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Jochen Steinmayr (* 1. Dezember 1926 in Dingolfing; † 6. November 2006) war ein deutscher Journalist.

LebenBearbeiten

Steinmayr besuchte in der Zeit des Nationalsozialismus die Reichsschule der NSDAP Feldafing (RSF).[1]

Er begann zunächst ein Studium der Medizin, welches er abbrach. Als Redakteur ging er zur Süddeutschen Zeitung nach München.[2] Von 1956 bis 1961 war er Auslandskorrespondent in Warschau und Moskau.[2] Er wurde sodann Chefredakteur der Münchner Illustrierten innerhalb des Süddeutschen Verlages.[2] 1963 übernahm er die stellvertretende Chefredaktion beim Wochenmagazin Stern in Hamburg.[2] Wenig später wurde er Chefredakteur bei der illustrierten Zeitschrift Revue der Bauer Verlagsgruppe.[3]

Im Jahr 1971 holte ihn der Verleger Gerd Bucerius[4] in gleiche Position[2] zu Gruner + Jahr, um das neugegründete Zeitmagazin aufzubauen. Kritik an der Gründung übte seinerzeit die Chefredakteurin und nachmalige Herausgeberin der Zeit, Marion Gräfin Dönhoff, die die Reputation der bildungsbürgerlich ausgerichteten Wochenzeitung in Gefahr sah.[5] Ende der 1970er Jahre wurde Steinmayr Chefredakteur dieses ‚bunten‘ Magazins.[4] Es galt unter seiner Leitung als „Cashcow“ des Verlagshauses[6] und als Vorbild für andere Verlage.[7] Während dieser Zeit stand er auch im engen Kontakt mit dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, den er zweimal auf Wahlkämpfen begleitete.[2] 1986 interviewten er und der damalige Zeit-Chef Theo Sommer den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi.[8] Ab 1989 war er noch als Feuilletonist für die Die Zeit tätig.[2]

Steinmayr war Mitglied der römisch-katholischen Kirche[4] und ein Cousin des SPD-Politikers Hans-Jochen Vogel. Steinmayr war für die DDR von Interesse, weil er den persönlichen Referenten des Bundeskanzlers kannte und wurde deshalb von dem Geheimdiplomaten der DDR, Hermann von Berg, „betreut“.[9]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Johannes Leeb: Warum dieses Buch? In: Johannes Leeb (Hrsg.): „Wir waren Hitlers Eliteschüler“. Ehemalige Zöglinge der NS-Ausleseschulen brechen ihr Schweigen. Wilhelm Heyne Verlag, München 1999, ISBN 3-453-16504-7, S. 12.
  2. a b c d e f g Journalistenrunde: Bruno Kreisky in den in- und ausländischen Medien. In: Werner Gatty, Gerhard Schmid, Maria Steiner, Doris Wiesinger (Hrsg.): Die Ära Kreisky. Österreich im Wandel 1970–1983 (= Bruno Kreisky international studies, Band 1). Studienverlag, Innsbruck u. a. 1997, ISBN 3-7065-1195-9, S. 146.
  3. Stephan Lebert: So bunt wie Welt und Leben. In: Die Zeit, 24. August 2008, Nr. 35.
  4. a b c Wolfram Siebeck: Auch im Regen Optimist. Zum Tod von Jochen Steinmayr, Chef des ZEIT-Magazins. In: Die Zeit, 16. November 2006, Nr. 47.
  5. Simone Schellhammer: „Die Zeit“ hat wieder ein Magazin. In: Der Tagesspiegel, 24. Mai 2007, Nr. 19555, S. 35.
  6. Theo Sommer: Oft flogen die Fetzen. In: Die Zeit, 23. Februar 2006, Nr. 9. (Sonderbeilage 60 Jahre DIE ZEIT Zweiter Teil 1966 bis 1983)
  7. Wolfgang R. Langenbucher, Irmgard Wetzstein: Der real existierende Hochkulturjournalismus. Über Personen, Werke und einen Kanon. In: Tobias Eberwein, Daniel Müller (Hrsg.): Journalismus und Öffentlichkeit. Eine Profession und ihr gesellschaftlicher Auftrag. Festschrift für Horst Pöttker. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-15759-7, S. 396.
  8. Theo Sommer: Libyen. Als wir Muammar al-Gadhafi trafen. Zeit Online, 4. März 2011, Nr. 10.
  9. Hubertus Knabe: Der Diskrete Charme Der DDR. Stasi Und Westmedien. Propyläen, Berlin 2001, ISBN 3-549-07137-X, S. 38ff.