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Denkmalgeschützte Leuchtreklame aus den 1950er Jahren auf dem Bohlweg in Braunschweig
Reklame am Times Square (2008)

Eine Leuchtreklame ist eine elektrisch oder elektronisch beleuchtete Sichtwerbung, die von spezialisierten Schildermachern hergestellt wird.

Inhaltsverzeichnis

BauartenBearbeiten

Leuchtreklamen bestehen meist aus einem transluzenten Schild, hinter dem eine Lichtquelle (meist Leuchtstofflampen, Leuchtröhren, neuerdings auch Leuchtdioden und Leuchtfolien) angebracht ist. Besonders bei großflächigen Anlagen oder Profilbuchstaben mit überdimensionalen Ausmaßen ist die Ausleuchtung durch herkömmliche Leuchtröhrentechnik nicht mehr empfehlenswert, da die Leuchtkraft von LED-Lösungen mittlerweile gleichwertig oder besser ist und die Unterhaltskosten wesentlich geringer sind. Für das abdeckende halbtransparente Material wird oft Acrylglas verwendet, welches opak in verschiedenen Farben erhältlich ist. Plexiglas ist bedingt wetter- und ultraviolett- bzw. tageslichtfest und kann sehr gut mit Lasern zu Konturen geschnitten werden. Ein Nachteil von Acryl ist jedoch die Wärmeausdehnung, so müssen Acrylabdeckungen mit Schlitzlöchern verschraubt werden damit die Ausdehnung aufgenommen werden kann. Dies führt zu Undichtheit und gewährt Insekten den Zugang zur Lichtquelle, welche überwiegend innerhalb der Abdeckung verenden. Dies erfordert regelmäßige Reinigung der Leuchtreklamen und ist aufwendig. Neuerdings werden daher viele Anlagen mittels ESG Glas ausgeführt, wobei die Gläser rundum auf die Grundrahmen geklebt werden, um so den Innenraum insektenfrei zu halten. Dies erspart Wartungs- und Reinigungsaufwand und auch Kosten. Da die meisten Leuchtreklamen mit Folien versehen sind, lassen sich Folien auf Glas auch einfacher auswechseln und die Beschriftungen brennen in Glas auch nicht ein.

Glas ist langlebiger als Acryl, und über viele Jahre können Folien und Beschriftungen einfach getauscht werden. Acryl-Material wird über die Jahre spröde und kann bei starken Witterungseinflüssen wie direkter Sonneneinstrahlung oder Frost zerspringen.

Eine andere Bauart sind Buchstaben des zu bewerbenden Namens aus Leuchtröhren bzw. Kaltkathodenlampen. Das bringt oft ein besseres Erscheinungsbild, ist jedoch technisch aufwändiger. Die Kaltkathodenlampen müssen mit einer hohen Spannung gespeist werden.

Auch Leuchtdioden oder Glühlampen können zur Darstellung eines Schriftzuges verwendet werden. Mit Leuchtdioden (früher auch mit Glühlampen) werden Laufschriften oder sogar große Displays hergestellt, die bewegte farbige Bilder darstellen können. Gegenüber Leuchtröhren ist die neue LED-Technik langlebiger und wartungsärmer. Beispielsweise würde eine 14 Meter lange und drei Meter hohe Anlage mit Leuchtröhren bei einer Leuchtdauer von vier Stunden pro Tag in zehn Jahren ca. 5.600 Euro Stromkosten verursachen. Mit LED liegt der Stromverbrauch im gleichen Zeitraum bei ca. 700 Euro. Zudem haben die LEDs eine Lebensdauer von 40.000 bis 100.000 Betriebsstunden. Bei dem obigen Beispiel sind das ca. 25 Jahre. Bei Leuchtröhrenanlagen fällt dagegen mindestens alle fünf Jahre eine Wartung an, bei der die Austauschleuchtkörper speziell angefertigt werden müssen.

Für sehr großflächige Leuchtreklamen wird manchmal die Raumbeleuchtung von Büro-Hochhäusern nachts in einem bestimmten Muster eingeschaltet (siehe SKF-Hochhaus Schweinfurt).

MontageartBearbeiten

Leuchtreklamen werden sowohl in, an oder auf Gebäuden befestigt, gelegentlich werden auch separate Reklametürme errichtet. Bei diesen werden auch nichtleuchtende Schilder, die von Scheinwerfern angestrahlt werden, verwendet. Leuchtreklamen sollten zum Schutz vor Graffitisprayern außerhalb von Gebäuden in einer Höhe von über 3 Metern angebracht werden, was aber zum Zweck der besseren Sichtbarkeit meist sowieso geschieht.

Leuchtreklamen können auch an Bord von Luftschiffen installiert sein. Sie bieten dann häufig ein sehr eindrucksvolles Erscheinungsbild.

BetriebsartenBearbeiten

Leuchtreklamen können sowohl mit konstanter als auch mit wechselnder Beleuchtung betrieben werden, wobei regelrechte Leuchtspiele möglich sind. Erstere werden eher von Firmen verwendet, während letztere vor allem bei Betrieben eine Rolle spielen, die während der Nachtzeit ihre Hauptumsatzzeit haben, wie Spielhallen, Nachtlokale und Diskotheken. Sehr aufwendige Lichtspiele können einer Genehmigung bedürfen, da sie Autofahrer vom Verkehrsgeschehen ablenken können.

Außergewöhnliche LeuchtreklamenBearbeiten

 
SKF-Hochhaus in Schweinfurt (2012)
 
Bosch-Leuchtreklame an A 8 (2007)
 
Die Löffelfamilie in der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße (2007)
 
Ku'damm-Eck in Berlin,
mit Videowand (2009)
 
Iduna-Hochhaus in Schweinfurt,
mit Videowand/Medienfassade (2017)

Bayer-Kreuz LeverkusenBearbeiten

Eine bekannte außergewöhnliche Leuchtreklame ist beispielsweise das Bayer-Kreuz in Leverkusen, welches durch seine Montageart an zwei Stahlpfosten von 118 Metern Höhe bei Nacht in der Luft zu hängen scheint. Mit einem Logo-Durchmesser von 51 Metern gilt das Kreuz als größte Leuchtreklame der Welt.

SKF-Hochhaus SchweinfurtBearbeiten

Zu den außergewöhnlichsten und größten Leuchtreklamen der Welt gehört das 1961–1963 mittels Jalousien realisierte Logo der SKF am Hochhaus der Deutschen Hauptverwaltung am Main in Schweinfurt. Die drei Buchstaben sind mit einer Höhe von sechs Geschossen und einer Breite von 78 Meter[1] noch vom Steigerwald in 20 km Entfernung sichtbar, beziehungsweise mit Fernglas oder Teleobjektiv lesbar.

Büroangestellte zogen bei Arbeitsende an den entsprechenden Fenstern blaue Rollos herunter, die von Leuchtröhren an den Fensterstürzen angestrahlt wurden. Die blauen Buchstaben waren nachts durch das Hochhaus hindurch in Spiegelschrift auf der anderen Stadtseite sichtbar. Bei der umfassenden Sanierung der Hauptverwaltung 2014 wurde die Lichtwerbung auf LED umgestellt. Diese Leuchtreklame wurde durch den Schriftzug „UN“ am Scheibenhochhaus des UNO-Hauptquartiers in New York City inspiriert, der jedoch Ende der 1960er Jahre abgeschaltet wurde.[2][3] Die Idee wurde in neueren Musikvideos durch Trickdarstellungen an diversen Hochhäusern öfters aufgegriffen, so etwa 2001 bei Kylie Minogues Hit Can’t Get You Out of My Head.

Boschbrücke StuttgartBearbeiten

Eine große Leuchtreklame gehört der Robert Bosch GmbH und befindet sich beidseitig des über die A 8 gespannten Parkhauses der Neuen Messe Stuttgart. Die Buchstaben des Bosch-Schriftzuges sind 8 Meter hoch, das zugehörige Zündanker-Logo misst 12 Meter im Durchmesser.[4]

Gaststätte in LeingartenBearbeiten

In Leingarten bei Heilbronn verwendete eine Gaststätte eine Leuchtreklame, die aus Leuchtdioden bestand, welche auf den Flügeln eines Ventilators aufgebracht war. Die Leuchtdioden wurden so angesteuert, dass sie, sobald sich der Ventilator drehte, den Namen der Gaststätte ergaben. Da man insbesondere bei Dunkelheit den Ventilator nicht sehen konnte, schien der Schriftzug in der Luft zu schweben. Nach diesem Prinzip arbeitende Geräte findet man u. a. auch als Uhr. Die erforderliche LED-Zeile kann sich auch auf einer zylinderförmigen Bahn bewegen.

Löffelfamilie LeipzigBearbeiten

Da viele Leuchtreklamen mittlerweile demontiert worden sind, gewinnen bei Abschaltungen Anforderungen des Denkmalschutzes an Bedeutung. Ein besonderes Beispiel ist die 1973 in Leipzig gebaute sogenannte „Löffelfamilie“.[5] Sie wurde 1993 durch den Freistaat Sachsen zum Kulturdenkmal erklärt und wird durch eine Bürgerinitiative seit 1996 (zunächst „IG Löffelfamilie“, jetzt „Löffelfamilie e.V.“) erhalten und betrieben.[6][7][8] Inzwischen renoviert, ist es in der Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen verzeichnet.

LED-Videowände Berlin und SchweinfurtBearbeiten

Die beiden größten LED-Videowände Deutschlands befinden sich in Berlin, unter anderen am Ku’damm-Eck mit einer Höhe über zwei Geschosse. Die drittgrößte Videowand ist seit 2009 in Schweinfurt am Iduna-Hochhaus mit einer Höhe über drei Stockwerke; es ist eine Medienfassade, über die neben Werbung auch Nachrichten und die Wettervorhersage laufen.[9]

WeiteresBearbeiten

Bei einer Diskothek in Böblingen wurde gegen Ende der 1980er Jahre eine Leuchtreklame verwendet, deren Buchstaben aus fluoreszierendem Material bestanden und die mit Hilfe einer Ultraviolett-Lampe zum Leuchten angeregt wurden. Solche Leuchtreklamen können sehr einfach hergestellt werden, haben jedoch dennoch eine geringe Verbreitung, da die Leuchtdichte recht gering ist und nur bei Dunkelheit erkennbar ist.

Auch Luftschiffe oder Blimps können Leuchtreklamen tragen. Es ist auch möglich, das Luftschiff von innen heraus zu beleuchten.

Auf Häuser oder Gehwege können bewegte Bilder projiziert werden.

Eine wenig innovative Form der Leuchtreklame ist der Skybeamer, da praktisch keine Informationen übermittelt werden können. Skybeamer werden zur Lokalisation von Diskotheken oder Großereignissen eingesetzt, sie verursachen jedoch ein hohes Maß an Lichtverschmutzung.

Vergleichbare AnlagenBearbeiten

  • Verkehrsschilder können bei Nacht von innen beleuchtet oder angestrahlt werden.
  • Die Beleuchtung hoher Bauwerke erfolgt ebenfalls mit Leuchtstoffröhren.
  • Leuchtfelder (Innenräume, Fußgängerzonen) können aus opaken Scheiben bestehen, hinter denen sich Gasentladungslampen befinden. Solche Flächen können auch dimmbar sein oder mit wechselnden Farben arbeiten. Besondere Steuerungen regeln manchmal eine tageszeit- und tageslichtabhängige Helligkeit und Lichtfarbe.
  • Architektonische Gestaltung umfasst oft auch der Leuchtreklame ähnliche technische Lösungen, beispielsweise Leuchtröhren zur Hervorhebung von Konturen oder Unterflurscheinwerfer zur Beleuchtung von Bauwerken oder Straßenbäumen.

KritikBearbeiten

Gegen Hersteller und Betreiber von Leuchtreklame wird der Vorwurf erhoben, zur Lichtverschmutzung beizutragen. Insekten sterben in großer Zahl durch zu große Annäherung an Lichtquellen; sie werden, wie auch Pflanzen und andere Tiere, im Wirkungsbereich künstlichen Lichts unter Lichtstress gesetzt, der sie der natürlichen Dunkelheit der Nacht beraubt.[10]

Begrenzung der LichtemissionBearbeiten

Grundsätzlich gilt in Deutschland das Licht der Leuchtreklame als Emission im Sinn des Umweltrechts und fällt insbesondere in den Regelungsbereich des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Vergleichbare Regelungen gibt es auch in anderen Ländern.

Zur Eindämmung der Lichtverschmutzung empfiehlt der Sternenpark Rhön Betreibern von Leuchtreklame und den diese genehmigenden Behörden:

„Lichtwerbeanlagen mit weitreichender Sichtwirkung sollen grundsätzlich im Zusammenhang mit der Nutzung der jeweiligen Grundstücksfläche / des jeweiligen Betriebs stehen. Rein dekorative Beleuchtung ohne Werbeaussage sollen vermieden werden, sie sind als Anstrahlungen anzusehen. Insbesondere sind die Vorgaben der Lichtimmissionsrichtlinie zu befolgen.

  • Anlagen mit schnell wechselndem und/oder bewegtem Licht sind unbedingt zu vermeiden.
  • Selbstleuchtende Tafeln für reine Werbezwecke sollen eine maximale Leuchtdichte von 50 cd/m² nicht überschreiten.
  • Selbstleuchtende Hinweistafeln von allgemeinem öffentlichem Interesse (z.B. Kliniken) sollen keineswegs Leuchtdichten von mehr als 100 cd/m² überschreiten.
  • Die Hintergründe (größte Flächenanteile) sollen in dunklen oder warmen Tönen gehalten werden. Optimal ist eine helle Schrift auf dunklem Hintergrund.
  • Werbeanlagen (freistehend oder an Gebäuden) sollen mit ihrer Oberkante die Traufhöhe der Gebäude nicht überschreiten.
  • Die Anlagen sollen spätestens 1 h nach Geschäftsschluss bis 1 h vor Öffnung ausgeschaltet sein.“[11]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Leuchtreklame – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Leuchtreklame – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen