Führungsstab der Marine

Der Führungsstab der Marine (Fü M) war von 1955 bis 2012 eine Abteilung im Bundesministerium der Verteidigung und einer der fünf militärischen Führungsstäbe der Bundeswehr. Der Führungsstab der Marine bildete zugleich die oberste truppendienstliche Führung der Marine.

Führungsstab der Marine im Bundesministerium der Verteidigung

Wappen des Führungsstabes der Marine
Staatliche Ebene Bund
Stellung Abt. BMVg
und oberste Führung der Marine
Gründung November 1955
Auflösung 30. September 2012
Hauptsitz Bonn, Nordrhein-Westfalen
Behördenleitung bei Auflösung: Axel Schimpf, Inspekteur der Marine
Bedienstete 120
Netzauftritt bmvg.de (Memento vom 26. Dezember 2011 im Internet Archive)

GeschichteBearbeiten

Als Vorläufer des Bundesministeriums der Verteidigung wurde am 17. September 1950 in Bonn die Dienststelle des Bevollmächtigten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen, das so genannte Amt Blank, aufgestellt. In dieser Dienststelle gab es ab 1951 ein Marineelement, das von dem früheren Fregattenkapitän Karl-Adolf Zenker geleitet wurde. 1952 trat außerdem der ehemalige Kapitän zur See Heinrich Gerlach in den Dienst des Amts Blank. Der militärische Anteil des Amts Blank wuchs im Laufe der Zeit weiter auf. 1954 wurde eine Abteilung II/Pl Militärische Planung mit einer Gruppe Marine II/Pl/M gebildet, in der eine Anzahl von ehemaligen Marineoffizieren dienten, die später wichtige Funktionen in der Bundesmarine übernommen haben. Darunter waren die späteren Inspekteure Zenker und Jeschonnek und die späteren Admirale Collmann, Gerlach, Kähler, Rösing und Thomsen.[1]

Am 7. Juni 1955 wurde das Amt Blank in das Bundesministerium für Verteidigung umgewandelt. Zugleich wurde aus der Gruppe Marine die Unterabteilung II/7. Diese Unterabteilung wurde in den nächsten Monaten weiter vergrößert und am 14. November 1955 in Abteilung VII umbenannt. Die Abteilung VII als direkte Vorgängerorganisation des Fü M hatte vier Unterabteilungen und wurde vom Inspekteur der Marine geführt. Am 1. Juni 1957 erfolgte die Umwandlung in den Führungsstab der Marine unter Beibehalt der vier Unterabteilungen.

In den folgenden Jahren veränderte sich die Anzahl der Unterabteilungen und die Größe des Führungsstabes mehrfach. Anfang 1971 wurde eine für alle Führungsstäbe der Teilstreitkräfte einheitliche Gliederung eingeführt. Sie umfasste sieben Unterabteilungen, die nunmehr als Stabsabteilungen bezeichnet wurden. Diese Organisation hatte Bestand bis am 1. Oktober 1992 die jetzige Gliederung eingenommen wurde.

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurden der Führungsstab der Marine, das Flottenkommando und das Marineamt am 1. Oktober 2012 zum Marinekommando mit Sitz in Rostock zusammengeführt. Seit dem 1. April 2012 übte der Führungsstab der Marine keine ministeriellen Aufgaben mehr aus und wurde zum Stab Inspekteur Marine umgewandelt. Dieser Stab mit Sitz in den bisherigen Diensträumen des Führungsstabes unterstützte den Inspekteur in der Übergangszeit bis zur Einnahme der neuen Struktur. Er wurde am 30. September 2012 aufgelöst.[2]

LeitungBearbeiten

Als Abteilungsleiter im BMVg stand der Inspekteur der Marine im Dienstgrad eines Vizeadmirals an der Spitze des Führungsstabs. Er unterstand in truppendienstlichen Angelegenheiten direkt der Leitung des Ministeriums, in Fragen der Entwicklung und Realisierung der Gesamtkonzeption der Bundeswehr dem Generalinspekteur der Bundeswehr. Der Inspekteur wurde durch den Chef des Stabes Fü M (Stellvertreter Inspekteur der Marine und Chef des Stabes Führungsstab der Marine) im Dienstgrad eines Konteradmirals vertreten.

AufgabenBearbeiten

Der Führungsstab war die oberste truppendienstliche Führung der Teilstreitkraft Marine. Der Stab sicherte die Einsatzbereitschaft der Marine in materieller und personeller Hinsicht. Dem Stab waren unmittelbar die zwei Höheren Kommandobehörden der Marine, das Flottenkommando und das Marineamt, truppendienstlich unterstellt. Außerdem unterstützt der Stab den Inspekteur der Marine, den Generalinspekteur und den Bundesminister der Verteidigung bei ihren ministerieller Aufgaben. Mit Ausnahme der ministeriellen Aufgaben wird das beschriebene Aufgabenfeld seit 1. April 2012 vom Stab Inspekteur Marine wahrgenommen.

GliederungBearbeiten

Mit der Gründung des Fü M war die Gliederung bis Januar 1958 in sechs Unterabteilungen mit jeweiligen Referaten vorhanden:[3]

  • Unterabteilung A Führung und Verbandsausbildung mit sechs Referaten (A 1 bis A 6): Leiter von Dezember 1955 bis März 1957 Kapitän zur See Karl-Adolf Zenker und anschließend Kapitän zur See Karl E. Smidt
  • Unterabteilung B Organisation mit fünf Referaten (B 1 bis B 5): Leiter von Dezember 1955 bis Juni 1957 Flottillenadmiral Heinrich Gerlach und anschließend Kapitän zur See/Flottillenadmiral Ernst-Ludwig Thienemann
  • Unterabteilung C Logistik mit vier Referaten (C 1 bis C 4): Leiter von März 1956 bis Mai 1957 Kapitän zur See Röver und anschließend Fregattenkapitän/Kapitän zur See Bernhardt Biederbick
  • Unterabteilung D Schiffe mit vier Referaten (D 1 bis D 4): Leiter von März 1956 bis Oktober 1957 Kapitän zur See Hans-Rudolf Rösing und anschließend Kapitän zur See Alfred Eichler

Mit dem 1. Februar 1958 trat für den Fü M eine neue Gliederung mit nun vier Unterabteilungen mit jeweiligen Referaten in Kraft, welche bis ins Frühjahr 1965 bestand:[3]

  • Unterabteilung I Personal und Innere Führung mit vier Referaten (I,1 bis I,4): Leiter von Februar 1958 bis Februar 1961 war Kapitän zur See Kurt Freiwald, von April 1961 bis Mai 1962 Kapitän zur See Walter Flachsenberg, dann bis September 1963 Kapitän zur See Gerhard Euling und anschließend Kapitän zur See Rolf Boehe
  • Unterabteilung II Führung
  • Unterabteilung III Organisation
  • Unterabteilung IV Logistik

Der Führungsstab war Stand 2006 in drei Stabsabteilungen mit je fünf Referaten organisiert. Die Referate für Personalangelegenheiten (Fü M/Pers) und für zentrale Aufgaben (Fü M/Z) unterstanden direkt dem Chef des Stabes.[4]

  • Stabsabteilung Fü M I (Personal; Ausbildung; Organisation) mit den Referaten
    • Fü M I 1 Personelle Grundsatzforderungen; Innere Führung; Internationale Zusammenarbeit
    • Fü M I 2 Personalplanung, Personalbedarf, Personalhaushalt, Nachwuchswerbung
    • Fü M I 3 Grundsätze der Organisation; Stationierung
    • Fü M I 4 Organisation der Marine;Stärke- und Ausrüstungsnachweisung (STAN)
    • Fü M I 5 Ausbildung
  • Stabsabteilung Fü M II (Logistik; Material; Rüstung) mit den Referaten
    • Fü M II 1 Grundsätze Rüstung/Ausrüstung; Bevollmächtigte für die Integrierte Arbeitsgruppen Fähigkeitsanalyse; Internationale Rüstungszusammenarbeit; Querschnittsaufgaben
    • Fü M II 2 Grundsatzangelegenheiten und Strukturen der Logistik; multinationale Logistik; logistische Unterstützung; Logistische Sonderaufgaben
    • Fü M II 3 Rüstung und Nutzung Schwimmende Waffensysteme
    • Fü M II 4 Rüstung und Nutzung Marineführungsdienste, Wehrmaterial in Materialverantwortung Heer, Luftwaffe (Koordinierung), Datenverarbeitungs-Vorhaben Marine; Information & Technik (IT) -Koordination Marine
    • Fü M II 5 Beiträge zum Haushalt und zur Finanzplanung; Bewirtschafter; Materialbedarfsdeckung
  • Stabsabteilung Fü M III (Konzeption; Planung; Führung) mit den Referaten
    • Fü M III 1 Konzeption und planerische Vorgaben; Internationale Zusammenarbeit
    • Fü M III 2 Operative Grundsatzangelegenheiten
    • Fü M III 3 Grundlagen der Operationsplanung und Einsatzführung, zugleich Bevollmächtigter des Inspekteurs der Marine beim Einsatzführungsstab, Dienstsitz Berlin
    • Fü M III 4 Bundeswehrplanung; Planerischer Grundsatz; Planerische Kontrolle
    • Fü M III 5 Führungsdienste Marine

Stellvertretender Inspekteur der Marine und Chef des StabesBearbeiten

Liste der Dienstposteninhaber
Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
19 Konteradmiral Heinrich Lange 29. Mai 2009 31. März 2012
18 Konteradmiral Hans-Jochen Witthauer Jan. 2008 29. Mai 2009
17 Konteradmiral Axel Schimpf 2004 Jan. 2008
16 Konteradmiral Jörg Auer Okt. 2000 2004
15 Konteradmiral Bernd Heise Apr. 1997 Sep. 2000
14 Konteradmiral Klaus Jancke Apr. 1995 März 1997
13 Konteradmiral Dirk Horten Apr. 1993 Apr. 1995
12 Konteradmiral Hans-Rudolf Boehmer 2. Mai 1990 März 1993
11 Konteradmiral Dieter Franz Braun Apr. 1988 Apr. 1990
10 Konteradmiral Hein-Peter Weyher Apr. 1985 März 1988
09 Konteradmiral Dieter Wellershoff Apr. 1984 März 1985
08 Konteradmiral Hanshermann Vohs Apr. 1980 März 1984
07 Konteradmiral Ansgar Bethge Okt. 1976 März 1980
06 Konteradmiral Horst von Schroeter Okt. 1971 Sep. 1976
05 Konteradmiral Heinz Kühnle Okt. 1969 Sep. 1971
04 Konteradmiral Erich Topp Okt. 1966 Sep. 1969
03 Konteradmiral Karl Hetz Apr. 1963 Sep. 1966
02 Flottillenadmiral Alfred Schumann Juni 1961 März 1963
01 Konteradmiral Gerhard Wagner Juni 1957 Mai 1961

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bundesarchiv Bestand BM 1 (Memento vom 6. April 2015 im Internet Archive)
  2. Hintergrundinformation bei augengeradeaus.net (PDF; 15 kB)
  3. a b Hans H. Hildebrand: Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien: ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 7. Koehler, 1983, S. 143.
  4. Organisationsplan des Bundesministeriums der Verteidigung – Neuauflage Juli 2006. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Bundesministerium der Verteidigung – Org 1, S. 9, archiviert vom Original am 11. Oktober 2006; abgerufen am 8. Mai 2022.

Koordinaten: 50° 41′ 57″ N, 7° 2′ 26″ O