Houari Boumedienne

algerischer Staatschef
Houari Boumedienne
Kairo, 1968, von links nach rechts die Präsidenten Boumedienne, Atassi, Arif, Nasser und al-Azhari

Houari Boumedienne oder Huari Bu Madyan (arabisch هواري بومدين, DMG Hawārī Bū-Madyan, Zentralatlas-Tamazight ⵀⵓⵡⴰⵔⵉ ⴱⵓⵎⴷⵢⴰⵏ Hewari Bumedyan; mit bürgerlichem Namen Mohammed Boukharrouba; * 23. August 1927 in Guelma; † 27. Dezember 1978 in Algier) war ein algerischer Politiker. Er war algerischer Staatschef von 1965 bis 1978.

LebenBearbeiten

Im Alter von 12 Jahren erlebte Boumedienne die sich in seiner Heimatregion Guelma zutragenden Massaker. Als am 8. Mai 1945 das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa gefeiert wurde, wurde auf den Straßen Guelmas und Setifs für die Unabhängigkeit Algeriens demonstriert. Diese Demonstrationen mündeten in eine große Welle an Gewalt, in der 102 europäische Siedler und rund 15.000 bis 20.000 Algerier ums Leben kamen. Die blutige Niederschlagung der Unruhen durch das französische Militär prägte Boumediennes Jugend und erweckte in ihm nationale Bestrebungen.

Nachdem Boumedienne am islamischen Institut in Constantine und an der Ez-Zitouna-Moschee/Universität Theologie studiert hatte, besuchte er ab 1951 die al-Azhar-Universität in Kairo, an der er später auch als Dozent tätig war. Während seines Aufenthalts in Kairo erhielt Boumedienne Guerilla-Training.[1] Er schloss sich nach dem Studium der Nationalen Befreiungsfront (FLN) an und wählte seinen Kampfnamen nach dem Sufi Abu Madyan, der im Maghreb Sidi Bu Madyan genannt wird. Im FLN gewann er während des Algerienkriegs als Kommandeur schnell an Einfluss. 1957 wurde Boumedienne mit der militärischen Leitung der Wilayat 5, einer der sechs militärischen Regionen Algeriens, beauftragt, bei der er hauptsächlich für die Waffenlieferungen aus Marokko zuständig war. 1958 wurde er Vorsitzender des neu gegründeten interministeriellen Kriegskomitees (Comité Interministériel de la Guerre, CIC). 1960 wurde er Stabschef des FLN. Nach dem Sieg des FLN 1962 wurde er Verteidigungsminister in der Regierung Ahmed Ben Bella.

Am 19. Juni 1965 stürzte er mit Unterstützung der Armee durch einen Putsch Staatspräsident Ahmed Ben Bella[2] und vereinigte danach in seiner Person das Amt des Regierungs- und des Staatschefs. Politisch vertrat er einen am Islam orientierten Sozialismus und verstärkte die Industrialisierung des Landes mit Hilfe der Erdöleinnahmen. Seine wirtschaftlichen Erfolge führten zu einem hohen Ansehen in den arabischen Ländern. Nach einer Verfassungsänderung wurde Boumedienne 1977 offiziell zum Präsidenten gewählt. 1973 bis 1976 war er Generalsekretär der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Er starb ein Jahr später nach 39-tägigem Koma am Morbus Waldenström, einer malignen Lymphomerkrankung, gegen die er zuvor in Moskau vergeblich behandelt worden war.

AußenpolitikBearbeiten

Beziehung zu FrankreichBearbeiten

Boumedienne war vor seinem Staatsstreich gegen Ben Bella bereits Außenminister.[3] Nach seinem Staatsstreich verschlechterten sich die algerisch-französischen Beziehungen, weil Algerien die Wirtschaftsbeziehungen zu Frankreich reduzierte, zugunsten neuer Handelspartner wie etwa der Bundesrepublik Deutschland, Italiens und der USA. Die 1965 vorgenommene Verstaatlichung der Erdölindustrie minderte den französischen Einfluss im Land und trug maßgeblich zur „Erdölschlacht“ von 1971 bei. Auch der Besuch des französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing 1975, der eine erneute Kooperation anstrebte, konnte an den Umständen nichts ändern.[4]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Houari Boumedienne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anna Bozzo: Boumedienne. In: Encyclopaedia of Islam. Kate Fleet, Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson, 2013, abgerufen am 8. April 2018 (englisch).
  2. Thomas Hasel: Machtkonflikt in Algerien. Verlag Hans Schiler, 2002, ISBN 3-89930-190-0, S. 54
  3. Jeffrey James Byrne: Our Own Special Brand of Socialism: Algeria and the Contest of Modernities in the 1960s. Oxford University Press, 2009 (englisch) JSTOR 44214020
  4. Rudolf J. Lauff: Die Außenpolitik Algeriens 1962–1978. In: Hurst & Co. (Hrsg.): Afrika Studien. Nr. 107. Weltforum-Verlag, München 1981, ISBN 3-8039-0198-7, S. 201–204.