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Gustav Holst (um 1921).

Gustav Theodore Holst (englisch Aussprache: [həʊlst]; * 21. September 1874 in Cheltenham; † 25. Mai 1934 in London), geboren als Gustavus Theodore von Holst, war ein englischer Komponist. Sein bekanntestes Werk ist die Orchestersuite Die Planeten.

LebenBearbeiten

HerkunftBearbeiten

 
Gustav Holsts Familienstammbaum

Gustav Holst wurde am 21. September 1874 als Sohn von Adolph von Holst (geb. 5. Februar 1846, gest. 17. August 1901) und seiner Ehefrau Clara von Holst, geb. Lediard (geb. 13. April 1841, gest. 12. Februar 1882) geboren. Am 21. Oktober 1874 wurde Holst in der All Saints' Church nach seinem Großvater und Großonkel auf den Namen Gustav Theodore getauft.

Vater Adolph von Holst stammte aus einer deutsch-baltischen sowie lettisch-schwedischen Familie. Mütterlicherseits war die Familie vorwiegend britischer – weit entfernt auch spanischer – Herkunft. Ursprünglich war Holsts Familie wahrscheinlich skandinavischer Herkunft. Bis zum späten 17. Jahrhundert ließen sich Zweige der Familie Holst in Polen und Deutschland nieder. Ein weiterer Familienzweig entstand in Russland, als Christian Lorenz Holst im Jahr 1703 mit seiner Familie von Rostock nach Riga zog. Gustav Holsts Urgroßvater Matthias Holst (geb. 1769, gest. 1854) war Pianist, Komponist und Harfenlehrer am Russischen Hof in Sankt Petersburg. Er und seine russische Frau Katharina Rogge (geb. ?, gest. 1838) bekamen im Jahr 1799 mit Gustavus Valentinus (geb. 19. September 1799, gest. 8. Juni 1870) ihr erstes Kind. Wenige Jahre später musste die Familie fliehen und ließ sich in London nieder, wo Matthias Holst als Musiklehrer und Komponist wirkte. Im Jahr 1810 wurde der zweite Sohn Theodore (geb. 3. September 1810, gest. 12. Februar 1844) geboren.

Gustavus Valentinus Holst trat als Erwachsener in die Fußstapfen seines Vaters und ergänzte seinen Namen um das deutsche „von“, um seine Reputation zu erhöhen. Er und seine Ehefrau Honoria Goodrich of Norwich (gest. 15. Februar 1873) hatten fünf Kinder, von denen einige ebenfalls Musiker wurden:

  • Gustavus Matthias (geb. 1833, gest. 17. Januar 1874)
  • Catherine (geb. 14. November 1839, gest. 21. Januar 1874)
  • Lorenz (geb. 28. Oktober 1844, gest. 28. Februar 1913)
  • Adolph, Gustav Holsts Vater (1846–1901)
  • Benigna („Nina“; geb. 1849, gest. 1920er Jahre).

Nach seiner Studienzeit in Hamburg ließ Adolph von Holst sich in Cheltenham, dem Geburtsort des Komponisten nieder.

Gustav Holsts jüngerer Bruder Emil Gottfried von Holst (später Ernest Cossart; geb. 24. September 1876; gest. 21. Januar 1951) arbeitete später als Schauspieler.

Gustav Holsts Mutter Clara starb am 12. Februar 1882 nach einer Totgeburt an einer Herzkrankheit. Gustav Holst und sein Bruder Emil kamen in die Obhut zu ihrer Tante Benigna („Nina“) Holst, der Schwester ihres Vaters. Sie blieben dort bis 1885, als Adolph von Holst seine Musikschülerin Mary Thorley Stone (geb. ?, gest. ?) heiratete. Mary Thorley Stone war die Tochter von Reverend Edward Stone, Pfarrer in Queenhill (Upton-on-Severn).

Im gleichen Jahr wurde Gustav Holst in die Cheltenham Grammar School geschickt. Während Holsts Schulzeit wurde das Schulgebäude umgebaut, so dass der Unterricht in einer ehemaligen presbyterianischen Kapelle stattfand. Im Jahr 1889 bestand er die „Oxford Local Examination“ in den Fächern Englisch, Geschichte, Shakespeare, Französisch, Deutsch und Musik.

Noch während seiner Schulzeit hatte er sich – im Jahr 1887 – heimlich an der Komposition einer Kantate für Chor und Orchester über den römischen Volkshelden Horatius versucht, nachdem er im Unterricht Thomas Macaulays Lays of Ancient Rome kennengelernt hatte. Da er noch nicht mit den Grundlagen von Harmonik und Kontrapunkt vertraut war, las er die Die moderne Instrumentation und Orchestration von Hector Berlioz. Als er eines Tages – allein zu Haus – seine Musik am Klavier ausprobierte, klang das Ergebnis ganz anders, als Holst es erwartet hatte. Holst war so enttäuscht, dass er jede weitere Arbeit an der Kantate einstellte.

Ab dem Jahr 1888 nahm er mehrfach an einem Kompositionswettbewerb der Musikzeitschrift „Boy's own Paper“ teil und erzielte respektable Ergebnisse, darunter mehrfach den Ersten Preis.

AusbildungBearbeiten

Holst strebte zunächst eine Karriere als Pianist an. Im Alter von siebzehn Jahren musste er diese Pläne jedoch infolge einer Nervenentzündung des Armes aufgeben, die ihn sein restliches Leben über begleiten sollte. Zusätzlich litt Holst sein Leben über an Asthma und Kurzsichtigkeit.

Mit Hilfe der finanziellen Unterstützung seines Vaters besuchte Holst ab 1892 das Royal College of Music in London. Dort studierte er Komposition (bei Charles Villiers Stanford) und Posaune. Beeindruckt von der Musik Arthur Sullivans, komponierte Holst im gleichen Jahr 1892 die Oper The Lawnsdon Castle (auch: The Sorcerer of Temkesbury). Nach einer Aufführung von Auszügen der Oper am 22. Dezember 1892 wurde die Oper am 7. Februar 1893 komplett aufgeführt und machte das Publikum erstmals auf den Namen Holst aufmerksam. Arthur Sullivan sollte Holst auch weiterhin musikalisch prägen.

Im Jahr 1895 bekam er ein Stipendium, das ihm trotz inzwischen aufgetretener finanzieller Schwierigkeiten das Studium am College ermöglichte. Zu seinen prägenden Erfahrungen in dieser Zeit gehörten Aufführungen von Richard Wagners Götterdämmerung und Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Während seines Studiums lernte Gustav Holst im Jahr 1896 den Komponisten und Dirigenten Ralph Vaughan Williams kennen. Beide Männer verband eine lebenslange Freundschaft; sie legten sich gegenseitig noch während der Kompositionsphase ihre aktuellen Werke vor und gaben sich gegenseitig Verbesserungsvorschläge.

Am Ende seiner Studien im Jahr wurde ihm angeboten, das Stipendium um ein weiteres Jahr zu verlängern. Gustav Holst lehnte jedoch ab, da es, wie er meinte, an der Zeit war, seinen eigenen musikalischen Weg zu gehen.

Erste Leidenschaft für SanskritBearbeiten

Gustav Holsts erste Stelle war die eines Posaunisten und Repetitors bei der Carl Rosa Company in Southport (Lancashire). Bei einem Konzertaufenthalt mit der Carl Rosa Company in Scarborough weckte ein Buch von Friedrich Max Müller (möglicherweise ein Band von The Sacred Books of the East), das ein Freund ihm geliehen hatte, Holsts Interesse an Sanskrit, das den Komponisten sein restliches Leben über begleiten sollte. Da sich bei einem Besuch des Department of Oriental Languanges at the British Museum herausstellte, dass die dortigen Bücher ausschließlich auf Sanskrit und nicht in Übersetzung verfügbar waren, nahm er bei Mabel Bode, Managerin des County Theatre in Reading, Unterricht in Sanskrit. Zwischen beiden entwickelte sich eine Freundschaft.

Erstes Ergebnis von Holsts Beschäftigung mit Sanskrit war die Idee zu einer dreiaktigen Oper namens Sita, mit deren Komposition er 1899 begann. Die Handlung der im Stil Richard Wagners gehaltenen Oper basiert auf dem von Valmiki verfassten Heldenepos Ramayana und behandelt die indische Göttin Sita. Erst im Jahr 1906 war die Oper vollendet.

HochzeitBearbeiten

Wenig später lernte Gustav Holst die junge Sopranistin Isobel Harrison kennen. Beide wurden ein Paar und heirateten im Jahr 1901 und zogen in die 162 Shepherd's Bush Road in Brook Green (Stadtteil des Londoner Stadtbezirks London Borough of Hammersmith and Fulham).

Nach dem Tod von Holsts Vater im gleichen Jahr ermöglichte die Erbschaft dem jungen Paar im Jahr 1903 eine kurze Reise nach Berlin, wo beide auch in Deutschland lebende Mitglieder von Holsts Familie trafen. In der Anfangszeit, während Holsts berufliche Situation noch unsicher war, sorgte Isobel als Schneiderin für ein Einkommen.

Im Jahr 1907 kam Tochter Imogen Holst (geb. 12. April 1907; gest. 9, März 1984) zur Welt. Sie wurde ebenfalls Komponistin und Dirigentin und setzte sich nach Gustav Holsts Tod für das Werk ihres Vaters ein.

Holst als MusiklehrerBearbeiten

Holst war an einigen Institutionen als Musiklehrer beschäftigt und wurde schließlich im Jahr 1905 musikalischer Direktor an der St Paul’s Mädchenschule in Brook Green, Hammersmith,[1] wo ihm nach seinem Tod Herbert Howells nachfolgte.

In den Jahren 1905/06 inspirierte die von Vaughan-Williams komponierte Norfolk Rhapsody Holst, ebenfalls ein Werk zu schreiben, das, wie die Musik des Freundes, Folksongs zu einem Orchesterwerk bearbeitete. Die Folksongs für die zweiteilige Komposition, die zunächst Two Selection of Folksongs hieß und später in A Somerset Rhapsody und Songs of the West umbenannt wurde, stammten aus der Sammlung Folksongs from Somerset. Holsts Two Selections erklangen erstmals am 3. Februar 1906 in Pump Room, Bath, unter der Leitung von Holst, der das City of Bath Pump Room Orchestra dirigierte, und fanden den Beifall des Publikums und der Kritiker. Ein Jahr später überarbeitete Holst beide Teile der Two Selections. Während A Somerset Rhapsody eine der ersten populären Werke von Holst wurde, wurden die Songs of the West nicht veröffentlicht.

Im Jahr 1907 scheiterte Holst mit seinem Plan, mit seiner Oper Sita den ersten Preis beim Ricordi-Milan-Wettbewerb zu gewinnen. Nach den Erinnerungen von Holsts Freund Karl Hart scheiterte die Auszeichnung an Holsts ehemaligem Professor Stanford.[2] Man stellte ihm aber eine mögliche Publikation von Sita in Aussicht. Holst begann nach seiner Wettbewerbsniederlage, in seinem Stil von den Dimensionen Wagners wegzukommen und seine Musik auf das Wesentliche zu beschränken.

Im Jahr 1907 übernahm Holst eine weitere Lehrtätigkeit am Morley College.

Wegen Erschöpfung und depressiven Zuständen verbrachte Holst nach 1908 einen Urlaubsaufenthalt in Algerien. Frisch erholt und voller Energie kehrte er zurück und begann mit der Komposition seiner Oper Savitri. Wie bereits Sita basiert auch Savitri auf dem indischen Heldenepos Ramayana und schildert die Legende von Savitri und Satyavan, in der Savitri den Tod überlistet, der gekommen war, um ihren Ehemann Satyavan mit sich zu nehmen. Die Nachricht, dass die Veröffentlichung von Sita abgelehnt worden war, beschleunigte Holsts Arbeit an Savitri. Die Oper wurde acht Jahre später im Jahr 1916 vollendet und uraufgeführt sowie im Jahr 1923 veröffentlicht. Die Uraufführung am 5. Dezember 1916 unter der Leitung von Herman Grunebaum in der Wellington Hall in St. John’s Wood (Distrikt im Londoner Stadtbezirk City of Westminster) fand offensichtlich ein positives Echo.

Im Jahr 1909 wählte Holst eine Textstelle aus dem Gedicht Meghaduta des indischen Dichters Kalidasa aus dem 5. Jahrhundert nach Christus als Basis für The Cloud Messenger, einem Werk für Chor und Orchester im chromatischen Stil Richard Wagners. Das Werk handelt von einem Dichter, der eine Wolke mit einer Liebesbotschaft an seine Frau losschickt. Es wurde im Jahr 1913 uraufgeführt.

Am Morley College betreute Holst in der ersten Hälfte des Jahres 1911 die Vorbereitungen zur Wiederaufführung von Henry Purcells Oper The Fairy-Queen. Zuvor war der Musiker J. S. Shedlock von der Purcell Society beauftragt worden, das Werk zu rekonstruieren. Als das Projekt bereits kurz vor der Drucklegung stand, fand Shedlock das Manuskript von The Fairy-Queen zufällig in der Bibliothek der Royal Academy of Music. Ab November 1910 erstellten Studentinnen des Morley College unter Holsts Leitung aus 1.500 Seiten Notentext eine Notenausgabe für die Aufführung. Diese fand am 10. Juni 1911 in der Royal Victoria Hall mit einer Einführung durch Ralph Vaughan Williams und unter der Leitung von Isidore Schwiller statt und fand ein positives Echo in der Presse.

Nachdem Holst 1911 die Leitung des Orchesters der St Paul Mädchenschule übernommen hatte, begann er im Jahr darauf mit der Arbeit an der St Paul’s Suite. Das viersätzige Orchesterwerk war ausschließlich für eine Aufführung an der Schule gedacht. Es wurde im Jahr 1922 veröffentlicht.

Am 4. März 1913 fand unter Holsts Leitung, der das New York Symphony Orchestra und die London Choral Society dirigierte, die Uraufführung von The Cloud Messenger statt. Zu Holsts Enttäuschung fielen die Kritiken zu dem Werk, das er für eines seiner besten hielt, zurückhaltend aus. Für die Veröffentlichung bearbeitete Holst das Werk.

„Die Planeten“Bearbeiten

 
Widmung Holsts auf Adrian Boults Widmungsexemplar von Die Planeten.

Im Jahr 1913 unternahm Holst mit Arnold Bax und Henry Balfour Gardiner einen Urlaub auf Mallorca. Dort entwickelte Holst ein stetig steigendes Interesse für Astrologie und begann, Horoskope für seinen Freundeskreis zu erstellen. Während des Urlaubs wurde das St. Paul's College um einen Gebäudeflügel ergänzt, der bei Holsts Rückkehr fast vollständig fertiggestellt war. In diesem Zusammenhang wurde ein schalldichter Raum errichtet, den Holst von da an am Wochenende zum Komponieren nutzte. Die Einweihung fand am 1. Juli 1913 statt.

Ebenfalls im Jahr 1913 zog die Familie Holst nach Thaxted (Essex) und bewohnte zunächst ein kleines Cottage. Wenige Jahre später wurde es durch einen Brand zerstört; durch Straßenerweiterungsarbeiten verschwanden auch die letzten Spuren des Gartens. In Thaxted kümmerte sich Holst auch um die Kirchenmusik und den Kirchenchor. Holsts Interesse für englische Meister des Mittelalters wie William Byrd, Henry Purcell und Thomas Weelkes brachte Holst auf die Idee, die Chöre von Morley und St. Paul in Thaxted gemeinsam auftreten zu lassen. Das erste Festival dieser Art fand an Pfingsten 1913 statt und wurde ein großer Erfolg. Es fand von nun an jährlich statt und fiel lediglich 1919 aus, als Holst nicht im Ort war.

In seinem Cottage in Thaxted begann Holst – inspiriert von seinem neuen Interesse für Astrologie – von 1914 bis 1916 mit der Komposition der siebensätzigen Orchestersuite Die Planeten, in der er die damals bekannten sieben Planeten des Sonnensystems (außer der Erde) charakterisierte. Ein Großteil des Werks entstand in seinem schalldichten Raum im St. Paul's College. Eine erste, von Balfour Gardinier initiierte Privataufführung der Planeten erfolgte am 29. September 1918 in der Londoner Queen’s Hall unter Dirigent Adrian Boult. Einer Legende zufolge fingen beim Erklingen des Jupiter-Satzes die Putzfrauen im Korridor zu tanzen an.

Die erste öffentliche Aufführung der Planeten fand – erneut unter der Leitung von Adrian Boult und in der Queen’s Hall – nach Ende des Ersten Weltkriegs (allerdings ohne Venus und Neptun) statt und wurde Holsts größter Publikumserfolg. Doch mit dem Erfolg wuchs auch das Interesse der Journalisten und Fotografen an Holst. Dieser hatte eine Abneigung gegen Journalisten und zog es vor, auch weiterhin ein gewöhnliches Leben zu führen. Je mehr die Journalisten fragten, desto kürzer wurden Holsts Antworten, bis er mit einem Schweigen andeutete, dass er das Interview als beendet betrachtete.

Nach Aussage des Musikkritikers und Holsts Weggefährten Clifford Bax verlor Holst nach den Planeten sein musikalisches Interesse an der Astrologie; jedoch erstellte Holst auch weiterhin Horoskope für seinen Freundeskreis.

Erster WeltkriegBearbeiten

Auch im beschaulichen Thaxted machte sich der nahende Erste Weltkrieg bemerkbar. So wurde Holst auf Grund des deutsch klingenden „von“ in seinem Namen von den Einwohnern der Spionage verdächtigt, doch ergaben polizeiliche Untersuchungen keine Verdachtsmomente. Holst meldete sich zum Kriegsdienst, wurde aber wegen seiner gesundheitlichen Probleme wie seiner Nervenentzündung im Arm, seiner Kurzsichtigkeit und schlechter Verdauung für untauglich befunden.

Trotzdem gab Holst aber gegen Ende des Krieges – direkt nach der Privataufführung der Planeten – im Auftrag der YMCA in Griechenland und der Türkei mehrere Konzerte für Soldaten, um deren Moral zu verbessern. Im Zusammenhang mit seinem Einsatz bei der YMCA begann er, das „von“ in seinem Namen wegzulassen. Im Jahr 1919 lehnte Holst das Angebot ab, seine Tätigkeit um ein weiteres Jahr zu verlängern, und kehrte im Sommer nach England zurück. Am Morley College war es ihm wichtig, administrative Tätigkeiten möglichst zu meiden und sich so gut wie möglich auf den Kompositionsunterricht zu konzentrieren.

Nach KriegsendeBearbeiten

Zwischen 1919 und 1923 lehrte Holst Komposition am Royal College of Music und der Universität in Reading. Hier gab er Kurse in Harmonik und Kontrapunkt.

Anfang 1920 wurde Holsts 1917 komponiertes Werk The Hymn of Jesus aufgeführt und hinterließ tiefen Eindruck beim Publikum. Die Komposition beruht auf dem auf Griechisch verfassten Werk The Apocryphal Acts of St John des Theosophen George Robert Stow Mead und schildert eine von Jesus Christus und seinen Jüngern nach dem Letzten Abendmahl gesungene Hymne. Für die Komposition des Werkes erlernte Holst die Grundlagen der griechischen Sprache.

In den Jahren 1919 und 1920 schrieb Holst das Libretto für seine komische Oper The Perfect Fool, in der Holst die Opern von Claude Debussy, Giuseppe Verdi sowie Richard Wagners Parsifal persifliert. Holsts Ansinnen, das Libretto von seiner ehemaligen Schülerin Jane Joseph oder von seinem Freund Clifford Bax schreiben zu lassen, war zuvor gescheitert. Die Arbeit an der Oper war im Jahr 1922 abgeschlossen.

Nach einem Kurzbesuch bei seinem Reading-Studenten W. Probert-Jones in Derbyshire kam Holst die Idee zu einer Ouvertüre. Wie er an Probert-Jones schrieb, entwickelte sich das Werk während der Kompositionsarbeit zu einer Fuge. Das Werk, die spätere Fugal Overture, entstand zum Großteil in Holsts schalldichtem Raum im St Paul's College und war am 4. Januar 1923 vollendet. Sie erklang erstmals als Ouvertüre zu den Aufführungen von The Perfect Fool im Covent Garden und rief gemischte Reaktionen hervor.

Während Konzertproben in Reading rutschte Holst im Februar 1923 am Konzertpult aus und schlug mit dem Hinterkopf auf. Holst ignorierte den Rat der Ärzte, sich zu schonen, und erlitt einen Nervenzusammenbruch, woraufhin ihm mehrere Wochen strengster Ruhe verordnet wurden. Philipp Collis und Ralph Vaughan Williams übernahmen seine Lehrtätigkeiten am Morley College, Balfour Gardiner jene in Reading. Während seiner mehrwöchigen Zwangspause sammelte Holst die Energie, die er bald darauf brauchen würde, da er eine Einladung der University of Michigan zu einem Konzertfestival angenommen hatte. Da auch ein Jahr nach seinem Unfall Spätfolgen auftraten, gab Holst einen großen Teil seiner Lehrtätigkeit auf und setzte diese lediglich am St. Paul's College fort.

Am 14. Mai 1923 fand im Royal Opera House, Covent Garden, die Uraufführung der Oper The Perfect Fool unter der Leitung von Eugène Aynsley Goossens statt, der die British National Opera Company dirigierte. Wegen seines USA-Aufenthaltes in Michigan konnte Holst nicht an der Uraufführung teilnehmen. Publikum und Kritiker reagierten mit Verwirrung auf die Handlung der Oper.

Am 7. Oktober 1925 wurde die First Choral Symphony, mit deren Komposition Holst ein Jahr zuvor begonnen hatte, aufgeführt. Die Uraufführung fand in der Town Hall in Leeds unter der Leitung von Albert Coates, der das London Symphony Orchestra und den Festival Chorus dirigierte, sowie mit Dorothy Silk als Sopran-Solistin statt. Als Vorlage diente ein Gedicht von John Keats. Eine zweite Aufführung unter denselben Interpreten folgte am 29. Oktober in der Londoner Queen’s Hall. Das Publikum und die meisten Kritiker reagierten auf beide Aufführungen negativ. Holsts Planungen zu einem weiteren Werk dieser Art, einer Second Choral Symphony, kamen über das Skizzenstadium nicht hinaus.

Im Jahr 1927 komponierte Holst das Orchesterwerk Egdon Heath. Als Inspiration diente der Roman The Return of the Native des Schriftstellers Thomas Hardy. Holsts Komposition beschreibt den fiktiven Ort Egdon Heath aus dem ersten Kapitel des Romans. Im August 1927 stattete Holst dem Schriftsteller einen Besuch ab. Die beiden Männer wurden Freunde und unternahmen einen Ausflug in der Umgebung.

Für den Film The Bells von 1931 wurde Holst mit der Komposition der Filmmusik beauftragt; zusätzlich hatte er einen Statistenauftritt in einer Szene in einer Menschenmenge. Holsts Enthusiasmus für seinen Auftrag schwand jedoch, als einerseits nach Vollendung der Filmmusik die Produzenten den Film kürzten und Holst um entsprechende Änderungen an der Musik baten und andererseits bei einer Testvorführung des Films die Musik auf Grund schlechter Qualität der Lautsprecher bei weitem nicht so klang wie Holst es beabsichtigt hatte. Sowohl der Film als auch Holsts Musik zum Film gelten inzwischen als verschollen.

Krankheit und TodBearbeiten

 
Brunnen zu Ehren Holsts mit Statue im Geburtsort Cheltenham (Detailaufnahme).

Ende 1931 erhielt Gustav Holst eine Einladung von der amerikanischen Harvard University, von Februar bis Mai 1932 eine Gastdozentur für Komposition zu übernehmen. Während der Gastdozentur gab er auch Konzerte und arbeitete an weiteren Kompositionen. Privat traf er sich mit Bruder Emil und Nichte Valerie (geb. 27. Juni 1907, gest. ?). Ende März 1932 wurde bei Holst eine Gastritis auf Grund eines Ulcus am Zwölffingerdarm diagnostiziert. Zunächst konnte Holst sich erholen und setzte seine Arbeit sowohl in Amerika als auch nach seiner Rückkehr nach England fort.

Ende April 1934 wurde Holst in die Beaufort-House-Klinik im Londoner Stadtteil Ealing eingeliefert. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes musste die geplante Operation zunächst um drei Wochen verschoben werden; die dreistündige Operation fand schließlich am 23. Mai statt. Zwei Tage später, am 25. Mai 1934, starb Gustav Holst an einem Herzanfall. Seine Asche wurde bei der Kathedrale von Chichester in Sussex beigesetzt. Zu Holsts Ehren wurde in seiner Geburtsstadt Cheltenham ein Brunnen mit einer Holst-Statue errichtet. In seinem Geburtshaus in der 4 Clarence Road wurde ein Museum eingerichtet. Der am 5. Februar 1984 entdeckte Asteroid (3590) Holst wurde nach dem Komponisten benannt.

RezeptionBearbeiten

Gustav Holst, der als Komponist der Spätromantik zugerechnet wird, erlangte vor allem durch seine siebensätzige Orchestersuite The Planets (Die Planeten, 1914–1916) große Popularität. Hieraus hat sich der Satz über den Kriegsgott Mars sogar zu einem eigenständigen Hit entwickelt.[1] Diese Musik wurde zur Fundgrube vieler amerikanischer Filmkomponisten wie Danny Elfman, Elliot Goldenthal, Shirley Walker, Hans Zimmer und John Williams. Andere Orchesterwerke – wie beispielsweise die an der Musik des Barocks orientierte St Paul’s Suite – haben keine vergleichbare Bekanntheit erreicht.[1] Seine Oper Savitri wurde in den 1970er Jahren von Graham Vick an der Scottish Opera inszeniert.

Holsts Musik hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die jüngere Generation britischer Komponisten.[1] Seit 1961 ist er Namensgeber für den Holst Peak, einen Berg auf der Alexander-I.-Insel in der Antarktis.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

Opern/BühnenwerkeBearbeiten

  • The Idea (ca. 1896)
  • Savitri (1916)
  • The Perfect Fool (1918–1922/1923)
  • At the Boar’s Head (1924/1925)
  • The Tale of the Wandering Scholar (1929)

OrchesterwerkeBearbeiten

  • First suite in E
  • The Mystic Trumpeter op. 18 (1904)
  • A Somerset Rhapsody (1907)
  • Fugal Concerto für Flöte, Oboe und Streichorchester op. 40/2 (1923)
  • Chorsymphonie op. 41 für Sopran, Chor und Orchester (1923/24)
  • Doppelkonzert für 2 Violinen und Orchester op. 49 (1929)
  • St Paul’s Suite (1913, mit dem Finale als Neuarrangement des 4. Satzes der Second Suite):
    • Jig
    • Ostinato
    • Intermezzo
    • Finale (The Dargason)
  • The Planets (1914)
    • Mars, the Bringer of War
    • Venus, the Bringer of Peace
    • Mercury, the Winged Messenger
    • Jupiter, the Bringer of Jollity
    • Saturn, the Bringer of Old Age
    • Uranus, the Magician
    • Neptune, the Mystic
  • Lyric Movement (1933)

Für Blasorchester/Military-BandBearbeiten

  • Three Folk Tunes (March on Three Folk Tunes), H106A (1905)
  • First Suite for Military Band in E op. 28/1 (1909)
    • Chaconne
    • Intermezzo
    • March
  • Second Suite for Military Band in F op. 28/2 (1911)
    • March: Morris Dance, Swansea Town, Claudy Banks
    • Song Without Words “I’ll Love My Love”
    • Song of the Blacksmith
    • Fantasia on the “Dargason”
  • The Praise of King Olaf for Choir and Military Band (1910–11)
  • A Moorside Suite (1928)
    • Scherzo
    • Nocturne
    • March
  • Fugue à la Gigue (Johann Sebastian Bach (BWV 577), arr. Holst) (1928)
  • Hammersmith Prelude and Scherzo, op. 52 (1930)
    • Prelude
    • Scherzo

VokalwerkeBearbeiten

  • Choral Hymns from the Rig Veda (1908–1912)
  • The Hymn of Jesus für Chor und Orchester (1917)
  • Chor-Ballett The Golden Goose (1926)
  • Chor-Ballett The Morning of the Year (1927)

LiteraturBearbeiten

  • Imogen Holst: Holst. Faber & Faber, London 1974
  • Michael Short: Gustav Holst – The Man and his Music, Circaidy Gregory Press (first published by Oxford University Press), 1990, Neuauflage 2014, ISBN 978-1-906451-82-0

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Eckhardt van den Hoogen: ABC der klassischen Musik. Die großen Komponisten und ihre Werke. Eichborn, Frankfurt am Main 2002, Lemma Holst, Gustav.
  2. Fritz B. Hart: Early Moments of Gustav Holst, RCMMMAg 39/2, S. 43–52, S. 84–89, 1943