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Lüdersdorf ist ein Ortsteil der Stadt Bebra im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Nordosten von Hessen.

Lüdersdorf
Stadt Bebra
Koordinaten: 50° 57′ 38″ N, 9° 45′ 46″ O
Höhe: 236 (227–244) m
Fläche: 8,54 km²[1]
Einwohner: 184 (1988)
Bevölkerungsdichte: 22 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36179
Vorwahl: 06622

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

 
Lüdersdorf aus Sicht der Thonstrauchhütte

Der Stadtteil Lüdersdorf liegt südwestlich der Kernstadt Bebra in einem Nebental der Fulda. Die Ausläufer des Knüllgebirges und der Lüdersdorfer Forst im Westen bilden eine natürliche Grenze zur Nachbargemeinde Ludwigsau. Weiterhin wird der Ort im Norden durch den Rotenburger Ortsteil Dickenrück und im Osten durch Breitenbach begrenzt. Durch den Ort führt die Kreisstraße 60.

Der kleine Bach der durch den Ort fließt und östlich im Lüdersdorfer Forst entspringt, mündet hinter Breitenbach in die Fulda.

GeschichteBearbeiten

 
Ersterwähnung Lüdersdorfs aus dem Jahr 1337

Erstmals schriftlich genannt wurde das Dorf in einer Urkunde der Propstei Blankenheim vom 5. Dezember 1337 als Ludolfestorf in einem Tauschgeschäft der Brüder Johannes und Heinrich von Weiferode mit dem Kloster Blankenheim um sieben Acker Land bei Breitenbach. Es ist anzunehmen, dass der Ort schon vor 1337 bestand. Gemessen an der späteren Entwicklung hat der Ort zu diesem Zeitpunkt etwa sechs bis acht Wohnhäuser gehabt.

Der Chronik zum 650-jährigen Bestehen des Ortes zufolge[2], die unter Mithilfe des Staatsarchivs in Marburg entstand gibt es zwei mögliche Namensursprünge,

  • der Gründer des Dorfes hieß vermutlich Ludolf also Ludolfes Dorf. Ein entsprechendes Adelsgeschlecht findet sich mit den Liudolfingern und ihrem Stammvater Graf Liudolf, dessen Sohn Otto I. Laienabt der Abtei Hersfeld war.[3][4] Bis zum 14. Jahrhundert gehörte die Region um das Fuldaknie (heutiges Stadtgebiet Bebra) zum Einflussgebiet der Reichsabtei Hersfeld.
  • alternativ dazu, könnte der Ort auch nach den Ludowingern benannt worden sein, die im benachbarten Rotenburg die Burg Rodenberg errichteten.

Durch die Geltung des Nachbarorts Blankenheim als Kloster der Abtei Hersfeld. Wird Lüdersdorf, das damalige Lutolfesdorf, noch im 14. Jahrhundert noch weitere Male im Schriftverkehr genannt. Die heute noch gebräuchlichen Flurnamen Streitsgraben, Herrenwiese, auch Herrenteich und Lampersgraben, rühren aus der Zeit um 1525, als Landgraf Philipp I. gegen Hersfeld zog. Der Streitsgraben bezieht sich möglicherweise auf ein Scharmützel der gegnerischen Parteien.

1538 wurde der Ort in einem Salbuch von Rotenburg erstmals Leudersdorff genannt:

»Leudersdorff
Daß Dorff ist mit aller Obrigkeit, Gericht, Gebott, Verbot!, Dienst und Schopftryfft unserem g. f. und Herrn zustendigk.

Dießes Dorff Ingesessen brauch thun keinen Dienst, denn waß die Jadt belanget, darzu mußen sie faren, Hecken hauen, was an Wilpret gefangen must gegen Rottenbergk füren und was man sie heißet thun.«

»Leudersdorff
Das Dorf ist mit aller Obrigkeit, Gericht, Gebot, Verbot, Dienst und Schaftritt unserem gnädigsten Fürten und Herrn Untertan.

Dieses Dorf Eingesessen brauchen keinen Dienst tun, denn was die Jagd belangt, dazu müssen sie fahren, Hecken hauen, was an Wild gefangen wird muss nach Rotenburg abgeführt werden und was man ihnen sonst noch befiehlt.«

– Aus dem Salbuch von Rotenburg, 1538

Zu dieser Zeit bestand der Ort aus 16 Wohnhäusern. Ebenso wird der Ort im Ortssteuerbuch des Landgrafen Philipp II. aus dem Jahr 1585 als Leudersdorff bezeichnet und mit 20 Haushalten angegeben. In der Lüdersdorfer Gemarkung hatten zudem die Herren von Riedesel, die Dörnbergischen Junker und die von Baumbach Ländereien. Die Riedesel hatten dem Rotenburger Salbuch von 1627 zufolge neben Ländereien auch einen Hof im Dorf.

Dreißigjähriger Krieg und FolgejahrhunderteBearbeiten

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Lüdersdorf, wie viele Orte der Umgebung, vollständig zerstört. Durch Überfälle der Breitenbacher und Blankenheimer auf Konvois des kaiserlichen Heeres wurde der Zorn Tillys in die Region gezogen. Zeitweise war die Gegend auch von den Truppen Tillys besetzt. Bei einer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1639 zählten Amtsleute der Regierung in Kassel noch drei Lüdersdorfer Männer, die eine Kuh besaßen. Zudem war keines der umliegenden Felder bestellt. Noch im Jahr 1627 hatte der Ort 17 Einwohner gezählt.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges blieb der Ort vor weiteren Kriegshandlungen verschont. Ende 1657 wurden im Dorf sieben Haushalte mit 37 Einwohnern festgestellt. Da durch den Krieg die Kirche des Ortes zerstört worden war, mussten kirchliche Feste für viele Jahre in Breitenbach begangen werden.

 
Typisches Fachwerkhaus einer Bauernfamilie in Lüdersdorf

Ein Großteil der noch heute erhaltenen Fachwerkhäuser wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Das Gebäude der heute bewirtschafteten Dorfkneipe stammt beispielsweise aus dem Jahr 1716. Die bis 1860 genutzte Gaststätte neben dem Gebäude stammt aus dem Jahr 1717. Schließlich wird der Ort im 18. Jahrhundert in den Archiven des Hessischen Staatsarchivs in Marburg und den Kirchenbüchern aus Breitenbach als Liedersdorf bezeichnet. 1747 hatte der Ort 20 Haushalte und 26 Wohnhäuser und damit etwa die gleiche Anzahl wie vor dem Dreißigjährigen Krieg, 1585.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine umfangreiche Flurbereinigung der umliegenden Ländereien durchgeführt. In der Folge konnte die Anzahl der Grundstücke der größten Landbesitzer von mehreren hunderten auf weniger als zehn je Besitzer reduziert werden. Vorher war es notwendig, mehrere kleine Parzellen zu bewirtschaften, die oftmals von kleinen Landstreifen voneinander getrennt waren.

1890 bewirtschaftete der Kaufmann Johannes Scheuch ein Kolonialwarengeschäft. Zudem gab es zwischen 1851 und 1900 zwei Schmieden, eine Wagnerei, einen Schuhmacher, einen Schneider, einen Müller, einen Zimmermeister, einen Töpfer der zugleich Ziegler war, einen Maurermeister und einen Schreiner in dem kleinen Ort.

20. Jahrhundert bis heuteBearbeiten

 
Kirchenneubau von 1959

Anfang des Jahrhunderts wurden in Lüdersdorf Feste wie die Kirmes auf dem Dorfplatz veranstaltet. Anschließend wurden die umliegenden Bauernhäuser im jährlichen Wechsel als Einkehr für die Kirmesgesellschaft genutzt. 1911 wurde die Gaststätte um einen Saal erweitert, in dem nun Feste veranstaltet werden konnten. Im gleichen Jahr wurde eine gemeinsame Wasserversorgung zwischen Breitenbach und Lüdersdorf errichtet, die von den jeweils ortseigenen Quellen gespeist wurden. Die Brunnen des Ortes wurden in der Folge zugeschüttet. 1922 wurden die ersten Haushalte mit Elektrizität versorgt. 1939 hatte das Dorf 165 Einwohner.

Am 1. April 1945 rückten amerikanische Truppen vom Ludwigsauer Besengrund durch den Lüdersdorfer Forst heran. Zuvor hatte sich die Breitenbächer Bevölkerung, in der Annahme die Amerikaner kämen über Blankenheim, in Lüdersdorf in Sicherheit gebracht. Beim Einmarsch von Westen her, gab es Todesopfer zu beklagen. Während und nach den Kriegswirren siedelten sich zahlreiche Heimatvertriebene im Ort an, von denen etwa fünf Familien im Ort verblieben.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Fachwerkhäuser abgerissen und stattdessen moderne Häuser errichtet. Der Kirchenneubau wurde im Jahr 1959 abgeschlossen. Bis ins Jahr 1970 hatte Lüdersdorf keine Durchgangsstraße nach Rotenburg. Der einzige Weg von und nach Bebra war der über Breitenbach. Der Bau der Kreisstraße 60 durch den Ort machte das Dorf von der Sackgasse zur Durchgangsstation. Im Rahmen der hessischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde Lüdersdorf am 31. Dezember 1971 in die Stadt Bebra eingegliedert.[5]

Die im Kern des heutigen Ortsbilds erbaute Lüdertalhalle, wurde 1975/76 unter Mithilfe einheimischer und auswärtiger Bürger errichtet. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um die einzige Eigenleistung der Lüdersdorfer Bürger. Direkt neben der Lüdertalhalle wurde beispielsweise in den 1990er Jahren ein neues Feuerwehrhaus errichtet.

Im Jahr 2010 wurde Lüdersdorf beim HR-Wettbewerb "Dolles Dorf" gezogen und hatte somit die Gelegenheit einem Filmteam des hessischen Rundfunks das Dorf und seine Bewohner zu präsentieren. Beim anschließenden Telefon Ted könnte Lüdersdorf den zweiten Platz der Woche belegen. Da nur der Gruppensieger in die nächste Runde kommt, war dies das Ende für die "Dolle Dorf" Bewerbung von Lüdersdorf.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

VereineBearbeiten

Im Ort gibt es derzeit vier aktive Vereine:

Neben der Organisation des eigenen Vereinslebens bemühen sich die Vereine auch einen Beitrag zum Dorfleben zu leisten. In jedem Jahr organisieren sie diverse Veranstaltungen, zum Beispiel eine Kirmes im Oktober.

BauwerkeBearbeiten

Im Lüdersdorfer Wald befindet sich eine Gedenkstätte für die ehemalige Wüstung Gertingers. Die Gedenkstätte besteht aus den ehemaligen Kirchensteinen der Wüstung und verfügt heute über eine Rastmöglichkeit.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lüdersdorf, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 2. Dezember 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Hans Grunz: Chronik zur 650-Jahrfeier, 1987 (Memento vom 12. November 2004 im Internet Archive)
  3. Die Quelle verwechselt hier offenbar das Geburtsdatum Liudolfs (Chronik: 866) mit seinem Sterbedatum (866)
  4. Cosima Göpfert: Die Liudolfinger in Thüringen im ausgehenden 9. Und beginnenden 10. Jahrhundert. Machtpolitische Verschiebungen mit Blick auf das Kloster Hersfeld und die Babenberger Fehde 2012, ISBN 978-3656151999
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 406.