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Greta ist ein US-amerikanisch-irischer Psychothriller des Regisseurs Neil Jordan, der 2018 beim Toronto International Film Festival zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde.

Filmdaten
Deutscher TitelGreta
OriginaltitelGreta
ProduktionslandUSA, Irland
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2018
Länge98 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieNeil Jordan
DrehbuchRay Wright,
Neil Jordan
ProduktionLawrence Bender,
James Flynn,
Sidney Kimmel,
John Penotti,
Karen Richards
MusikJavier Navarrete
KameraSeamus McGarvey
SchnittNick Emerson
Besetzung
Synchronisation

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Frances, die vor kurzer Zeit ihre Mutter verloren hat, jobbt als Kellnerin in einem New Yorker Nobelrestaurant. Sie wohnt mit ihrer langjährigen Freundin Erica in deren komfortabler Loftwohnung in Manhattan. Erica führt ein intensives Partyleben und interessiert sich eigentlich nur für Mode und Yoga. Die beiden haben sich nicht viel zu sagen. Frances fühlt sich einsam.

Als sie in der New Yorker U-Bahn eine Handtasche findet, bringt sie die Tasche zu deren rechtmäßiger Besitzerin zurück. Die Adresse befindet sich in einer düsteren, zwielichtigen Gegend, das Ziegelhaus scheint baufällig, man kann nicht durch die Fenster sehen. Die Tasche gehört einer älteren Dame, die in einer mit allerlei Kram vollgestopften Wohnung lebt. Sie wirkt ein wenig exzentrisch, ist Französin, heißt Greta und freut sich offensichtlich über den Besuch der jungen Frau. Sie lädt sie zum Tee ein. Greta liebt klassische Musik und verdient ihr Geld mit Klavierstunden.

Auch Greta fühlt sich einsam in New York. Sie ist Witwe, ihre einzige Tochter lebt in Paris. Die beiden Frauen freunden sich an. Sie gehen zusammen spazieren, besuchen eine Kirche, um ihrer Toten zu gedenken, und ihre Beziehung wird allmählich immer vertrauter. Eines Abends ist Greta in der Küche mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt. Als Frances auf der Suche nach Kerzen einen Schrank öffnet, findet sie dort eine Sammlung identischer Taschen vor, wie sie selbst eine in der U-Bahn gefunden hat.

Greta beherrscht die Kunst der Manipulation und benutzt die Handtaschen als Köder, um junge Frauen zu sich zu locken. Frances wird die Frau zunehmend unheimlich, und sie versucht – vergeblich – sich aus ihren Netzen zu befreien. Greta „klebt“ sozusagen an ihr, folgt ihr auf Schritt und Tritt, drangsaliert sie mit Telefonanrufen, steht stundenlang vor dem Restaurant, in dem Frances arbeitet, bestellt dann bei ihr im Restaurant ein Menu, beschimpft Frances und gerät schließlich in eine unkontrollierte Raserei, was mit der Zwangsjacke und der Einweisung in die Psychiatrie endet.

Was beide außer ihrer Einsamkeit und dem Gefühl der Verlorenheit in New York verbindet, stellt sich erst allmählich heraus. Es ist eine fatale Beziehung zu ihren Müttern, die Frances zu einem leichten Opfer für Gretas Manipulationen macht, während Greta selbst eine Horrorkindheit erlebt hat und immer wieder von ihrer Mutter zur Strafe in eine dunkle Kiste gesperrt wurde.

ProduktionBearbeiten

Greta ist nach Jordans Vampirfilm Byzantium sein erster Spielfilm nach sieben Jahren, der zwölfte Spielfilm mit Stephen Rea und sein erster mit Isabelle Huppert.[2] Produktionsfirmen waren Sidney Kimmel Entertainment, Lawrence Bender Productions und Little Wave Productions.

Der Film wurde bis auf einige Außenaufnahmen in New York fast ausschließlich in Studios in Dublin und Toronto gedreht. Javier Navarrete, der für die Musik des Films verantwortlich ist, hat schon bei Byzantinum mit Jordan zusammengearbeitet. Die Stücke, die Greta am Piano spielt, sind Aufnahmen von Anthony Byrne, Brian Connor, Jenő Jandó, Earl Wild und Henrik Mawe.[3]

SynchronisationBearbeiten

Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Jörg Hartung und unter der Dialogregie von Ronald Nitschke durch die Synchronfirma Think Global Media in Berlin.[4]

Rollenname Schauspieler Synchronsprecher[4]
Greta Hideg Isabelle Huppert Traudel Haas
Frances McCullen Chloë Grace Moretz Luisa Wietzorek
Erica Penn Maika Monroe Victoria Frenz
Chris McCullen Colm Feore Udo Schenk
Brian Cody Stephen Rea Ronald Nitschke

RezeptionBearbeiten

Die Kritiken zu dem Film fielen gemischt aus, mit einer Tendenz zu einer negativen Gesamtwertung. Das Urteil reicht von „gründlich verunglücktem Film“[5] bis zu „gut gemachten, an Hitchcock und Polanski geschulten Spannungskino“ mit Huppert als „erstklassigem Filmmonster“.[6]

Laut Kino-Zeit erweise sich „Greta“ als „überkandidelte Klischeeparade“, die man schon sehr früh nicht mehr ernst nehmen könne. Trotz gelegentlicher Lichtblicke bei Isabelle Huppert, könne sie aber gegen die Banalität des zum Ende hin immer absurder werdenden Drehbuchs und die platte Aufmachung des bloß oberflächlich über Einsamkeit sinnierenden Films wenig ausrichten.[7]

Philipp Stadelmaier von der Süddeutschen Zeitung schreibt: „Es gibt für einen Kinozuschauer wenig Schöneres, als auf raffinierte Art und Weise reingelegt zu werden. Es ist das Reich der Träume und Albträume, das Jordan erkundet. Momente, in denen nicht klar ist, ob man noch bei Bewusstsein ist oder halluziniert, weil man betäubt und entführt wurde. Der Ursprung von „Greta“ ist ein Kindheitstrauma, das Ausgeliefertsein an eine Mutter, die ihre Kinder zur Strafe in eine kleine dunkle Kiste sperrt. „Du brauchst eine Mutter“, dieser von Greta an Frances gerichtete Satz ist vielleicht der größte Albtraum in diesem Thriller, der umso schockierender wird, weil er als harmlose Romanze begann.“[8]

Auszeichnungen

  • 2019: Dublin Film Critics Award als bester Irischer Film

WeblinksBearbeiten

  Commons: Greta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Greta. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 188799/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Last Taboo: Stephen Rea talks The Crying Game Tiff, 7. November 2017, abgerufen am 29. Mai 2019
  3. Soundtrack IMDb
  4. a b greta. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 31. Mai 2019.
  5. Knut Elstermann: Unfreiwillig komisch: Neil Jordans Stalking-Thriller „Greta“ mdr Kultur, abgerufen am 30. Mai 2019
  6. Lukas Foerster: Greta/Neil Jordan, in: Filmbulletin, 7. Mai 2019, abgerufen am 30. Mai 2019
  7. Christopher Diekhaus: Greta (2018), kino-zeit.de, abgerufen am 29. Mai 2019
  8. Philipp Stadelmeier: Warte bis es dunkel wird Süddeutsche Zeitung, 15. Mai 2019, abgerufen am 29. Mai 2019