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Heinrich Brenzinger

deutscher Bauingenieur und Bauunternehmer

LebenBearbeiten

Von 1886 an besuchte Heinrich Brenzinger für vier Jahre die Volksschule in Freiburg. Danach ging er von 1890 bis 1896 auf die Großherzogliche Realschule, die spätere Oberrealschule (Rotteck-Gymnasium Freiburg). Zwischen 1896 und 1897 machte er eine Lehre in einem Architekturbüro. Heinrich Brenzinger studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe ab dem Wintersemester 1897/1898 Bauwesen. Zu dieser Zeit trat er dem Corps Saxonia Karlsruhe bei.[1][2] – die Teilnahme an einer Mensur hatte mehrere Schmisse sowie den Verlust mehrerer Zähne zur Folge. Im März 1901 absolvierte er erfolgreich sein Examen und beendete sein Studium. Zu seinen Lehrern gehörte der Karlsruher Bildhauer Konrad Taucher (1873–1950).[3] Dem Studium folgte ein Aufenthalt in Berlin, um die neuesten Eisenbeton-Bauweisen zu studieren. Von 1901 bis 1903 leistete er seinen Militärdienst ab. Weitere Aufenthalte in Berlin folgten. In dieser Zeit nahm er bereits an Vorstandssitzungen des Deutschen Betonvereins teil. Ab 1. Januar 1905 war er Teilhaber von Brenzinger & Cie. Am 8. Juni 1905 heiratete Heinrich Brenzinger Annemarie Ganz (1884–1968).[4]

Zeit des Ersten WeltkriegesBearbeiten

Von 1914 bis fast zum Kriegsende war Brenzinger im Kriegseinsatz. Nur kurzzeitig ersetzte er seinen kranken Vater bei der Leitung des Unternehmens. Bis 1918 war Brenzinger noch von der Möglichkeit eines Sieges des Deutschen Kaiserreiches überzeugt. Mit der Niederlage konnte er sich nur schwer abfinden. Seine Äußerungen legen den Schluss nahe, dass auch Heinrich Brenzinger an die Dolchstoßlegende glaubte.[5] Sich selbst verortete Brenzinger eine Zeit lang als Anhänger der Deutschen Volkspartei.[6]

Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Nachdem er seit 1913 Mitglied des Beirates der Industrie- und Handelskammer war, wurde er von 1930 bis 1933 sogar stellvertretender Präsident. Ab 4. April 1933 war er dann Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei. Ebenfalls aus dieser Zeit ist eine Förderung des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten bekannt. 1933 sah er sich wegen der jüdischen Vorfahren seiner Frau Annemarie Anfeindungen der Nationalsozialisten ausgesetzt.[7] Seine Studentenverbindung schloss ihn daher aus ihren Reihen aus. Mit zehn weiteren bildete Heinrich Brenzinger im Mai 1935 die Treue-Saxen bzw. die Elf Getreuen.[8] Im November 1938 erklärte er den Austritt als förderndes Mitglied der SS, nachdem „es für mich schon schwierig gewesen war, nur den Mindestbetrag zu zeichnen, so gehörte bei dem Terror, der ausgeübt wurde, Mut dazu den Austritt zu erklären...“[9] 1942 erfolgte sein politisch motivierter Austritt aus der Industrie- und Handelskammer.

Von 22. April 1945 bis 11. Mai 1945 war das Haus in der Freiburger Goethestraße beschlagnahmt. Die Bewertung Heinrich Brenzingers zur Zeit des Nationalsozialismus ist nicht eindeutig, reichen die bekannten Äußerungen Brenzingers doch von Begeisterung bis Ablehnung.[10]

NachkriegszeitBearbeiten

Schon im Mai 1945 wurde Heinrich Brenzinger einer von vier Vizepräsidenten der Industrie- und Handelskammer. Im Oktober 1946 wurde er jedoch schon wieder enthoben, weil ihm die Mitgliedschaft im NS-Frontkämpferverband, die (wenn auch geringe) Förderung der Schutzstaffel, die ablehnende Haltung gegenüber Gewerkschaften sowie die öffentliche Anerkennung von NS-Größen zur Last gelegt wurde. Das seiner Frau, ihm und seiner Familie zugefügte Leid in der Zeit des Nationalsozialismus wirkte sich nicht zu seinen Gunsten aus. Ein Revisionsantrag blieb erfolglos. Erst am 7. Mai 1953 wurde Heinrich Brenzinger rehabilitiert.[11] Zwar übernahm Heinrich Brenzingers Schwiegersohn Helmut Wolfgang Dyllick-Brenzinger 1956 die Geschäftsleitung der Brenzinger & Cie., dennoch war er weiterhin intensiv und vielfältig in die Unternehmensgeschäfte eingebunden. Heinrich Brenzinger starb am 23. November 1960 in Freiburg.

Wirtschaftliches EngagementBearbeiten

Nach seinem Vater Julius wurde Brenzinger Geschäftsführer der 1872 gegründeten Bauunternehmung Brenzinger & Cie. Die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens verlief entlang den Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte. Während seiner Lehrjahre in Berlin hatte Brenzinger u. a. im Deutschen Betonverein die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der neuen Betonbauweisen kennengelernt. Neben einigen Jahrhundertwende-Villen sind das Freiburger Wasserschlössle am Sternwald, die Ochsenbrücke, die Eisenbahnbrücke über die Merzhauser Straße und das Kollegiengebäude (I) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Beispiele für Bauprojekte vor dem Ersten Weltkrieg. 1912 war die Brenzinger & Cie. mit über 400 Mitarbeitern Freiburgs größte Baufirma. Bis 1956 leitete Heinrich Brenzinger das Unternehmen.

Soziales EngagementBearbeiten

Vereine und OrganisationenBearbeiten

Heinrich Brenzinger war ein vielfältig gesellschaftlich engagierter Mensch mit zahlreichen Mitgliedschaften in Vereinen und Organisationen. Er förderte u. a. den Freiburger Münsterbauverein sowie den Freiburger Kunstverein, verschiedene Künstler, den Breisgau-Geschichtsverein und er gründete zum Beispiel am 18. März 1933 den Freiburger Rotary-Club. Zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum des Vereins hob der Freiburger Oberbaudirektor Joseph Schlippe die besondere Bedeutung Brenzingers für dessen Gründung hervor. Im Landesverein Badische Heimat traf er u. a. Hermann Eris Busse (Geschäftsführer des Landesvereins Badische Heimat), Paul Schwoerer (Landeskommissar) und den Künstler Fritz Geiges. Durch die Förderung Brenzingers konnte Geiges Buch zu den mittelalterlichen Fenstern des Freiburger Münsters erscheinen.[12] Besonderes Augenmerk richtete Heinrich Brenzinger auf die Unterstützung der Badischen Heimat sowie den Breisgau-Geschichtsverein Schau-ins-Land. Er übernahm des Weiteren zahlreiche Ämter, so im Arbeitgeberverband und in der Industrie- und Handelskammer.[13] Eine Besonderheit stellt sicher auch die Förderung zahlreicher Künstler dar, wie z. B.: Reis, Kaiser, Franke, Dischler, Glattacker, Dieter, Hans Adolf Bühler, und Daur.

Soziales UnternehmertumBearbeiten

 
Familiengrab der Familie Brenzinger auf dem Freiburger Hauptfriedhof von 1924

Nach dem Tod seiner Mutter ließ Heinrich Brenzinger nach einem Entwurf des Freiburger Architekten Carl Anton Meckel auf dem Freiburger Hauptfriedhof eine repräsentative Grabanlage errichten. Die Ausführung erfolgte bis August 1924 in Beton- und Eisenbeton mit Verkleidungen aus Betonwerksteinen, ausgeführt durch Brenzinger & Cie. Ein zweiter Pavillon mit weiteren Gräbern diente ab Ende 1939 zur Bestattung verdienter, langjähriger Mitarbeiter des Unternehmens.[14] Für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg Gefallenen wurde eine Gedenkstelle des Unternehmens errichtet. Für die große Loyalität seinen Mitarbeitern gegenüber spricht auch das langjährige Engagement Heinrich Brenzingers für seinen ehemaligen Technischen Direktor Ludwig Friedländer. Von den Anfängen der Anfeindungen wegen seiner jüdischen Herkunft bis weit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte sich Brenzinger für ihn ein.[15] Mit Brenzingers Hilfe konnte Friedländer 1938 nach Indien auswandern.[16]

EhrungenBearbeiten

Nicht jede Ehrung nahm Heinrich Brenzinger mit vollster Begeisterung entgegen, in einem Brief an Ludwig Friedländer schrieb er, dass: ...Ehrungen [...] (Kzrat. Gr. Verdienstkreuz, Ehrensenator der Universität) Alterserscheinungen sind.[17]

SchriftenBearbeiten

  • Die Reichsburg Sponeck. In: Sponeck, Privatdruck, 1938, S. 31–77.

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Brenzinger: Das Geschlecht der Brenzinger. Laupp, Tübingen 1949.
  • Renate Liessem-Breinlinger: Heinrich Brenzinger 1879-1960. Ingenieur, Unternehmer, Historiker. Biographie eines Freiburgers. In: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins, „Schau-ins-Land“, 109. Jahresheft (1990), S. 165–177.
  • Festschrift Heinrich Brenzinger: Dr.-Ing. E. h. Heinrich Brenzinger zum 65. Geburtstag am 20. Juni 1944 gewidmet. Freiburg, Breisgau-Verein Schauinsland, 1944, 2 Bände.
  • Andrea Haußmann: Heinrich Brenzinger (1879-1960). Freiburg (Breisgau), 1996.
  • Eine Lebensgeschichte, die ein Stück Stadtgeschichte erzählt. Die Biographie des Freiburger Unternehmers und Ehrenbürgers Heinrich Brenzinger wurde nun veröffentlicht. In: Badische Zeitung vom Samstag, 8. Februar 1997 (zu der nicht öffentlich verfügbaren Biografie von seinem Enkel Frank Dyllick-Brenzinger herausgegeben)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Heinrich Brenzinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Biographische Informationen zu Heinrich Brenzinger im landeskundlichen Portal für Baden-Württemberg (LEO-BW)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 13
  2. Johann Peter Blank (Hrsg.): Große Corpsliste der Saxonia Karlsruhe, Karlsruhe 1973
  3. Skulptur in Freiburg. Kunst des 19. Jahrhunderts im öffentlichen Raum, Michael Klant (Hrsg.), Freiburg im Breisgau 2000, ISBN 3-922675-77-8, S. 30
  4. Inschrift auf Familiengrab der Brenzingers, 7. Mai 2010
  5. Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 23ff.
  6. Sein politisches Glaubensbekenntnis legte er 1920 in einem Brief an seinen Vetter Julius Brenzinger dar, in dem sich wie oft auch die Sorge um sein Unternehmen widerspiegelt: „Wir sind mit unserem Betrieb auf die Lebensfähigkeit der deutschen Industrie angewiesen und wenn diese zu Grunde gerichtet wird und die Millionen Proletarier auf die Straße kommen, dann wehe uns und der ganzen Welt! Das ist so unsere Auffassung ... Wie Du schreibst: 'Die Regierung hat kein Rückgrat und erlaubt sich nicht gegen das Proletariat aufzutreten' – ist bei uns wohl noch mehr gültig, als bei Euch! Infolgedessen sehnen wir uns alle, die wir einsichtig sind, nach dem alten Regime, das die Sozialdemokraten als verrottet beschreiben, das uns aber früher Ansehen und Wohlstand sicherte, während wir jetzt am Abgrund zusteuern. Ich bin aus dieser Überzeugung heraus Parteigänger der Deutschen (liberale) Volkspartei, die das Erbe der alten nationalliberalen Partei bewahren will. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß an die Spitze eines Staates ein von der Verantwortung getragener Kopf gehört, wie ihn auch jedes Geschäft nötig hat. Eine leitende Persönlichkeit, deren Initiative wohl vom Volkswillen geführt sein muß, die aber so viel Entschlußfreiheit haben muß, wie sie auch zur Führung jedes gedeilichen Unternehmens nötig ist. Daraus ergibt sich der Standpunkt für eine im Volk verwurzelte Monarchie in moderner Auffassung. Das parlamentarische System liegt dem deutschen nicht, das zeigen die letzten 1 1/2 Jahr: So viel Köpfe bei der Regierung, so viel Sinn! Es schreit alles nach einem kraftvollen Diktator, der endlich wieder Ordnung schaftt. [...] Dies ist mein politisches Glaubensbekenntnis.“ – Andrea Haußmann: Heinrich Brenzinger (1879–1960). Freiburg (Breisgau) 1996, S. 26–27.
  7. vgl. dazu die Darlegung seine Familienverhältnisse in: Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 120–121.
  8. Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 144.
  9. Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 184.
  10. Die Lektüre von Mein Kampf habe Heinrich Brenzinger laut seiner Tochter Annibet mit Gnade uns Gott kommentiert. An anderer Stelle sprach er aber von den großen Zielen des Führers, Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 153–154.
  11. Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 182–186.
  12. Heinrich Brenzinger 1879–1960. Ingenieur, Unternehmer, Historiker. Biographie eines Freiburgers., Renate Liessem-Breinlinger, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins Schau-ins-Land, 109. Jahresheft, 1990, S. 170. Titel des Werkes: Fritz Geiges: Der mittelalterliche Fensterschmuck des Freiburger Münsters. Seine Geschichte, die Ursachen seines Zerfalles und die Maßnahmen zu seiner Wiederherstellung; zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Baues selbst. Freiburg, Breisgau-Verein Schau-ins-Land, 1931 (Gleichzeitig Band 56–58 des Schau-ins-Land).
  13. 1930 kommt Brenzinger auf 84 Mitgliedschaften, so Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 63.
  14. Bestattet wurden dort u. a. Wilhelm Schrempp (Bauingenieur, 67 Jahre tätig für Brenzinger & Cie., Vater von Günter und Jürgen Schrempp), Carl Friedrich Vetter (Bauingenieur, 61 Jahre tätig für Brenzinger & Cie.), Joseph Schindler (Asphaltwerker, 44 Jahre tätig für Brenzinger & Cie.), Fritz Krieg (Kaufmann, 43 Jahre tätig für Brenzinger & Cie.), Georg Ritter (Bauingenieur, 52 Jahre tätig für Brenzinger & Cie.), Josef Andris (Fahrer der Familienfahrzeuge, 48 Jahre tätig für die Familie und das Unternehmen Brenzinger & Cie.). Ebenfalls wurde dort die langjährige Haustochter der Familie Brenzinger Edith Else Maria Baither bestattet.
  15. Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 184; Brenzingers Berufungsschreiben vom 16. Oktober 1946 gegen den Beschluss des Badischen Wirtschaftsministerium, wonach er als nationalsozialistisch belastet angesehen werden müsse. Heinrich Brenzinger vertrat Ludwig Friedländer auch gegenüber dem Landesamt für Wiedergutmachung Freiburg, vgl. dazu Bescheid des Amtes vom 18. März 1955 über einen Vorschuß von 4.000 DM Wiedergutmachung. Der Briefwechsel zwischen Heinrich Brenzinger und Ludwig Friedländer befindet sich im Stadtarchiv Freiburg.
  16. Heinrich Brenzinger (1879–1960), Andrea Haußmann, Freiburg (Breisgau) 1996, S. 121.
  17. Brief Brenzingers an Friedländer, vom 13. April 1953