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Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Heilerziehungspfleger sind Fachkräfte für Teilhabe, Bildung und Pflege. Sie begleiten Menschen mit Unterstützungsbedarf bzw. Menschen in behindernden Lebenssituationen bei der Umsetzung von deren Lebensqualitätsvorstellungen. Konkrete Aspekte des Berufsfeldes sind die Assistenz, Begleitung, Beratung, Bildung und Pflege von Menschen mit physischen, psychischen und kognitiven Handicaps. Heilerziehungspfleger werden dabei in folgenden Handlungsfeldern tätig:

  • Prozesse der Unterstützung und qualifizierten Assistenz
  • Entwicklung, Bildung und Pflege
  • Kommunikation und Beziehung
  • Sozialraum und Netzwerke
  • Team und Organisation[1]

Das Ziel des multiprofessionell ausgerichteten Berufsbildes ist eine ganzheitliche Verknüpfung der Felder Teilhabe, Bildung und Pflege. Heilerziehungspfleger gehen dabei personenzentriert (also immer auf die individuellen Vorstellungen des begleiteten Menschen), sozial- und teilhabeorientiert (also immer mit Blick auf das soziale Umfeld und die Ermöglichung von Teilhabe) vor und begleiten die Klienten wo notwendig bei der Bewältigung des Alltags. Der konkrete Aufgabenschwerpunkt variiert deshalb folgerichtig abhängig von den persönlichen Notwendigkeiten der jeweils begleiteten Person und dem Ort der erbrachten Dienstleistung. Heilerziehungspflege kooperiert mit anderen Fachdiensten und Berufsgruppen.[2][3]

Heilerziehungspflege versteht sich dabei als Menschenrechtsprofession, d. h. im professionellen Tun werden Menschen unterstützt in der Umsetzung menschenrechtlicher Ansprüche, auch und gerade wenn diese Menschen in Gefahr sind gesellschaftlich vorenthalten zu werden.[4]

Die Berufsausbildung zum Heilerziehungspfleger dauert zwei bis fünf Jahre und ist in Deutschland landesrechtlich geregelt. Heilerziehungspfleger arbeiten häufig in Einrichtungen und Diensten der Eingliederungshilfe oder in der Sozialpsychiatrie, bei sozialen Diensten, in Vorsorge- und Rehabilitationskliniken oder an Förderschulen, im Bereich der Freizeitbegleitung oder der Erwachsenenbildung. Ein weiteres großes Wirkungsfeld ist die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM).[5]

Der Beruf Heilerziehungspflege ist im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf Niveau 6 eingestuft.[6]

Inhaltsverzeichnis

Zuordnung des BerufsBearbeiten

Heilerziehungspfleger arbeiten, wie auch Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie Altenpfleger mit Menschen, die einer besonderen Betreuung bedürfen (nämlich mit Menschen mit Behinderung). Dennoch fallen sie dort, wo es eine Pflegekammer gibt (anders als Beschäftigte der genannten Berufsgruppen) nicht in deren Zuständigkeitsbereich. Der Hauptgrund hierfür ist, dass Heilerziehungspfleger zur Gruppe der pädagogischen Berufe gerechnet werden, da ihre Hauptaufgabe darin besteht, die von ihnen betreuten Menschen zu fördern.

Anders als es der Wortbestandteil „Heil-“ suggeriert, ist es nicht die Aufgabe von Heilerziehungspflegern, Menschen mit einer Behinderung im medizinischen Sinne zu „heilen“, zumal es das Wesen einer Behinderung ist, von Dauer zu sein, und eine Heilung nur in Ausnahmefällen gelingt. „Heil-“ verweist vielmehr auf das griechische Wort „holos“ (= „ganz“, „umfassend“). Der Mensch mit Behinderung soll „ganzheitlich“ betreut werden, d. h. nicht auf seine Behinderung reduziert werden.

GeschichteBearbeiten

Die Heilerziehungspflege ist ein relativ junger Beruf. Sie wurde von dem Pfarrer Ludwig Schlaich (1899–1977) begründet. 1933 etablierte er in der "Heil- und Pflegeanstalt Stetten" (heute Diakonie Stetten) einen ersten Vorläufer der Heilerziehungspflege. 1958 gründete er die erste Evangelische Schule für Heilerziehungspflege in Stetten, die im Jahr 1961 staatlich anerkannt wurde[7]. Heute gibt es gut 200 Fachschulen für Heilerziehungspflege bundesweit.

Der massenhafte Einsatz von Heilerziehungspflegern ist Ausdruck eines veränderten Verhältnisses der Gesellschaft und der Politik zu Menschen mit einer Behinderung. Wurden noch bis in die 1960er Jahre Menschen mit einer kognitiven oder „Ekel erregenden“ Körperbehinderung vor der Außenwelt versteckt oder gar (bis 1945) als „lebensunwertes Leben“ getötet, setzte sich ab ungefähr 1960 die Einsicht durch, dass auch Menschen mit Behinderung ein Recht auf Bildung, Arbeit und Teilhabe am sozialen Leben haben. Zumindest eine Tagesstrukturierung durch Betreuer wird allen Menschen mit Behinderung amtlich zugestanden. Seit etwa 1960 werden Heilerziehungspfleger in Schulen, Werkstätten für behinderte Menschen, Wohnheimen und anderen Einrichtungen großer Zahl eingesetzt. Seit dem Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes wird von pädagogischen Fachkräften verstärkt an Förderplänen für Menschen mit Behinderung gearbeitet, insbesondere in Wohnheimen, die damit aufhören, vor allem Einrichtungen der Pflege zu sein.

AusbildungBearbeiten

Die Ausbildung zur Heilerziehungspflege findet in der Regel an zwei Lernorten statt, die eng vernetzt sind: Der Fachschule und einer geeigneten Praxisstelle. Nach der drei- bis fünfjährigen Ausbildung steht der Abschluss als staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger.

Es gibt hauptsächlich zwei Formen der Berufsausbildung:

  • die vollzeitschulische Ausbildungsform sowie
  • die praxisintegrierte Ausbildungsform.

Bei der vollzeitschulischen Ausbildungsform besuchen im Bundesland Berlin die Schüler nach der alten Schulverordnung zwei Jahre lang die Berufsfachschule und absolvieren anschließend ein Anerkennungsjahr in einem Praxisbereich. In der neuen, seit 2008 bestehenden Schulverordnung besucht der angehende Heilerziehungspfleger drei Jahre die Berufsfachschule, während der er zwei Praktika von je zehn Wochen und zwei Praktika von zwölf Wochen Dauer zu absolvieren hat. Das Praktikum im Wohnbereich ist verpflichtend, der Zeitpunkt kann jedoch frei gewählt werden.

In Hessen gibt es zwei Modelle. Beim ersten Modell beginnt die Ausbildung mit dem einjährigen Besuch einer Vollzeitschule und einem sechswöchigen Orientierungspraktikum. Daran schließt die zweijährige fachpraktische Ausbildung an, bei welcher der Heilerziehungspfleger zwei Tage in der Woche die Schule besucht und drei Tage im Betrieb verbringt. Beim zweiten Modell werden die ersten beiden Jahre in einer Fachschule absolviert. Diese Ausbildung wird ergänzt durch 460 Stunden Praxis, die in Form von Blockpraktika oder kontinuierlichen Praxiseinsätzen erbracht werden. Im dritten Jahr folgt ein Berufspraktikum, in das vier Wochen Schulungen integriert sind.

Bei der praxisintegrierten Ausbildungsform sind die Auszubildenden über die komplette Dauer bei schulischer Begleitung direkt im Arbeitsfeld der Heilerziehungspflege eingesetzt. Variierend nach Bundesland ist fachbezogener Unterricht zu besuchen und parallel dazu in einem Betrieb des heilerziehungspflegerischen Wirkungsgebietes zu arbeiten. In dieser Zeit erhalten die Schüler theoretische Grundlagen vermittelt, welche sie direkt in der Praxis erproben können.

Die Ausbildungsdauer und die Zugangsvoraussetzungen sind in den deutschen Bundesländern nicht einheitlich geregelt. Der Realschulabschluss oder ein gleichwertiger Bildungsabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer wird meist vorausgesetzt.

Bei berufsbegleitenden Ausbildungsgängen handelt es sich um eine Nachqualifizierung von bereits seit mindestens zwei Jahren berufstätigen Arbeitskräften.

Die Heilerziehungspflegehilfe-Ausbildung ist eine der möglichen Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung der staatlich anerkannten Heilerziehungspflege; sie dauert im Allgemeinen zwei Jahre und ermöglicht die Anstellung als heilpflegerische Hilfskraft. Auch hierzu sind spezielle Informationen bei den entsprechenden Stellen zu erfragen.

Spezielle RegelungenBearbeiten

In einigen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen kann die Ausbildung innerhalb von drei Jahren absolviert werden. Hier wechseln sich praktische Arbeit in einer Praktikumsstelle sowie der Unterricht in einer Berufsfachschule ab. Diese Form der Ausbildung wird als praxisintegrierter Ausbildungsgang bezeichnet. An einigen Schulen im Bundesgebiet gibt es auch die vierjährige Teilzeitausbildung. Dabei wechseln sich wie bei der dreijährigen Ausbildung Theorie und Praktika ab. Vorteil der vierjährigen Ausbildung ist, dass man in vier verschiedenen Bereichen der Heilerziehungspflege arbeiten kann, beispielsweise: WfbM (Werkstätten für behinderte Menschen), Wohnheime und Schwerstfachpflege.

Der eigentlichen schulischen Ausbildung geht in beiden Fällen ein ein- bis zweijähriges Praktikum voraus. Oft deklarieren sich Heilerziehungspfleger fälschlicherweise als examiniert. Jedoch lautet die Berufsbezeichnung nach Ende der Ausbildung staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger beziehungsweise staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerin.

Aufgrund der nicht bundeseinheitlich geregelten Ausbildung der Heilerziehungspfleger kommt es bezüglich der genauen Berufsbezeichnung und der Tätigkeitsfelder im Berufsleben des Öfteren zu Irritationen. Heilerziehungspfleger verfügen über Kenntnisse der Grundpflege, der erweiterten Grundpflege und der Behandlungspflege. Unter bestimmten Voraussetzungen können sie als Pflegefachkräfte arbeiten (z. B. ambulante Pflegeeinrichtungen mit überwiegendem Anteil an behinderten Menschen).[8]

AusbildungsinhalteBearbeiten

 
Psychosoziales Wohnheim der Diakonie am Plauer See

Die Ausbildung beschäftigt sich mit Elementen aus folgenden Fächern:

Von besonderer Bedeutung ist die Reflexion des eigenen Handelns.

Die Ausbildung ist sehr vielseitig, aber nicht therapeutisch. An vielen Schulen kann gleichzeitig die Fachhochschulreife erlangt werden, wenn in den Fächern Englisch, Mathematik und Deutsch (Rechnungswesen und BWL an einigen Schulen in Baden-Württemberg) eine zusätzliche Prüfung erfolgreich abgelegt wird.

Einsatzgebiete für HeilerziehungspflegerBearbeiten

  • Hospizarbeit
  • Arbeit mit psychisch Kranken
  • Arbeit mit Suchtkranken

WeiterbildungsmöglichkeitenBearbeiten

Informationen unter Vorbehalt, da Zugangsvoraussetzungen für Ausbildung verändert werden

SonstigesBearbeiten

Wie schon erwähnt, ist die Selbstreflexion eines der zentralen Themen der Heilerziehungspflege. Daneben müssen sich Heilerziehungspfleger auch mit den Kunden und Kollegen austauschen sowie laufend weiterbilden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich auszutauschen: neben dem persönlichen Gespräch auch Webseiten rund um das Thema Heilerziehungspflege.

Es gibt vor allem drei Richtungen:

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Länderübergreifendes kompetenzorientiertes Qualifikationsprofil. Bundesarbeitsgemeinschaft der Fachschulen für Heilerziehungspflege (BAG HEP), abgerufen am 17. Januar 2019.
  2. Berufsverband Heilerziehungspflege: Berufsbild
  3. Bundesarbeitsgemeinschaft der Fachschulen für Heilerziehungspflege (BAG HEP): Länderübergreifendes kompetenzorientiertes Qualifikationsprofil. Abgerufen am 17. Januar 2019.
  4. Bundesarbeitsgemeinschaft der Fachschulen für Heilerziehungspflege (BAG HEP): Länderübergreifendes kompetenzorientiertes Qualifiaktionsprofil. Kapitel: Berufsidentität im Sinne einer Menschenrechtsprofession entwickeln (Seite 8). BAG HEP, abgerufen am 17. Januar 2019.
  5. Agentur für Arbeit – BerufeNET: Heilerziehungspfleger/in
  6. DQR: Liste der zugeordneten Qualifikationen im Rahmen des Deutschen Qualifikationsrahmens. Deutscher Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen, abgerufen am 17. Januar 2019.
  7. Nicklas-Faust, Jeanne; Scharringhausen, Ruth (Herausgeberinnen): Heilerziehungspflege 1: Grundlagen und Kernkonzepte der Heilerziehungspflege. 1. Auflage. Band 1. Cornelsen, Berlin 2017, ISBN 978-3-06-451658-8, S. 51 ff.
  8. Robert Roßbruch u. SG Speyer: Zur Delegation behandlungspflegerischer Maßnahmen in Einrichtungen der stationären Altenhilfe. 2003 (Online PDF 340 kB).