Erstes Romanisches Haus (Berlin)

ehemaliges Restaurant und Kino ("Gloria-Palast", 1926-1943) in Charlottenburg, Berlin, Deutschland

Das Romanische Haus war ein Gebäude an der Westseite des damaligen Auguste-Viktoria-Platzes im heutigen Berliner Ortsteil Charlottenburg zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße. Es trug die Adresse Kurfürstendamm 10/10a und wird manchmal auch als Erstes Romanisches Haus bezeichnet, weil gegenüber im Jahr 1901 noch ein zweites Gebäude mit dieser Bezeichnung errichtet wurde.

Das Romanische Haus (1901), Fotografie von Sigurd Curman

GeschichteBearbeiten

Das erste Romanische Haus in Berlin wurde auf Anregung des Kaisers von Franz Schwechten geplant. Schwechten hatte bereits die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche entworfen, die 1895 eingeweiht wurde, und sollte auch die Umgebung dieser Kirche entsprechend gestalten. Das erste Romanische Haus wurde in den Jahren 1893–1896 gegenüber dem Hauptportal der Kirche errichtet; später folgte noch das Zweite Romanische Haus (auch: Neues Romanisches Haus), in dem sich das Romanische Café befand. Zum Romanischen Forum gehörten ferner noch die Ausstellungshallen am Zoo von Carl Gause sowie das Haus Kaisereck.[1]

Beim Bau des ersten Romanischen Hauses blieb Schwechten, um den Eindruck der Kirche nicht zu schmälern, etwa sieben Meter hinter der für den Bau zulässigen Fluchtlinie zurück. Zusammen mit dem aufwändigen Fassadenschmuck aus Sandstein mit durchgehenden Loggien und der Innenausstattung, zu der Mosaiken, Marmorsäulen und -kamine und bunte Glasfenster gehörten,[2] trieb dies den Preis des Gebäudes in die Höhe: Die Baukosten betrugen rund 1,6 Millionen Mark. Wohnungen im Romanischen Haus wurden entsprechend teuer vermietet.

Das Haus gehörte von 1894 bis 1910 dem Landschaftsmaler Julius Bodenstein (1847–1932). Nach dem Verkauf wurde es umgebaut: Schwechten plante auf dem Nachbargrundstück in der Kantstraße ein Romanisches Hotel und das Erdgeschoss des Romanischen Hauses wurde zum Restaurant „Regina-Palast“ umgebaut. Der unbebaute Baugrund zwischen Fluchtlinie und Haus wurde für die Zeit bis 1928 zum Wirtsgarten, dann fiel er einer Straßenverbreiterung zum Opfer.

 
Das Romanische Haus mit dem Gloria-Palast, um 1940

In den Jahren 1924 und 1925 erfolgte ein weiterer Umbau: Der Regina-Palast wurde vom Café Trumpf abgelöst. Dieses Café wurde 1931 von der Haus Vaterland GmbH übernommen und später an Kempinski übergeben.[3] Der italienische Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa verfasste 1930 in einem Brief eine detailreiche Schilderung des Cafés. Darin heißt es, das Café Trumpf sei „so groß wie das Dach des Palermer Bahnhofs“, aber durch Treppen, Zwischenetagen usw. geschickt unterteilt gewesen. Laut Tomasi di Lampedusa waren die unteren Teile der Wände mit grünem Marmor verkleidet, die oberen mit Wachsmalerei in hellerem, goldpailettiertem Grün geschmückt, die Decke golden. Er erwähnt auch eine Arkade aus grünen Holzsäulen, eine Tanzfläche und eine gläserne Wand, durch die man „den Kurfürstendamm, die Myriaden Lichter, den infernalischen Verkehr und den unbeschreiblichen Regen“ gesehen habe. Ein 15-köpfiges Orchester spielte laut Tomasi di Lampedusas Schilderung im Café Trumpf auf.[4] Obwohl er das Café als ein „ganz gewöhnliches respektierliches und banales Kaffeehaus“ ansah, berichtete Tomasi di Lampedusa auch von „allzu glatt rasierten Jüngelchen, die schmachtend an den Ecktischchen sitzen, bis ein alter fetter Herr mit rot angelaufenem Gesicht und glubschenden Augen sich entscheidet“.[5] In der Zeit des Nationalsozialismus gehörte das Café Trumpf zu den Etablissements, in denen das jüdische „Greifer“-Paar Stella Goldschlag und Rolf Rogoff im Auftrag der Gestapo Juden aufspürte.[6]

Im 1. und 2. Obergeschoss wurde beim Umbau das Filmtheater Gloria-Palast eingerichtet. Zuvor hatte die Firma J. C. Pfaff, die Möbel und Raumkunst produzierte,[7] diese Stockwerke genutzt. Das Kino fasste etwa 1200 Zuschauer und war luxuriös ausgestattet. Es wurde 1926 eingeweiht und entwickelte sich schnell zum Kino für Uraufführungen. Unter anderem wurde hier 1930 Der blaue Engel zum ersten Mal gezeigt.[8]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Romanische Haus von Bombentreffern schwer beschädigt; später wurden die Überreste abgetragen. In den Jahren 1957–1960 (Planungs- und Bauzeit) entstand an dieser Stelle ein Flügel des Schimmelpfeng-Hauses.

RolandbrunnenBearbeiten

 
Rolandbrunnen in Prabuty, 2011

Im Jahr 1900 wurde im Vorgarten des Romanischen Hauses, innerhalb der schmiedeeisernen Einfriedung, ein Brunnen aufgestellt, der nach Schwechtens Entwurf für die Berliner Gewerbeausstellung von 1896 entstanden war. Er bestand aus einer großen Brunnenschale, in deren Mitte ein von vier Löwen umgebenes Podest übereinander drei weitere Schalen trug. Gekrönt war dieser Aufbau von einer Roland-Statue. Dieser Brunnen wurde 1928 abgebaut, als der Vorgarten des Alten Romanischen Hauses der Straßenverbreiterung zum Opfer fiel. Der Rolandbrunnen wurde an die Stadt Riesenburg (seit 1945 Prabuty) in Westpreußen verkauft und ist quasi als einziges Überbleibsel des Alten Romanischen Hauses erhalten geblieben.[9]

WeblinksBearbeiten

Commons: Erstes Romanisches Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Romanisches Forum im Online-Lexikon des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin.
  2. Romanische Häuser im Online-Lexikon des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin.
  3. Jochen Kleining, M. Kempinski & Co. Die „Arisierung“ eines Berliner Traditionsunternehmens, Diplomica-Verlag 2008, ISBN 978-3-8366-6194-2, S. 44
  4. Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Ein Literat auf Reisen. Unterwegs in den Metropolen Europas, München/ Zürich 2009, ISBN 978-3-492-26368-9, S. 161.
  5. Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Ein Literat auf Reisen. Unterwegs in den Metropolen Europas, München/ Zürich 2009, ISBN 978-3-492-26368-9, S. 162
  6. Artikel „Sonst kommst du nach Auschwitz“ Stella – eine Jüdin auf Judenjagd für die Gestapo im Berliner Untergrund. In: Der Spiegel, 26. Oktober 1992
  7. Website Aktiensammler.
  8. Gloriapalast im Online-Lexikon des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin.
  9. Ein vergessener Brunnen an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

Koordinaten: 52° 30′ 17,5″ N, 13° 20′ 1,1″ O