St.-Bartholomäus-Kirche (Berlin)

Kirchengebäude in Berlin
St.-Bartholomäus-Kirche von der Otto-Braun-Straße gesehen

Die evangelische St.-Bartholomäus-Kirche, eine denkmalgeschützte neugotische Hallenkirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, befindet sich an der Friedenstraße 1 Ecke Otto-Braun-Straße, gegenüber dem Eingang zum Volkspark Friedrichshain im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Die Bartholomäusgemeinde bildet gemeinsam mit der Advent-Zachäus-Kirchgemeinde und der Immanuel-Kirchgemeinde den Pfarrsprengel Am Prenzlauer Berg[1] im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte.

BaugeschichteBearbeiten

Ein Kirchenneubau in der Königstadt war notwendig geworden, nachdem im Jahr 1854 die Parochie der Kirche am Königstor – die zukünftige Bartholomäusgemeinde – von der Gemeinde der St. Georgenkirche abgetrennt worden war. König Friedrich Wilhelm IV. persönlich übernahm das Patronat zum Bau der Kirche und stiftete eine ansehnliche Geldsumme.

Auf dem früheren Weinberg am Königstor nordöstlich des Alexanderplatzes entstand, fünf Meter über der Straße, in den Jahren 1854 bis 1858 die nach St. Bartholomäus benannte Kirche. Bei dem Kirchengebäude handelt es sich um einen dreischiffigen Backsteinbau in gotisierenden Formen nach einem von Baumeister Friedrich Adler überarbeiteten Typenentwurf von Friedrich August Stüler.[2] Die Kirche wurde am 13. Oktober 1858 unter Teilnahme des späteren Kaisers Wilhelm I. eingeweiht.

 
Stempel der Friedensbibliothek, um 1987

Im Jahr 1883 wurden Fassadenänderungen durchgeführt, statt einer Terrakottaverkleidung wurden die Mauern mit Klinkern verblendet. 1905 musste die Kirche wegen erheblicher Bauschäden grundlegend renoviert werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer zerstört: alle Dächer und Gewölbe waren eingestürzt und das Inventar ging verloren. Zwischen 1952 und 1957 erfolgte ein vereinfachter Wiederaufbau unter Leitung des Architekten Willi Nerger, der die Dachaufbauten unter einem flacheren Satteldach vereinigte. Der Innenraum erhielt eine Flachdecke und wirkt, von den Spitzbogenfenstern abgesehen, eher neoklassizistisch. In unter den Emporen abgetrennten Raumzonen waren in den 1980er Jahren die „Friedensbibliothek/Antikriegsmuseum“ der evangelischen Kirche untergebracht.

 
Evangelisches Zentrum, hinten links: Missionshaus

Im Rahmen der Errichtung eines Evangelischen Zentrums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) als Sitz des Berliner Konsistoriums auf dem Gelände der Berliner Missionsgesellschaft an der Georgenkirchstraße erfolgte in den Jahren 1997 bis 2000 unter Dieter Ketterer eine grundlegende Instandsetzung und Restaurierung der Kirche, als deren „krönender Abschluss“ drei neue Bronzeglocken und eine Kirchturmuhr beschafft wurden. Im Februar 2000 wurde das Evangelische Zentrum bezogen.[3]

Heute dient die St.-Bartholomäus-Kirche als Gotteshaus für die St.-Bartholomäus-Gemeinde. Zusätzlich finden hier die Tagungen der Landessynode[4] Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie andere kirchliche und kulturelle Veranstaltungen wie Orgel-, Kammermusik- und andere Konzerte statt. Während des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags 2017 diente das Bauwerk als Gastgeber und Veranstaltungsort.[5]

ArchitekturBearbeiten

Das dreischiffige Langhaus hatte ursprünglich drei parallele Satteldächer. An das Mittelschiff schließt sich ein fünfseitig geschlossener Chor an und zwei gleich breite Seitenschiffe. Der hohe – in den Obergeschossen achteckige – Westturm hat eine quadratische Grundform. Im Glockengeschoss befinden sich spitzbögige Öffnungen, die von einem Spitzhelm nach oben abgeschlossen werden. Zwei hohe, offene Vorhallen flankieren den unteren Turmeingang. Da das Gotteshaus auf einem Hügel steht, nutzte Stüler die Geländedifferenzen für eine Treppenanlage, die zu einer dreigeteilten Kircheingangshalle führt.

AusstattungBearbeiten

AltarBearbeiten

Im Altarraum befinden sich drei Gemälde, die den gekreuzigten Jesus sowie die Jünger Stephanus und Bartholomäus (Nathanael) zeigen. Sie wurden von Johann Chrysanth Bollenrath 1737–1742 für die Mariengemeinde angefertigt, ebenso wie ein weiteres Ölgemälde, das die Kreuzabnahme darstellt.[6] Das Altarfenster stammt von Gerhard Olbrich aus dem Jahr 1957. Es zeigt eine Szene aus dem 4. Kapitel der Offenbarung des Johannes.

OrgelBearbeiten

Bei der Orgel handelt es sich um ein Werk von Hans Joachim Schuke (Potsdam), das am 31. Oktober 1965 eingeweiht wurde.

I Hauptwerk C–g3
01. Bordun 16′
02. Principal 08′
03. Koppelflöte 08′
04. Oktave 04′
05. Spitzflöte 04′
06. Nasat 0223
07. Oktave 02′
08. Mixtur V–VI 02′
09. Scharff IV 01′
10. Trompete 08′
II Oberwerk C–g3
11. Rohrflöte 08′
12. Quintadena 08′
13. Principal 04′
14. Sesquialtera II 0213
15. Waldflöte 02′
16. Quinte 0113
17. Septime 0117
18. Mixtur V–VII 02′
19. Dulcian 16′
Tremulant
III Brustwerk C–g3
20. Holzgedackt 08′
21. Rohrflöte 04′
22. Principal 02′
23. Terz 0135
24. Sifflöte 01′
25. Cymbel III 01′
26. Vox humana 08′
Tremulant
Pedal C–f1
27. Principal 16′
28. Subbass 16′
29. Oktave 08′
30. Spitzflöte 08′
31. Oktave 04′
32. Bauernflöte 02′
33. Mixtur VI 02′
34. Posaune 16′
35. Trompete 08′
36. Feldtrompete 04′

AbendmahlsgerätBearbeiten

Das Abendmahlsgerät aus der Erbauungszeit ist erhalten und wird für die Gottesdienste benutzt.

FriedhofBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Evangelische Kirchengemeinde St. Bartholomäus (Hrsg.): St.-Bartholomäus-Kirche. Berlin 2004
  • Christine Goetz, Matthias Hoffmann-Tauschwitz (Hrsg.): Kirchen – Berlin – Potsdam. Führer zu den Kirchen in Berlin und Potsdam. Berlin 2003

WeblinksBearbeiten

Commons: St. Bartholomäus-Kirche (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bartholomäus in Berlin, abgerufen am 30. März 2017
  2. Fassadenzeichnung von Stüler zur Bartholomäuskirche im Architekturmuseum der TU Berlin; abgerufen am 27. Oktober 2009
  3. Evangelische Kirche zieht in neues Zentrum. In: Berliner Zeitung, 14. Februar 2000
  4. Landessynode: Frühjahrstagung 2017 (Memento des Originals vom 6. April 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ekbo.de auf ekbo.de, online, abgerufen am 6. April 2017
  5. Evangelischer Kirchentag (Memento des Originals vom 2. Juli 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kirchentag.de auf Kirchentag.de, online, abgerufen am 26. Mai 2017
  6. Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 440 f.

Koordinaten: 52° 31′ 38,7″ N, 13° 25′ 27,8″ O