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Alexander II. (Schottland)

König von Schottland

Kindheit und JugendBearbeiten

Alexander II. war der einzige Sohn von König Wilhelm dem Löwen und dessen Frau Ermengarde. Er hatte noch drei Schwestern. Am 12. Oktober 1201 erkannten ihn die schottischen Magnaten in Musselburgh als Thronfolger an. Der junge Thronfolger spielte eine große Rolle in den Verträgen, die sein Vater 1209 und 1212 mit dem englischen König Johann Ohneland schloss. Der genaue Inhalt der Verträge ist nicht überliefert, doch in dem 1209 geschlossenen Vertrag von Norham bot Alexander dem englischen König Hommage für die Besitzungen an, die sein Vater als Lehen der englischen Krone hielt, nämlich Tynedale und die Oberherrschaft über die Honour of Huntingdon. Dazu vertraute der schottische König dem englischen König seine beiden älteren Töchter Margarete und Isabella an, damit dieser sie verheiraten solle. Offenbar erwartete König Wilhelm, dass mindestens eine seiner beiden Töchter einen der Söhne des englischen Königs heiraten würde. In einem weiteren, 1212 geschlossenen Vertrag erhielt der englische König das Recht, Alexander zu verheiraten. Möglicherweise versprach Johann Ohneland, Alexander mit seiner ältesten Tochter Johanna zu verheiraten. Die Schotten erhofften wohl, dass die englische Prinzessin Northumberland als Mitgift mit in die Ehe bringen würde. Alexander und Johanna heirateten tatsächlich, doch erst neun Jahre später, und die Braut erhielt nicht Northumberland als Mitgift. Am 4. März 1212 wurde Alexander von Johann Ohneland in Clerkenwell zum Ritter geschlagen. Der junge Thronfolger wurde sorgfältig darauf vorbereitet, den Thron von seinem alternden Vater zu übernehmen. Wilhelm der Löwe beteiligte ihn an der Regierung und übertrug ihm im Sommer 1212 den Oberbefehl über die Armee, die in Moray und Ross gegen den Rebellen Guthred MacWilliam einen Feldzug unternahm. Als Wilhelm der Löwe in Stirling auf dem Sterbebett lag, verlangte er von seinen Höflingen erneut das Versprechen, Alexander als nächsten König anzuerkennen. Einen Tag nach dem Tod seines Vaters wurde Alexander am 5. Dezember 1214 in Scone als König eingesetzt.

Verhältnis zu EnglandBearbeiten

Konflikt mit Johann OhnelandBearbeiten

Der junge Alexander übernahm ein ungefestigtes Reich. Im gälisch geprägten Norden und im norwegisch beeinflussten Westschottland hatte die Krone kaum Autorität. Für den minderjährigen Alexander wurde kein Regentschaftsrat gebildet, doch der junge König war stark von den Ratgebern seines Vaters abhängig, die er Anfang 1215 in ihren Ämtern bestätigte. 1215 gab es in Moray oder in Ross eine weitere Revolte der MacWilliams gegen die Krone, die allerdings von dem nordschottischen Magnaten Farquhar MacTaggart niedergeschlagen wurde. Auch das Verhältnis zu England wurde rasch belastet, da Johann Ohneland, dem sein Vater erhebliche Zugeständnisse gemacht hatte, nun die Oberherrschaft über Schottland beanspruchte. Dazu wollte er nicht die Zusagen einhalten, die er Wilhelm gegeben hatte. Als sich aber in England der Konflikt des Königs mit einer Adelsopposition zuspitzte, versuchte Alexander dies auszunutzen, um seine Stellung zu behaupten. Er erneuerte die schottischen Ansprüche auf die nordenglischen Grenzgrafschaften, die bereits sein Vater erhoben hatte. Als Johann Ohneland im Juni 1215 von seinen Baronen zur Anerkennung der Magna Carta gezwungen wurde, musste er in Artikel 59 zugestehen, nicht nur seine Versprechen bezüglich den noch immer unverheirateten Schwestern von Alexander umzusetzen, sondern auch die nicht näher beschriebenen Rechte und Privilegien des schottischen Königs zu beachten.

Teilnahme am Krieg der BaroneBearbeiten

Erfolgreicher schottischer Angriff auf NordenglandBearbeiten

Als Johann Ohneland im August 1215 die Bestimmungen der Magna Carta missachtete, fiel Alexander II. in Northumberland ein und begann am 19. Oktober 1215 mit der Belagerung von Norham. Da zur selben Zeit der Krieg der englischen Barone gegen Johann Ohneland begann, waren die Schotten in diesem Krieg den Engländern zunächst überlegen. Alexander II. hatte sogar die volle Unterstützung der nordenglischen Barone, so dass mindestens 25 englische Burgen nördlich des Humber den Schotten keinen Widerstand leisteten. Die Anführer der nordenglischen Barone, Robert de Ros und Eustace de Vesci hatten uneheliche Töchter von König Wilhelm I. geheiratet und waren damit mit Alexander II. verschwägert. Verhandlungen zwischen den Baronen und Alexander II. führten zu einem Vertrag, in dem die Barone Alexanders Ansprüche auf Northumberland, Cumberland und Westmorland anerkannten. Sie gingen sogar so weit, dass sie die lokalen Grundbesitzer aktiv auffordern wollten, die Herrschaft des schottischen Königs anzuerkennen. Eustace de Vesci erklärte Alexander II. während der Belagerung von Norham offiziell zum Herrn von Northumberland, und ein Großteil des Adels der Grafschaft huldigte ihm am 22. Oktober 1215 in Felton bei Alnwick.

Gegenschlag von Johann Ohneland und erneuter schottischer AngriffBearbeiten

Nachdem Alexander II. im Dezember 1215 die königliche Burg in Newcastle niedergebrannt hatte, unternahm Johann Ohneland einen Feldzug nach Norden. Er eroberte zahlreiche Burgen der Rebellen einschließlich Carlisle und Richmond und zwang die rebellischen Barone aus Yorkshire zur Flucht nach Schottland. Dort gelobten sie am 11. Januar 1216 in Melrose Alexander II. die Treue. Der englische König überschritt nun die schottische Grenze, eroberte am 15. Januar 1216 Berwick und plünderte und verwüstete Lothian bis hinauf nach Haddington. Ohne dass es zur offenen Schlacht kam, konnte Alexander II. die Engländer aber vertreiben, die sich wieder nach Süden zurückzogen. Die Schotten verfolgten sie bis nach Richmond. Dann belagerte er ab Juli 1216 Carlisle, das 8. August bis auf die Burg erobert wurde. Carlisle Castle ergab sich an einem unbekannten späteren Datum.

Bündnis mit Frankreich und Versuch der Besetzung NordenglandsBearbeiten

Nach der Eroberung von Carlisle stieß Alexander II. in einem beispiellosen Zug durch ganz England bis zur Küste von Kent vor. Dort traf er den französischen Prinzen Ludwig, dem die rebellischen Barone die englische Krone angeboten hatten. Mitte September huldigte Alexander dem Franzosen in Dover für die Honour of Huntingdon und für die drei nordenglischen Grafschaften. Im Gegenzug sicherte Ludwig ihm seine Unterstützung zu. Anschließend zog sich Alexander nach Norden zurück, wobei er einen Hinterhalt von Johanns Truppen am River Trent nicht nur umgehen, sondern dabei auch deren Lager plündern konnte. Mit Prinz Ludwig hatte Alexander II. vereinbart, dass seine nordenglischen Eroberungen weiterhin zu England gehören sollten. Schon bald hielt er sich jedoch nicht mehr an diese Abmachung, sondern versuchte, die nordenglischen Grafschaften mit seinem Reich zu vereinen. Obwohl seine Herrschaft über Northumberland noch nicht gesichert war, ernannte er Alan of Galloway zum Lord des nördlichen Westmorland und übergab ihm umfassende, vizekönigliche Vollmachten über ganz Cumbria. Vor April 1217 beanspruchte Alexander auch das königliche Recht, einen Kandidaten für die seit dem Tod von Bischof Bernard 1214 vakante Diözese Carlisle zu benennen.

Niederlage und FriedensschlussBearbeiten

Während Alexander II. versuchte, Nordengland in seinen Besitz zu bringen, gewannen in England die königstreuen Kräfte die Oberhand. Nach dem Tod von König Johann Ohneland im Oktober 1216 hatten königstreue englische Barone mit Hilfe des päpstlichen Legaten Guala Bicchieri dessen Sohn Heinrich zum neuen englischen König gekrönt und in seinem Namen die Magna Carta anerkannt. Damit waren zwei der Hauptgründe für die Rebellion der englischen Barone entfallen, und nach der Niederlage einer französischen Armee in der Schlacht von Lincoln im Mai 1217 schwanden auch die Aussichten von Alexander, seine Eroberungen zu behaupten. Im Mai und im Juli 1217 führte er Raubzüge durch Northumberland, die jedoch nur die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und England beschleunigten. Im September 1217 wurde der Frieden von Lambeth zwischen England und Frankreich geschlossen, woraufhin die verbliebenen französischen Truppen England verließen. Dazu hatte Heinrich III. die Unterstützung von Papst Honorius III., von dem er sein Reich als Lehen hielt. Legat Guala ging nun gegen die Schotten vor. Er exkommunizierte Alexander II. und seine führenden Adligen und verhängte über Schottland das Interdikt. Von seinen französischen Verbündeten verlassen, erkannte Alexander II. angesichts dieses Drucks seine Niederlage an. Die englische Regierung hatte im Frieden von Lambeth zugestehen müssen, dass der Friede auch für Schottland gelten würde, wenn es die besetzten Gebiete in Nordengland räumen würde.[1] Am 1. Dezember 1217 übergab Alexander Carlisle den Engländern, worauf die Exkommunikation von ihm und seinen Untertanen aufgehoben wurde. Am 19. Dezember oder kurz zuvor unterwarf er sich in Northampton dem jungen englischen König, der Alexanders Ansprüche auf die Grenzgrafschaften ignorierte und seine Huldigung für Tynedale und die Honour of Huntingdon entgegennahm. Daraufhin wurde Anfang 1218 das über Schottland verhängte Interdikt gelockert, obwohl mehrere führende schottische Bischöfe erst im weiteren Verlauf des Jahres die Absolution erhielten.

Folgen für das weitere Verhältnis zu EnglandBearbeiten

Trotz der anfänglichen schottischen Erfolge hatte sich England, wie bereits im Krieg von 1173 bis 1174, in dem Krieg gegenüber Schottland erfolgreich behauptet. Angesichts dieser Erfahrung führte Alexander II. bis zu seinem Tod eine realistische Politik gegenüber dem militärisch überlegenen Nachbarn. Er vermied erfolgreich eine weitere militärische Auseinandersetzung, obwohl es durchaus politische Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem englischen König Heinrich III. gab.

Verbesserung der Beziehungen zu EnglandBearbeiten

1221 heiratete Alexander endlich die englische Königstochter Johanna. Im selben Jahr heiratete der englische Justiciar Hubert de Burgh Alexanders Schwester Margarete. Diese Hochzeiten, ergänzt durch die Heirat von Alexanders Schwester Isabella mit dem englischen Magnaten Roger Bigod, 4. Earl of Norfolk 1225 verbesserten weiter das englisch-schottische Verhältnis, obwohl die schottischen Prinzessinnen in England schäbig behandelt wurden. Hubert de Burgh wurde später vorgeworfen, dass er selber eine der Prinzessinnen geheiratet hatte, obwohl 1209 vereinbart worden war, dass eine von ihnen mit einem englischen Prinzen verheiratet werden sollte. Dazu musste Alexander II. in Schottland hohe Steuern erheben, um die Mitgiften für seine Schwestern aufzubringen. Diese Steuern erbrachten etwa £ 10.000. Johanna von England brachte dagegen keinen Landbesitz als Mitgift mit in die Ehe mit Alexander.[2] Dennoch verbesserte sich das englisch-schottische Verhältnis weiter. Im Juli 1223 traf Alexander II. den englischen König in Worcester und im Dezember 1229 kam er zu einem Freundschaftsbesuch an den englischen Königshof. 1235 verheiratete er schließlich seine jüngste Schwester Marjorie mit dem englischen Magnaten Gilbert Marshal, 4. Earl of Pembroke, nachdem verschiedene andere Heiratspläne für sie gescheitert waren.

Stabilisierung der Beziehungen durch die Verträge von York und NewcastleBearbeiten

Sichtbares Zeichen für das inzwischen gute Verhältnis zwischen England und Schottland war der am 25. September 1237 geschlossene Vertrag von York. Er befreite den englischen König von allen Heiratsverpflichtungen, die noch nach dem 1209 geschlossenen Vertrag bestanden. Im Gegenzug verzichtete Alexander II. feierlich auf ewig auf alle Ansprüche der schottischen Könige auf Northumberland, Cumberland und Westmorland. Als Entschädigung sprach ihm der englische König Landbesitz in Nordengland zu, aus denen er jährliche Einkünfte in Höhe von £ 200 haben sollte. Tatsächlich erhielt Alexander vor 1242 mehrere Güter in Cumberland mit dem Mittelpunkt in Penrith. Dennoch waren die Beziehungen zwischen England und Schottland nicht ganz ungetrübt. Alexander wusste, dass er den englischen König verärgerte, als er nach dem Tod seiner Frau Johanna 1238 nach einer neuen Braut in Frankreich suchte und schließlich Marie de Coucy heiratete. Vor allem die englische Furcht vor einem neuen Bündnis zwischen Schottland und Frankreich führte 1244 fast zu einem neuen Krieg zwischen England und Schottland. Nachdem der englische König ein Heer aufgeboten hatte, berief auch Alexander II. sein Heer ein. Die Krise wurde aber dann rasch durch Verhandlungen beigelegt, die am 14. August 1244 zum Vertrag von Newcastle führten. In diesem Vertrag verzichtete Alexander auf alle Maßnahmen, die gegen Heinrich III. gerichtet waren, mit Ausnahme von Maßnahmen zur Verteidigung schottischer Interessen. Zur Besiegelung des Bündnisses verlobte er seinen Erben Alexander mit Margarete, der ältesten Tochter des englischen Königs. Weder in dem Frieden von 1217 noch nach der Krise von 1244 erkannte Alexander den englischen König als Oberherrn an, doch insgesamt betrieb Alexander gegenüber England eine versöhnliche Politik. Trotz der zeitweiligen Spannungen trug diese Politik wesentlich zur Festigung des Königreichs Schottland bei und kann deshalb nicht hoch genug bewertet werden.

 
Wappen von Alexander II.

InnenpolitikBearbeiten

Ausweitung der königlichen Macht nach Nord- und nach WestschottlandBearbeiten

Alexander II. hatte sowohl den Wunsch wie auch die Möglichkeit, die königliche Gewalt nach Nord- und nach Westschottland auszudehnen. Anfang 1221 zog er nach Inverness, wo er die Revolte von Donald MacNeil, einem Clanführer aus den Highlands niederschlug. Von 1221 bis 1222 führte er größere Feldzüge nach Argyll, wodurch er die Kontrolle über Kintyre und vielleicht auch über Cowal gewann. Dazu baute er Tarbert als königliche Burg aus. Im September 1222 wurde Bischof Adam von Caithness, sein wichtigster Unterstützer in Nordschottland, ermordet. Daraufhin führte der König noch im selben Jahr eine Strafexpedition nach Nordschottland. Die Mörder wurden gefasst und verstümmelt, dazu beschlagnahmte der König zeitweise die Hälfte der Besitzungen des unzuverlässigen John Haraldsson, Earl of Caithness. Vermutlich 1228 zog er erneut mit einem Heer nach Nordschottland, um eine weitere Revolte des Clan MacWilliam niederzuschlagen. Bevor er sich zurückzog, beauftragte er William Comyn, Earl of Buchan, die Revolte in Moray vollständig niederzuschlagen. Alexanders Unterstützer gingen dabei brutal vor. Die abgeschlagenen Köpfe der Führer der Revolte wurden dem König präsentiert, und 1230 zerschmetterten Unterstützer des Königs den Kopf eines kleinen Mädchens aus dem MacWilliam-Clan am Marktkreuz von Forfar. Durch diese unbarmherzige Politik konnte der König Nordschottland unterwerfen. Diesen Erfolg festigte er durch die Bildung neuer Territorien. In den 1230er Jahren gründete er die beiden großen Herrschaften Badenoch und Lochaber in den Highlands, erneuerte das Earldom Ross und schuf das Earldom Sutherland. Dazu setzte er mit Magnus einen neuen, ihm gegenüber loyalen Earl of Caithness ein.

Unterwerfung von GallowayBearbeiten

Als 1234 Alan of Galloway starb und nur einen unehelichen Sohn sowie drei Töchter hinterließ, nutzte der König die Gelegenheit, um seine Macht nach Südwestschottland auszudehnen. Er ignorierte das traditionelle keltische Erbrecht und damit die Erbansprüche von Alans unehelichem Sohn Thomas. Stattdessen teilte er Galloway nach dem Feudalrecht unter den drei Töchtern von Alan auf, die alle mit englischen Baronen verheiratet waren. Als es daraufhin in Galloway zu einem Aufstand zugunsten von Thomas kam, zog der König mit einem Heer nach Galloway. Am 15. Juli 1235 überfielen die Rebellen das Lager der königlichen Armee, doch als der loyale, inzwischen zum Earl of Ross erhobene Farquhar MacTaggart mit weiteren Truppen eintraf, konnte der König die Schlacht gewinnen. Alexander II. setzte Walter Comyn, Earl of Menteith als Verwalter von Galloway ein, der bis Ende 1235 Thomas zur Aufgabe zwang. Thomas wurde in einer Burg seiner Halbschwester Dervorguilla de Balliol eingekerkert, während zwei seiner irischen Verbündeten in Edinburgh von Pferden auseinander gerissen wurden.

Justiz und FinanzwesenBearbeiten

Alexander II. konnte nicht nur die königliche Macht auf die Randgebiete Schottlands ausweiten, sondern stärkte auch die königliche Justiz und betrieb eine erfolgreiche Finanzpolitik. Dies zeigte sich, als er seinen Schwestern große Geldsummen als Mitgift geben konnte. Dazu sammelte er einen Schatz für den von ihm geplanten Ankauf der westschottischen Inseln von Norwegen an. Als König gelang es ihm dazu, seine Stellung als oberster Richter zu bestätigen und auszubauen. Während seiner Herrschaft wandelte sich das Gerichtswesen. Wurden Konflikte zu Beginn seiner Herrschaft oft noch durch Gerichtskämpfe entschieden, so gerieten diese zunehmend in Misskredit und wurden durch Geschworenengerichte ersetzt. Die durch königliche Richter gefällten Urteile wurden allgemein akzeptiert, ergänzt wurde das Gerichtswesen durch die zunehmende Rechtsprechung durch geistliche Gerichte in kirchlichen Fragen. Alexander II. erließ zahlreiche Gesetze, von denen das bedeutendste die Regelung zur Ahndung von Raub und unrechtmäßiger Enteignung war. Wahrscheinlich gingen auch Gesetze zum Schutz von minderjährigen Erben auf ihn zurück.

Verhältnis zum AdelBearbeiten

Als König bestand Alexander II. auf das Recht, als König auch gegenüber dem Adel seine Herrschaft durchzusetzen. Die Stärke seiner Herrschaft verdankte er dabei auch der loyalen Unterstützung durch die Magnaten der schottischen Ostküste, dem Zentrum des mittelalterlichen Schottlands. Im Gegensatz zum englischen König Heinrich III., der sich gegen seine Barone behaupten musste, war die Autorität von Alexander in Ostschottland nahezu unangefochten. Selbst die erbitterte Fehde zwischen den Familien Comyn und Bisset konnte er beilegen, wobei er bemerkenswert geschickt vorging. In den nächsten Jahren konnte keine Adelsfamilie eine Vormachtstellung beanspruchen. Der König hatte keine Bedenken, oppositionelle Adlige hinzurichten oder zu verstümmeln, dies betraf vor allem Angehörige des traditionellen gälischen Adels. Sie mussten teils auch Verluste von Besitzungen akzeptieren, die der König vor allem an Mitglieder der anglonormannischen Familien, vor allem der Comyns, Murrays und Stewarts vergab. Deshalb galt er bei Chronisten auch als rücksichtsloser, moderner König, der den gälischen Adel verfolgte und bezwang. Andererseits behandelte er das unterworfene Galloway 1235 milde, und 1245 war er auch bereit anzuerkennen, das in Galloway teils das alte traditionelle Recht galt. Nach der Ermordung von Bischof Adam enteignete er auch nicht die Adligen aus Caithness, die in das Verbrechen verwickelt waren. Stattdessen erhielten sie gegen Strafzahlungen ihre Besitzungen zurück. Nicht zuletzt dadurch konnte der König auch in Nord- und Westschottland zunehmend Autorität gewinnen. Dies wurde noch dadurch verstärkt, dass er mit traditionellen Adligen wie Farquhar MacTaggart and Alan of Galloway zusammenarbeitete.

 
Die Ruine der von Alexander II. gegründeten Balmerino Abbey

Verhältnis zur KircheBearbeiten

Alexander II. wollte seine Stellung durch eine Salbung und Krönung nach mitteleuropäischem Vorbild stärken. Seine Versuche 1221 und 1233, dafür die Zustimmung des Papstes zu erhalten, blieben aber erfolglos, vor allem aufgrund des Widerstands des englischen Königs. Dennoch erreichte Alexander eine Stärkung der schottischen Identität als eigenes Reich, nicht zuletzt durch seine pragmatische Politik gegenüber England, die seine Unabhängigkeit sicherte. Als ihm Papst Gregor IX. 1235 auf Drängen von Heinrich III. befahl, den englischen König als Oberherrn anzuerkennen, missachtete er diese Verfügung einfach. Dies führte zum 1237 geschlossenen Vertrag von York, mit dem ein für England und für Schottland akzeptabler Kompromiss für die Beziehungen zwischen den beiden Reichen gefunden wurde.

Während seiner Herrschaft hatte Papst Honorius III. 1218 die Privilegien der schottischen Kirche bestätigt und ihr 1225 das Recht zugestanden, eine eigene Provinzialsynode abzuhalten. In der Folge unterstützten die schottischen Bischöfe den König, um englische Versuche abzuwehren, größeren Einfluss in Schottland zu erhalten. Persönlich war Alexander fromm und unterstützte die Kirche. Er machte Schenkungen zugunsten mehrerer Bistümer, dazu unterstützte er großzügig die Klöster Scone, Coldingham, Dunfermline, Coupar Angus, Melrose, Newbattle und Arbroath. Vor 1229 gründete er zusammen mit seiner Mutter Königin Ermengarde das Zisterzienserkloster Balmerino in Fife. Um 1230 gründete er Pluscarden Priory in Moray nach der neuen Regel von Kloster Val-des-Choues. 1230 oder 1231 holte er die ersten Bettelmönche des Dominikanerordens nach Schottland, die möglicherweise aus Paris kamen. Bei seinem Tod gab es neun Dominikaner- und mindestens drei Franziskanerniederlassungen in Schottland, die fast alle königliche Gründungen waren. Gleichzeitig nutzte Alexander aber auch die Kirche, um seine Politik zu stärken. Er sorgte dafür, dass die im gälisch geprägten Teil Schottlands gelegenen Diözesen Argyll, Caithness, Moray und Whithorn unter der Aufsicht der schottischen Kirche standen.

Versuch der Unterwerfung der Hebriden und TodBearbeiten

Durch die Eroberung von Galloway war der König in den Besitz von 200 Kriegsschiffen gelangt, die er nutzte, um seine Macht auf die Hebriden auszuweiten. Diese standen formal unter der Oberherrschaft des norwegischen Königs, doch die Lord of the Isles besaßen dazu Besitzungen auf dem Festland und unterstanden damit der Oberherrschaft des schottischen Königs. De facto herrschten sie jedoch weitgehend autonom über ihre Besitzungen. Während der norwegische König Håkon IV. zunehmend seinen Einfluss auf den Hebriden ausbaute, hatte Alexander II. in der Region bislang nur wenig Einfluss. Bereits in den 1220 er Jahren hatte Alan of Galloway vergeblich versucht, die Inseln Syke, Lewis und Man zu unterwerfen. Diese Angriffe hatten nur einen norwegischen Vergeltungsangriff provoziert, bei dem Håkon IV. von 1230 bis 1231 mit Unterstützung durch Schiffe von den Orkneys und von den Hebriden Bute und Kintyre angriff und damit Alexander II. demütigte. Da Alexander II. die Hebriden nicht unterwerfen konnte, machte er 1244 dem norwegischen König ein erstes Kaufangebot, dem noch weitere folgten. Håkon IV. lehnte diese jedoch ab, und als er sogar Ewen of Argyll beauftragte, die Autorität des norwegischen Königs auf den Hebriden wieder zu festigen, unternahm Alexander II. im Sommer 1249 einen großangelegten Angriff von Wasser und von Land aus, um die Hebriden zu erobern. Nachdem er Ewen erfolgreich vom schottischen Festland vertrieben hatte, erkrankte der König im weiteren Verlauf des Feldzugs an einem Fieber und starb an der Oban Bay auf der Island of Kerrera. Sein plötzlicher Tod führte zum Abbruch des Feldzugs. Er wurde in Melrose Abbey beigesetzt.

Ehen und NachkommenBearbeiten

Wahrscheinlich am 19. Juni 1221 hatte Alexander II. in York Johanna von England geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Nach Johannas Tod 1238 heiratete Alexander am 15. Mai in Roxburgh in zweiter Ehe Marie de Coucy. Mit ihr hatte er ein Kind, einen Sohn:

Daneben hatte der König eine uneheliche Tochter, Margaret, die er mit Alan Durward verheiratete. Dieser war seit 1244 eine Stütze seiner Verwaltung.

Sein Erbe wurde sein minderjähriger Sohn Alexander, für den zunächst mehrere Guardians die Regentschaft übernahmen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Alexander II. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David Carpenter: The minority of Henry III. University of California Press, Berkeley 1990. ISBN 0-520-07239-1, S. 69.
  2. David Carpenter: The minority of Henry III. University of California Press, Berkeley 1990. ISBN 0-520-07239-1, S. 196.
VorgängerAmtNachfolger
Wilhelm I.König von Schottland
1214–1249
Alexander III.