Joachim Radkau

deutscher Historiker

Joachim Radkau (* 4. Oktober 1943 in Oberlübbe im Kreis Minden) ist ein deutscher Historiker.

Joachim Radkau (Frankfurter Buchmesse 2013)

LebenBearbeiten

Der Sohn eines evangelischen Pfarrers studierte von 1963 bis 1968 Geschichte in Münster, Berlin und Hamburg, unter anderem bei Fritz Fischer, der ihn stark beeindruckte. 1970 wurde Radkau am Historischen Seminar in Hamburg bei Fischer über die Rolle deutschsprachiger Emigranten von 1933 bis 1945 im Umfeld des damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt promoviert. Ab 1971 lehrte er an der Pädagogischen Hochschule in Bielefeld.

Von 1972 bis 1974 schrieb Radkau gemeinsam mit George W. F. Hallgarten das Überblickswerk Deutsche Industrie und Politik von Bismarck bis in die Gegenwart. Er selbst übernahm darin die Darstellung der Zeit von 1933 bis etwa 1968. Die Deutsche Bank setzte gegenüber dem Verlag durch, dass mehrere Passagen Radkaus über ihre Rolle in der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs sowie in der Kontroverse von 1952 um das Luxemburger Abkommen der Regierung Konrad Adenauers mit Israel geschwärzt wurden. In der letzteren ging es vor allem um die Rolle von Hermann Josef Abs.

1980 habilitierte Radkau sich mit einer bei Hans-Ulrich Wehler eingereichten Studie über Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft. Diese Arbeit gilt nach den Worten seines Schülers Frank Uekötter als „bis heute unübertroffen“.[1] Jens Hohensee und Michael Salewski bezeichnen Radkau als „wohl beste[n] Kenner der Geschichte der bundesdeutschen Kernenergie“.[2] 1981 wurde er Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld. Danach wandte Radkau sich vor allem der Technikgeschichte und Umweltgeschichte zu. Er forschte über die Geschichte des deutschen Waldes und der (nach Radkau vorgeblichen) Holznot im 18. und 19. Jahrhundert, über die Geschichte des Naturschutzes (auch über seine Rolle im Nationalsozialismus) sowie über den Zusammenhang zwischen Nervosität und Technikgeschichte im Wilhelminischen Kaiserreich. In diesem Zusammenhang begann er auch mit biographischen Studien über Thomas Mann und Max Weber.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Radkau bekannt, als er im Jahr 2000 das Werk Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt veröffentlichte. 2005 folgte eine viel beachtete Biographie über Max Weber. 2009 wurde er emeritiert.[3] Für sein Lebenswerk erhielt er 2012 den UmweltMedienpreis.[4]

Im Jahr 2013 erschien die gemeinsam mit Lothar Hahn verfasste Arbeit Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft, die „eine überarbeitete, teilweise neu geschriebene und bis in die Gegenwart fortgeführte Fassung“ seiner Habilitationsschrift ist.[5] 2015 wurde Radkau für seine Biographie Theodor Heuss’ mit dem Einhard-Preis ausgezeichnet. Die zwei Jahre später erschienene Monographie Geschichte der Zukunft wurde von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in der Zeitschrift proZukunft in die Top-Ten der Zukunftsliteratur des Jahres 2017 gewählt.[6]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

MonographienBearbeiten

HerausgeberschaftenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Frank Uekötter: Umweltgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. München 2007, S. 57.
  2. Jens Hohensee, Michael Salewski (Hrsg.): Energie – Politik – Geschichte. Nationale und internationale Energiepolitik seit 1945. Stuttgart 1993, S. 13.
  3. Abschiedsfeier für Professor Dr. Joachim Radkau. Internetseite der Universität Bielefeld. Abgerufen am 17. Juni 2014.
  4. Alle Preisträger und Laudatoren im Überblick. In: UmweltMedienpreis. Auf DUH.de, abgerufen am 1. November 2019.
  5. Joachim Radkau, Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. München 2013, S. 10.
  6. JBZ-Team kürte die Top Ten der Zukunftsliteratur 2017. In: Die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ). 29. November 2017 (jungk-bibliothek.org [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  7. Manfred Funke: Industrie, Militär und Politik - Eine unheilvolle Allianz. Rezension. In: Die Zeit. Nr. 46, 7. November 1975.
  8. Klaus Traube: Ein Scherbenhaufen in der Atomszene. Rezension. In: Der Spiegel. Nr. 4, 23. Januar 1984.
  9. Robert Leicht: Empfindsames Genie. Rezension. In: Die Zeit. Nr. 42, 13. Oktober 2005.
  10. Dirk Kaesler: Natur, Nerven und Pollutionen. Rezension. In: Der Spiegel. 23. Januar 2006.
  11. Magnus Schlette: Die Leiden des großen Weber. Rezension. In: Frankfurter Rundschau. 7. Dezember 2005.
  12. Nils Minkmar: Das wilde Werben. Rezension. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. Oktober 2005.
  13. Johannes Kaiser: Geschichte des Holzes. Rezension. In: Deutschlandradio Kultur. 24. Dezember 2007.
  14. Joachim Müller-Jung: Aus den Wäldern auf die Gipfel. Rezension. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. März 2011.
  15. Dirk van Laak: Vogelschützer und Katzenfreunde. Rezension. In: Die Zeit. Nr. 12, 16. März 2011.
  16. Felix Ekardt: Die Welt und ihre Geschichte. Rezension. In: die tageszeitung. 17. März 2011.
  17. Sonja Ernst: Imposante Weltgeschichte der grünen Bewegung. Rezension. In: Deutschlandfunk. 28. März 2011.
  18. Mathias Greffrath: Weltgeschichte der Umweltbewegungen – Ökologische Aufklärung. Rezension. In: Süddeutsche Zeitung. 11. April 2011.