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Der Landkreis Beuthen auf einer Karte von 1905
Das Landratsamtsgebäude

Der Landkreis Beuthen (bis 1890 Kreis Beuthen) war von 1743 bis 1926 ein preußischer Landkreis in Oberschlesien. Die namensgebende Stadt Beuthen bildete seit 1890 einen eigenen Stadtkreis. Das Landratsamt des Landkreises befand sich in Roßberg.

Inhaltsverzeichnis

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Nach der Eroberung des größten Teils von Schlesien wurden von König Friedrich II. 1742 in Niederschlesien und 1743 auch in Oberschlesien preußische Verwaltungsstrukturen eingeführt.[1] Dazu gehörte die Einrichtung zweier Kriegs- und Domänenkammern in Breslau und Glogau sowie deren Gliederung in Kreise und die Einsetzung von Landräten. Die Ernennung der Landräte in den oberschlesischen Kreisen erfolgte auf Vorschlag des preußischen Ministers für Schlesien, Ludwig Wilhelm von Münchow, dem Friedrich II. im Februar 1743 zustimmte.[2]

Aus der Standesherrschaft Beuthen, einem der schlesischen Teilfürstentümer, wurde der Kreis Beuthen gebildet.[3] Erster Landrat des Kreises Beuthen wurde Gottlieb von Rimultowsky-Kornitz.[4] Der Kreis unterstand zunächst der Kriegs- und Domänenkammer Breslau und wurde im Zuge der Stein-Hardenbergischen Reformen dem Regierungsbezirk Oppeln der Provinz Schlesien zugeordnet.[5]

Bei der Kreisreform vom 1. Januar 1818 im Regierungsbezirk Oppeln erhielt der Kreis Beuthen vom Kreis Pleß die Ortschaften Bogutschütz, Brzenskowitz, Kattowitz, Myslowitz, Rosdzin, Schoppinitz und Zalenze sowie vom Kreis Tost den Flecken Broslawitz, die Dörfer Groß Wilkowitz, Grzibowitz, Kempczowitz, Konary, Niedar, Nierada und Wieschowa sowie die Kolonien Georgendorf, Glinitz, Larischhof, Marienau und Philippsdorf.[6][7]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem Januar 1871 zum Deutschen Reich. Durch das starke Anwachsen der Bevölkerung im Oberschlesischen Industriegebiet erwies sich der Kreis als zu groß. Deshalb wurden 1873 aus dem Kreis Beuthen die drei neuen Kreise Kattowitz, Tarnowitz und Zabrze herausgelöst.

Am 1. April 1890 schied die Stadt Beuthen aus dem Kreis Beuthen aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. Dadurch änderte sich die Bezeichnung Kreis Beuthen in Landkreis Beuthen. Am 1. April 1898 schied auch Königshütte aus dem Landkreis aus und wurde ein eigenständiger Stadtkreis. Zum 8. November 1919 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst und aus dem Regierungsbezirk Oppeln die neue Provinz Oberschlesien gebildet.

In der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 votierten im Landkreis Beuthen 59,1 % der Wähler für den Verbleib bei Deutschland und 40,9 % für eine Abtretung an Polen. Durch die Beschlüsse der Pariser Botschafterkonferenz wurde der Landkreis geteilt. Der Ostteil des Kreises fiel an Polen, wo aus ihm der Powiat Świętochlowice in der Autonomen Wojewodschaft Schlesien gebildet wurde. Der deutsch gebliebene Restteil des Kreises, zu dem Bobrek, Karf, Miechowitz, Rokittnitz, Roßberg und Schomberg gehörten, bestand zunächst als Landkreis fort, bis er am 1. Januar 1927 aufgelöst und wie folgt aufgeteilt wurde:

  • Die Landgemeinde und der Gutsbezirk Roßberg wurden in die kreisfreie Stadt Beuthen eingegliedert.
  • Alle übrigen Gemeinden und Gutsbezirke wurden mit dem bei Deutschland gebliebenen Teil des Kreises Tarnowitz zum neuen Landkreis Beuthen-Tarnowitz zusammengeschlossen.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Quelle
1795 19.844 [8]
1819 28.171 [9]
1846 84.353 [10]
1871 234.895 [11]
1885 131.998 [12]
1900 137.839 [13]
1910 195.844 [13]
1925 73.461 [14]

Bei der Volkszählung von 1910 bezeichneten sich 63 % der Einwohner des Landkreises Beuthen als rein polnischsprachig und 30 % als rein deutschsprachig.[15] 96 % der Einwohner waren 1910 katholisch und 4 % evangelisch.[14]

LandräteBearbeiten

GemeindenBearbeiten

Im Jahr 1900 gehörten die folgenden Gemeinden zum Landkreis Beuthen:[13][18]

Eingemeindungen bis 1914
  • Guretzko, am 1. Oktober 1898 zu Roßberg
  • Hospitalgrund, 1879 zu Beuthen
  • Mittel Lagiewnik und Ober Lagiewnik, am 1. April 1905 zur Landgemeinde Hohenlinde zusammengeschlossen
  • Nieder Heiduk und Ober Heiduk, vor 1908 zur Gemeinde Bismarckhütte zusammengeschlossen

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Roland Gehrke: Landtag und Öffentlichkeit: Provinzialständischer Parlamentarismus in Schlesien 1825-1845. Böhlau Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-412-20413-6, S. 45 (Teildigitalisat).
  2. Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. Akten vom 31. Mai 1740 bis Ende 1745. In: Königliche Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Band 6,2. Paul Parey, Berlin 1901, Immediatbericht Münchows zu Bestellung von Landräthen in Oberschlesien, S. 540 (Digitalisat).
  3. W. F. C. Starke: Beiträge zur Kenntniß der bestehenden Gerichtsverfassung und der neusten Resultate der Justizverwaltung in dem Preussischen Staate. Carl Heymann, Berlin 1839, Kreiseinteilung des preußischen Herzogtums Schlesien im 18. Jahrhundert, S. 290 (Digitalisat).
  4. a b c d e Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9.
  5. Verordnung zur Eintheilung des preußischen Staats nach seiner neuen Begrenzung. 1815 (Digitalisat).
  6. Amtsblatt Königlichen Oppelnschen Regierung 1817, Nr. XLI. Bekanntmachung der neuen Kreis-Eintheilung des Oppelnschen Regierungs-Bezirks vom 1. Oktober 1817. Oppeln, S. 523 ff. (Digitalisat).
  7. Roman Kamionka: Die Reorganisation der Kreiseinteilung Schlesiens in der Stein-Hardenbergschen Reformperiode, Breslau 1934
  8. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten. Die statistische Ansicht und Specialstatistik von Mitteleuropa. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 39 (Digitalisat).
  9. Statistisches Bureau zu Berlin (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des preußischen Staats. Duncker & Humblot, Berlin 1821, Schlesien, S. 91 (Digitalisat).
  10. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. (Digitalisat).
  11. Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung 1871
  12. Gemeindelexikon für die Provinz Schlesien 1885
  13. a b c www.gemeindeverzeichnis.de
  14. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. beuthen.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  15. Jakob Spett: Nationalitätenkarte der östlichen Provinzen des Deutschen Reiches nach dem Ergebnissen der amtlichen Volkszählung vom Jahre 1910 entworfen von Ing. Jakob Spett. Justus Perthes, 1. Januar 1910 (bibliotekacyfrowa.pl [abgerufen am 14. März 2017])., siehe auch Schlesien#Die ethnolinguistische Struktur Oberschlesiens (1819–1910)
  16. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.oberschlesien-aktuell.de
  17. Hanswalter Dobbelmann (Hrsg.), Volker Husberg (Hrsg.), Wolfhard Weber (Hrsg.): Das Preussische England--: Berichte über die industriellen und sozialen..., S. 316. (eingeschränkte Vorschau bei Google Book Search).
  18. Landkreis Beuthen Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 26. Juli 2013.