Siedlungskolonie

Form der Kolonisation durch europäische Kolonialreiche

Siedlungskolonien waren eine Form der Kolonisation, die sich zur Zeit der europäischen Kolonialreiche herausbildete. Man unterschied zunehmend zwischen Siedlungskolonien und übrigen Kolonien.

Siedlungskolonien für Europäer um 1914 (ohne unabhängige Einwanderungsländer in Übersee)[1]

Siedlungskolonien sollten den Geburtenüberschuss des Mutterlandes aufnehmen, nicht selten auch durch erleichterte Existenzgründungen soziale Spannungen im Mutterland entschärfen. Sie konnten aber auch Strafkolonien beherbergen. Wie stark die Vorbevölkerung dabei verdrängt wurde, hängt nicht zuletzt von der Dauer der Kolonialherrschaft und der anschließenden Einwandererstaaten (nicht zu verwechseln mit dem Begriff Einwanderungsland) ab. Einige ehemalige Siedlungskolonien sind heutzutage Staaten mit europäischem Staatsvolk außerhalb Europas. In anderen blieb die Vorbevölkerung in der Mehrheit und ist heute Staatsvolk. In als Einwandererstaaten unabhängig gewordenen Siedlungskolonien ließen sich oft auch Siedler aus anderen Ländern als dem früheren Mutterland nieder, vor allem solchen, die selbst keine oder nur spät Kolonien hatten, dazu Angehörige unterdrückter Minderheiten. Besonders gilt das für die USA und Argentinien.

Die übrigen Kolonien wurden aus machtpolitischen Gründen erworben. Ihre Wirtschaft wurde ohne wesentliche oder mit nur geringer Einwanderung nach den Interessen des Mutterlandes ausgerichtet. Im Unterschied zu Siedlungskolonien, die oft in gemäßigtem Klima der Nord- oder Südhalbkugel lagen, waren diese Kolonien oft tropisch bzw. äquatornah (z. B. Plantagenkolonien).[1]

In einigen karibischen Ländern wurde die Vorbevölkerung zahlenmäßig weniger durch die Kolonisatoren selbst, als vielmehr durch die von ihnen aus Afrika importierten Sklaven verdrängt.

Liste von SiedlungskolonienBearbeiten

  • Siedlungskolonien Großbritanniens:
    • Nordirland,[6] siehe auch Ulster Plantation
    • die späteren USA, zunächst v. a. die 13 Kolonien an der Ostküste
    • Kanada
    • Australien
    • Neuseeland
    • Auch in einigen süd- und ostafrikanischen Kolonien – nicht aber in Westafrika – ließen sich ebenfalls britische Siedler nieder, stellten und stellen dort gegenüber der autochthonen afrikanischen Bevölkerung jedoch stets eine zwar vermögende und einflussreiche, aber zahlenmäßig sehr kleine Minderheit dar, so in Kenia und Rhodesien (heute Simbabwe). Einen Sonderfall stellt Südafrika dar, wo britische Siedler sich zwar in größerer Zahl niederließen, aber sowohl gegenüber den Afrikanern als auch gegenüber den niederländischstämmigen Siedlern, den Buren, immer in der Minderheit blieben.
  • Siedlungskolonien der USA:
    • Liberia, für freigelassene Sklaven
    • New Mexico und Texas mit US-Amerikanern
    • Hawaii mit US-Amerikanern
    • Philippinen mit philippinischen Christen aus dem Norden gegen philippinischen Muslime im Süden.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Hermann Kinder, Werner Hilgemann: dtv-Atlas Weltgeschichte. Band 2: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart, 5. Auflage. dtv, München 1970, S. 98.
  2. Sebastian Conrad: Deutsche Kolonialgeschichte. C.H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56248-8, S. 29.
  3. Jan C. Jansen, Jürgen Osterhammel: Dekolonisation. Das Ende der Imperien. C.H.Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65464-0, S. 69 f.
  4. ieg-ego.eu
  5. Konrad Schliephake: Demographie und Arbeitsmarkt im Rentier–Staat, in: Fritz Edlinger (Hrsg.): Libyen. Wien 2011, ISBN 978-3-85371-330-3, S. 33
  6. bbc.co.uk
  7. ieg-ego.eu