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Flecken Zechlin

Ortsteil der Stadt Rheinsberg

Flecken Zechlin ist ein Ortsteil der Stadt Rheinsberg im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Norden Brandenburgs. Er hat etwa 900 Einwohner.

Flecken Zechlin
Koordinaten: 53° 9′ 29″ N, 12° 46′ 3″ O
Höhe: 70 m ü. NHN
Einwohner: 900
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 16837
Flecken Zechlin (Brandenburg)
Flecken Zechlin

Lage von Flecken Zechlin in Brandenburg

Der Schwarze See bei Flecken Zechlin

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Die Ortschaft liegt etwa 100 Kilometer nordwestlich von Berlin und rund 13 Kilometer vom Ortskern Rheinsbergs entfernt. Sie ist Teil der historischen Landschaft Prignitz.[1] Die Gemarkung des Ortes grenzt im Norden an Mecklenburg-Vorpommern.

Der Flecken Zechlin liegt am westlichen und nördlichen Ufer des Schwarzen Sees, auch Kleiner Zechliner See genannt, der zur Rheinsberger Seenplatte gehört. Über den Zechliner Kanal ist der Schwarze See, an der dem Ort gegenüberliegenden Seite, mit dem Großen Zechliner See und damit mit der Rheinsberger Seenplatte verbunden. Am Großen Zechliner See befinden sich zwei Campingplätze. Weitere Seen in der Nähe der Ortschaft sind der Große und der Kleine Wummsee sowie der Kapellensee.

Westlich liegt der ehemalige Truppenübungsplatz Wittstock (Bombodrom). Die Straße nach Schweinrich verläuft über das Gelände und wurde erst am 10. November 1992 wieder zur Nutzung durch die Zivilbevölkerung freigegeben.[2]

Große Gebiete der Gemarkung von Flecken Zechlin gehören zum Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.

GeschichteBearbeiten

 
Wappen der ehemaligen Gemeinde Flecken Zechlin

Der Name des Ortes Zechlin leitet sich vermutlich vom slawischen Wort cêglu für einzig bzw. vom slawischen Lokator Cêgola ab.[3]

Flecken Zechlin – oder auch nur Zechlin – wurde urkundlich erstmals im Jahr 1237 in einer Schenkungsurkunde des Fürsten Nikolaus I. von Werle an das Zisterzienserkloster Bad Doberan genannt.[4] Seit 1304 gehörte es zur Herrschaft Stargard. Als diese nach dem Vertrag von Vietmannsdorf in mecklenburgischen Besitz überging, baute dessen Fürst Heinrich II. eine Burganlage zum Schutz gegen die brandenburgischen Markgrafen. Im Jahr 1320 wurde es von diesem an das Bistum Havelberg verkauft.

Im Jahr 1548 verstarb der letzte Bischof von Havelberg Busso X. von Alvensleben und durch die Reformation fielen die Burg und das dazugehörige Land 1571 an den brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. Flecken Zechlin wurde ein kurfürstliches Amt, das Amt Zechlin.

Zwischen den Jahren 1548 und 1640 war die Burg eine der Residenzen der brandenburgischen Hohenzollern. Diese bauten die Burg zu einem Schloss um. Seit 1640 waren das Schloss und der Ort Amtssitz des Preußischen Domänen­amtes Zechlin bis zu dessen Auflösung 1860. Danach war es nur noch Domänenpolizeiamt, das schließlich 1872/74 aufgelöst wurde, Im Jahr 1721 stürzte das Schloss nach einem Brand zusammen und ein neues Amtsgebäude wurde errichtet. Das Amt wurde danach als königliche Domäne an die Familie Stropp verpachtet.

Die klassizistische Kirche wurde im Jahr 1775 erbaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein sowjetischer Ehrenfriedhof am nordöstlichen Ortseingang für 17 gefallene Angehörige der Roten Armee errichtet.[5]

Am 26. Oktober 2003 wurde Flecken Zechlin nach Rheinsberg eingemeindet.

Am 23. Juli 2011 erhielt das Dorf den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ als Erweiterung dieses Titels der Kernstadt Rheinsberg verliehen. Der Ort wird nicht gesondert in der Zählung des Landes Brandenburg gewertet.[6]

VerkehrBearbeiten

Mit der Errichtung einer Dampferanlegestelle im Jahr 1907 wurde der Ort an das Rheinsberger Seengebiet touristisch angeschlossen. 1926 wurde die Eisenbahnstrecke von Rheinsberg bis Flecken Zechlin verlängert und am 15. Mai 1928 eröffnet. In den 1930er Jahren verkehrten etwa fünf Züge am Tag von Zechlin Flecken über Rheinsberg nach Löwenberg (Mark) mit Anschluss nach Berlin und zurück. Am Wochenende im Sommer gab es direkte Züge von und nach Berlin.[7] Die Strecke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut, die Schienen als Reparationszahlung in die Sowjetunion geschafft. Später wurde auf der ehemaligen Trasse vorbei an den Linowseen, dem Pätschsee und dem Ort Kagar der Fahrradweg Rheinsberg – Flecken Zechlin, heute Teil der Tour Brandenburg, errichtet.

BildungseinrichtungenBearbeiten

In Flecken Zechlin befindet sich eine Grundschule. Am südlichen Ortsrand am Schwarzen See liegt die „DGB Jugendbildungstätte Flecken Zechlin“, ein Haus für 80 Jugendliche.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt habenBearbeiten

 
Wohn- und Sterbehaus von Eduard Gaertner
  • Eduard Gaertner (1801–1877), Berliner Maler, der hier mit seiner Ehefrau Henriette Gaertner seinen Lebensabend verbrachte
  • Louis Maron (1823–1885), seit 1860 königlicher Oberförster in Flecken Zechlin, wurde 1874 zum Amtsvorsteher des Amtsbezirks 16 Flecken Zechlin des Kreises Ostprignitz ernannt.[8]

LiteraturBearbeiten

  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – N–Z. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-033-3, S. 1029 ff.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Flecken Zechlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. O. V.: Ortschafts=Verzeichniß des Regierungs=Bezirks Potsdam nach der neuesten Kreiseintheilung vom Jahre 1817, mit Bemerkung des Kreises, zu welchem der Ort früher gehörte, der Qualität, Seelenzahl, Confession, kirchlichen Verhältnisse, Besitzer und Addreß-Oerter nebst alphabethischem Register. Georg Decker, Berlin, IX. Abschnitt, Nr. 9 (Volltext in der Google-Buchsuche – o. J.; vgl. Spalte „Gehörte früher zum Kreise“).
  2. Chronik der Bürgerinitiative Freie Heide. Archiviert vom Original am 30. Juli 2012; abgerufen am 5. April 2012.
  3. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 156.
  4. Clemens Bergstedt: Kirchliche Siedlungen der 13. Jahrhunderts im brandenburgisch-mecklenburigschen Grenzgebiet (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Bd. 15). Lukas-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-931836-63-0 (Zugleich: Berlin, Humboldt-Universität, Dissertation, 2001), eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Sowjetischer Ehrenfriedhof in Flecken Zechlin (Prignitz). In: Berlins Taiga. 8. Oktober 2017 (berlinstaiga.de [abgerufen am 9. Oktober 2017]).
  6. Presseinformation des Brandenburgischen Ministeriums für Wirtschaft und Energie vom 9. September 2016
  7. Amtliches Kursbuch für das Reich mit Fernverbindungen, Sommer 1934. Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, Oberbetriebsleitung Ost Berlin, Berlin 1934.
  8. Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin Beilage zum 27. Stück vom 3. Juli 1874, S. 1-5. Online bei Google Books