Emmerich Däger

Kapuzinerpater und Übersetzer

Emmerich Däger (auch Emerich von Perlach, latinisiert Emericus Berlacensis; geboren als Franz von Paula Dägn; * 27. März 1698 in Perlach; † 31. August 1757 in Landshut) war ein Kapuziner-Pater, der als Schriftsteller und Übersetzer geistlicher Werke aus dem Italienischen tätig war. Sein Taufname Franz von Paula geht auf den heiligen Einsiedler und Ordensgründer Franz von Paola zurück, der ebenfalls am 27. März geboren ist.[1]

LebenBearbeiten

Emmerich gehörte seit dem 25. Mai 1715 dem Kapuzinerorden an. Er war Prediger, Novizenmeister[2] Lektor[3] und Guardian des Kapuzinerklosters Landshut[4] und hatte den Ruf umfassender Gelehrsamkeit.[2] Nach Maximilian Pöckl lebte er bewusst einsam und beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Lesen von Büchern oder dem Schreiben.[3] Mindestens eine seiner Übersetzungen gab der Generalminister der Kapuziner Sigismundo da Ferrara bei ihm in Auftrag.[5]

WerkeBearbeiten

Zu Dägers Werken gehören neben einer Gelegenheitsrede in München gedruckte Übersetzungen aus dem Italienischen, darunter:

  • Das Leben des P. Joseph von Leonissa, des Kapuzinerordens Prediger, welcher heilig gesprochen wurde. 1738.
  • Das Neuiste Welt-Wunder In Dem Wunder-vollen Leben Der Gottseeligen Dienerin Gottes Veronicae Juliani, Capucinerin und würdigen Mutter des Closters S. Clarae in der Stadt Castello. 1741.[6]
  • Das Wunder=volle Leben des gottseeligen Dieners Gottes F. Hieronymi von Corlione, Capuciner-Leyen aus der Provinz Palermo … 1753. 3. Auflage 1846

Außerdem erschienen:

  • Buß-Bruderschafft Himmels-Bruderschafft, Das ist: Die außerwählte Bruderschafft Der grossen Heil. Büsserin Mariae Magdalenae Bey, und unter dem Wunderthätigen Heil. Creutz auf dem Mooß nächst Allach unlängst aufgerichtet. 1739.
  • Das grosse Jubilaeum Auf das heilige Jahr 1750. Von Ihro jetzt-regierenden Päbstl. Heiligk. Benedicto XIV. Mildseeligst verlihen, Wie es sicher und heilig zu gewinnen seye, In Fragen und Antworten, Aus der Päbstl. Bulle und Circular-Schreiben gezogen. 1751.

FamilieBearbeiten

Emmerich war der Sohn des kurfürstlichen Zöllners[7] Johann Paul Dägn (1670 oder 1672–1730) und Maria Anna Dägn (geborene Daller), die seit 1692 verheiratet waren. Emmerich hatte sechs allesamt weibliche Geschwister.
Johann Paul ist gemäß einer Gedenktafel am Äußeren der Michaelskirche in Perlach dort begraben.

„Alda ligt Begraben der Ehrngeachte Herr Johañ Baul Dägn gewester Wüerdt allhier ist in Gott Endcshlaffen den 25. Sept. Anno 1730. an der Heilige Christnacht zwishen 8. und 9. Uhr Gott gebe ihme sambt allen andern die Ewige Rũeh“

Der Sterbematrikel zufolge starb Johann Paul am 25. Dezember.
Emmerichs Urgroßeltern waren Melchior Dägn und Ursula Dägn (geb. Sedlmayer), die seit dem 1. September 1642 verheiratet waren. Melchior war Tafernwirt aus Ebertshausen bei Tanning und Ursula Wirtstochter des ehemaligen Hofwirt in Perlach.[8] Beide waren die Eltern von Franz Dägn, dem Vater von Johann Paul Dägn und Ehemann von Anna Maria (geb. Reitterin).
Maria Barbara, die Schwester von Johann Paul, heiratete 1698 den Hofgerichtsadvokaten Dr. Franz Xaver Wiguleus Kreittmayr. Sie bekamen sechzehn Kinder, darunter Wiguleus Franz Xaver Alois (Freiherr von) Kreittmayr (1705–1790) und der ehemalige Münchner Bürgermeister Joseph Benno Kreittmayr (1710–1757). Beide waren somit Cousins von Emmerich.
Sein Vater Johann Paul betrieb seit 1692 die heute Alter Wirt genannte Bierzäpflerei,[9] für deren Wiedererrichtung Franz Dägn 1690 die Genehmigung erhielt,[10] der ihm 1691 auch die Perlacher Tafernwirtschaft, das heutige Gasthaus zur Post, übertrug.

Anfang des 18. Jahrhunderts kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Wirt Franz Gürttner und Johann Paul Dägn, der erst 1782 als beendet galt. Er begann mit einem Vertrag (1689) Gürttners mit Emmerichs Großvater Franz Dägn (scheinbar mit Einflussnahme der kirchlichen Autoritäten der Kirche St. Maria in Ramersdorf), der Gürttner gegen Dägns Anteilhabe an der Hälfte seines Erlöses Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Der Vertrag hatte ungewöhnlicherweise kein Zeitlimit und übertrug sich auf Gürttners Erben. Gürttner warf Johann Paul im Jahr 1716 vor, Gebäude nicht ausreichend instand zu halten und beantragte, scheinbar vergeblich, die Aufgliederung des 27 Jahre zuvor abgeschlossenen Vertrages.[11]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Franz von Paola - Ökumenisches Heiligenlexikon. Abgerufen am 18. Mai 2020.
  2. a b Bibliotheca Scriptorum Ordinis Minorum S. Francisci Capuccinorum
  3. a b Maximilian Pöckl: Die Kapuziner in Bayern. J.E. von Seidel, 1826 (google.de [abgerufen am 17. Oktober 2020]).
  4. Das gelehrte Baiern
  5. Titelseite
  6. Bibliotheksverbund Bayern. Abgerufen am 14. April 2020.
  7. Georg von der Grün: Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde. Band 13, Nr. 4/6. Max Kellerers Verlag, München 1935, S. 173 (blf-online.de [PDF]).
  8. Leopold Auburger: Der Kapuzinerpater Emerikus Däger (Franz von Paula Dägn) aus Perlach (1698-1757). S. 4 (hachinger-bach.de [PDF]).
  9. Yumpu.com: J anuar 2 0 0 7 - NordOstKultur München. Abgerufen am 24. April 2020.
  10. Geocaching: Geocaching - The Official Global GPS Cache Hunt Site. Abgerufen am 24. April 2020 (englisch).
  11. Beat Kümin: Drinking Matters: Public Houses and Social Exchange in Early Modern Central Europe. Springer, 2007, ISBN 978-0-230-59846-1, S. 61 (283 S., google.de).