeiten

  • Bereifung: 120/60-17; 150/60-17
  • Bremsen vorn: Scheibenbremse (298 mm) 2-Kolben Grimeca, bei den Modellen mit Gußrädern Brembo
  • Bremsen hinten: Scheibenbremse 1-Kolben Grimeca
  • Federelemente: Teleskopgabel/Zentralfederbein
  • Sitzhöhe: 830 mm
  • Radstand: 1465 mm
  • Leergewicht (fahrfertig): 175 kg
  • max. Zuladung: 185 kg

MastiffBearbeiten

Die Mastiff, die gleichzeitig mit der Baghira als Funbike auf den Markt kam, ist weitgehend baugleich. Unterschiede sind die vorderen Kotflügel (Mastiff: kurz, direkt auf dem Rad, Gabelstabilisator) sowie Cockpit und Scheinwerfer. Außerdem besitzt die Mastiff eine kürzere Hinterradschwinge, eine nicht voll verstellbare, kürzere Gabel und eine niedrigere Sitzhöhe. Sie entspricht somit genau dem Fahrwerk der Baghira HR SM, also der höhenreduzierten Baghira Streetmoto.

Rallye Paris DakarBearbeiten

1998 startete MZ auf Initiative des französischen Importeurs bei der Rallye Paris Dakar. Zwei von vier gestarteten Maschinen erreichten das Ziel und belegten die Plätze 36 und 53 der Motorradwertung. Es handelte sich hierbei lediglich um modifizierte Serienmotorräder (Motorschutz, größerer Tankinhalt usw.).

KritikenBearbeiten

„Enduristen schätzten von Anfang an die superfein ansprechende Marzocchi-Gabel und das hochwertige White Power-Federbein sowie die ordentliche Gesamtqualität des Motorrads. Das skurrile, aber wenig beachtete Funbike Mastiff (1997 bis 2005) war hingegen seiner Zeit etwas voraus, floppte und bekam zudem starke Konkurrenz aus eigenem Haus in Form der Street Moto. Die enduresken Asphaltbrenner machen trotz des für heutige Verhältnisse etwas zähen und schlappen Motors (immerhin 50 PS) nach wie vor einen Heidenspaß und bieten sich als zuverlässige Secondhand-Schnäppchen geradezu an.“

Thorsten Dentges: Motorrad[2]

„Der schwierige Spagat zwischen Geradeauslauf und Handlichkeit wurde nahezu perfekt gelöst. Die vielfach einstellbaren Dämpfungselemente lassen auch im Gelände keine Wünsche offen. Hier macht der Baghira nur etwas ihr Gewicht zu schaffen. Auf der Straße aber können die Kurven gar nicht eng genug sein und je schlechter der Belag ist, desto mehr kommen die Qualitäten des Fahrwerks zur Geltung. Durch die weit nach vorn gezogene Sitzposition erhält man ein hervorragendes Gefühl für die Maschine und ertappt sich dabei, in den Grenzbereich der Reifenhaftung vorzustoßen.“

Olaf Rutenberg: bma[3]

WeblinksBearbeiten

Commons: MZ Baghira – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gerhard Lindner: Test MuZ Baghira - Tendenz steigend. In: motorradonline.de. MOTORRAD-Gruppe ist Teil der Motor Presse Stuttgart GmbH & Co.KG, 17. Juni 1997, abgerufen am 26. Oktober 2020.
  2. Thorsten Dentges: MZ 660 Baghira, Scorpion und Co. In: Motorrad. Nr. 20, 2010 (motorradonline.de [abgerufen am 24. November 2012]).
  3. Olaf Rutenberg: MuZ Baghira. In: bma. Nr. 5, 2000 (kradblatt.de [abgerufen am 16. Juli 2016]).