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Haltingen

Ortsteil von Weil am Rhein, Baden-Württemberg, Deutschland

Haltingen (alemannisch: Haldige) ist ein Stadtteil von Weil am Rhein im Landkreis Lörrach mit knapp 8000 Einwohnern auf einer Fläche von 7,78 km2. Nach der Kernstadt ist er damit sowohl nach der Einwohnerzahl als auch nach der Fläche der größte Stadtteil.

Haltingen
Ehemaliges Wappen von Haltingen
Koordinaten: 47° 36′ 48″ N, 7° 36′ 45″ O
Höhe: 256 m
Fläche: 7,78 km²
Einwohner: 7645 (2015)
Bevölkerungsdichte: 983 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 79576
Vorwahl: 07621

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Haltingen ist durch die Rheintalbahn in zwei Hauptteile unterteilt. Das Oberdorf, der ältere Teil Haltingens, liegt östlich der Bahntrasse, das Unterdorf westlich davon. In beiden Teilen gibt es verschiedene Siedlungen, wie z. B. das Hanggebiet im Oberdorf oder das Gebiet Im Rad, eine ehemalige Bahnarbeitersiedlung, die von Gleisanlagen umgeben und deren Grundfläche daher näherungsweise kreisförmig ist. Zu Haltingen gehören ebenfalls die Besiedlungen Burghölzli und Rebgarten.

Südlich von Haltingen befindet sich die Kernstadt von Weil am Rhein, nordwestlich, auf einem Ausläufer des Tüllinger Bergs gelegen, der Stadtteil Ötlingen. Im Norden grenzt Haltingen an die Nachbargemeinden Eimeldingen und Binzen.

GeschichteBearbeiten

Haltingen wurde 764 erstmals als Haholtinga erwähnt. 1065[1] kam der Ort an die Bischöfe von Basel, die ihren Besitz später an das Kloster St. Blasien abtraten. Die Herren von Rötteln hatten den Ort zu Lehen und so kam er zunächst an die Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg und 1503 an Baden. Seit 1733 gehört auch die Gemarkung der Wüstung Hiltelingen zu Haltingen.[2] Im Gewann Im Schlössel stand bis 1678 das Wasserschloss Hiltelingen.

Haltingen gehörte genauso wie Weil zum Oberamt Rötteln und ab 1809 zum Oberamt Lörrach. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf fast vollständig zerstört. Zum 1. Januar 1975 wurde Haltingen unter dem damals amtierenden Haltinger Bürgermeister Walter Fribolin in die Stadt Weil am Rhein eingemeindet.[3]

PolitikBearbeiten

OrtschaftsratBearbeiten

Haltingen verfügt über eine eigene Ortsverwaltung. Derzeitiger Ortsvorsteher ist Michael Gleßner (Stand: Juni 2018).

WappenBearbeiten

Das im Drittel zweigeteilte Wappen zeigt oben ein nach links gerichtetes Rebmesser mit silberner Klinge und schwarzem Griff auf rotem Grund. Darunter ist ein grüner Rebzweig mit blauen Trauben und zwei Blättern auf goldenem Grund. Das Wappen wird seit 1902 auf Vorschlag des Generallandesarchivs verwendet.[4]

Kultur, Sehenswürdigkeiten und InfrastrukturBearbeiten

Ortsbild, BauwerkeBearbeiten

 
Wasserturm Haltingen

Haltingen ist ein typisches Haufendorf. Viele der Häuser im Dorfkern stehen unter Denkmalschutz. Am östlichen Ortsrand steht die Kirche St. Georg. Sie wird erstmals 1139 in einer Bulle von Papst Innozenz II. genannt. Die Schutzherrschaft des Heiligen Georgs wird 1468 zum ersten Mal erwähnt.[5] In der zweiten Hälfte der Reformationszeit wurde die Kirche umgebaut. Sowohl während des Dreißigjährigen Krieges als auch in der Schlacht bei Friedlingen im Jahr 1702 erlitt die Georgskirche schwere Beschädigungen. Die heutige Gestalt des Langhauses und des Chores erhielt die Kirche 1718.

Seit 1937 hat die Gemeinde eine katholische Pfarrkirche. Die Kirche St. Maria ist ein fünfachsiger Saalbau mit unmittelbar daran anschließender Apsis. An der Südseite erhebt sich ein Glockenturm mit Satteldach.

Haltingen liegt im Markgräflerland, das für seine Weine bekannt ist. In Haltingen existiert eine Winzergenossenschaft, deren wohl bekanntester Wein die Haltinger Stiege ist. Durch den Ort und die Westhänge des Rebanbaugebietes am Tüllinger Berg führt der rund vier Kilometer lange Weiler Weinweg. Entlang des Weges informieren Tafeln über die Reben und die Entwicklung des Weinanbaus.

Zu den markantesten Bauwerken zählt der südlich des Dorfkerns am Rangierbahnhof stehende, mit einem kugelförmigen Behälter ausgestattete Wasserturm Haltingen, der Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurde.

BildungBearbeiten

In Haltingen gibt es zwei Grundschulen, die Hans-Thoma-Schule im Unterdorf und die Alte Schule im Oberdorf, sowie zwei städtische Kindergärten.

FeuerwehrBearbeiten

Haltingens Feuerwehr wurde 1975 im Zuge der Eingemeindung Haltingens als Abteilung in die Freiwillige Feuerwehr Weil am Rhein eingegliedert. Ihr gehören 40 aktive Feuerwehrleute an. Sie ist neben dem Einsatz bei Bränden, im Rettungsdienst und bei technischen Hilfeleistungen für den Ort auch für die Wasserrettung auf dem Rhein und die Besetzung des in Weil am Rhein stationierten Messgruppenfahrzeugs zuständig.[6]

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

Die von Buxtehude nach Weil am Rhein führende Bundesstraße 3 (B 3) verläuft in nordsüdlicher Richtung durch Haltingen. Über die Anschlussstelle (2) Eimeldingen und die Behelfsausfahrt (3) Binzen ist Haltingen über den Dreispitz an die von Weil am Rhein nach Stockach führende Bundesautobahn 98 (A 98) angeschlossen. Das Autobahndreieck Weil am Rhein, das die Bundesautobahn 5 mit der A 98 verbindet, liegt auf Haltinger Gemarkung.

SchieneBearbeiten

 
Bahnhof Haltingen

Haltingen ist an den Schienenpersonennahverkehr der Rheintalbahn angeschlossen. Vom Bahnhof Haltingen fahren im Sommer jeden Sonntag historische Dampfzüge der Kandertalbahn nach Kandern. Die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen verlegten 1913 ihre Betriebswerkstätte, die sich bis dahin in Basel befand, nach Haltingen.[7] Die Deutsche Bahn AG betreibt sie als Bahnbetriebswerk noch heute. Der stillgelegte Weiler Rangierbahnhof liegt ebenfalls auf der Gemarkung Haltingen.

FlugverkehrBearbeiten

Der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg im benachbarten Oberelsass ist rund 10 km von Haltingen entfernt.

PersönlichkeitenBearbeiten

VeranstaltungenBearbeiten

Der Verein Rebtownrock e. V. veranstaltet jährlich das Metal-Festival „Metal in de Räbe“ mit international bekannten Bands in der Turn- und Festhalle.

Der Gesangverein 1842 e. V. Haltingen veranstaltet jährlich am dritten Sonntag im September sein Winzerfest um die „Alte Trotte“ herum.

Die Abteilung Haltingen der Freiwilligen Feuerwehr Weil am Rhein ist jeweils an Christi Himmelfahrt Gastgeber des „Rettichfests“, oberhalb des Ortes in den Weinbergen.[8]

LiteraturBearbeiten

  • Albert Köbele, Fritz Schülin, Helmut Fehse, Eugen Katzenstein: Ortssippenbuch Haltingen, Kreis Lörrach in Baden. (= Badische Ortssippenbücher. 14). Köbele, Grafenhausen 1965. (Bearbeiteter Zeitraum 1586–1964)
  • Fritz Schülin: Haltingen: 767 bis 1967; Beiträge zur Orts-, Landschafts- und Siedlungsgeschichte. Gemeindeverwaltung Haltingen, 1967.
  • Friedrich Kuhn: Kunoldingen. Eine abgegangene Siedlung auf Gemarkung Haltingen. in: Das Markgräflerland, 1971, Heft 3, S. 111–115. (Digitalisat)
  • Fritz Schülin: Hiltelingen der andere, in der Gemarkung Haltingen aufgegangene Ort. in: Das Markgräflerland, 1971, Heft 3, S. 115–122. (Digitalisat)
  • Hermann Schaufelberger: Das Bammertfeuer in Haltingen. in: Das Markgräflerland, 1971, Heft 3, S. 135. (Digitalisat)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gustave Amweg: Histoire populaire du Jura bernois. 1942, S. 149.
  2. siehe Eintrag Hiltelingen (Wüstung) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 522.
  4. Harald Huber: Wappenbuch Landkreis Lörrach. ISBN 3-87799-046-0, S. 131/132.
  5. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach. Band II: Kandern bis Zell im Wiesental. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 797.
  6. Alexander Ebler: Freiwillige Feuerwehr Weil am Rhein. In: www.feuerwehr-weilamrhein.de. Abgerufen am 8. September 2016.
  7. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 30. August 1913, Nr. 41. Bekanntmachung Nr. 515, S. 279.
  8. Weil am Rhein: Rettichfest bleibt ein Magnet - Verlagshaus Jaumann. Abgerufen am 8. September 2016.