François II. de La Tour

französischer Adliger, Diplomat und Militär, Gouverneur von Île-de-France

François II. de La Tour (* 5. Juli 1497 Château de Limeuil im Périgord; † 12. Juli 1532 Château de Villocher bei Châteaubriant) war ein französischer Adliger, Diplomat und Militär, der insbesondere in den ersten beiden Italienischen Kriegen zwischen Franz I. und Karl V. aktiv war.

LebenBearbeiten

François II. de La Tour ist der Sohn von Antoine de La Tour dem Älteren, Vicomte de Turenne († 1527), und Antoinette de Pons († vor 1511). Aufgewachsen ist er als Enfant d’honneur du roy. 1510 wurde er von seinem Vater für volljährig erklärt und zum Vicomte de Turenne gemacht. Darüber hinaus wurde er Seigneur et Baron de Montgascon, d’Olliergues, Croc, Bouzols, Fay et Servissac

Er war Chevalier de l’Ordre du Roi (d. h. im Ordre de Saint-Michel), französischer Rat und Kämmerer, Capitaine de 100 gentilshommes de sa maison (d. h. des königlichen Haushalts).

1521 nahm er am französischen Feldzug in Flandern teil, 1522 und 1523 an der Abwehr der österreichischen Angriffe in der Picardie. 1524 wurde er zum Lieutenant-général der Italienarmee unter dem Herzog von Albany ernannt und Capitaine de 50 hommes d’armes des ordonnances.

1526[1] war er gemeinsam mit Gabriel de Gramont, Bischof von Tarbes, außerordentlicher Botschafter in England mit der Aufgabe, die Ehe des Königs mit Maria von England, Tochter Heinrichs VIII., sowie ein Militärbündnisses gegen den Kaiser auszuhandeln.[2]

1528 war er während des Kriegs um das Königreich Neapel in Florenz, wurde dann französischer Gouverneur von Genua und verhandelte schließlich im gleichen Jahr den Frieden zwischen dem Papst und Venedig.

Am 10. März 1529 wurde François II. de La Tour er zum Gouverneur und Generalleutnant de l’Île-de-France ernannt.

Ebenfalls 1529[3] wurde François II. de La Tour zu Verhandlungen nach Spanien gesandt, die das Ziel hatten, die französischen Prinzen zurückzuholen, die dort aufgrund der Niederlage von Pavia und der Gefangenschaft Franz' I. als Geiseln festgehalten wurden, um die Lösegeldzahlung für den französischen König zu garantieren; darüber hinaus wurde erneut die Ehe zwischen Franz I. und Eleonore von Kastilien ratifiziert, die er am 20. März 1530[4] im Namen des Königs heiratete.

1531 war Oberkommandierender der Armee, die vom König in die Picardie entsandt wurde. 1532 reiste er mit dem König in die Bretagne, um den Dauphin als Franz III. zum Herzog zu machen.

François II. de La Tour starb auf dieser Reise am 12. Juli in der Nähe von Châteaubriant. Gemäß seinem Testament wurde er in der Franziskanerkirche von Brives bestattet.

Ehe und FamilieBearbeiten

François II. de La Tour heiratete per Ehevertrag am 19. April 1516 (Jaligny) Catherine d’Amboise, Erbtochter von Guy d’Amboise, Seigneur de Ravel, und Françoise de l’Espinasse, genannt Dauphine (Haus Amboise). Die Braut starb offenbar nach kurzer Zeit, die Ehe blieb kinderlos.[5]

Am 21. Juni 1518 heiratete er per Ehevertrag (Schloss Angers) Anne de La Tour d’Auvergne, genannt Boulogne († 1530 nach 8. März), Dame de Montgascon, Tochter von Godefroi II. de la Tour d’Auvergne, Baron de Montgascon (Haus La Tour d'Auvergne), Witwe von Charles de Bourbon, Comte de Roussillon († 1510),[6] und Jean de Montmorency, Sire d’Écouen († vor 1516)[7]. Sie wurde in der Franziskanerkirche von Paris bestattet. Ihre Kinder sind:

LiteraturBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Père Anselme: 1525; die Ehe zwischen Maria und König Franz I. (statt des Dauphins Franz) und Maria von England wurde erst 1526 von Kardinal Wolsey vorgeschlagen.
  2. Die Verhandlungen scheiterten u. a. daran, dass Heinrich VIII. ab 1527 die Annullierung seine Ehe mit Katharina von Aragon betrieb, die aus Maria ein illegitimes Kind gemacht hätte.
  3. Sicher nach dem Damenfrieden von Cambrai vom 5. August 1529
  4. Père Anselme nennt den 20. März 1529 (alter Stil), d. h. 20. März 1530 (neuer Stil), da Ostern am 17. April war
  5. Neue Erbtochter wurde Antoinette d’Amboise, die 1518 Antoine de La Rochefoucauld heiratete
  6. Sohn von Louis de Bourbon, Admiral von Frankreich, Comte de Roussillon, einem außerehelichen Sohn von Charles I. de Bourbon, und Jeanne de France, einer unehelichen Tochter von Ludwig XI.
  7. Sohn von Guillaume de Montmorency († 1531) und Anne Pot