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Der deutsche Landkreis Bielitz bestand in der Zeit zwischen 1939 und 1945 im von Deutschland besetzten Polen. Er umfasste nach der Annexion 1939 am 1. Januar 1945:

Karte des Landkreises Bielitz

GeschichteBearbeiten

PolenBearbeiten

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges gehörten die Landkreise Biała, Bielsko und Wadowice zu Polen, und zwar:

Nach der deutschen Besetzung Polens im September 1939, vor der Eingliederung in das Deutsche Reich, wurden der Landkreis Bielsko, in Bielitz umbenannt, und der Teil des Landkreises Biala westlich des Flusses Soła (ohne Auschwitz, Kęty, Wilkowice; mit Bahnhof Auschwitz) bereits durch einen deutschen Landkommissar gemeinsam verwaltet.

Deutsches ReichBearbeiten

Die Synagoge Bielitz wurde am 13. September 1939 vollkommen zerstört und die jüdische Bevölkerung ghettoisiert, später in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert.

Zum 26. Oktober 1939 wurde dieser bisher polnische Landkreis Teil des neugebildeten Regierungsbezirkes Kattowitz in der preußischen Provinz Schlesien.

Der Sitz des Landratsamtes wurde die Stadt Bielitz.

Mit dem 20. November 1939 wurde die Grenze zum neu gebildeten Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete endgültig festgelegt. Dabei wurde der östlich der Sola gelegene Restteil des Landkreises Biala und der Teil des Landkreises Wadowice westlich der Linie Spytkowice, Bachowice, Woźniki und der Skawa zum Deutschen Reich geschlagen. Auch diese Teile wurden vorläufig durch den Landrat in Bielitz mitverwaltet.

Nach der Polizei-Volkszählung (Fingerabdruck) am 23. bis 27. Dezember 1939 hatte der Landkreis Bielitz 231.533 Einwohner, davon 148.273 (64 %) deklarierten sich als Polen, 44.320 als Deutschen (etwa 19 % der Bevölkerung), 30.451 als Schlesier (Schlonsaken, 13 %), 7.854 als Juden, 191 als Ukrainer, 94 als Tschechen.[1] Die Deklaration der schlesischen Nationalität wurde auf Kożdoń-Bewegung Zureden eingeführt.

Nachdem im Frühjahr 1940 feststand, dass die Grenzen nicht mehr verändert werden sollten, wurde aus den früheren Kreisgebieten Biala, Bielitz und Teilen von Wadowitz der deutsche Landkreis Bielitz gebildet, mit über 300.000 Einwohnern im Jahre 1942.

Die Zahl der Deutschen stieg nach der Einführung der Deutschen Volksliste. Im Jahr 1943 der Landkreis zählte 319.000 Menschen und die Volksliste zählte um 85.000, davon 9557 Volksdeutschen (DVL I), 20.669 Menschen deutscher Herkunft (DVL II), 42.781 in der dritten Kategorie (DVL III, überwiegend Schlonsaken), 1.253 in der IV. Kategorie.[2] Andere Zahlen aus diesem Jahr gaben 15.600 der Deutschen aus dem Reich, 13.900 waren deutsche Siedler, 85.400 waren auf der Volksliste, außerdem gab es etwa 202.700 Polen und 875 Tschechen.[3] Die vergrößerte Stadt Bielitz (u. a. mit Biala) zählte etwa 55.000, davon 29.335 auf der Volksliste, 14.490 Polen.[2] Bis zum Mai 1941 wurden 8.619 Polen überwiegend in ehemaligen galizischen Teil des Bezirkes zwangweise ausgesiedelt. An seiner Stelle kamen die deutschen Siedler aus den östlichen Ländern (siehe Heim ins Reich) — im Jahr 1943 13.572.[4]

Zum 18. Januar 1941 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus den bisherigen Regierungsbezirken Kattowitz und Oppeln wurde die neue Provinz Oberschlesien gebildet.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und wurde danach wieder ein Teil Polens.

PolitikBearbeiten

LandkommissarBearbeiten

  • 1939–9999: Grothjan

LandräteBearbeiten

  • 1939–1940: Grothjan
  • 1940–1943: Siegfried Schmidt (* 1905 in Allenstein, † 1944)
  • 1943–9999: Friedrich Lohmann (auftragsweise)
  • 1943–1945: Bernhard Nienaber (* 1885)
  • 1945–9999: Ferdinand Hütteroth (vertretungsweise)

KommunalverfassungBearbeiten

Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurden bis 1945 folgende Gemeinden der im Altreich gültigen Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 unterstellt, welche die Durchsetzung des Führerprinzips auf Gemeindeebene vorsah:

Alle übrigen Städte und Gemeinden waren in Amtsbezirken zusammengefasst und wurden durch Amtskommissare verwaltet.

OrtsnamenBearbeiten

Durch einen unveröffentlichten Erlass vom 29. Dezember 1939 galten vorläufig hinsichtlich der bisher polnischen Ortsnamen die bis 1918 gültigen österreichischen Ortsnamen. Diese globale Rückbenennung war möglich, da noch das gesamte deutsche Kartenwerk für die 1920 an Polen abgetretenen Gebiete (auch) die früheren deutschen und österreichischen Ortsnamen weitergeführt hatte.

Zu einer endgültigen Vergabe rein deutscher Ortsbezeichnungen ist es bis Kriegsende nicht mehr gekommen. Diese war aber bis ins Einzelne bereits vorbereitet. Es handelte sich dabei um lautliche Angleichungen, Übersetzungen, Neuschöpfungen oder Verbesserungen der seit 1939 vorläufig gültigen Namen, zum Beispiel:

  • Andrychów: 1939: Andrichau, vorgesehen: Andrichau bzw. Heinrichstadt
  • Brzeszcze: 1939: Brzeszcze, vorgesehen: Ulmenau (Weichsel)
  • Kęty: 1939: Kenty, vorgesehen: Liebenwerde
  • Kozy: 1939: Kosy, vorgesehen: Großseibersdorf
  • Mucharz: 1939: Mucharz, vorgesehen: Schauenkirch
  • Osiek: 1939: Osiek, vorgesehen: Brettmannsdorf
  • Strumień: 1939: Schwarzwasser, vorgesehen: Schwarzwasser (Weichsel)
  • Wadowice: 1939: Wadowitz, vorgesehen: Frauenstadt (Schaue)

LiteraturBearbeiten

  • Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg/Lahn; Reihe A: Preußen, Band 4: Schlesien, bearbeitet von Dieter Stüttgen, Helmut Neubach und Walther Hubatsch, 1976, ISBN 3-87969-116-9.
  • Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin 1940.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Krzysztof Nowak: Śląsk Cieszyński w latach 1918-1945 [Teschener Schlesien von 1918 bis 1945]. Starostwo Powiatowe w Cieszynie, Cieszyn 2015, ISBN 978-83-935147-5-5, S. 448 (polnisch).
  2. a b K. Nowak, W latach II..., 2015, S. 451.
  3. Ryszard Kaczmarek: Bielsko-Biała. Monografia miasta. Bielsko-Biała w latach 1918–2009. 2. Auflage. Band IV.. Wydział Kultury i Sztuki Urzędu Miejskiego w Bielsku-Białej, Bielsko-Biała 2011, ISBN 978-83-60136-46-1, S. 357 (polnisch).
  4. K. Nowak, W latach II..., 2015, S. 452.