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Denkmal für den Mediziner Franz Reisinger (1787–1855) auf dem Katholischen Friedhof an der Hermanstraße in Augsburg (Hermanfriedhof)

Franz Reisinger (* 3. April 1787 in Koblenz; † 20. April 1855 in Augsburg) war ein deutscher Chirurg und Hochschullehrer.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Franz Reisinger wurde als Sohn von Felix Reisinger, Leibarzt des letzten geistlichen Kurfürsten von Trier Clemens Wenzeslaus, in Koblenz geboren. Er besuchte in Augsburg das Gymnasium, begann 1808 ein Medizinstudium an der Universität in Landshut und wechselte später an die Universitäten in Würzburg und Göttingen. 1814 wurde er in Göttingen zum Thema „De exercitationibus chirotechnicis et de constructione et usu phantasmatis in opthalmologia“ promoviert. Im selben Jahr veröffentlichte er in Göttingen die Abhandlung „Beiträge zur Chirurgie und Augenheilkunst“. Zur weiteren Ausbildung ging Reisinger 1815 nach Wien, 1816 nach Paris und 1817 nach London. Dort vervollständigte er seine Kenntnisse bei Georg Joseph Beer, Guillaume Dupuytren, Astley Paston Cooper und Sir William Lawrence (1783–1867). Ende 1817 kehrte er nach Augsburg zurück und praktizierte dort.

Am 3. Mai 1819 erreichte ihn ein Ruf als außerordentlicher Professor nach Landshut. Reisingers Vorlesungen beschäftigten sich u. a. mit Pathologie, Chirurgie, Therapie, und Augenheilkunde. Des Weiteren gründete er eine Poliklinik. 1820 schrieb Reisinger eine Monographie über die künstliche Frühgeburt und gab 1824 die „Bayrischen Annalen für Abhandlungen, Erfindungen und Beobachtungen aus dem Gebiete der Chirurgie, Augenheilkunde und Geburtshülfe“ heraus. Am 7. März 1822 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt. Streitigkeiten mit älteren Mitgliedern der Fakultät führten jedoch am 13. März 1824 zu seiner Versetzung als Professor für Entbindungskunde nach Erlangen. Einem Ruf vom 11. November 1825 als Lehrstuhlinhaber der Chirurgie an die Universität Erlangen konnte er wegen seiner angegriffenen Gesundheit nicht folgen. Am 28. August 1826 wurde seiner Emeritierungsbitte entsprochen und er zog sich nach Augsburg zurück. Dort erholte sich Reisinger und arbeitete als „Oberwundarzt“ in der chirurgischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses, dessen Direktor er 1831 wurde.

Reisinger starb im April 1855 an Cholera. Wegen Zerwürfnissen mit dem Augsburger Stadtrat hatte er kurz vor seinem Tod die Universität München als Haupterbin seines Vermögens von 300000 Gulden eingesetzt. Mit diesem Erbe sollte eine Bildungsanstalt für junge Ärzte gegründet werden, denn Reisinger war der Ansicht, die Absolventen der Münchener Universität würden besonders unzureichend auf ihre Aufgabe als praktische Ärzte vorbereitet.

ReisingerianumBearbeiten

Mit Hilfe der Dotation Reisingers konnte die 1843 gegründete Allgemeine Poliklinik der Ludwig-Maximilians Universität am 28. November 1863 in eine ehemalige Villa in der Sonnenstraße 17 umziehen. Das bald so genannte „Reisingerianum“ war nicht nur eine praktische Bildungsanstalt für Ärzte, sondern vereinigte auch alle Polikliniken der Universität.

AuszeichnungBearbeiten

Am 11. Dezember 1852 wurde Franz Reisinger zum Ehrenbürger von Augsburg ernannt.

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Locher: Franz Reisinger (1787–1855) und die Münchener Poliklinik im Jahre 1910 (= Institut für Geschichte der Medizin. Ausstellungskatalog 1). Ausstellung in der Poliklinik der Universität München 18.2. – 26.2.1988. Cygnus-Verlag, München 1988, ISBN 3-926936-01-0.
  • Franz von WinckelReisinger, Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 128.