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Erzbischöfliche Ursulinenschule Köln

Schule in Deutschland

Die Erzbischöfliche Ursulinenschule Köln ist Kölns einziges Mädchengymnasium. Der Realschulzweig ist seit dem Schuljahr 2012/2013 auch Jungen geöffnet, die jedoch monoedukativ in eigenen Klassen unterrichtet werden.

Erzbischöfliche Ursulinenschule
Schulhof und Neubau der Ursulinenschule
Schulform Mädchengymnasium und monoedukative Realschule
Schulnummer 166704
Gründung 1639
Adresse

Machabäerstraße 47

Ort Köln
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 56′ 51″ N, 6° 57′ 37″ OKoordinaten: 50° 56′ 51″ N, 6° 57′ 37″ O
Träger Erzbistum Köln
Schüler Gymnasium: circa 1100
Realschule: circa 550
Lehrkräfte Gymnasium: circa 87
Realschule: circa 40
Leitung Gymnasium: Monika Burbaum
Realschule: Monika Schäfers
Website www.ursulinenschule-koeln.de

GeschichteBearbeiten

1639 zog die Flämin Anne Marie de Heers, die Mutter Augustina genannte Oberin des Lütticher Ursulinenordens, mit drei Begleitern nach Köln, um dort eine Mädchenschule zu eröffnen. Sie wählte die Stadt wegen der Ordenspatronin Ursula von Köln.[1] Sie hatte das Ziel, nach dem auch schon Angela Merici gestrebt hatte: „…vor allem den unteren Volksschichten das religiöse Leben (zu) heben und den Frauen Ansichten und Grundsätze (zu) vermitteln, durch die sie gegen Irrtümer ihrer Zeit gesichert und für eine gesunde Erweiterung ihres Lebensinhaltes befähigen würden“.[2] Als sie nach einer fünftägigen beschwerlichen Reise dort ankamen, warteten einige Schwierigkeiten die Reisegruppe. Der Dreißigjährige Krieg war kurz zuvor beendet worden, und Köln als eine einigermaßen gut vor Räubern und Dieben geschützte Stadt war überfüllt. Die kleine Gruppe mietete sich zuerst eine kleine baufällige Wohnung. Schon am Tag darauf wurden die ersten Schülerinnen aufgenommen. Die Zahl der Schülerinnen stieg rapide, und man begann über die Ursulinenschwestern zu reden. So wurde auch der Magistrat auf diese aufmerksam und zwang sie dazu, einen Vertrag zu unterzeichnen. In diesem hieß es, dass sie nur das Gast- und Beiwohnungsrecht für drei Monate erhielten, und dieses alle Vierteljahre verlängern mussten. Nach zwölf Jahren wurden sie als normale Bürger in das Stadtregister aufgenommen.[3] Mutter Augustina war am 11. April 1666 gestorben; am 3. Juni 1676 zog die Schule in das von ihnen auf einem alten Weingarten neu gebaute Kloster in der Machabäerstraße. Auch die Fronleichnamkirche wurde zu dieser Zeit gebaut.[4]

Die erste Krise begann Ende 1797 mit der Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen. Damals musste der Orden befürchten, dass der gesamte Besitz beschlagnahmt wurde. Durch List schafften sie es, ihre kostbarsten Besitztümer wegzuschaffen. Laut einem Konsularbeschluss aus dem Jahre 1802 durfte auf der linken Rheinseite kein Kloster bestehen bleiben. Der Ursulinenorden entging diesem Beschluss, vermutlich, weil einige Töchter französischer Beamter diese Schule besuchten. So durfte er als Schulorden weiterhin bestehen. Trotzdem drohte der Orden auszusterben, da laut des Konsularbeschlusses keine neuen Mitglieder aufgenommen werden durften. Doch 1806 wagte eine Postulantin aufgenommen zu werden und wurde somit zu einem weiteren offiziellen Mitglied des Ordens. 1809 musste die Ursulinenschule um eine staatliche Anerkennung bitten. Aus den Aufzeichnungen über die Schule wird deutlich, dass die Qualität des Unterrichts erheblich abgenommen hatte. Vermutlich hatte dies auch mit der vom Staat erzwungene Überalterung und der halbierten Zahl der Lehrerinnen zu tun.[5] Mit der Befreiung von der französischen Herrschaft fielen die Rheinlande an die preußische Regierung. Nun war das Konsistorium, eine neue Behörde, zuständig für das Schulwesen. Diese führte 1815 eine sorgfältige Ausbildung durch den Staat für Lehrer und 1825 die Schulpflicht ein. Die Lehrer der Ursulinenschule mussten Fortbildungen machen, um die staatlichen Anforderungen zu erfüllen.[6]

Die zweite Krise wurde durch Otto von Bismarck verursacht. Da er im Rahmen des „Kulturkampfes“ ein Gesetz durchgesetzt hatte, welches besagte, dass nur die Krankenpflege-Orden erhalten bleiben durften, musste der Ursulinenorden und alle anderen Orden innerhalb von sechs Monaten die Stadt verlassen. Aufgrund einer Einigung mit dem neuen Papst Leo XIII. schaffte Bismarck die sogenannten Maigesetze bis auf die Schulaufsicht und Zivilehe ab. Die meisten Orden in Preußen wurden wieder zugelassen. Am 9. September 1887 durfte auch der Ursulinenorden nach Köln zurückkehren.[7]

Nach der Machtergreifung der NSDAP Anfang 1933 wollte Hitler alles auflösen, was einem Einheitsstaat im Weg stehen könnte, so auch die katholischen Einrichtungen und Verbände. Ab 1935 versuchte die NS-Propaganda, die Kirche vor dem Volk möglichst schlecht dastehen zu lassen.[8] Die Nationalsozialisten verkürzten die Oberschulzeit um ein Jahr, was in der Ursulinenschule finanzielle Probleme durch die Verringerung des Schulgeldes zur Folge hatte.[9] 1940 erhielt die Schule einen Anruf, in dem mitgeteilt wurde, dass die Schule ab dem neuen Schuljahr von der Stadt geleitet würde. Bei der Operation Millennium und den weiteren Luftangriffen auf das Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulgebäude fast vollständig zerstört. Die Schwestern mussten sich einen neuen Wohnort suchen. Die meisten wurden in andere Ursulinenorden aufgenommen, nur drei blieben bis zum Ende des Krieges und wohnten in dieser Zeit im Marienhospital. Nach dem Einzug der Amerikaner sicherten die drei Schwestern die Überreste des Schulgebäudes, das dort später wieder aufgebaut wurde.[10]

Im Krieg erlitten die zum Kloster gehörenden Wohn- und Schulgebäude große Brandschäden und es gab keine Möglichkeit, die Trümmer für den Wiederaufbau zu verwenden. Genauso wie die Schulgebäude wurde auch die Fronleichnamkirche stark beschädigt.[11] Nach Kriegsende 1945 begann eine sogleich erste, notdürftige Instandsetzung. Obwohl der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen war, herrschte ab 1947 wieder ein überwiegend normalisierter Schulalltag. Das für die Arbeiten benötigte Geld, insgesamt rund 24.000 DM (umgerechnet auf heute ungefähr 80.000 Euro), wurde durch mehrere Basare eingenommen.[12] Nach der Übernahme der Schule durch das Erzbistum Köln wurde ein Konzept entwickelt, um die Schule auszubauen. Dieses Konzept beinhaltet unter anderem die Konzentration der jeweiligen Fachräume in einem Bereich, den Bau einer Schüler- Lehrerbibliothek sowie die Neugestaltung des Schulhofs und der Außenanlage.[13]

GegenwartBearbeiten

1971 wurde dem Gymnasium eine Realschule angegliedert. Bis 1988 wurde die Schule vom Ursulinenorden geführt. Seitdem ist das Erzbistum Köln Träger der Schule, deren christlich-katholisch orientiertes Profil das Schulprogramm weiterhin bestimmt. Das vierzügige Gymnasium wird von rund tausend Schülerinnen, die zweizügig geführte Realschule von ca. 400 Schülerinnen besucht. Sie ist als einzige Schule in Köln nicht dem Trend zur Koedukation gefolgt. Seit dem Schuljahr 2012/2013 gibt es an der Realschule auch Klassen für Jungen; Jungen und Mädchen werden dort (in sogenannter Bi-Edukation) getrennt unterrichtet.

Fremdsprachen und AustauschprojekteBearbeiten

Im 5. Schuljahr beginnen beide Schulen mit Englisch als erste Fremdsprache. Die Schülerinnen des Gymnasiums können in der 6. Klasse zwischen Latein oder Französisch wählen, zwei Jahre später haben die Gymnasiasten die Möglichkeit zwischen Französisch, Italienisch, Russisch oder InformatikPlus zu wählen. In der Jahrgangsstufe 10 kann mit Italienisch eine vierte Fremdsprache belegt werden. In der Realschule folgt in Jahrgangsstufe 6 Französisch. In der Jahrgangsstufe 7 kann man Französisch weiter wählen oder sich zwischen Sozialwissenschaften oder Naturwissenschaften entscheiden.

Schon lange bestehen Freundschaften und enge Kontakte zu unterschiedlichen Partnerschulen in verschiedenen Ländern. In Klasse 6 und 9 bietet die Schule einen Frankreichaustausch mit dem Lycée Privé Saint Paul in Lille an. Die Italienischkurse führt es in Jahrgangsstufe 10 im Zuge eines Austausches nach Italien zum Collegio SS Annunziata in Empoli. 2008 konnte das Gymnasium nach einer langen Pause wieder einen Englandaustausch für die Schülerinnen der Klasse 8 veranstalten. Seit 2010 hat sich ein freundschaftlicher Austausch mit dem Partnergymnasium Nr. 1538 in Moskau/Mitino für die Russischschülerinnen der Klasse 9 entwickelt. Außerdem reisen jedes Jahr etwa 18 Schülerinnen aus der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums und der Realschule nach Palästina. Sie leben in palästinensischen Gastfamilien, deren Töchter die Partnerschule, das Schmidt's Girls College in Jerusalem besuchen.

SchulprojekteBearbeiten

An der Ursulinenschule gibt es jedes Jahr eine Bläserklasse, in der die Schülerinnen das Spielen eines neuen Instrument erlernen. Nach zwei Jahren besteht die Möglichkeit des Wechselns in das Blasorchester. An mehreren Samstagen im Jahr öffnet die Ursulinenschule ihre Türen für Obdachlose und Arme. Die Schülerinnen unterstützen an diesen Tagen den Malteser Hilfsdienst. 2007 wurde die Schule im Rahmen des Wettbewerbs Jugend hilf! vom Verein „Children for a Better World“ ausgezeichnet. Zur Feier des 375-jährigen Schuljubiläums fand im September 2014 eine Projektwoche statt.

LiteraturBearbeiten

  • Ursulinenschule Köln (Hrsg.:) Erzbischöfliche Ursulinen-Schule Köln. Festschrift zum 375jährigen Bestehen der Ursulinenschule Köln. Köln 2014 (342 S.; Redaktion: Norbert Orthen und Angelika Schmitz)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 66 f
  2. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 261
  3. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 72–74
  4. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 79–86
  5. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 94–96
  6. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 96
  7. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 101–106
  8. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 121 ff.
  9. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 124
  10. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 125–130
  11. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 168 f.
  12. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 169 ff.
  13. Festschrift der Ursulinenschule, Köln 2014, S. 240 f.