Johann von Spreckelsen (Bürgermeister)

Hamburger Senator und Bürgermeister

Johann von Spreckelsen (* um 1460 in Hamburg; † 25. Februar 1517[1] ebenda) war ein Hamburger Ratsherr und Bürgermeister.

Leben und WirkenBearbeiten

Spreckelsen wurde im Jahr 1498 zum Ratsherrn und am 28. Februar 1512, als Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Carsten Barschampe († 1511)[1], zum Bürgermeister gewählt.

Am 12. Mai 1505 stiftete er die sogenannte Pfingsthöge. Dieses Familienfest wurde alljährlich „zur Unterhaltung guter Freundschaft und Einigkeit“ zu Pfingsten gefeiert. Der Speiseplan für die Mahlzeiten wurde festgeschrieben. So durfte zum Beispiel bei diesem Fest kein Wildbret gegessen werden. Wenn einer Änderungen an den Regelungen vornahm, musste dieser ein Fass Bier zahlen. Wer sich zu den festgeschriebenen Mahlzeiten verspätete, musste eine Strafe zahlen, von welchem Geld Wein gekauft wurde. Die Pfingsthöge wurde anfangs auf eigene Kosten gehalten. Als aber immer mehr Familienmitglieder teilnahmen, wurde der Beschluss gefasst, dass jeder zu den Unkosten beitragen soll. Im Jahr 1574 wurde eine Stiftung errichtet, in die jeder einen Beitrag einzahlte und dessen Zinsen zur Finanzierung des Familienfestes genutzt wurden. Im Jahr 1625 wurde die Pfingsthöge zum vorerst letzten Mal gefeiert und danach wegen zu vieler Teilnehmer abgesetzt. Bis 1688 hatte sich das Kapital dieser Stiftung auf über 50.000 Mark Banco vermehrt, sodass am 3. Juli 1688 die Familienmitglieder sich unter dem Vorsitz eines Ratsherrn versammelten und über die Bestimmung der Gelder verhandelten. 24.000 Mark Banco wurden der Kämmerei zum Bau eines Zeughauses übergeben, welches später an der Ellerntorsbrücke errichtet wurde, 10.000 Mark Banco wurden angelegt und die Zinsen dem Hauptpastor an Sankt Jacobi und Professor am Akademischen Gymnasium Johann Friedrich Mayer, solange er Vorlesungen am Gymnasium gehalten hat, ausgezahlt. Nachdem Mayer Hamburg wieder verlassen hatte, kam dieses angelegte Kapital jeweils zur Hälfte dem Waisenhaus und dem Zuchthaus zugute. Weitere 7.090 Mark Banco wurden sofort dem Waisenhaus und dem Zuchthaus zugesprochen. 4.253 Mark Banco wurden an bedürftige Familienmitglieder ausgezahlt und 860 Mark Banco für die Bekehrung der Juden in Hamburg investiert. Am 21. November 1688 wurde diese Verteilung der Gelder per Dekret des Rats festgeschrieben. Der Hauptpastor an Sankt Katharinen und zwei weitere Bürger sollten die Verwaltung dieser Stiftung übernehmen.

Am 17. Mai 1986 wurde die Pfingsthöge erneut von den Namensträgern von Spreckelsen ins Leben gerufen und findet seitdem wieder jährlich zu Pfingsten statt.

FamilieBearbeiten

Spreckelsen war ein Sohn von Heino von Spreckelsen und Wöbbeke Ghervers, Tochter des Hamburger Ratsherrn Johann Ghervers.

Spreckelsens Ehefrau war Gertrud Schulte. Von seinen Töchtern war Wöbbeke verheiratet mit dem Oberalten und Ratsherrn Meino von Eitzen († 1559)[2][3], Margaretha mit dem Bürgermeister Johann Wetken († 1538)[4][5] und Gesche mit Evert Huge[6], Sohn des Hamburger Bürgermeisters Johann Huge († 1504). Von den Söhnen wurde Peter († 1553) ebenfalls Hamburger Bürgermeister.

LiteraturBearbeiten

  • Theodor Anckelmann: Johan. a Sprekelsen. In: Inscriptiones antiquißimæ et celeberrimæ urbis patriæ Hamburgensis. Nr. LVI. Wilhelm Walter, Heidelberg 1663, OCLC 475459015 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Arnold Christian Beuthner: von Spreckelsen, Iohann, Bürgermeister. In: „Hamburgisches Staats- und Gelehrten-Lexicon worin die Nahmen, das Leben und die Verdienste derjenigen Männer geist- und weltlichen Standes angeführet werden, welche von der heilsamen Reformation bis auf gegenwärtige Zeit, in dieser weltberühmten Stadt und derselben Gebiete, ein ansehnliches Ehren-Amt, oder eine hohe Würde bekleidet sich durch Schriften berühmt gemacht, daselbst gebohren und in der fremde beforderung erhalten, bereits aber das Zeitliche gesegnet haben“. Christian Wilhelm Brandt, Hamburg 1739, OCLC 46285036, S. 364 (Digitalisat auf den Seiten der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg [abgerufen am 13. Dezember 2014]).
  • Spreckelsen, (Johann von). In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 39, Leipzig 1744, Spalte 480.
  • Johann Paul Langermann: II. Historische Erzehlung. Zu Num. I. („Eine Gedächtniß-Münze auf die Bürgermeister-Wahl Herrn Lucas von Spreckelsen, J. U. D. von 1750.“). In: Hamburgisches Münz- und Medaillen-Vergnügen. Zwey und siebenzigstes Stück. Hamburg 1752, S. 571–574 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Johann Dietrich Winckler (Hrsg.): Nachrichten von Niedersächsischen berühmten Leuten und Familien. Erster Band. Nicolaus Conrad Wörmer, Hamburg 1768, OCLC 229947366, S. 59–60 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Nicolaus Wilckens: Johan von Spreckelsen. In: Christian Ziegra (Hrsg.): „Nicolaus Wilckens Hamburgischer Ehrentempel, in welchem eine Menge glaubwürdiger, und so viel möglich vollständiger Lebensbeschreibungen gelehrter und verdienstvoller Männer, die theils in theils ausser Hamburg gebohren worden, und daselbst im geistlichen und weltlichen Stande der Stadt gedienet haben, oder auch in einem Privatleben geblieben, oder auswärtig befördert worden sind, aufgestellet werden“. Christian Simon Schröder, Hamburg 1770, OCLC 165979830, S. 100 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Friedrich Georg Buek: Genealogische und Biographische Notizen über die seit der Reformation verstorbenen hamburgischen Bürgermeister. Johann August Meißner, Hamburg 1840, OCLC 166067441, S. 21–22 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Otto Beneke: Die Pfingsthöge der Familie von Spreckelsen. In: Hamburgische Geschichten und Denkwürdigkeiten. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1856, OCLC 837867979, S. 53–58 (Digitalisat im Internet Archive [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Adam Tratziger: Tratziger's Chronica der Stadt Hamburg. Hrsg.: Johann Martin Lappenberg. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1865, OCLC 682023341, S. 246 (Digitalisat im Internet Archive [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Johann Martin Lappenberg, Hermann Gries: Johann von Spreckelsen. In: Die milden Privatstiftungen zu Hamburg. Zweite umgearbeitete und veränderte Ausgabe, Nr. 254. W. Mauke’s Söhne, Hamburg 1870, OCLC 845783823, S. 151–152 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  • Wilhelm SillemSpreckelsen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 285–288.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Johann Martin Lappenberg (Hrsg.): Hamburgische Chroniken in niedersächsischer Sprache. Perthes, Besser und Mauke, Hamburg 1861, OCLC 475040614, S. 15 (Digitalisat im Internet Archive [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  2. Nicolaus Wilckens: Meno von Eitzen. In: Christian Ziegra (Hrsg.): „Nicolaus Wilckens Hamburgischer Ehrentempel, in welchem eine Menge glaubwürdiger, und so viel möglich vollständiger Lebensbeschreibungen gelehrter und verdienstvoller Männer, die theils in theils ausser Hamburg gebohren worden, und daselbst im geistlichen und weltlichen Stande der Stadt gedienet haben, oder auch in einem Privatleben geblieben, oder auswärtig befördert worden sind, aufgestellet werden“. Christian Simon Schröder, Hamburg 1770, OCLC 165979830, S. 101 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  3. Friedrich Georg Buek: Meino von Eitzen. In: Die Hamburgischen Oberalten, ihre bürgerliche Wirksamkeit und ihre Familien. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1857, OCLC 844917815, S. 14 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  4. Nicolaus Wilckens: M. Johan Wetken. In: Christian Ziegra (Hrsg.): „Nicolaus Wilckens Hamburgischer Ehrentempel, in welchem eine Menge glaubwürdiger, und so viel möglich vollständiger Lebensbeschreibungen gelehrter und verdienstvoller Männer, die theils in theils ausser Hamburg gebohren worden, und daselbst im geistlichen und weltlichen Stande der Stadt gedienet haben, oder auch in einem Privatleben geblieben, oder auswärtig befördert worden sind, aufgestellet werden“. Christian Simon Schröder, Hamburg 1770, OCLC 165979830, S. 15–16 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  5. Friedrich Georg Buek: Johann Wetken. In: Genealogische und Biographische Notizen über die seit der Reformation verstorbenen hamburgischen Bürgermeister. Johann August Meißner, Hamburg 1840, OCLC 166067441, S. 14–15 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 12. Dezember 2014]).
  6. „Evert, H. Johan Hugen des Burgermeisters son“. In: Bürgermeister Kellinghusen's Stiftung (Hrsg.): „Dat Schlechtbok.“ Geschlechtsregister der Hamburgischen Familie Moller (vom Hirsch), verfaßt im Jahre 1541 von Joachim Moller, Rathmann. Mit Nachträgen bis 1612, sowie mit urkundlichen Beilagen. Hamburg 1876, S. 50 (Digitalisat auf den Seiten der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf [abgerufen am 12. Dezember 2014]).