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Hubert Wolf (Theologe)

deutscher römisch-katholischer Theologe und Kirchenhistoriker

LebenBearbeiten

Wolf wurde 1959 im schwäbischen Wört geboren. Er absolvierte das Abitur im Mai 1978 am Peutinger-Gymnasium, Ellwangen und studierte danach an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der Ludwig-Maximilians-Universität München katholische Theologie mit dem Schwerpunkt Mittlere und Neuere Kirchengeschichte sowie später Exegese des Neuen und Alten Testamentes. 1983 legte er seine Diplomprüfung ab und setzte seine Ausbildung im Priesterseminar fort. Wolf empfing 1985 die Priesterweihe und war bis 1990 in der Pfarrseelsorge seiner Heimatdiözese Rottenburg-Stuttgart tätig. Im gleichen Jahr wurde er mit der Arbeit Ketzer oder Kirchenlehrer? Der Tübinger Theologe Johannes von Kuhn (1806–1887) in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen seiner Zeit an der Eberhard Karls Universität Tübingen promoviert. 1991 habilitierte er sich mit der Arbeit Die Reichskirchenpolitik des Hauses Lothringen (1680–1715); eine Habsburger Sekundogenitur im Reich? im Fach Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Eberhard Karls Universität in Tübingen.

1992 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im Jahre 1999 wechselte Wolf als C4-Professor an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster und wurde hier als Nachfolger Arnold Angenendts zudem Direktor des Seminars für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte am katholischen Fachbereich. 2002 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen gewählt. Im gleichen Jahr wurde er Leiter des DFG-Langzeitprojekts „Römische Inquisition und Indexkongregation“. Seit 2008 ist er Leiter des DFG-Langzeitprojekts „Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917–1929)“.

WirkenBearbeiten

Hubert Wolf gilt als herausragender Vertreter der jüngeren Generation von Kirchenhistorikern, die das Fach aus dem engeren disziplinären Ghetto herausgeführt und in größere interdisziplinäre Zusammenhänge der Politik- und Wissenschaftsgeschichte eingebunden haben. Zu seinen Hauptforschungsgebieten zählt die Darstellung der reichskirchlichen Zusammenhänge und die Auswertung und Erschließung der in Rom gelagerten Archivbestände der Inquisition und päpstlichen Indexkongregation. Bereits seit 1992, also vor der offiziellen Öffnung der Archive 1999 durch Papst Johannes Paul II., hatte Wolf Zugang zu den Akten. Im gleichen Jahr wurde er in den international besetzten wissenschaftlichen Beirat des Archivs der Glaubenskongregation berufen.

Ein zufälliger Aktenfund führte zu seinem wissenschaftlichen Buch Die Nonnen von Sant’Ambrogio. Inhalt ist der Skandal im gleichnamigen römischen Kloster Mitte des 19. Jahrhunderts, der erhebliche Auswirkungen auf die Kirchengeschichte hatte. Das Buch erhielt ein starkes Presseecho[1][2][3] und kam in der Sachbuch-Bestenliste von Süddeutscher Zeitung und Norddeutschem Rundfunk im Mai 2013 auf Platz 1. Das 2015 erschienene Buch Krypta. Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte enthüllt anhand von einigen Beispielen vergessene oder verdrängte Traditionen der Katholischen Kirche.

Seit 2013 leitet Wolf zusammen mit Andreas Wirsching die auf zwölf Jahre angelegte Herausgabe der Tagebücher von Michael Kardinal von Faulhaber.[4]

Im Juli 2019 fordert Wolf die Zulassung verheirateter Priester neben zölibatären Priestern in der römisch-katholischen Kirche.[5]

AuszeichnungenBearbeiten

Mitgliedschaften (Auswahl)Bearbeiten

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • als Herausgeber mit Claus Arnold (Theologe): Die deutschsprachigen Länder und das II. Vatikanum (= Programm und Wirkungsgeschichte des II. Vatikanums. Band 4). Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-73764-3.
  • Inquisition, Index, Zensur: Wissenskulturen der Neuzeit im Widerstreit. Schöningh, Paderborn 2001, ISBN 3-506-77670-3
  • Römische Inquisition und Indexkongregation. Grundlagenforschung: 1814–1917; Einleitung 1814–1917. Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-72950-0
  • Römische Inquisition und Indexkongregation. Grundlagenforschung: 1814–1917; Band I: Römische Bücherverbote. Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-71722-7
  • Römische Inquisition und Indexkongregation. Grundlagenforschung: 1814–1917; Band II: Systematisches Repertorium zur Buchzensur 1814–1917. Indexkongregation 1814–1917 (zwei Teilbände). Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-71387-6
  • Römische Inquisition und Indexkongregation. Grundlagenforschung: 1814–1917; Band III: Prosopographie (zwei Teilbände). Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-71386-8
  • Index. Der Vatikan und die verbotenen Bücher. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54371-5
  • Papst und Teufel. Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich. Beck, München 2008, ISBN 3-406-57742-3
  • Die Affäre Sproll – Die Rottenburger Bischofswahl 1926/27 und ihre Hintergründe. Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0830-8[7]
  • Römische Inquisition und Indexkongregation. Grundlagenforschung 1701–1813; 5 Bände. Schöningh, Paderborn 2009 und 2010. Ein Registerband war 2010 in Vorbereitung.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tiefe Einblicke in die Welt der Scheinheiligen. In: sueddeutsche.de. 17. Februar 2013, abgerufen am 27. April 2018.
  2. Urs Hafner: Sexualleben als Gottesdienst. In: NZZ. Abgerufen am 10. November 2017.
  3. Die Nonnen von Sant' Ambrogio – Eine wahre Geschichte. In: perlentaucher.de. Abgerufen am 10. November 2017.
  4. Kritische Online-Edition der Tagebücher von Michael Kardinal von Faulhaber (1911–1952). In: uni-muenster.de. Abgerufen am 10. November 2017.
  5. Kirchenhistoriker Wolf: Aufhebung des Pflichtzölibats geboten. In: Katholisch.de. 15. Juli 2019, abgerufen am 3. August 2019.
  6. Mitglieder/Einzelpersönlichkeiten. In: zdk.de. Abgerufen am 3. August 2019.
  7. SWR2: Tapfer im Glauben – Neue Erkenntnisse über Joannes Baptista Sproll, abgerufen am 10. November 2017