Hauptmenü öffnen

Italienisch-Libyen

Ehem. italienische Kolonie
Wappen der Kolonie
Gebietsentwicklung Libyens unter italienischer Kolonialherrschaft (1912–1943)

Italienisch-Libyen (italienisch Libia Italiana) war eine italienische Kolonie im heutigen Libyen in Nordafrika. Die Kolonie bestand von 1934 bis 1943.

Inhaltsverzeichnis

ErrichtungBearbeiten

 
Besuch des italienischen Königs Viktor Emanuel III. in Bengasi 1938

1934 erklärte der italienische Ministerpräsident und Diktator Benito Mussolini Libyen zur Kolonie. Die drei bereits seit dem Türkisch-Italienischen Krieg von 1911/1912 vom Königreich Italien (mit Unterbrechungen) besetzten Landesteile Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzan wurden am 1. Januar 1935 vereinigt.[1]

Italo Balbo war von nun an Generalgouverneur von Libyen (bis 1940).[2]

EntwicklungBearbeiten

Der bereits seit 1912 bestehende Widerstand der einheimischen Senussi-Bruderschaften gegen den italienischen Kolonialismus gewann während des Ersten Weltkrieges neuen Auftrieb. Mit osmanischer Hilfe eroberten die Senussi zwischen 1915 und 1919 fast das gesamte libysche Gebiet zurück, nur in fünf Küstenstädten konnten sich die Italiener behaupten. Nach Kriegsende begannen die Italiener mit der erneuten Eroberung des Landes, zwischen 1922 und 1925 brachten sie Tripolitanien unter ihre Kontrolle, von 1926 bis 1928 die Kyrenaika, von 1929/30 den Fezzan. Der libysche Widerstand konnte erst 1931 gebrochen werden, nachdem die italienischen Truppen die Kufra-Oasen eingenommen hatten.

Gegen die einheimischen Araber ging man weiterhin mit Brutalität vor. Der Zuzug von Italienern in den Norden Libyens wurde gefördert, über 100.000 italienische Kolonisten ließen sich im Land nieder.[1] Die Verkehrsinfrastruktur wurde zunehmend ausgebaut und die Grand-Prix-Rennen fanden bereits seit 1933 in Libyen statt.

Großbritannien überließ Italien 1934 das Sarra-Dreieck. Mussolini und Pierre Laval (damals Außenminister im Kabinett Flandin I) vereinbarten am 7. Januar 1935 das Französisch-Italienische Abkommen und darin eine endgültige Grenzziehung zwischen Libyen und der französischen Kolonie Französisch-Äquatorialafrika. Der Vertrag wurde vom italienischen Parlament nie ratifiziert; dennoch besetzte Italien 1935 vereinbarungsgemäß den Aouzou-Streifen.

Zweiter WeltkriegBearbeiten

 
Briefmarke Italienisch-Libyens, ca. 1924

Etwa 38.000 Juden lebten 1940 in Libyen. Viele von ihnen wurden im Zweiten Weltkrieg umgebracht.

Im Afrikafeldzug kämpften in Libyen die deutsche Wehrmacht mit dem Afrikakorps und italienische Soldaten gemeinsam gegen die British Army. Auf Seiten der Briten wiederum kämpften die Senussi und eine etwa 14.000 Mann starke Libyan Arab Force. Bis 1943 wurden die deutschen und italienischen Truppen aus Libyen verdrängt. Damit endete die italienische Herrschaft über Libyen.[2] Die italienischen Kolonisten waren bereits 1942 in die Heimat zurückgeholt worden.[3]

Der Fessan kam dann unter französische, Tripolitanien und die Cyrenaika unter britische Verwaltung.[1]

NachkriegszeitBearbeiten

Die von Großbritannien und Frankreich befürwortete Rückkehr Italiens als Verwaltungsmacht des UNO-Treuhandgebiets Libyen zumindest nach Tripolitanien scheiterte mit der Ablehnung des Bevin-Sforza-Plans vor der UNO 1949. Als Voraussetzung für diesen Plan hatte Großbritannien ab 1947 die Rückkehr italienischer Siedler nach Tripolitanien gefördert.[4] Die Siedler blieben auch nach der Unabhängigkeit Libyens (1951/52) im Land, 1962 lebten in Libyen wieder etwa 35.000 Italiener.[5] Nach der Revolution von 1969 wurden die italienischen Siedler im Rahmen verschiedener Maßnahmen und Gesetze zwischen 1970 und 1974 endgültig enteignet und ausgewiesen.[6]

Siehe auchBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. a b c Kultur Libyens (Memento des Originals vom 24. Dezember 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mittelmeerbasar.de.
  2. a b nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429.
  3. Munzinger-Archiv/Internationales Handbuch - Zeitarchiv 36/83 Libyen, Seite 1.
  4. Lothar Rathmann: Geschichte der Araber - von den Anfängen bis zur Gegenwart, Band 5 (Der Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems und die Bildung souveräner arabischer Nationalstaaten), Seite 113. Akademie-Verlag, Berlin 1981.
  5. Gustav Fochler-Hauke (Hrsg.): Der Fischer Weltalmanach 1969, Seite 100. Frankfurt am Main 1969.
  6. Lothar Rathmann: Geschichte der Araber - von den Anfängen bis zur Gegenwart, Band 6 (Der Kampf um den Entwicklungsweg in der arabischen Welt), Seite 184. Akademie-Verlag, Berlin 1984.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Italienisch-Libyen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien