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Langendiebach ist ein Ortsteil der Stadt Erlensee in osthessischen Main-Kinzig-Kreis und Sitz der Stadtverwaltung.

Langendiebach
Stadt Erlensee
Wappen von Langendiebach
Koordinaten: 50° 10′ 17″ N, 8° 58′ 41″ O
Höhe: 118 m
Fläche: 13,74 km²[1]
Einwohner: 8030
Bevölkerungsdichte: 584 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 63526
Vorwahl: 06183

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Langendiebach befindet sich am südwestlichen Rand des Ronneburger Hügellandes, das hier allmählich in die Ebenen von Kinzig und Main übergeht. Langendiebach wird vom Fallbach, einem rechten Nebenfluss der Kinzig, durchflossen. Der Ort ist weitgehend von landwirtschaftlichen Nutzflächen umgeben. Hanau als nächstgrößere Stadt ist sechs Kilometer entfernt.

NachbargemeindenBearbeiten

Langendiebach grenzt im Süden an Rückingen und Wolfgang, im Westen an Hanau und Bruchköbel, im Nordwesten an Oberissigheim, im Norden an Ravolzhausen und im Osten an Langenselbold.

GeschichteBearbeiten

FrühgeschichteBearbeiten

In der Gemarkung fanden sich Werkzeuge der Neandertaler. Bei Ausgrabungen im Zuge des Neubaugebiets „Am Kreuzweg“ im Nordosten von Langendiebach fanden Archäologen zahlreiche Zeugnisse der Frühgeschichte. Dazu zählt eine Siedlung mit Hausgrundrissen aus der Bronzezeit und ein Gräberfeld mit über 50 Gräbern, eines der größten Gräberfelder in der Region. Eines der Gräber wies zahlreiche Grabbeigaben auf, darunter einen goldenen Ohrring. Auch eine keltischen Besiedlung in der Region ist nachgewiesen.[2]

In römischer Zeit existierte hier das Kleinkastell Langendiebach, das der Sicherung des nahen Obergermanisch-Raetischen Limes diente. Vom Kleinkastell ist heute nichts mehr erhalten. Der Bereich, in dem es stand, wurde lange Zeit als Friedhof benutzt, aber vor einigen Jahren aufgelassen.

MittelalterBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung von Langendiebach stammt von 1218. Überreste einer Befestigungsanlage, wie etwa ein Wachturm, zeugen von einer Burg in Langendiebach. Der Ort gehörte im Mittelalter zum Gericht Langendiebach und damit zunächst zum Territorium von Kurmainz. Kurmainz verpfändete 1426 das Gericht und damit auch den Ort Langendiebach an die Grafen von Hanau. Diese Pfandschaft wurde 1476 von den Grafen von Isenburg eingelöst.[3] Langendiebach gehörte seitdem zu deren Grafschaft.

NeuzeitBearbeiten

Territorial teilte der Ort das Schicksal des Gerichts Langendiebach: Als das 1806 gegründete Rheinbund-Fürstentum Isenburg 1815 mediatisiert wurde, kam es zunächst für ein Jahr zu Österreich und danach zum Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt). Das ganze Fürstentum wurde aber am Tag der Übergabe wieder zwischen den beiden Hessen (Hessen-Darmstadt und Hessen Kassel) geteilt. Ca. die Hälfte des nördlich des Mains gelegenen Teils – einschließlich Langendiebachs – kam Mitte 1816 an das Kurfürstentum Hessen. Dort wurde es mit der Verwaltungsreform von 1821 zunächst dem Kreis Gelnhausen und ab 1830 dem Kreis Hanau zugeteilt. Das Kurfürstentum Hessen stand im Deutschen Krieg 1866 auf der Verliererseite und wurde vom Königreich Preußen annektiert; es kam zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Langendiebach Bestandteil des von der Besatzungsmacht neu gebildeten Landes Groß-Hessen und ab 1946 kam die Gemeinde nach der Volksabstimmung an das Land Hessen.

Die Luftwaffe errichtete im „Dritten Reich“ westlich von Langendiebach den Fliegerhorst Langendiebach. Dieser wurde im Laufe des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört und anschließend vom US-amerikanischen Militär besetzt und von der United States Air Force genutzt. Dazu wurde unter anderem die Markwald-Siedlung zwischen Langendiebach und dem Fliegerhorst neu errichtet. Die Präsenz der Amerikaner prägte den Ort lange Zeit bis zum Abzug der Truppen 2007. Die Zukunft des Fliegerhorstes ist bisher ungewiss.

Aktuell ist die Errichtung eines Gewerbeparks im äußersten Nordosten, direkt an der Autobahn gelegen. Neben einem Autohof ließen sich dort einige größere Unternehmen nieder, so unterhält etwa Honda dort ein Ausbildungszentrum.

Wappen und FlaggeBearbeiten

Wappen

Blasonierung: „Gespalten, rechts in Silber zwei schwere Balken, links in Grün ein goldener, zweiarmiger, oben sich vereinigender Flußlauf.[4]

Der Gemeinde Langendiebach im Landkreis Hanau am 28. Februar 1953 durch das Hessische Innenministerium das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge verliehen worden.

Wappenbegründung: Das Wappen wurde nach einem Gerichtssiegel des 19. Jahrhunderts gestaltet. die beiden schwarzen Balken auf Silber ist das Wappen der Herren von Ysenburg, zu deren Herrschaft der Ort gehörte. Der Wellensparren symbolisiert die beiden Flüsse Fallbach und Landwehrbach, die den Ort durchfließen.[5]

Flaggenbeschreibung: „Das Flaggentuch ist gespalten; es zeigt vorn eine Teilung in den Farben Weiß-Schwarz-Weiß-Schwarz-Weiß, hinten in Grün einen gelben Wellensparren, d. h. zwei gegeneinander geschrägte sich oben vereinigende gelbe Wellenbalken.“

InfrastrukturBearbeiten

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Als Sitz der Stadtverwaltung befinden sich die meisten öffentlichen Gebäude in Langendiebach, wie etwa das Rathaus, das kommunale Schwimmbad, Bankfilialen und das Postamt. Auch das Technische Hilfswerk unterhält in Langendiebach einen Standort.

BildungBearbeiten

Langendiebach besitzt mehrere Kindergärten sowie zwei Grundschulen. Die nächste weiterführende Schule, die Georg-Büchner-Schule, befindet sich genau auf der Grenze zwischen Rückingen und Langendiebach. Gymnasien sind in Hanau und Bruchköbel vorhanden.

VerkehrBearbeiten

Langendiebach wird von der Bundesautobahn 45 östlich tangiert und ist über die Abfahrt Langenselbold-West zu erreichen. Aus Richtung Westen kann Langendiebach über die Abfahrt Erlensee der Bundesautobahn 66 erreicht werden.

Eine Buslinie quert Langendiebach von Nordost nach Südwest und führt einerseits nach Rückingen und Hanau, andererseits nach Ravolzhausen und darüber hinaus. Im Schülerverkehr gibt es zusätzlich Fahrten nach Bruchköbel. Einen Gleisanschluss besitzt Langendiebach nicht mehr, seit die Hanauer Kleinbahn stillgelegt wurde.

LiteraturBearbeiten

  • Peter Gbiorczyk: Propst Wilhelm Wibbeling (1891 bis 1966), Jugendbewegter, reformierter Theologe im "Zeitalter der Extreme", Aachen 2016, ISBN 978-3-8440-4772-1

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Langendiebach, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Gefolgsmann des Keltenfürsten vom Glauberg entdeckt: Sensationelle Ausgrabungsfunde im Erlenseer Neubaugebiet „Am Kreuzweg“.
  3. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806. (= Handbuch der hessischen Geschichte. 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63). Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 209.
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung zur Führung eines Wappens und einer Flagge an die Gemeinde Langendiebach im Landkreis Hanau, Reg.-Bezirk Wiesbaden vom 28. Februar 1953. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1953 Nr. 11, S. 214, Punkt 261 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,7 MB]).
  5. http://www.geschichte-erlensee.de/index2.html?neuzeit/wappen-l/wappen.html Das Wappen der Gemeinde Langendiebach, Geschichte Erlensee; eingesehen am 05.01.2019