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Kloster Irsee

ehemalige Benektiktinerabtei und heutiges Tagungs- und Bildungszentrum

Das Kloster Irsee (auch Abtei Ursin; lat. Abbatia Ursinensis) ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner in Irsee nahe der Stadt Kaufbeuren in Bayern in der Diözese Augsburg. Es ist heute ein Tagungs- und Bildungszentrum des Bezirks Schwaben.

Banner of the Holy Roman Emperor with haloes (1400-1806).svg
Territorium im Heiligen Römischen Reich
Reichsabtei Irsee
Wappen
Reichsabtei Irsee coat of arms.svg
Karte
Reichsstadt Kaufbeuren Territorium, Pfeffel 1746.png
Territorium der Reichsabtei Irsee (Abbatia Ursinensis) (Mitte)
Alternativnamen Reichsstift
Herrschaftsform Ständestaat
Herrscher/Regierung Reichsabt
Heutige Region/en DE-BY
Reichstag Reichsfürstenrat: 1 Kuriatsstimme auf der Schwäbischen Prälatenbank
Reichsmatrikel 14 Fußsoldaten und 60 Gulden (1521); 14 Fußsoldaten oder 56 Gulden (1663); zum Kammergericht 30 Gulden (1742)
Reichskreis Schwäbischer Reichskreis
Kreistag Kreisstandschaft; 28 Fußsoldaten (1532);
Hauptstädte/Residenzen Irsee
Konfession/Religionen römisch-katholisch
Sprache/n Deutsch; Lateinisch
Fläche 112 Quadratkilometer (um 1800)
Einwohner 3.200-4.200 (um 1800)
Aufgegangen in 1803: Kurfürstentum Bayern; 1806: Königreich Bayern


GeschichteBearbeiten

 
Klosterkirche Irsee
 
Kloster Irsee im 17. Jahrhundert
 
Euthanasie-Friedhof
 
Stolpersteine für drei Opfer der NS-Euthanasie vor dem Kloster Irsee

Kloster – AbteiBearbeiten

Das der heiligen Maria geweihte Kloster wurde 1186 durch Markgraf Heinrich von Ronsberg auf dem Irseer Burgberg (heute Standort der Friedhofskirche St. Stephan) gegründet. Wassermangel zwang die Mönche bereits um 1190 zu einem Neubau am heutigen Standort im Tal. Die Hauptvögte des Klosters waren von 1390 bis 1803 die Habsburger.

Im Bauernkrieg wurde die Anlage 1525 zerstört und bis 1535 wiederaufgebaut. Nach erneut schweren Zeiten und Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg begann im Barock eine neue Blütezeit des Klosters. Nachdem der baufällige Kirchturm des mittelalterlichen Gebäudes 1699 einstürzte und auch den Chor zerstörte, wurde die Klosterkirche 1699–1704 von Franz Beer im barocken Stil wieder aufgebaut. Die Neuerrichtung der übrigen Klostergebäude erfolgte von 1707 bis 1730. Eine originelle Besonderheit der Kirchenausstattung ist die Schiffskanzel, eine Kanzel in Form eines Schiffsbugs samt Mast, Takelage, aus Leinen gefertigtem Segel und Engelsfiguren als Schiffsjungen. In verglasten Schreinen sind drei Katakombenheilige (Eugenius, Candidus und Faustus), die in stehender Haltung montiert sind, in den Seitenschiffen zu sehen.

Die Abtei wurde 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Der bayerische Staat verpachtete 1803 die Wirtschaftsbetriebe und Klostergründe und versteigerte das Inventar. Den Großteil der Bibliothek schenkte König Ludwig I. im Jahr 1833 der von ihm wiedergegründeten Benediktinerabtei Metten.[1]

Das Kloster Irsee hatte seit dem 16. Jahrhundert den Status einer Reichsabtei. Daher hatte der Abt von Irsee seit dem 16. Jahrhundert einen Sitz auf der schwäbischen Prälatenbank im Reichstag, wo er an sechster Stelle rangierte. Zum Herrschaftsgebiet des Klosters gehörten bei der Auflösung 1803 rund 3.000 Einwohner.

Pfarreinrichtung und BehördensitzBearbeiten

Die Abteikirche diente ab 1804 als neue Pfarrkirche und das Konventgebäude als Pfarrhof. Außerdem zogen das Rentamt und weitere Behörden in die ehemalige klösterliche Einrichtung. Erst 1812 verließen die letzten Konventualen ihr ehemaliges Kloster.[1] In den freigewordenen Räumen richtete man Dienstwohnungen für den Ortspfarrer und örtliche Beamte ein.

Heil- und PflegeanstaltBearbeiten

Das Rentamt zog 1828 aus, und der Staat bemühte sich vergeblich, einen Käufer für die leerstehende Klosteranlage zu finden. 1832 schließlich entschieden die Vorläufer der späteren Regierung und des Bezirkstags von Schwaben, in Irsee eine „Kreisirrenanstalt“ einzurichten. Am 1. September 1849 eröffnet, stieß die für damalige Begriffe fortschrittliche Anstalt rasch an Kapazitätsgrenzen. Die zusätzliche geschaffene „Kreis-Heil- und Pfleganstalt“ im nahen Kaufbeuren (eröffnet 1876) entlastete die Einrichtung in Irsee, die von 1900 an als Zweiganstalt von Kaufbeuren geführt wurde.[1]

Aktion T4Bearbeiten

Von 1939 bis 1945 wurden durch den NS-Staat im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ über 2000 Patienten, darunter viele Kinder, aus den seit 1929 unter der Leitung von Valentin Faltlhauser stehenden Einrichtungen in Irsee und Kaufbeuren in Vernichtungsanstalten deportiert und umgebracht oder vor Ort getötet.

Tagungs- und BildungszentrumBearbeiten

1972 wurde der Krankenhausstandort im Kloster aufgelöst. Der Bezirk Schwaben beschloss daraufhin am 11. Oktober 1974 die Restaurierung der Klosteranlage und Umwandlung in ein Bildungszentrum, da die vorhandene Raumstruktur sich als sehr günstig erwies. Die Renovierungsarbeiten waren 1981 abgeschlossen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf knapp 21,25 Millionen DM.

Das Schwäbische Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee öffnete 1984. Das Tagungshotel verfügt über 81 Gästezimmer und 15 Tagungsräume.[2] In den Räumen ist das Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags untergebracht. Hier finden die Fort- und Weiterbildungen in den Bereichen Psychiatrie, Neurologie für ärztlich, therapeutisch und administrativ tätige Berufsgruppen statt.[3]

 
Inneres der ehemaligen Abteikirche, heute Pfarrkirche

Auch findet sich hier die Schwabenakademie. Sie bietet ein breitgefächertes Programm mit geistes- und kulturwissenschaftlichen Seminaren, Kursen zur Persönlichkeitsbildung und zur künstlerischen Praxis. Konzerte, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen sowie Tagungen gehören mit dazu. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Konferenzen werden regelmäßig publiziert.[4]

Liste der Äbte und Reichsäbte von IrseeBearbeiten

ÄbteBearbeiten

  • Kuno (1185–1188)
  • Rudolf (1188–?)
  • Gebold (?)
  • Albert (?–1228)
  • Konrad I. (1228–1267)
  • Ulrich (?)
  • Heinrich I. (?)
  • Hartmann (14 Jahre Abbatiat)
  • Heinrich II. (1332, † 1339)
  • Konrad II. (1339–?)
    • Schwicker (Usurpator) (?)
  • Heinrich III. Zerrer (1/4 Jahr Abbatiat)
  • Ulrich II. von Altenstadt (?)
  • Heinrich IV. (?)
  • Albinus (? – um 1398)
  • Peter I. von Baysweil (um 1398–1399)
  • Konrad III. (1399–1422)
  • Heinrich V. (1422–1456)
  • Peter II. (1459–1476)
  • Matthias Steinbrucker (1476–1490)
  • Ottmar (1490–1502)

ReichsäbteBearbeiten

  • Peter III. Fend (1502–1533)
  • Paul Recharus (1533–1549)
  • Sebastian I. Steiger (1549–1565), seit 1551 als erster Abt infuliert
  • Adam Leberwurst (1596)
  • Sebastian II. Mayr (1596–1610)
  • Karl Endres (Carolus Andreae) (1612–1627)
  • Maurus Keuslin (1627–1664, † 1666)
  • Johann Schammius (1664–1665)
  • Placidus Lindenbaur (1665–1667, † 1692)
  • Aemilian I. Mayr (1667–1692)
  • Romanus Köpfle (1692–1704)
  • Willibald Grindl (1704–1731)
  • Bernhard Beck (1731–1765)
  • Aemilian II. Mock (1765–1784)
  • Honorius Grieninger (1784–1803)

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kloster Irsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c siehe Weblink Haus der bayerischen Geschichte
  2. Tagungshotel Kloster Irsee
  3. Bildungswerk Irsee (Memento des Originals vom 7. Juni 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bildungswerk-irsee.de
  4. Schwabenakademie Irsee

Koordinaten: 47° 54′ 35″ N, 10° 34′ 30″ O