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Gloria-Palast

ehemaliges Kino (1953-1998) in Charlottenburg, Berlin, Deutschland
Leuchtreklame des Gloria-Palastes, 2008

Der Gloria-Palast war ein bedeutendes Filmtheater in Berlin am Kurfürstendamm 10/10a (später: Kurfürstendamm 12/13). Es bestand von 1925 bis 1998. Danach musste das Kino anderen Nutzungen weichen, schließlich wurde es im Jahr 2017 abgerissen.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Gloria-Palast im Romanischen HausBearbeiten

 
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und der alte Gloria-Palast (rechts), um 1940
Ruine des ersten Gloria Palastes Juli 1945 (Special Film Project 186)

Der neobarocke Kinosaal wurde 1924–1925 von Ernst Lessing und Max Bremer im ersten bis dritten Stockwerk des ersten Romanischen Hauses errichtet, das zwischen 1894 und 1896 von Franz Schwechten erbaut worden war. Um die denkmalgeschützte Fassade zu erhalten, wurde kein neues Gebäude errichtet, sondern das vorhandene entkernt sowie sein Innenhof überbaut. Das Kino war mit 1200 Sitzplätzen ausgestattet.

Der Gloria-Palast eröffnete am 26. Januar 1926 mit einer Pantomime von Frank Wedekind und Friedrich Wilhelm Murnaus Verfilmung von Molières Tartuffe. Im Jahr 1930 wurde im Gloria-Palast am 1. April der Film Der blaue Engel sowie am 15. August der Film Unter den Dächern von Paris von René Clair uraufgeführt.

Im Jahr 1943 wurde das Kino durch einen Bombeneinschlag und den nachfolgend eintretenden Brand im Zweiten Weltkrieg zerstört.

NachkriegsbauBearbeiten

 
Neuer Gloria-Palast mit Gloriette, 1985

Nach dem Krieg entstand das zerstörte Kino 1953 auf einem Teilstück des ehemaligen Baugrunds neu: Am Kurfürstendamm 12 errichteten die Architekten Siegfried Fehr und Gerhard Jäckel einen fünfgeschossigen Stahlbetonskelettbau mit Rasterfassade. Für einige Jahre war das Kino einer der Austragungsorte der Internationalen Filmfestspiele (Berlinale).

Im Jahr 1971 wurde der Saal umgebaut. Ein Jahr später kam ein kleiner Saal, die Gloriette, im Untergeschoss hinzu. Im Jahr 1986 wurden beide Säle im Zuge des Neubaus der Gloria-Passage komplett neu gebaut.

Am 15. August 1998 wurde der Gloria-Palast geschlossen. Von dem ehemaligen Kino waren nach Umbauten noch das unter Denkmalschutz stehende und restaurierte Foyer mit dem Kassenhäuschen und der Wendeltreppe sowie die ebenfalls denkmalgeschützte Leuchtreklame an der Fassade erhalten. Anfang der 2000er Jahre wurde die Centrum Holding und RFR Frankfurt am Main Eigentümer der Immobilie. Im September 2008 eröffnete das Jeanslabel Replay in dem ehemaligen Kino sein zweites Geschäft in Berlin. 2015/2016 hat der Eigentümer ein Gutachten vorgelegt, das die Fassade der 1950er Jahre als nicht mehr standfest ansieht. Er hatte einen Antrag auf (Teil-)Abriss und Um- bzw. Neubau gestellt. Anfang 2017 fiel der Entscheid, dass der Gloria-Palast trotz Denkmalschutzes abgerissen wird. Grund sei, bei einer notwendigen Sanierung des früheren Kinos könne die „denkmalbestimmende Substanz“ nicht erhalten werden.

Neubau des Gloria BerlinBearbeiten

Nach dem erfolgten Abriss des Kinogebäudes Anfang 2017 entsteht nach Plänen der Architekten Ortner & Ortner das Gloria Berlin auf der Fläche Kurfürstendamm 12–15. Es handelt sich um einen Stahl-Glas-Komplex aus zwei Büro- und Geschäftshäusern, der mit einigen kleinen Details als Erinnerungsbau gestaltet werden sollen, den der Eigentümer hier bis zum Jahr 2020 errichten wird. Das benachbarte Gründerzeit-Gebäude wird unter Leitung der Architekten Petra und Paul Kahlfeldt denkmalgerecht saniert und gehört ebenfalls zum Projekt Gloria Berlin. Vom alten Gloria-Palast wurden die Neonreklame, die Wendeltreppe und das Kassenhäuschen aus dem Foyer gerettet, sind aber eingelagert, weil ihre weitere Verwendung unklar ist. Die Kosten für das Neubau-Projekt hat der Bauherr nicht konkret bekanntgegeben, sie betragen aber „mehrere hundert Millionen“ Euro.[1] Die Arbeiten verzögern sich jedoch, weil die Entwürfe von Ortner & Ortner zwar mit vielen Verantwortlichen abgestimmt worden waren, jedoch vom Baukollegium die Gestaltung des Neubaus und das Nebengebäude der Gesamtsituation nicht angemessen erschien. Insbesondere seien die baulichen Anschlüsse an die Nachbarhäuser, die auf dem Dach projektierte Technik nicht in die Architektur integriert und die reale Teilung der beiden Häuser nicht deutlich, da es nur einen Eingang geben soll. Die Vorsitzende des Baukollegiums und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher formulierte es so: „In Tat und Wahrheit machen Sie ein neues Gebäude und dekorieren es. Das finden wir nicht so prickelnd. Wir wollen konzeptionell, dass es tatsächlich zwei Häuser sind. […] Dieses Gebäude müsse an dieser prominenten Stelle mehr für die Stadt leisten, müsse als Teil des Stadtensembles überzeugend sein.“[2] Zur nächsten Baukollegiumssitzung im Oktober 2017 legten die Architekten einen geänderten Entwurf vor, der nun eine deutliche Fassadentrennung beider neuen Gebäude sowie eine Rückstaffelung des obersten Stockwerks für die notwendige Gebäudetechnik vorsieht. Er wurde angenommen. Oberirdisch sind je fünf Etagen vorgesehen, unterirdisch soll eine Tiefgarage entstehen. In den drei unteren Etagen stehen rund 11.000 Quadratmeter Nutzfläche für mehrere Einzelhändler bereit. Die oberen Etagen werden Büroräume enthalten. Im Mai 2018 erfolgte für den Neubau der erste Spatenstich.[3]

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Jürgen Tast: Kinos in den 1980ern. Beispiel: Berlin/West (= Kulleraugen 35). Kulleraugen, Schellerten 2008, ISBN 978-3-88842-035-1.
  • Norbert Huse (Hrsg.): verloren. gefährdet. geschützt. Baudenkmale in Berlin. Ausstellung im ehemaligen Arbeitsschutzzentrum Berlin-Charlottenburg. 7. Dezember 1988 bis 5. März 1989, hierin: S. 313–315.
  • Ditta Ahmadi: Lichtspielhäuser. In: Berlin und seine Bauten. Band 5: Bauwerke für Kunst, Erziehung und Wissenschaft. Teil A: Bauten für die Kunst. Ernst, Berlin u. a. 1983, ISBN 3-433-00944-9, insbesondere S. 167–169 und 190.
  • Vom Filmpalast zum Kinozentrum Zoo-Palast, hrsgg. vom Zentrum am Zoo Geschäftsbauten AG, Berlin 1983, hierin: S. 27–40.
  • Der „Gloria-Palast“ in Berlin. In: Bauwelt 47, 1953, S. 927–929.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ulrich Paul: Kurfürstendamm – Pläne für Neubebauung des Gloria-Palastes präsentiert, In: Berliner Zeitung, 2. Mai 2016, abgerufen am 26. März 2019.
  2. Matthias Vogel: Architekten müssen nachsitzen: Neubau für Gloria-Palast verzögert sich. Bei: berliner-woche.de, 1. September 2017, abgerufen am 26. März 2019.
  3. Cay Dobberke: Spatenstich für Gloria Berlin In: tagesspiegel.de, 3. Mai 2018, abgerufen am 27. März 2019.

Koordinaten: 52° 30′ 15,9″ N, 13° 19′ 58,9″ O