Hintersteinau

Stadtteil von Steinau an der Straße

Hintersteinau ist ein Stadtteil von Steinau an der Straße im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Hintersteinau
Koordinaten: 50° 24′ 59″ N, 9° 27′ 58″ O
Höhe: 353 m ü. NHN
Fläche: 12,32 km²[1]
Einwohner: 761 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 36396
Vorwahl: 06666

GeografieBearbeiten

Hintersteinau liegt auf einer Höhe von 368 m über NN im Norden des Main-Kinzig-Kreises an den Ausläufern des Vogelsberges etwa 15 km nördlich des Ortszentrums von Steinau an der Straße und 8,5 km nordwestlich von Schlüchtern. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3292.

Hintersteinau grenzt im Nordosten an die Orte Kauppen und Magdlos, im Osten an den Ort Stork, im Südosten an den Ort Wallroth, im Süden an den Ort Kressenbach, im Südwesten an die Orte Uerzell und Neustall, im Westen an die Orte Holzmühl und Freiensteinau und im Nordwesten an den Ort Reinhards.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung sind:[1]

  • Bethemühle
  • Christmühle
  • Haigmühle
  • Marxmühle
  • Schlagmühle
  • Schlagmühle Kempel
  • Schrumpfmühle

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung von Hintersteinau stammt aus dem Jahr 950. Das Kirchenpatronat lag beim Kloster Schlüchtern, mit dem ältesten erhaltenen Nachweis von 1167. Zunächst im Besitz derer von Grumbach erbten das Dorf 1243 die Herren von Trimberg als Teil des Gerichts Schlüchtern (später: Amt Schlüchtern), einem Lehen des Bischofs von Würzburg. 1377 erhielten es die Herren von Hanau (ab 1429: Grafschaft Hanau) im Tausch gegen die Burg Bütthard.[3] Bei der Hanauer Landesteilung von 1456 kam Hintersteinau zur Grafschaft Hanau-Münzenberg.

Frühe NeuzeitBearbeiten

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. Die Eigenschaft als Würzburger Lehen führte deshalb zu Spannungen zwischen der evangelischen Grafschaft Hanau-Münzenberg und dem weiter römisch-katholischen Bistum Würzburg. Ein langjähriger Prozess vor dem Reichskammergericht dauerte von 1571 bis 1624 und endete mit einem Restitutionsmandat über das Amt Schlüchtern zugunsten Würzburgs. 1628–1631 war es deshalb von Würzburg besetzt, im Zuge des Dreißigjährigen Krieges 1631 bis 1637 wieder von Hanau und ab 1637 erneut von Würzburg. 1656 kam es zu einem Vergleich zwischen Hanau und Würzburg, wobei Hanau das Amt Schlüchtern – und damit auch Hohenzell – erhielt und dem Bistum dafür Orb überließ.[4]

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel Hintersteinau 1736 mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen wurde.

Ab 1699 gibt es eine Aufzeichnung über die örtliche Schule. Das erste Schulgebäude entstand 1785.

NeuzeitBearbeiten

Während der napoleonischen Zeit stand Hintersteinau ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Hintersteinau zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert und ist nach dem Zweiten Weltkrieg Bestandteil des Bundeslandes Hessen geworden.

Am 1. Juli 1974 wurde Hintersteinau im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Steinau, heute „Steinau an der Straße“, eingegliedert. Zeitgleich wurde der Landkreis Schlüchtern aufgelöst und Hintersteinau liegt seitdem mit der Stadt Steinau im neu geschaffenen Main-Kinzig-Kreis.[5][6]

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Hintersteinau unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Wilnrode (1339)
  • Steinaha (um 950)
  • vicus Steinnahoa (1118)
  • Stenaha pagus (1144)
  • Hungerensteyna (1284),
  • Hungersteyna (1299)
  • Hingerstenaw (1535)
  • Hindersteina (1545)

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1538: 045 Steuernde
• 1633: 072 Haushaltungen und 3 Gefreite
• 1753: 111 Haushaltungen, darunter 503 Personen (inklusive 3 Juden)
• 1812: 111 Feuerstellen, 887 Seelen
Hintersteinau: Einwohnerzahlen von 1753 bis 2016
Jahr  Einwohner
1753
  
503
1812
  
887
1834
  
864
1840
  
884
1846
  
945
1852
  
896
1858
  
822
1864
  
740
1871
  
757
1875
  
778
1885
  
731
1895
  
746
1905
  
692
1910
  
764
1925
  
728
1939
  
693
1946
  
963
1950
  
924
1956
  
775
1961
  
739
1967
  
736
1970
  
730
2008
  
831
2009
  
829
2012
  
810
2016
  
770
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 648 evangelische (= 97,15 %), 2 katholische (= 0,30 %), 17 jüdische (= 2,55 %) Einwohner
• 1961: 665 evangelische (= 89,99 %), 64 katholische (= 8,66 %) Einwohner

SonstigesBearbeiten

  • Es besteht eine Städtepartnerschaft mit Naszály (Ungarn) seit dem 1. Juni 2002.
  • Ortsvorsteher ist Alexander Link.
  • Windpark mit 8 Mühlen des Typs VESTAS V126-3.45 MW (Nabenhöhe: 149 Meter, Rotordurchmesser: 126 Meter)[7]
  • Geburtsort der Gebrüder Julius (geb. 22. März 1886) und Abe Stern (geb. 8. März 1888), als Schwäger von Carl Laemmle Mit-Gründer der Universal Studios[8][9][10].

LiteraturBearbeiten

  • Regenerus Engelhard: Erdbeschreibung der Hessischen Lande Casselischen Antheiles mit Anmerkungen aus der Geschichte und aus Urkunden erläutert. Teil 2. Cassel 1778, ND 2004, S. 805.
  • Hessisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen. Heft 2: Gebietsänderungen der hessischen Gemeinden und Kreise 1834 bis 1967. Wiesbaden o. J., S. 63.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926, S. 455 [im Artikel „Steinau“].
  • Literatur über Hintersteinau in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Hintersteinau, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Übersicht Stadtteile. In: Internetauftritt. Stadt Steinau an der Straße, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv)
  3. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (208).
  4. Dersch Wilhelm: Hessisches Klosterbuch. Quellenkunde zur Geschichte der im Regierungsbezirk Cassel, der Provinz Oberhessen und dem Fürstentum Waldeck gegründeten Stifter, Klöster und Niederlassungen von geistlichen Genossenschaften. Marburg 1915. S. 108f.
  5. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, §§ 13 und 18 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  7. Windpark Steinau-Hintersteinau-. RENERTEC GmbH. Abgerufen im April 2019.
  8. Udo Bayer: Carl Laemmle und die Universal. Eine transatlantische Biografie. Würzburg, 2013. ISBN 978-3-8260-5120-3.
  9. imdb Julius Stern
  10. imdb Abe Stern