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Johanna von England (1210–1238)

Ehefrau von Alexander II. von Schottland

Herkunft und Verlobung mit Hugo X. von LusignanBearbeiten

Johanna war das dritte Kind und die älteste Tochter des englischen Königs Johann Ohneland und von dessen zweiten Frau Isabella von Angoulême. 1212 verhandelte Johann Ohneland mit dem schottischen König Wilhelm dem Löwen, wonach der schottische Thronfolger Alexander mit einer Tochter Johanns verheiratet werden sollte. Der englische König erhielt auch das Recht, Alexander zu verheiraten, doch er nutzte diese Möglichkeit nicht, die englisch-schottischen Beziehungen zu verbessern. Stattdessen versuchte er, eine politisch noch vorteilhaftere Heirat für seine Tochter zu erreichen. Einen Vorschlag des französischen Königs Philipp II., Johanna mit einem seiner Söhne zu verheiraten, wies er aber schroff zurück. Stattdessen bot er Johanna quasi als Friedensangebot der mit ihm verfeindeten südwestfranzösischen Familie Lusignan an. 1214 wurde Johanna mit Hugo X. von Lusignan verlobt, an dessen Hof sie dann aufwuchs. Als Pfand für eine später zu überreichende Mitgift erhielt Hugo von Lusignan Saintes und die Saintonge sowie die Île d’Oléron. Nach dem Tod von Johann Ohneland im Oktober 1216 forderte Lusignan die vorzeitige Überlassung dieser Gebiete. Als der englische Regentschaftsrat, der für Heinrich III., den minderjährigen Bruder Johannas, die Regierung führte, dies verweigerte, löste er die Verlobung und heiratete stattdessen ihre verwitwete Mutter Isabella von Angoulême. Diese war 1200 mit seinem Vater Hugo IX. von Lusignan verlobt gewesen, und ihre Heirat mit Johann Ohneland 1202 hatte zum Zerwürfnis zwischen dem englischen König und den Lusignans geführt.

Geisel im Konflikt zwischen Lusignan und der englischen RegierungBearbeiten

Nach dem Scheitern von Johannas Verlobung bat der englische Regentschaftsrat am 22. Mai 1220, dass sie in La Rochelle an Beauftragte der englischen Regierung übergeben würde. Lusignan benutzte sie jedoch als Geisel. Er behielt Saintes, Saintonge und die Île d’Oléron besetzt und forderte die Übergabe von Isabellas Mitgift, die von der englischen Regierung noch zurückgehalten wurde. Am 15. Juni 1220 erklärte der schottische König Alexander II., der inzwischen seinem Vater Wilhelm dem Löwen nachgefolgt war, bei einem Treffen mit dem päpstlichen Legaten Pandulf und dem Regentschaftsrat in York, dass er Johannas jüngere Schwester Isabella heiraten würde, falls Johanna weiterhin in Südwestfrankreich festgehalten würde.[1] Daraufhin vermittelte Papst Honorius III. zwischen der englischen Regierung und Lusignan, dem er Kirchenstrafen androhte, falls er Johanna weiter festhalten würde.[2] Am 5. Oktober erklärten sich der englische Justiciar Hubert de Burgh und der Regentschaftsrat einverstanden, die Mitgift von Königin Isabella, zu dem Berkhamsted Castle und vermutlich auch Rockingham gehörte, an Lusignan zu übergeben. Im Gegenzug sollte Lusignan Johanna nach England bringen oder sie in La Rochelle zu übergeben.[3] Daraufhin brachte Lusignan Johanna im Herbst 1220 nach La Rochelle, von wo sie nach England zurückkehrte.

Heirat und Ehe mit Alexander II. von SchottlandBearbeiten

1221 fand in York Minster ihre Heirat mit Alexander statt, wobei das genaue Datum nicht gesichert ist. Am wahrscheinlichsten ist die Angabe der Melrose Chronicle, nach der die Heirat am 19. Juni stattfand. Am 18. Juni 1221 hatte Alexander seiner Braut Jedburgh, Crail, Kinghorn und andere Güter als Morgengabe übergeben. Aus diesen Besitzungen hatte sie jährliche Einkünfte in Höhe von etwa £ 1000. Von der englischen Regierung erhielt Johanna dagegen kein Landbesitz als Mitgift.[4] Nach der Chronik von Matthew Paris forderte der schottische König mehrere Jahre später von Heinrich III. vergeblich die Übergabe von Northumberland, da dies von Johann Ohneland als Mitgift zugesagt worden war. Hierfür gibt es aber keine weiteren Belege.

Die bei ihrer Hochzeit erst elfjährige Johanna wurde am schottischen Hof offenbar nie heimisch. Aufgrund des Altersunterschieds zu ihrem Mann, der über elf Jahre älter war, durch ihre Kinderlosigkeit und wegen ihrer dominierenden Schwiegermutter Ermengarde gelang es ihr nicht, Bedeutung zu gewinnen und so an politischen Einfluss zu gelangen. Dazu kam es zwischenzeitlich zu politischen Spannungen zwischen ihrem Mann und Heinrich III., so dass sie sich in einer schwierigen Stellung befand. Johanna stand im Briefwechsel mit ihrem Bruder. In einem dieser Briefe, der vermutlich 1224 verfasst worden war, gab sie vermutlich von Alan of Galloway erhaltene Informationen weiter, nach denen der norwegische König Håkon IV. den rebellischen Baron Hugh de Lacy in Irland unterstützen würde. Im September 1236 begleitete Johanna ihren Mann, als dieser nach Newcastle und im September 1237 nach York zu Verhandlungen mit Heinrich III. reiste. Matthew Paris vermutete, dass Johanna und ihr Mann sich zu dieser Zeit bereits entfremdet hatten und dass sie am liebsten nach England zurückkehren wollte. Ihr Bruder hatte ihr bereits vor 1236 die Güter Driffield in Yorkshire und Fen Stanton in Huntingdonshire zur Nutzung überlassen.

Tod und BeisetzungBearbeiten

Nach Abschluss des Vertrags von York im September 1237 unternahm sie, vermutlich bereits schwer krank, eine Wallfahrt nach Canterbury. Etwa ein halbes Jahr später starb sie in Essex in den Armen ihrer Brüder Heinrich III. und Richard von Cornwall. Auf ihren Wunsch hin wurde sie in der Zisterzienserinnenabtei Tarrant in Dorset beigesetzt. Ihr Bruder Heinrich bedachte das Kloster später mit großzügigen Schenkungen und ließ ein aufwändiges Grab für sie errichten, dass in der Werkstatt von Elias of Dereham in Salisbury angefertigt wurde. Dazu ließ er später ein marmornes Grabdenkmal für sie errichten. Die Abtei wurde während der Reformation zerstört, weder Grab noch Grabdenkmal sind erhalten geblieben. Ihre Ehe mit Alexander II. war kinderlos geblieben. Er heiratete nach ihrem Tod in zweiter Ehe Marie de Coucy.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Joan of England, Queen of Scotland (1238) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David Carpenter: The minority of Henry III. University of California Press, Berkeley 1990. ISBN 0-520-07239-1, S. 196.
  2. David Carpenter: The minority of Henry III. University of California Press, Berkeley 1990. ISBN 0-520-07239-1, S. 217.
  3. David Carpenter: The minority of Henry III. University of California Press, Berkeley 1990. ISBN 0-520-07239-1, S. 221.
  4. David Carpenter: The minority of Henry III. University of California Press, Berkeley 1990. ISBN 0-520-07239-1, S. 196.
VorgängerinAmtNachfolgerin
Ermengarde de BeaumontQueen Consort von Schottland
1221–1238
Marie de Coucy