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Friedrich Pustet

Die Friedrich Pustet GmbH & Co. KG ist ein mittelständisches Unternehmen, das neben der Buchhandlung „Bücher Pustet“ noch aus dem grafischen Großbetrieb Friedrich Pustet sowie dem Verlag Friedrich Pustet besteht. Der gemeinsame Unternehmenssitz befindet sich in Regensburg.

EntstehungBearbeiten

Die Anfänge des Unternehmens gehen auf den Gründer Friedrich Pustet (1798–1882) zurück. Pustet übersiedelte im Jahr 1826 von Passau nach Regensburg und begann dort mit dem Aufbau einer Buchhandlung. Er verlegte bald auch zahlreiche Bücher selbst und übernahm außerdem den Druck dieser Werke. 1833 erwarb Pustet eine großräumige Liegenschaft in der Gesandtenstraße, wo sich noch heute das Hauptgeschäft von Bücher Pustet befindet. Das heutige mehrstöckige Geschäftshaus mit Innenhof entstand aber erst 1957 im Baustil der Nachkriegszeit nach dem Abbruch von mehreren mittelalterlichen und barocken Bauten und Häusern.[1]

Mit dem Kauf einer Schnellpresse wurde 1833 der Grundstein für die Pustet‘schen Druckunternehmen gelegt.

1836 begann er in den Orten Laaber und Alling westlich von Regensburg nach Vorbildern in England die industrielle Fabrikation von Papier in Form von Endlospapierbahnen. An beiden Orten lieferte die Schwarze Laber Energie zum Antrieb der Maschinen, die zur Herstellung von Holzschliff und Zellstoff benötigt wurden. Später konnte mit den bei Alling gefundenen Braunkohlevorkommen auch Dampfmaschinen betrieben werden. Zur Begrüßung von König Maximilian II., der 1855 die Anlagen durch einen Besuch würdigte, wurde in zwei Bahnen weiß und blau eingefärbtes Papier gedruckt. Nachdem 1875 die Fabrikationsstätten sogar mit der Bahnstrecke Sinzing–Alling an Regensburg angebunden wurden, hatte Friedrich Pustet den für die Region bahnbrechenden Aufbau der Papierindustrie abgeschlossen.[1]

Zwischen 1865 und 1898 expandierte das Unternehmen stark: Es wurden Niederlassungen in Köln, Wien, Rom, Cincinnati und New York gegründet, in Valencia und São Paulo entstanden Handelsvertretungen. Diese Filialen wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts wieder aufgegeben.

1957/58 wurde ein neues Firmengebäude im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl-Ziegetsdorf-Neuprüll errichtet, in dem Buchdruckerei und Buchbinderei, Verlag und Verwaltung untergebracht wurden.

Buchhandlung PustetBearbeiten

Die Buchhandlung Pustet ist eine der größten bayerischen Buchhandlungen. Insgesamt finden sich derzeit elf Filialen in Bayern, davon vier in Regensburg und jeweils eine in Ansbach, Augsburg, Deggendorf, Freising, Landshut, Passau sowie in Straubing.[2]

Bücher Pustet steht derzeit auf Platz 5 der buchreport-Ranking-Liste der größten deutschen Buchhandlungen (Stand 2008).

Friedrich Pustet Grafischer GroßbetriebBearbeiten

Die Buchdruckerei und -binderei zählt heute zu den größten Buchdruckereien Süddeutschlands. Es werden im Jahr mehr als 10 Millionen Bücher für insgesamt 100 verschiedene Verlagshäuser produziert.

Verlag Friedrich PustetBearbeiten

 
Missale aus dem Verlag Pustet

In den ersten Jahren des Verlages wurde theologische, historische, philosophische, juristische, naturwissenschaftliche und belletristische Literatur herausgegeben.

Ab 1845 begann mit dem Druck eines lateinischen Altar-Missale die Spezialisierung auf liturgische Werke. Bald erlangte der Verlag auf diesem Gebiet Weltbedeutung. Ein Beispiel ist das Privileg von 1868, das die Herstellung und den Vertrieb der neuen Choralbücher ausschließlich Pustet überließ und das 30 Jahre lang galt.

Bekannt wurde der Verlag auch durch die in der Zeit des Kulturkampfes begründete katholische Familienzeitschrift Deutscher Hausschatz. Zu den frühen regelmäßigen Autoren gehörte Karl May. Von ihm erschienen von 1879 bis 1898 und noch einmal von 1907 bis 1909 zahlreiche Reiseromane, z. B. der Orientzyklus (1881–1888). Eine Vorreiterrolle spielte die Zeitschrift, indem sie von Anfang an Illustrationen in relativ guter Druckqualität zeigte und sich damit von den Zeitungen ihrer Zeit abhob. Ab etwa 1900 ersetzten Fotografien zunehmend die Reproduktionen von Gemälden und Grafiken. Nach der Gründung 1874 und bis 1910 hieß das Blatt Deutscher Hausschatz in Wort und Bild, danach mit Beginn des 37ten Jahrgangs (Oktober 1910 – Oktober 1911) Deutscher Hausschatz – Illustrierte Familienzeitschrift. Die Nachfolgepublikation nannte sich nur noch Hausschatz und erschien von 1953 bis 1960.[3]

Bis Anfang der 1960er Jahre widmete sich der Verlag vorrangig der Herausgabe liturgischer Bücher. Nach der Liturgiereform 1963, mit der die Verwendung der jeweiligen Landessprache in der Liturgie erlaubt wurde, erfolgte eine Neuorientierung. Theologie blieb ein Schwerpunkt, neu hinzu kam der Bereich Geschichte/Regionalia.

Heute umfasst das Verlagsprogramm zwei Bereiche: Theologie/Religion (Liturgie und Pastoral, Sach- und Fachbücher, Wissenschaft) und Geschichte (Biografien, Länder- und Stadtgeschichten, Literatur zu Regensburg und Bayern).

LiteraturBearbeiten

  • Pustet in Regensburg. Eine kleine Chronik. Regensburg: [o. D.]
  • Pustet, ein bayrisches Familienunternehmen.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 352, 353.
  2. Bücher Pustet Filialen und Öffnungszeiten. Abgerufen am 31. August 2019.
  3. Siehe DNB 011250119