Kolonie Eritrea

italienisches Kolonialgebiet am Horn von Afrika

Die Kolonie Eritrea (italienisch Colonia Eritrea) war ein italienisches Kolonialgebiet am Horn von Afrika. Es umfasste das Staatsgebiet des heutigen Eritrea und bestand von 1890 bis 1936. Von 1936 bis 1941 war es Teil der italienischen Kolonie Italienisch-Ostafrika.

Wappen der Kolonie Eritrea
Vergrößertes Eritrea (rosa) als Teil Italienisch-Ostafrikas
In der Schlacht bei Dogali 1887 vernichteten Äthiopier eine 500 Mann starke Einheit fast vollständig

ErwerbBearbeiten

Erste italienische Gebiete am Roten Meer erwarb der Entdecker Giuseppe Sapeto in der Bucht von Assab. Seine Gesellschaft „Rubattino“ kaufte 1869 und im März 1870 einen sechs Kilometer langen Küstenstreifen, der dann als Handelsstützpunkt militärisch geschützt wurde. Nach einer Eroberung durch Ägypten Ende April 1870 und dem erneuten Kauf durch die Gesellschaft „Rubattino“ im März 1880 übernahm das Königreich Italien die Hafenstadt Assab und gründete im Juli 1882 die Kolonie Assab.

Verschiedene italienische Organisationen unternahmen wiederholt Entdeckungsreisen ins Innere Eritreas und dann nach Abessinien. Ab 1885 wurden allmählich weitere Gebiete erworben. 1885 wurden Baylul, Massaua und der Dahlak-Archipel erobert. Nach der vernichtenden Niederlage einer italienischen Armeeabteilung gegen abessinische Truppen bei Dogali im Jahre 1887 begann die italienische Regierung, ihren Einfluss auf die gesamte Region auszuweiten. So nahmen italienische Truppen im August 1889 Asmara ein und führten ein Jahr später eine neue Währung, den eritreischen Tallero ein.

Die KolonieBearbeiten

Die Gebiete um Massua, Assab und Asmara wurden vereinigt und am 1. Januar 1890 wurde die Kolonie Eritrea ausgerufen. Der erste Gouverneur war Baldissera Orero. Er förderte die Einwanderung von Italienern, allen voran der Landwirte. Die Eritreer wurden indes als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Es entstanden neue Sozialklassen und die Kolonie erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die einheimische Bevölkerung wurde enteignet und in ihren Rechten stark eingeschränkt. Politische Gegner und Rebellen wurden unter Baldiserra und ab Februar 1892 von seinem Nachfolger Oreste Baratieri bekämpft. Der autoritäre, militärisch geprägte Führungsstil Baratieris, der unter anderem auf einer diskriminierenden Rassenpolitik basierte, eckte bald an.[1][2] Deshalb kam es 1894 zu einer Revolte der Einheimischen, die blutig niedergeschlagen wurde. Von Eritrea aus startete Italien nach den Schlachten von Coatit und Senafe 1895 seinen Eroberungsfeldzug gegen Abessinien, der 1896 in der Schlacht von Adua für Italien mit einer demütigenden Niederlage endete.[3]

Daraufhin wurde Baratieri zunächst durch Antonio Baldissera abgelöst, 1897 dann wurde Ferdinando Martini Gouverneur Eritreas. Unter Martini wurde eine Zivilregierung anstatt der bisher bestehenden Militärregierung etabliert und die Korruption bekämpft. Außerdem baute die italienische Verwaltung in der Kolonie Eritrea die Infrastruktur durch Krankenhäuser und Schulbauten aus. Der Bau von Eisenbahnen und Straßen sowie die Verstädterung wurde vorangetrieben. Assab, in dem bereits am 22. Januar 1885 ein erstrangiges Postamt eingerichtet wurde, war das Hauptpostamtbezirk der Kolonie. Die Wirtschaft wurde mit der Banca per l’Africa Orientale gefördert.

In Eritrea lebten im Jahr 1936 vor allem Christen (etwa 57 % der Bevölkerung) und Muslime (39 %).[4]

1935 wurde Eritrea Aufmarschbasis für den zweiten italienischen Eroberungsfeldzug gegen Abessinien, den Italienisch-Äthiopischen Krieg. Nun wurde Eritrea als eine Provinz in die Kolonie Italienisch-Ostafrika eingegliedert, eine Vereinigung der Kolonie Italienisch-Somaliland (darunter auch Oltre Giuba) und des besetzten Äthiopiens.[5]

Die Wirtschaft wurde gefördert, so wurden Unternehmen wie die Brauerei Birra Melotti gegründet.

1941, im Zweiten Weltkrieg, wurde Eritrea von britischen Truppen erobert. Damit endete die italienische Herrschaft in Eritrea. 1947 stimmte Italien dem britischen UNO-Mandat über Eritrea zu.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Eyassu Gayim: The Eritrean Question. The conflict between the right to self-determination and the interests of State. Iustus, Uppsala 1993, ISBN 91-7678-240-9 (Studies in international law 12), (Zugleich: Uppsala, Univ., Diss. 1992).
  • Edward Ullendorff: The Ethiopians. An Introduction to Country and People. 2. Ausgabe. Oxford University Press, London u. a. 1965, S. 90.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alessandro Studio: Storia del colonialismo italiano: da Crispi a Mussolini. Datanews, Rom 2003, ISBN 88-7981-225-4 S. 38
  2. Stefano Poscia: Eritrea: colonia tradita. Edizioni associate, 1989 S. 19
  3. Charles Henry Alexandrowicz: The European-African Confrontation: A Study in Treaty Making. Leiden 1973, S. 72ff.
  4. Kleiner Weltatlas der Deutschen Buchgemeinschaft 1936, (Seite 161) (Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Band 8, S. 119. Mannheim 1973/79).
  5. Giampaolo Calchi Novati: Africa Orientale Italiana. In: Encyclopaedia Aethiopican, vol. 1 [A-C], Wiesbaden 2003, S. 129–133/134.