Gerhard Brennecke

deutscher evangelischer Theologe

Gerhard Brennecke (* 5. Januar 1916 in Halle an der Saale[1]; † 14. Mai 1973 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Theologe, Chefredakteur und Missionsdirektor.

LebenBearbeiten

Gerhard Brennecke wurde als Sohn einer Hallenser Kaufmannsfamilie während des Ersten Weltkrieges geboren und wuchs in der Saalestadt auf. Er engagierte sich im Studentenbund für Mission (SfM). Im Jahre 1938 nahm er an der Weltkonferenz des Internationalen Missionsrates in Tambaram, in der Nähe von Madras, teil. Nach dem Theologiestudium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und seinem Vikariat wurde Brennecke am 19. September 1943 ordiniert. Er war Hilfsprediger der Bekennenden Kirche in der Kirchenprovinz Sachsen.

Berufsweg in BerlinBearbeiten

Nach Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg mit kurzer Kriegsgefangenschaft 1945[2] wurde Brennecke 1946 Studentenpfarrer im Reisedienst,[3] Missionsinspektor[4] sowie 1947 Chefredakteur der kirchlichen Zeitschrift Die Zeichen der Zeit und danach hauptamtlich Direktor der Berliner Missionsgesellschaft.[5]

Direktor der Berliner MissionsgesellschaftBearbeiten

Walter Braun, kurmärkischer Generalsuperintendent und Mitglied des Komitees des Berliner Missionswerks, führte Gerhard Brennecke im Juni 1949 in der damaligen Kirche der Berliner Stadtmission in das Amt des Missionsdirektors ein.[6] In der Position des Direktors der Berliner Missionsgesellschaft war er Nachfolger Siegfried Knaks (* 1875) und Inhaber einer provinzialkirchlichen Pfarrstelle bei der Äußeren Mission. Der Missionsdirektor organisierte 1954 eine Festveranstaltung anlässlich des 130-jährigen Bestehens der Berliner Missionsgesellschaft im Garten des Missionshauses in der Georgenkirchstraße unter Teilnahme von Berliner Kirchengemeinden und des Potsdamer Generalsuperintendenten Braun, der über 20 Jahre im Berliner Missionswerk gearbeitet hatte, sowie des Präsidenten der Berliner Missionsgesellschaft Karl Otto von Kameke.[7]

Brennecke war ab 1956 Vorsitzender des Ökumenischen Dienstes Berlin[8] und später Direktor des Ökumenisch-Missionarischen Amtes in Berlin.[9] Zudem war er in den 1950er Jahren Lehrbeauftragter der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.[10] Sein Thema war die Ausbreitung des Christentums und das Werden der jungen Kirchen.[11] Bis zum Mauerbau hatte Brennecke nebenberuflich auch an der Kirchlichen Hochschule in Zehlendorf Lehrveranstaltungen in Missionswissenschaft durchgeführt. Ab 1961 hielt er Lehrveranstaltungen am Sprachenkonvikt in der Berliner Borsigstraße ab, wo die selbständige akademische Theologenausbildung der evangelischen Kirchen in der DDR stattfand.

Anlässlich des 100. Geburtstages des Missionswissenschaftlers an der Universität Berlin D. Julius Richter 1962 führte das Berliner Missionswerk eine Gedenkveranstaltung unter Leitung von Missionsdirektor Brennecke durch und würdigte ihn als einen „entscheidenden Mitgestalter und Wegbereiter der Ökumene“.[12] Im Januar 1965 nahm Brennecke zusammen mit dem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Gottfried Noth an der Tagung des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen in Enugu, Nigeria, teil[13] und vom 8. bis 17. Februar 1966 an der Zentralausschusstagung in Genf.[14]

SynodalerBearbeiten

Zugleich war er Mitglied der EKD-Synode[15] Auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland im März 1957 im Johannesstift in Berlin-Spandau hielt Brennecke ein Referat zum Thema: Kirche und Diakonie in der veränderten Welt.

Bereits vor Gründung der DDR beauftragten ihn die in Berlin und der Ostzone beheimateten evangelischen Missionsgesellschaften mit der Vertretung ihrer Missionsanliegen bei dem Vorsitzenden der Konferenz der östlichen Landes- und Provinzialkirchen, Bischof Otto Dibelius.[16]

Besuchsreisen in AfrikaBearbeiten

Ende März 1950 unternahm er eine Visitationsreise durch Südafrika. Vor Antritt der Reise hielt er in der Berliner Marienkirche einen Vortrag mit dem Titel: „Vor den Toren Südafrikas“ und wurde anschließend von Bischof Dibelius und von Alt-Missionsdirektor Knak[17] mit einem Reisesegen verabschiedet. 1951 berichtete er in der Berliner Marienkirche über seinen mehr als einjährigen Aufenthalt in Süd- sowie Ostafrika[18] und danach auf dem anhaltinischen Landesmissionsfest in Dessau.[19] Über diese Reise veröffentlichte Brennecke 1954 sein Buch Brüder im Schatten.[20]

Auf der Brandenburgischen Missionskonferenz der in Berlin beheimateten Missionsgesellschaften, die im Zeichen der Missionsarbeit in einer veränderten Welt stand, sprach Brennecke über die Botschaft der ersten Gesamtafrikanischen Lutherischen Konferenz (AALC),[21] die vom 12. bis 22. November 1955 in Marangu stattfand.[22]

Anfang 1958 reiste er als Missionsdirektor erneut nach Afrika. Er besuchte dabei Ghana und hielt an der Universität Accra Gastvorlesungen.[23] In der Heimat gestaltete er als Pastor Missions-Gottesdienste, zum Beispiel 1962 zusammen mit dem Domprediger Julius Schneider (1926–1993) in der „Gruftkirche“ des damals teilweise noch zerstörten Berliner Doms.[24]

Chefredakteur von „Die Zeichen der Zeit“Bearbeiten

Von 1947 bis 1969 hatte er die Schriftleitung der auf seine Initiative hin gegründeten und von der SMAD im Dezember 1946 lizenzierten Zeitschrift Die Zeichen der Zeit im Status eines Chefredakteurs inne.[25] In dieser Monatsschrift für Mitarbeitende der evangelischen Kirchen in der späteren DDR bemühte sich Chefredakteur Brennecke, der nicht zuletzt auch Leitartikel schrieb,[26] „auf die Tagesfragen der Welt Antworten aus evangelischer Sicht zu finden“.[27]

Weitere FunktionenBearbeiten

Er wurde zusätzlich zu seiner leitenden Funktion als Direktor der Berliner Missionsgesellschaft vom Kuratorium der bis 1965 wirkenden Dr. Lepsius-Deutsche-Orient-Mission (LDOM)[28] einstimmig zum Vorsitzenden gewählt und somit Nachfolger von Siegfried Knak (1875–1955), der den Vorsitz dieser Missionsgesellschaft seit 1936 in Personalunion als Missionsdirektor innehatte.[29]

Er war Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen.[30] An den Beratungen in Genf nahm er beispielsweise 1966 zusammen mit dem damaligen sächsische Landesbischof Gottfried Noth teil.[31]

RuhestandBearbeiten

Aus gesundheitlichen Gründen musste Brennecke 1968 um vorzeitige Versetzung in den Ruhestand nachsuchen. Er war nahezu 20 Jahre lang Direktor der Berliner Mission.[32]

FamilieBearbeiten

Mit der Theologin und Dozentin Ursula Brennecke, geborene Teickner, (1914–1999)[33] war er verheiratet. Sie lehrte am Theologisches Seminar Paulinum in (Ost-)Berlin. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Almuth (* 1943), Hanns Christof (* 1947) und Michael (* 1948). Gerhard Brennecke fand seine letzte Ruhestätte auf dem landeseigenen Friedhof Steglitz in Berlin-Steglitz, auf dem später auch die Witwe Ursula Brennecke kirchlich beerdigt wurde. Die Grabstätte wurde um weitere zehn Jahre bis 2030 verlängert.

EhrungenBearbeiten

Brennecke bekam einen theologischen Ehrendoktor im Jahre 1960 von der Kirchlichen Hochschule Berlin-Zehlendorf verliehen.[34] Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen Philip Potter nahm während seines Besuchs in Ost-Berlin im Sterbejahr Brenneckes an einem Nachmittagsgottesdienst in der Berliner Bartholomäuskirche u. a. mit Bischof Schönherr am 3. Juni 1973 teil, in dem an den früheren Direktor der Berliner Missionsgesellschaft gedacht wurde. Philip Potter würdigte das Wirken des Verstorbenen und betonte dabei, dass eine "unerwartete schwere Erkrankung 1966 D. Brennecke gehindert habe, eine Berufung als Direktor der Studienabteilung des Ökumenischen Rates anzunehmen".[35]

Werke (Auswahl)Bearbeiten

AutorschaftBearbeiten

  • Die Mission am Anfang. In: Das Wunder Kirche unter den Völkern der Erde. Bericht über die Weltmissions-Konferenz in Tambaram (Südindien) 1938. Hrsg.: Martin Schlunk. Stuttgart/Basel 1939, S. 58–71; DNB 578443724
  • Kirchliche Verantwortung und journalistische Freiheit. In: Zeichen der Zeit, Jahrgang 1947.
  • Brüder im Schatten. Berlin 1954; DNB 450613364
  • Sui generis: die außerordentliche Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Berlin 27. bis 29. Juni 1956 in: Zeichen der Zeit (ZdZ), Heft 8–9/1956, S. 295–303
  • Der Friede muss in den Herzen beginnen. Ökumenisches Handeln in der Gegenwart. In: Neue Zeit, 28. Dezember 1959, S. 4.
  • Ein Wort zu den Ereignissen in Südafrika. In: Neue Zeit, 15. April 1960, S. 1f.
  • Das Tor ist offen, Berlin 1961, DNB 450613402
  • Anmerkungen zu einem Buche Martin Luther Kings. Mit Abbildungen von Martin Luther King und Brennecke. In: Neue Zeit, 25. November 1965, S. 3.
  • Aber uns, Herr, wirst du Frieden schaffen; denn auch alles, was wir ausrichten, das hast du für uns getan. Berlin 1966, DNB 573898057
  • Das Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Berlin 1968; DNB 573898081
  • Halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott. Berlin 1969; DNB 573898073
  • Wir verkünden nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn. Berlin 1971; DNB 573898103

Herausgeberschaft (Auswahl)Bearbeiten

Literatur (Auswahl)Bearbeiten

  • Peter Paul Schwarz: Mitöffentlichkeit. Göttingen 2018, ISBN 978-3-525-55791-4.
  • Michel Grunewald, Uwe Puschner (Hrsg.): Das evangelische Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und seine Netzwerke (1871–1963). 2008, ISBN 978-3-03-911519-8.
  • Jens Bulisch: Evangelische Presse in der DDR. „Die Zeichen der Zeit“ (1947–1990). Göttingen 2006, ISBN 3-525-55744-2.
  • Günter Wirth: Die Zeichen der Zeit 1947 bis 1979. Berlin 1981. DNB 820183547

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schwarz, Peter Paul: Mitöffentlichkeit. Zur deutsch-deutschen Arbeit der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg. Göttingen 2018, ISBN 978-3-525-55791-4, S. 318.
  2. Michel Grunewald, Uwe Puschner (Hrsg.): Das evangelische Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und seine Netzwerke (1871–1963). 2008, ISBN 978-3-03-911519-8, S. 562.
  3. Heinz Blauert: Kirchliche Publizistik in der DDR: „Die Zeichen der Zeit“. In: hochschule ost, 4/1995, S. (20–25) 20.
  4. Berliner Missionsberichte, Heft 2/4 1949, S. 48 DNB 012725358
  5. Pfarralmanach für die Kirchenprovinz Berlin-Brandenburg. Hrsg. Evangelisches Konsistorium Berlin-Brandenburg, Berlin 1956, S. 341; DNB 010127313
  6. Neue Zeit, 12. Juni 1949, S. 5
  7. Neue Zeit, 1. Juli 1954, S. 6
  8. Pfarralmanach für die Kirchenprovinz Berlin-Brandenburg. Hrsg.: Evangelisches Konsistorium Berlin-Brandenburg, Berlin 1956, S. 342; DNB 014046814
  9. Neue Zeit, 6. Januar 1966, S. 3 [50. Geburtstag D. Gerhard Brennecke]
  10. Christian Halbrock: Evangelische Pfarrer der Kirche Berlin-Brandenburg 1945–1961. ISBN 3-936872-18-X, S. 125.
  11. Neue Zeit, 22. Dezember 1951, S. 5.
  12. Neue Zeit, 23. Februar 1962, S. 6
  13. Neue Zeit, 27. Januar 1966, S. 6.
  14. Neue Zeit, 18. März 1966, S. 3
  15. Johannes Michael Wischnath: Kirche in Aktion. Das Evangelische Hilfswerk 1945–1957 und sein Verhältnis zu Kirche und Innerer Mission. Göttingen 1986, ISBN 3-525-55714-0, S. 435.
  16. Neue Zeit, 1. Januar 1949, S. 2
  17. Neue Zeit, 19. März 1950, S. 5
  18. Neue Zeit, 8. Juli 1951, S. 3
  19. Neue Zeit, 11. Oktober 1951, S. 5
  20. DNB 450613364
  21. Vilmos Vajta (Hrsg.): Die Evangelisch-Lutherische Kirche. Vergangenheit und Gegenwart. Stuttgart 1977, ISBN 978-3-7715-0179-2, S. 364
  22. Neue Zeit, 20. April 1956, S. 6.
  23. Neue Zeit, 2. April 1958, S. 3.
  24. Neue Zeit, 23. Juni 1962, S. 10
  25. Jens Bulisch: Evangelische Presse in der DDR. Göttingen 2006, S. 52.
  26. Neue Zeit, 1. Februar 1958, S. 3
  27. 20 Jahre „Zeichen der Zeit“ von NZ-Redakteur Eberhard Klages (1930–1990), in: Neue Zeit, 13. Dezember 1966, S. 2.
  28. Geschichte und Entwicklung der LDOM, Landeskirchenarchiv Berlin: Dr. Johannes Lepsius deutsche Orientmission
  29. Neue Zeit, 14. Januar 1956, S. 6.
  30. Neue Zeit, 6. Januar 1966, S. 3.
  31. Neue Zeit, 10. Februar 1966, S. 1
  32. Neue Zeit, 21. Dezember 1968, S. 5.
  33. Traueranzeige. In: Berliner Zeitung, 4. Januar 2000, S. 15.
  34. Laut Promotionsurkunde im Besitz seines Sohnes Hanns Christof Brennecke - Info vom 2. Mai 2020 an Schudi 45
  35. Neue Zeit, 16. Juni 1973, S. 5