Jan Feddersen

deutscher Journalist

Jan Feddersen (* 14. Juli 1957 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist und Redakteur bei der Berliner Tageszeitung taz, der sich mit Themen der Gesellschafts- und Geschichtspolitik, Sexualität, Diskurstheorie, Pop- und Schlagermusik sowie mit Prominentenporträts[1] befasst.

Jan Feddersen (2014)

LebenBearbeiten

Jan Feddersen studierte in Hamburg Soziologie und schloss die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik als Sozialwiret ab.[2] Als Student bildete er gemeinsam u. a. mit Hans-Georg Stümke eine Arbeitsgemeinschaft schwuler Mitglieder im Kommunistischen Bund.[3]

Feddersen übte im Laufe seines Lebens verschiedene Tätigkeiten aus. So war er Postbote, Möbelverkäufer, Versicherungskartensortierer, Verlagskaufmann in spe, Zeitungsausträger, Autor und Säzzer verschiedener linker Medien, zum Beispiel Arbeiterkampf und Moderne Zeiten.[4]

Seine Karriere als Journalist begann er als Volontär der Hamburger Lokalausgabe der taz. Danach war er unter anderem freier Mitarbeiter beim Stern und für eineinhalb Jahre Jungredakteur der Zeit. Seit 1996 gehört er der Redaktion der taz in Berlin an, zunächst in der Meinungsredaktion, dann im Inlandsressort.[4] Er war Mitbegründer und verantwortlicher Redakteur des Kulturmagazins taz.mag, das von 1997 bis 2009 ein redaktioneller Teil der Wochenendausgabe der taz war. Seit 2002 ist Feddersen auch freier Mitarbeiter beim Unterhaltungsprogramm des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Feddersen bloggt seit 2005 Feddersen für den NDR auf eurovision.de zum Eurovision Song Contest (ESC). Dabei verfolgt er den Werdegang der Kandidaten und beobachtet die politische Entwicklung in den Teilnehmerländern.[2] Neben seiner journalistischen Tätigkeit unterrichtet Feddersen an der Universität Hamburg.

Seit 2009 ist Feddersen Kurator des taz lab, des taz-Kongresses in Berlin. Darüber hinaus ist er Autor und Interviewer speziell für die taz am Wochenende. Seine Interessen sind: Vergangenheitspolitik seit 1945, Popularkulturen aller Arten, besonders der Eurovision Song Contest, politische Analyse zu LGBTI*-Fragen sowie zu Fragen der Mittelschichtskritik.[4]

Ein Schwerpunkt seiner journalistischen Arbeit ist Homosexualität, insbesondere die Thematisierung der Diskriminierung sexueller Identitäten. Ein anderer ist die Popmusik und dort insbesondere der ESC, zu dem er mehrere Bücher verfasste.

Feddersen ist 1. Vorstand der Initiative Queer Nations (Stand Februar 2020) und ist Moderator bei deren Veranstaltung „Queer Lecture“. In dieser Funktion ist er auch federführend am Aufbau eines queeren Kulturhauses in Berlin beteiligt, das im Jahr 2022 unter der Bezeichnung Elberskirchen-Hirschfeld-Haus (E2H) eröffnet werden soll.

Feddersen ist seit 2011 mit dem Historiker Rainer Nicolaysen verheiratet.[4]

Konflikt um das E2H 2020Bearbeiten

Im Rahmen seiner Tätigkeit im Vorstand des IQN kam es nach einer vielfach als transfeindlich kritisierten Ankündigung einer Veranstaltung und unter Verweis auf frühere Statements[5] zu Vorwürfen transphober Positionen bei Feddersen und der zweiten IQN-Vorständin Christiane Härdel.[6][7] In einer Stellungnahme im Tagesspiegel vom 13. März 2020 äußerte sich Feddersen zu den erhobenen Vorwürfen und bestritt den Vorwurf des Transphobismus.[8]

Zugleich wurde die von Feddersen und Härdel betriebene Ausrichtung des E2H hin zu Veranstaltungen und weg von der Archiv- und Forschungsarbeit kritisiert. Auf dieser Basis entschied sich das Spinnboden Lesbenarchiv am 27. Februar 2020 aus dem E2H auszusteigen,[9] ebenso wie bereits zuvor das Schwule Museum und das Lili-Elbe-Archiv.[10] Am 3. März kündigte die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft an, ohne eine klare Kurskorrektur ebenfalls das Projekt zu verlassen und mit dem Spinnboden und dem FFBIZ[11] Alternativen zu suchen.[12] Queerformat kündigte ebenfalls an, Konsequenzen zu ziehen[13] Mit Ausnahme der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, in deren Vorstand Feddersen sitzt, dem LAZ reloaded (i. G., geleitet von Christiane Härdel) und der GEW Schwule Lehrer hätten damit alle ehemaligen Partner das Projekt verlassen.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Woodstock. Ein Festival überlebt seine Jünger. Ullstein, Berlin 1999, ISBN 3-548-35834-9.
  • Merci, jury! Die Geschichte des Grand Prix Eurovision de la Chanson. Zahlen-Daten-Stories. Döcker, Wien 2000, ISBN 3-851-15274-3.
  • Ein Lied kann eine Brücke sein. Die deutsche und internationale Geschichte des Grand Prix Eurovision. Hoffmann und Campe, Hamburg 2002, ISBN 3-455-09350-7.
  • als Hrsg.: Tatjana Eggeling Martin Dannecker, Dagmar Herzog, Andreas Kraß: Eggeling – Dannecker – Herzog – Krass. Vier Vorträge. Männerschwarmskript, Hamburg 2008, ISBN 978-3-939542-26-1 (Queer Lectures 1–4).
  • Wunder gibt es immer wieder. Das große Buch zum Eurovision Song Contest. Aufbau Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-7466-7074-4.
  • Phrase unser. Die blutleere Sprache der Kirche. Claudius Verlag, München 2020, ISBN 978-3-532-62844-7 (mit Philipp Gessler)

WeblinksBearbeiten

Commons: Jan Feddersen – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. mdr.de: MEDIEN360G im Gespräch mit Jan Feddersen | MDR.DE. Abgerufen am 18. April 2019.
  2. a b Nicole Janke: Jan Feddersen: Mann mit Meinung. www.eurovision.de, 14. Juli 2017, abgerufen am 23. Februar 2019.
  3. Bernd-Ulrich Hergemöller (Hrsg.): Mann für Mann, Lit-Verlag, Münster 2010, S. 1152.
  4. a b c d Redakteur für besondere Aufgaben. In: www.taz.de. 2019, abgerufen am 22. Februar 2019.
  5. Inga Barthels: Taz-Veranstaltung als transfeindlich kritisiert, tagesspiegel.de, erschienen und abgerufen am 25. Februar 2020.
  6. queer.de: Feminismus: Streit um "transphobe" Vorlesung in Berlin - queer.de, Zugriff am 5. April 2020
  7. tagesspiegel.de: (3) Diskussion um das queere Kulturhaus in Berlin: Eine queere Institution, die Transfeindlichkeit unterstützt, ist nichts wert - Queer - Gesellschaft - Tagesspiegel, Zugriff am 5. April 2020
  8. Jan Feddersen: Diskussion um das queere Kulturhaus: Von der Keule der Entwertung. Dem Queeren Kulturhaus in Berlin wurde Transfeindlichkeit vorgeworfen. Dagegen wehrt sich der Vorstand. Hier eine Erwiderung. In: Der Tagesspiegel. 13. März 2020, abgerufen am 13. April 2020.
  9. spinnboden.de: Spinnboden: E2H Austritt, Zugriff am 5. April 2020
  10. tgdwatch.wordpress.com: Das Elberskirchen-Hirschfeld-Haus – Ein Queeres Kulturhaus für Niemanden – tgd_watch, Zugriff am 5. April 2020
  11. facebook.com: FFBIZ e.V. - feministisches Archiv - Beiträge, Zugriff am 5. April 2020
  12. magnus-hirschfeld.de: E2H, Zugriff am 5. April 2020
  13. facebook.com: (63) Queerformat Fachstelle Queere Bildung - Beiträge, Zugriff am 5. April 2020