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Joy Denalane beim Open-Source-Festival (2014)

Joy Maureen Denalane [dinaˈlaːni] (* 11. Juni 1973 in West-Berlin) ist eine deutsche Soul- und R&B-Sängerin, die Arrangements angloamerikanischer und afrikanischer Musik mit deutschen Texten vereint.

LebenBearbeiten

 
Gemeinsamer Auftritt mit ihrem späteren Ehemann Max Herre (1999)

Denalane wurde in Schöneberg geboren und wuchs in Kreuzberg auf. Sie war das dritte von sechs Kindern und erhielt den Namen Joy („Freude“). Der Vater, ein Südafrikaner, hatte sich während seines Studiums in Deutschland in Denalanes Mutter, eine Heidelbergerin, verliebt und blieb in Deutschland. Denalane zog mit 16 Jahren von Zuhause aus, machte mit 22 Jahren ihr Abitur und widmete sich fortan der Musik.

Anfänge der musikalischen KarriereBearbeiten

Ihr damaliger Freund überredete Denalane mit 19 Jahren zu einem Vorsingen, das ihr zu Engagements als Sängerin in den Reggae- und Soulbands Culture Roots und Family Affair verhalf. 1996 folgte der erste Plattenvertrag als Solointerpretin in der Formation Joy, Sugar & Cream, die 1997 eine von Martin de Vries produzierte Single veröffentlichte. Der Vertrag sollte sich jedoch als große Enttäuschung erweisen, da man Denalane keinerlei musikalische Freiheiten ließ und sie zur Popmusikerin machen wollte.[1] Dieser Vertrag führte sie schließlich nach Stuttgart, wo Denalane erstmals mit den bekannten Produzenten DJ Thomilla und Tiefschwarz zusammenarbeitete und den Song Music schrieb.

Zu der Zeit hielt die Hiphop-Band Freundeskreis für ihr Duett Mit dir nach einer passenden Sängerin Ausschau und fand sie in Joy Denalane. Dieses Liebeslied wurde ein Sommerhit des Jahres 1999. Freundeskreis-Frontmann Max Herre wurde Denalanes Freund.

 
Denalane beim Soundcheck 1999

Anschließend löste Denalane die Verträge mit ihrer Plattenfirma und tourte zwei Jahre mit der Band. Sie wurde Teil der FK Allstars, zu denen neben Freundeskreis unter anderem Afrob, Gentleman, Sékou, Deborah von Sens Unik und Brooke Russell gehörten. Aus der gemeinsamen Tour entstand das Livealbum En Directo. 2001 unterzeichnete sie mit Hilfe von Herre einen Vertrag bei Four Music, der Plattenfirma der Fantastischen Vier, bei der auch Freundeskreis zu jener Zeit unter Vertrag war.[2]

Debütalbum MamaniBearbeiten

Denalane entschloss sich dazu, eine Soulplatte auf Deutsch zu veröffentlichen, da sich die Sprache durch ihre Begegnungen mit vielen deutschen MCs neu für sie definiert hat. Denalane begann die Arbeit an ihrem Debüt, auf dem sie ihre südafrikanischen Wurzeln repräsentieren wollte. Dabei wurde sie von ihrem Freund und Produzenten Max Herre sowie von den Co-Produzenten Don Philippe, Frank Kuruc, Tommy Wittinger und Tom Krüger unterstützt.

Nach der Geburt ihres ersten Sohnes reiste Denalane nach Südafrika, um ihre Herkunft und die Geschichte ihrer Familie und des Landes zu erforschen. Dort gewann Denalane auch die Unterstützung vieler afrikanischer Musiker für ihr Album, wie zum Beispiel die von Jazz-Musiker Hugh Masekela. Zurück in Deutschland verarbeitete Denalane die Eindrücke ihrer Reise in den Songs Setho, den sie in der südafrikanischen Sprache isiXhosa singt, Mamani (Mutter, Großmutter, oder auch weibliche Vorfahrin) auf Tsonga, den sie ihrer Mutter widmete, dem Trauerlied Mathatha Agotlokamna mit den Mahotella Queens und Im Ghetto von Soweto. Dieser Song ist in drei Strophen gegliedert und bildet einen Querschnitt durch die jüngere südafrikanische Geschichte. Es handelt von der Apartheid, dem Schüleraufstand von Soweto und den Passgesetzen bis hin zur Gegenwart und AIDS. Die Musik ist funkig, mit afrikanischem Backgroundchor. Hugh Masekela spielt in dem Stück Trompete.

Für ihren Sohn singt Denalane das Kinderlied und Höchste Zeit, in Wem gehört die Welt singt sie von Diskriminierungen Schwarzer und Frauen, und im Stück Vier Frauen interpretiert sie Nina Simones Four Women mit Sara Tavares von den Kapverdischen Inseln, Chiwoniso Maraire aus Simbabwe und Freundeskreis-Sängerin Deborah neu. Für ihren Vater nahm sie eine Coverversion des Billie-Holiday-Klassikers I Cover the Waterfront auf.

Auf Joy Denalanes Album finden sich auch klassische Liebeslieder wie Miscommunication, das Oldschool-Stück Was auch immer und der Trennungsblues Geh jetzt. Sag’s mir wurde Denalanes erste Singleauskopplung. Mamani, das am 3. Juni 2002 erschien, stieg auf Platz acht in die deutschen Albumcharts ein.

Tourneen und EhrungenBearbeiten

 
Joy Denalane live in München (2006)

Joy Denalane absolvierte drei ausverkaufte Tourneen. Dabei wurde sie als „Gebieterin über Soul und Hiphop“ (Hamburger Abendblatt)[3] und „Queen of German Soul“ (Focus)[4] bezeichnet. Sie arbeitete unter anderem mit Youssou N’Dour zusammen,[5] ging mit dem Jazz-Trompeter Till Brönner auf Tour, gab Konzerte in New York[6] und Philadelphia[7] und war Gast in deutschen Fernseh- und Radiosendungen.[8] Sie gewann einen Comet in der Kategorie „Best Hiphop/R&B National“[9] und erhielt drei Echo-Nominierungen.[3]

Im Jahr 2003 ging Denalane auf Acoustic Tour, begleitet von den drei Musikern Dalma Lima (Perkussion), Frank Kuruc (Gitarre) und Fontaine Burnett (Bass).[10] Am 11. März 2004 gab Joy Denalane ein Konzert im Berliner Tränenpalast. Unterstützt wurde sie dabei neben ihrem Musikertrio von den Brüdern Matteo (Schlagzeug) und Lillo Scrimali (Keyboards) sowie Sebastian Studnitzky (Trompete). Dieses Akustikset wurde aufgezeichnet und im Herbst 2004 als Livealbum und -DVD veröffentlicht.[11]

Born & RaisedBearbeiten

Nach der DVD-Aufzeichnung begann Joy Denalane mit den Arbeiten zu ihrem zweiten Studioalbum Born & Raised, dessen Songs sie im Sommer 2005 auf der Clubtour For the Love Tour präsentierte. Das Album wurde am 11. August 2006 veröffentlicht, die erste Single trägt den Namen Let Go. Im Gegensatz zu Mamani enthält es ausschließlich englischsprachige Songs.

Im April 2006 gründeten Denalane, Max Herre, Götz Gottschalk und Sophie Raml ein neues Label namens Nesola (Esperanto: „nicht allein“).

Im September 2006 konzertierte sie im Potsdamer Nikolaisaal mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg unter der Leitung von Scott Lawton.

Im Frühling 2007 veröffentlichte Joy Denalane die Single Change mit Lupe Fiasco in Großbritannien. Sie trat 2007 bei verschiedenen Festivals im Vereinigten Königreich, Japan und Südafrika auf. Change schaffte es nicht in die britischen Charts.

The Dresden Soul SymphonyBearbeiten

Im November 2008 trat Joy Denalane mit den Sängern Tweet, Dwele und Bilal gemeinsam mit dem MDR-Sinfonieorchester, dem MDR-Kinderchor und weiteren Begleitmusikern bei der Dresden Soul Symphony auf.

MaureenBearbeiten

 
Max Herre und Joy Denalane während eines Auftritts beim Splash-Festival 2012
 
Gurtenfestival in Bern/Schweiz. Von links: DJ Friction, Brooke Russel, Joy Denalane, Don Philippe, Déborah, Frank Kuruc, Tommy Wittinger, Max Herre, Christoph Sauer

Am 20. Mai 2011 erschien Denalanes viertes Studioalbum Maureen. Vorab nahm sie bereits einige der Lieder live auf, unter anderem mit Max Herre als Gast, und veröffentlichte diese als Videosessions im Internet. Maureen ist benannt nach Joy Denalanes zweitem Vornamen. Die erste Singleauskopplung Niemand wurde als Rap-Version auf der CD des Magazins Juice veröffentlicht.[12] Joy Denalane nahm Maureen in Berlin und Philadelphia auf, unter anderem mit dem Produzenten Steve McKie (Jill Scott), dem Bassisten Tony Whitfield (Bilal), dem Ghostface- und T.-I.-Produzenten Jake One und dem Jazmine-Sullivan-Songwriter Anthony Bell.[13] Eine Version des Albums mit englischen Texten erschien ein Jahr später.

GleisdreieckBearbeiten

Am 3. März 2017 erschien das vierte Studioalbum mit dem Titel Gleisdreieck, gefolgt von einer Deutschlandtournee.

Anti-Aids-EngagementBearbeiten

Durch ihr Engagement im Kampf gegen AIDS und ihre Unterstützung von Wola Nani, einer südafrikanischen Organisation, die AIDS-kranken Frauen durch den Verkauf ihrer Handarbeit hilft, wurde 2003 die Deutsche AIDS-Hilfe auf Denalane aufmerksam. In der Folge wurde sie das Gesicht der Kampagne Ausgrenzung macht krank.

PrivatesBearbeiten

Joy Denalane lebt mit ihren beiden Söhnen in Berlin-Charlottenburg. Im Februar 2007 trennten sich Denalane und ihr Ehemann, der Musiker Max Herre. Musikalisch blieben sie weiterhin verbunden und kümmerten sich gemeinsam um die Erziehung ihrer Söhne. Im März 2011 gaben Denalane und Herre bekannt, wieder zueinandergefunden zu haben.[14]

DiskografieBearbeiten

StudioalbenBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[15][16] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH
2002 Mamani
8
 Gold

(30 Wo.)
44
(5 Wo.)
54
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Mai 2002
Verkäufe: + 150.000
2004 Mamani Live
44
(2 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 18. Oktober 2004
2006 Born & Raised
2
 Gold

(13 Wo.)
42
(4 Wo.)
5
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 11. August 2006
Verkäufe: + 100.000
2008 The Dresden Soul Symphony
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 24. Oktober 2008
(MDR Sinfonieorchester & Jun Märkl feat. Joy Denalane, Bilal, Dwele & Tweet)
2011 Maureen
8
(9 Wo.)
36
(3 Wo.)
11
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 20. Mai 2011
Erstveröffentlichung English Version: 30. März 2012
2017 Gleisdreieck
8
(5 Wo.)
36
(1 Wo.)
25
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 3. März 2017

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[15] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH
1999 Can’t Stop, Won’t Stop
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 3. Mai 1999
(feat. Scorpio)
Mit dir
Esperanto
9
(19 Wo.)
30
(6 Wo.)
12
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. Juli 1999
(Freundeskreis mit Joy Denalane)
Time Heals the Pain
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 25. Dezember 1999
2001 Sag’s mir
Mamani
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 13. August 2001
2002 Geh jetzt
Mamani
64
(4 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 6. Mai 2002
Was auch immer
Mamani
86
(1 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 23. September 2002
2003 Im Ghetto von Soweto
Mamani
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 17. Februar 2003
Kinderlied
Mamani
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 12. Mai 2003
So Many Men
Nothing’s in Vain (Coono du réer)
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 8. Dezember 2003
(Youssou N’Dour mit Joy Denalane)
2004 Höchste Zeit
Mamani Live
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 4. Oktober 2004
1ste Liebe
Max Herre
33
(10 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 30. August 2004
(mit Max Herre)
2005 Go! (Remix)
Be
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 5. September 2005
(Common feat. Joy Denalane)
2006 Let Go
Born & Raised
45
(9 Wo.)
300! 46
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Juni 2006
Heaven or Hell
Born & Raised
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 6. Oktober 2006
(feat. Raekwon)
2007 Sometimes Love
Born & Raised
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 9. März 2007
Change
Born & Raised
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 25. Juni 2007
(feat. Lupe Fiasco)
2011 Bin und bleib dein
Maureen
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 29. April 2011
Frei
Maureen
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 6. Mai 2011
Nie wieder, nie mehr
Maureen
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 6. Mai 2011
(feat. Julian Williams)
Niemand (was wir nicht tun)
Maureen
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 13. Mai 2011
(feat. Max Herre; Remix mit Megaloh & Samy Deluxe)
2012 No More
Maureen (English Version)
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 9. März 2012
2014 Do They Know It’s Christmas? (Deutsche Version)
1
(5 Wo.)
10
(3 Wo.)
21
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. November 2014
(mit Band Aid 30 Germany)
2015 Keine Religion
97
(1 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: Februar 2015

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hanna Gieffers: Mein Lebenswerk. (PDF; 1,5 MB) „Ich rebellierte – und zwar mit Prince“. In: hannagieffers.de. Neon, 2017, abgerufen am 17. Oktober 2018.
  2. 2001 – Four Music gibt Vollgas. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 10. April 2013; abgerufen am 12. Mai 2013.
  3. a b Susanne Oehmsen: Gebieterin über Soul und HipHop. In: Hamburger Abendblatt. 27. März 2003, abgerufen am 12. Mai 2013.
  4. Michael Steppen: Joy denalane – Die Soul-Mama. In: Focus Online. 14. August 2006, abgerufen am 12. Mai 2013.
  5. So Many Men (Single) von Joy Denalane und Youssou N'Dour. Amazon.com, 8. Dezember 2003, abgerufen am 12. Mai 2013.
  6. Hannes Ross: Joy Denalane – Tief aus der Seele. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Stern.de. 9. Oktober 2004, archiviert vom Original am 3. Juli 2013; abgerufen am 12. Mai 2013.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stern.de
  7. Stefan Franzen: Erst auf Englisch, dann auf Deutsch. In: Badische Zeitung. 17. Mai 2011, abgerufen am 12. Mai 2013.
  8. Hanno Busch: Joy Denalane bei TV Total. Abgerufen am 21. Dezember 2015.
  9. Comet für Tote Hosen: Düsseldorfer sahnen in Köln gleich doppelt ab. In: Spiegel Online. 17. August 2002, abgerufen am 12. Mai 2013.
  10. 2003 – Echo für Four Music. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 17. Juli 2013; abgerufen am 12. Mai 2013.
  11. 2004 – Die ersten #1-Alben für Four Music. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 25. Juni 2013; abgerufen am 15. Mai 2013.
  12. Joy Denalane – News vom 14. April 2011
  13. Album-Review zu „Maureen“
  14. Gala.de „Joy Denalane: Glücklich vereint“ (Memento vom 18. August 2012 im Internet Archive)
  15. a b Chartplatzierungen: DE AT CH
  16. Auszeichnungen: DE