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Khaled Asaad (arabisch خالد الأسعد Chālid al-Asʿad, DMG Ḫālid al-Asʿad; * 1933[1] oder 1. Januar 1934[2] in Palmyra; † 18. August 2015 ebenda) war ein syrischer Archäologe. Asaad war einer der profiliertesten Kenner der antiken Ruinenstätte Palmyra und mehr als 50 Jahre mit ihrer Erforschung und Restaurierung als verantwortlicher Wissenschaftler befasst. Er wurde von der Terrormiliz Islamischer Staat entführt und ermordet.[3]

LebenBearbeiten

Die Grundschule besuchte Asaad in Tadmor/Palmyra. Er studierte Geschichtswissenschaft und Pädagogik an der Universität Damaskus.[4] Asaad war seit 1954 Mitglied der Baath-Partei. Ab 1961 leitete er die Abteilung für Ausgrabungen im Direktorat für Altertümer. Von 1963 bis zu seiner Pensionierung 2003 war er Direktor des Museums und der archäologischen Stätten von Palmyra. Er unterstützte und förderte die internationalen archäologischen Kooperationen am Ort, zu denen auch die Missionen des Deutschen Archäologischen Instituts seit 1980 gehörten, er arbeitete auch mit Wissenschaftler aus den USA, Frankreich, und der Schweiz an der Erforschung Palmyras vom Hellenismus bis in Islamische Zeit. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Arbeiten zeichnete die UNESCO Palmyra 1980 als Weltkulturerbe aus. Asaad veröffentlichte Artikel in archäologischen Fachzeitschriften sowie mehrere Bücher über Palmyra und die Seidenstraße. Asaad publizierte u. a. aramäische Inschriften aus Palmyra.

Seit der Eroberung von Palmyra im Mai 2015 drohte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mehrfach mit der Zerstörung der antiken Stätte. Dazu gehören unter anderem eine lange Kolonnadenstraße, römische Grabmäler und der Baaltempel. Mitte Juli 2015 wurde der 82-jährige Asaad von dem IS entführt und danach wiederholt gefoltert.[5] Die britische Tageszeitung The Guardian berichtete, Asaad habe sich geweigert, Auskunft zu geben, wo antike Artefakte versteckt seien.[6] Am 18. August 2015 wurde Asaad auf einem Platz vor dem Museum in Tadmor, der heutigen Stadt neben dem antiken Palmyra, enthauptet und sein Leichnam öffentlich zur Schau gestellt.[7] Dabei brachten die Mörder des IS ein Schild mit der Aufschrift Der Apostat Khaled Mohammad al-Asʿad, Unterstützer des nusairischen Regimes an seinem Leichnam an.[8]

Asaad stammte aus einer Großfamilie mit mehr als 60 Mitgliedern. Er war Vater von sechs Söhnen und fünf Töchtern.

EhrungenBearbeiten

Für seine Verdienste um die archäologischen Stätten von Palmyra wurde er mit dem Ritterkreuz des Ordre national du Mérite, Frankreich, dem Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Polen und dem Verdienstorden der Tunesischen Republik ausgezeichnet.

In Pisa wird Khaled Asaad seit Oktober 2015 ein ehrendes Andenken bewahrt. Im Beisein von Staatspräsident Mattarella wurde das Grabungsfeld am Arsenali Repubblicani (Museo delle navi antiche di Pisa) nach Asaad benannt.[9] Einen Monat später wurde für ihn ein Baum im „Garten der Gerechten“ (Giardino dei Giusti di tutto il mondo) im Mailänder Park Monte Stella gepflanzt und ein Raum im Museo delle Culture (Mudec) nach ihm benannt.[10][11]

Nach der Befreiung Palmyras gab das Orchester des St. Petersburgers Mariinski-Theaters am 5. Mai 2016 mit dem Stardirigenten Waleri Gergijew der Münchner Philharmoniker im Amphitheater Palmyras ein Symphoniekonzert unter dem Motto „Ein Gebet für Palmyra: Musik erfüllt antike Wände mit Leben“. Das Konzert war dem Gedenken all jener gewidmet, die ihr Leben durch die Terroristen verloren hatten, insbesondere dem Andenken an Khaled Asaad.[12]

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Nouvelles découvertes archéologiques en Syrie. Direction générale des antiquités et des musées, Damaskus 1980. 2. Auflage Damaskus 1990.
  • mit Adnan Bounni: Palmyra. Geschichte, Denkmäler, Museum. Damaskus 1984.
  • Restoration Work at Palmyra. In: Palmyra (= ARAM periodical. Band 7, 1). The ARAM Society for Syro-Mesopotamian Studies, Oxford 1995, S. 9–17 (doi:10.2143/ARAM.7.1.2002213).
  • mit Jean-Baptiste Yon: Inscriptions de Palmyre. Promenades épigraphiques dans la ville antique de Palmyre (= Guides archéologiques de l’Institut Français d’Archéologie du Proche-Orient Bd. 3). Institut Français d’Archéologie du Proche-Orient, Beirut 2001, ISBN 2-912738-12-1.
  • mit Andreas Schmidt-Colinet (Hrsg.): Palmyras Reichtum durch weltweiten Handel. Archäologische Untersuchungen im Bereich der hellenistischen Stadt. Zwei Bände. Holzhausen, Wien 2013, ISBN 978-3-902868-63-3, ISBN 978-3-902868-64-0.

LiteraturBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Geburtsjahr laut GND und dem Deutschen Archäologischen Institut.
  2. Geburtsjahr laut Syrischem Kulturministerium.
  3. IS tötet früheren Chef-Archäologen von Palmyra, tagesschau.de, 19. August 2015.
  4. Shielding Syrian Antiquities, to a Grisly Death at ISIS’ Hands. Nachruf in The New York Times, 19. August 2015 (abgerufen am 20. August 2015).
  5. IS enthauptet Forscher. Entsetzen über Mord an „Mr. Palmyra“, Spiegel Online, 19. August 2015.
  6. Beheaded Syrian scholar refused to lead Isis to hidden Palmyra antiquities, The Guardian online, 19. August 2015.
  7. Welterbestätte in Syrien: IS-Terroristen enthaupten Chef-Archäologen von Palmyra Spiegel Online, 19. August 2015; Syrian archaeologist 'killed in Palmyra' by IS militants BBC News, 19. August 2015.
  8. mbc.net (arabisch) 20. August 2015.
  9. Tommaso Fabiani: Matarella inaugura gli Arsenali Repubblicani pisatoday.it, 17. Oktober 2015.
  10. Il „custode“ di Palmira al Giardino dei Giusti Università degli Studi di Milano, 5. November 2015, abgerufen am 16. November 2015.
  11. Uno spazio del Mudec sarà dedicato all'archeologo milanotoday.it, 10. September 2015, abgerufen am 16. November 2015.
  12. Alasdair Sandford: Syria: Russian orchestra holds concert in Palmyra ruins, euronews.com, 6. Mai 2016