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Kleinkind

Kind nach Vollendung des ersten Lebensjahres
Kleinkinder können in der Regel laufen, sich aber noch nicht selbst anziehen; die meisten Kleinkinder brauchen noch Windeln (2015)

Kleinkind bezeichnet die Lebensphase des Menschen des zweiten und dritten Lebensjahres,[1] im rechtlichen Sinne seltener auch bis zum sechsten oder siebten Lebensjahr.

Kindern im ersten Lebensjahr werden als „Säugling“ bezeichnet, Kinder im fünften und sechsten Lebensjahr als „Vorschulkind“. Das vierte Lebensjahr wird von einigen Autoren noch dem Kleinkindalter zugerechnet, von den meisten aber schon dem Vorschulalter oder dem Kindergartenalter.

Körperliche EntwicklungBearbeiten

Größe und GewichtBearbeiten

In den ersten zwei Lebensjahren kann ein körperlicher Minderwuchs des Kindes (Größe und Gewicht), der aus der Entwicklung im Mutterleib resultiert, aufgeholt werden. Jedoch verläuft das Wachstum nach gewissen Gesetzmäßigkeiten, die von Geburtsgewicht und -größe abhängig sind, wobei sich die Werte in aller Regel in einer bestimmten Perzentile bewegen. Mit dem 2. Lebensjahr ist etwa das Vierfache des Geburtsgewichtes erreicht.[2]

MotorikBearbeiten

Im Kleinkindalter erlernen Kinder komplexere motorische Fähigkeiten. Nachdem sie meist bis zum Ende des 12. Monats von selbst aufstehen und zu laufen beginnen, können sie am Ende des 18. Monats Treppen mit Geländer hinaufgehen (Nachführschritt), rückwärts laufen und mit einem Löffel essen; die Fähigkeit, Treppen im Wechselschritt zu besteigen, erfolgt im 3. Lebensjahr. Im Alter von zwei Jahren können sie einen Ball aus dem Stand mit dem Fuß stoßen, ohne sich festzuhalten und Perlen auffädeln.[3]

Geistige EntwicklungBearbeiten

Während der Kleinkindphase lernt das Kind soziales Rollenverhalten und die Sprachfähigkeiten.

Bis zum 7. Lebensmonat besteht beim Säugling eine starke Beziehung zur Bezugsperson, meist der Mutter. Erst ab dem 12. Lebensmonat wird zwischen sich und der Umwelt unterschieden und der Bewegungsdrang nimmt erheblich zu. Gleichzeitig wird der Wortschatz, der mit 1 bis 2 Jahren rasch anwächst, ausgebaut. Er enthält vorerst Gegenstands-, dann Tätigkeits- und letztlich Eigenschaftsbezeichnungen.

Zu Ende des 9. Monats ahmen die Kinder Laute nach und sprechen zwischen dem 12. und 18. Monat erste Worte. Erste Zweiwortsätze bildet das Kleinkind frühestens mit 15 bis 18 Monaten,[4] regelmäßig aber mit zwei Jahren. Es gibt allerdings ausgesprochene Frühstarter und ebenso ausgesprochene Spätzünder. „Die Spätsprecher fangen erst gar nicht vor eineinhalb Jahren an, […] während Frühsprecher schon mit 10 Monaten ca. 12 Wörter gebrauchen.“[5]

Im 2. und 3. Lebensjahr schreitet die Entwicklung von Fantasie und der eigenen Willensbildung voran. Ab etwa dem 4. Lebensjahr steigt der Wunsch nach Selbständigkeit und die Orientierung zu Gleichaltrigen. Das Denken wird anschaulich und findet Betätigung vor allem im Spiel.

GesundheitBearbeiten

In die Säuglings- und Kleinkindphase (insbesondere im ersten Lebensjahr) fallen mehrere Impfungen (zum Beispiel gegen Poliomyelitis, Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten) und ärztliche Untersuchungen an, um Krankheiten vorzubeugen bzw. Fehlentwicklungen zu erkennen und zu verhindern. In Deutschland werden diese unter Kindervorsorgeuntersuchung zusammengefasst. Im Kleinkindalter, vor allem ab dem Zeitpunkt, zu dem die Kinder in Kontakt mit anderen Kindern treten (z. B. Kinderkrippe), treten häufige Infektionen auf. Die meisten dieser Infektionen verlaufen als Erkältung oder als Gastroenteritis (Erbrechen, Durchfall). Dabei haben die Kinder häufig Fieber.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kleinkinder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kleinkind – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Florian Steger: Altern im Leben: Alterstopoi in der antiken Medizin? In: Dorothee Elm, Thorsten Fitzon, Kathrin Liess, Sandra Linden (Hrsg.): Alterstopoi. Das Wissen von den Lebensaltern in Literatur, Kunst und Theologie. De Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-020845-0, S. 108 (Seitenansicht in der Google-Buchsuche).
  2. Wilfried de Nève, Wolfgang Presber (Hrsg.): Ergotherapie: Grundlagen und Techniken. Urban & Fischer, Elsevier 2003, S. 384.
  3. Wilfried de Nève, Wolfgang Presber (Hrsg.): Ergotherapie: Grundlagen und Techniken. Urban & Fischer, Elsevier 2003, S. 387.
  4. Remo H. Largo: Babyjahre. Piper 2008, S. 344.
  5. Wolfgang Butzkamm, Jürgen Butzkamm: Wie Kinder sprechen lernen: Kindliche Entwicklung und die Sprachlichkeit des Menschen. Francke 2008, S. 103.