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Eberhard Gildemeister (* 19. Juli 1897 in Bremen; † 3. Juni 1978 in Bremen) war ein deutscher Architekt, der hauptsächlich in Bremen wirkte.

BiografieBearbeiten

Eberhard Gildemeister wurde am 19. Juli 1897 als vierter Sohn des Architekten Eduard Gildemeister und der Agnes Helene Auguste geb. Habenicht geboren.[1] Im Jahr 1915 absolvierte er das Notabitur und schloss danach bis 1918 einen freiwilligen Kriegsdienst an.

Nach dem Kriegsdienst folgte ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Darmstadt, welches er erfolgreich als Diplomingenieur abschloss. Dieses Studium prägte seine künstlerische Entwicklung stark.[1] Im Jahre 1926 begann er seine berufliche Tätigkeit als Architekt bei Lothar Gürtler in Osnabrück und wechselte im darauffolgenden Jahr in das Büro des angesehenen Bremer Architekten Rudolf Jacobs.

Nach einem Wettbewerb für das Gewerkschaftshaus Bremen, bei dem er mit dem dritten Preis abschloss, gewannen er und sein Bruder Hermann Gildemeister 1928 den 2. Preis den Wettbewerb für das neue Verwaltungsgebäude der Nordwolle an der Contrescarpe in Bremen.[2] Auf der Grundlage ihrer Pläne wurde das Gebäude von 1928 bis 1931 realisiert.[1] Nach dem Konkurs der Nordwolle ging es in das Eigentum des Deutschen Reichs über, erhielt den Namen Haus des Reichs und ist seit 1945 Sitz des Finanzsenators.

Nach dem prestigeträchtigen Auftrag für die Nordwolle-Verwaltung führten Eberhard Gildemeister und sein Bruder Hermann ein gemeinsames Architekturbüro. Diese Berufsgemeinschaft löste sich jedoch 1934 mit dem Einritt Hermann Gildemeisters in den Staatsdienst als Leiter des Hochbauamtes Bremen.[1]

Die zahlreichen Wohnhäuser der Jahre 1932 bis 1939 befanden sich meist in landschaftlich schöner Umgebung[1] und waren eng an die Bedürfnisse der Bauherren angepasst.[3] Gildemeister baute nicht nur innerhalb Bremens, sondern auch in Oldenburg oder Wilhelmshafen. Seit 1934 war Eberhard Gildemeister mit Silvia Leist verheiratet, mit der er eine 1935 geborene Tochter und einen 1937 geborenen Sohn hatte. Im selben Jahr bekam er den Auftrag zu einer Werkssiedlung für die Rolandmühle, welche heutzutage zu den besten Beispielen bremischer Sozialbauten gehört.[1] Im Jahr 1939 erhielt Gildemeister den Auftrag zum Bau eines neuen Hafenhauses für die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft, dessen Ausführung der Zweite Weltkrieg jedoch verhinderte.[1]

Im Krieg wurde Eduard Gildemeister zum Militär eingezogen und war dort als Leiter einer Baukompanie tätig.[1] Er wurde jedoch bereits nach zwei Jahren aus Krankheitsgründen entlassen. Er lebte fortan in Röhn und Vogelsberg und konnte den Beruf des Architekten erst nach einer Operation im Jahre 1949 fortsetzen. Seit 1950 betrieb er wieder ein eigenes Büro in Bremen.[1] In diesem Jahr baute er auch ein eigenes Wohnhaus mit integriertem Atelier am Lehnhof 7 in Bremen-St. Magnus, in dem er jedoch nicht lange wohnte. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Wohnhäuser für die Lehnhofsiedlung, verschiedene Wohnhäuser, insgesamt sechs Kirchen, der Neubau der Sparkasse am Marktplatz und die Ausstattung des Passagierschiffs des Norddeutschen Lloyd "TS Bremen".[1]

Am 3. Juni 1978 verstarb Eberhard Gildemeister und wurde auf dem Friedhof Bremen-Riensberg beigesetzt.[3][4]

Viele Bauwerke Gildemeisters stehen heute unter Denkmalschutz.

Nach ihm wurde 2003 der Eberhard-Gildemeister-Weg in Bremen-Walle benannt.

Bauten und ProjekteBearbeiten

  • 1926: Wettbewerb zum Neubau des Gewerkschaftshauses in Bremen[5]
  • 1928–1931: Verwaltungsgebäude der Nordwolle (heute „Haus des Reichs“), Rudolf-Hilferding-Platz 1, Auf dem Rövekamp 12, Richtweg 25,27, zusammen mit Hermann Gildemeister, erhalten[1][6][7]
  • 1932: Wohnsiedlung Am großen Kuhkamp 1-12, 13-29, Langwedeler Straße, Im alten Dorf, Bremen-Osterholz, erhalten[8]
  • 1935: Haus Carl Theodor Schütte, Rosental 7, Bremen-Horn, erhalten[1][9]
  • 1935: Haus Eberhard Gildemeister, Rosental 9, Bremen-Horn, erhalten[1][9]
  • 1935: Haus Noltenius, für den Kaufmann Christian Noltenius, Richard-Dehmel-Straße 3 (ehemals Kronprinzenstraße), Bremen-Schwachhausen, erhalten[10][9]
  • 1935: Haus Dreilinden, für Hans Kulenkampff, Lesmonastraße 78, Bremen-Lesum, zus. mit seinem Bruder Hermann Gildemeister, erhalten[11]
  • 1935/1937: Wohnsiedlung Am Hahnenkamp 12-24,13-37, Osterholzer Heerstraße 188. Bremen-Tenever, erhalten[8]
  • 1935: Haus Schwarz, für Louis Schwarz, Handlungsgehilfe, Am Querkamp 10, Bremen Oberneuland, erhalten[12]
  • 1935/1936: Wohnsiedlung im Schloßparkviertel, Stövesandstraße 2-24, 1-27, Beim Sattelhof 4-12, 1-17, Bremen-Sebaldsbrück, erhalten[8]
  • 1936: Lesumer Flußbadeanstalt, Deichweg, nicht erhalten[10]
  • 1936: Haus Brede, für Kapitän Hans Brede, Repräsentant des Norddeutschen Lloyd (Vater von Hermann Brede), Auf dem Pasch 17, Bremen-Lesum, erhalten[13]
  • 1937: Umbau Haus Kulenkampff, für Kaufmann Werner Kulenkampff, Admiral-Brommy-Weg 6, Bremen-Lesum, erhalten[14]
  • 1938: Umbau Haus Dr. Perlia, Praxis und Haus des Frauenarztes Dr. med. Franz Perlia, Humboldstraße 7, Bremen-Steinor, erhalten[15]
  • 1938: Werksiedlung Carl-Erling-Stiftung, Ritter-Raschen-Straße 31/37a, Garnbleiche 1-15, Bremen-Walle, erhalten[9]
  • 1938: Haus Dr. Bulling, für Dr. Carl Bulling und Rechtsanwältin Dr. Emma Bulling, Reinthalerstraße 19, Bremen, erhalten[16]
  • 1938: Haus Salzburg, für H. Salzburg, Am Querkamp 6, Bremen Oberneuland, erhalten[17]
  • 1938: Haus Dr. Hillmann, für Dr. jur. Ludwig Hillmann, Bandelstraße 16, Bremen- Horn, erhalten[18]
  • 1939: Haus Dr. Runge, Sommerhaus für Dr. med. G. Runge, Dillener Straße 53a, Bremen-Blumenthal, erhalten[19]
  • 1939: Entwurf für das Hafenhaus der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft[9]
  • 1949: Haus Dr. Albrecht, Leuchtenburg, Niedersachsen (genaue Adresse unbekannt)[1]
  • 1950: Erlöserkirche, Schwachhauser Heerstraße 179, Bremen-Gete, erhalten[20]
  • ab 1950: Lehnhofsiedlung, Am Lehnhof 1-13, Bremen-St. Magnus, erhalten[1]; darin Haus Eberhard Gildemeisters mit Atelier, Am Lehnhof 7.
  • 1951: St. Remberti Kirche, Friedhofstraße 10, Schwachhauser Heerstraße, Bremen-Riensberg, erhalten[21]
  • 1954: Haus Köhler, Haus „Friedrichshof“ bei Rendsburg, Schleswig-Holstein (genaue Adresse unbekannt)[1]
  • 1955–1957: Martin-Luther-Kirche Lauenbrück, An der Kirche 3, Lauenbrück, Niedersachsen, erhalten[22]
  • 1956: Haus Koopmann, für den Kaufmann Walter Koopmann, Kapitän-König-Weg 6, Bremen-Oberneuland, erhalten[23]
  • 1957: Haus Pollems, für Dipl. Ing. Rolf Edgar Pollems, Burchard-Eden-Straße 14, Bremen Neu Schwachhausen, erhalten[24]
  • 1957/1958: Sparkasse am Markt, Am Markt 12, Langenstraße 1, Hakenstraße, Bremen-Mitte, erhalten[1]
  • 1957/1958: Gemeindehaus der St. Remberti Kirche, Friedhofsstraße 10, Schwachhauser Heerstraße, Bremen, erhalten[25]
  • 1959: Ausstattung der TS Bremen (Flaggschiff des Norddeutschen Lloyd)[1]
  • 1960: Emmaus-Kirche, Kirche des Diakonissenkrankenhauses, Gröpelinger Heerstraße 406/408, Bremen-Gröpelingen, erhalten[26]
  • 1961: Johannes-der-Täufer-Kirche in Horstedt, Kirchstraße 6, Kreis Rotenburg (Wümme), Niedersachsen[1]
  • 1961: Wohnhaus „Haus B.“, Upper Borg (genaue Adresse unbekannt)[1]
  • 1962: Wikingborg, Haus Parchmann, Katrepeler Landstraße 51, Bremen-Borgfeld, erhalten[1]
  • 1962: Villa Fajen, Rotenburg (Wümme) (genaue Adresse unbekannt)
  • 1963: Hotel Mingers, Am Hafen West 1-2, Neuharlingersiel, stark verändert erhalten[3]
  • 1963: Haus Eberhard Gildemeister „Moorquell“, Driftsethe, Kr. Cuxhaven, Niedersachsen (genaue Adresse unbekannt)[1]
  • 1964: Um- und Neubau Forsthaus Heiligenberg, Heiligenberg 3, Bruchhausen-Vilsen, Niedersachsen, heute Hotel und Restaurant
  • 1967: St. Magni Kirche und Gemeindehaus, Unter den Linden 24, Bremen-Burglesum[27]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gerhard Müller-Menckens: Abschied von Eberhard Gildemeister. In: Der Aufbau 32 (1978) 3, S. 89
  • Gerhard Müller-Menckens: Ein Bremischer Architekt. Eberhard – der Gilde-Meister. In: Eberhard Gildemeister – Ein Bremischer Architekt. Ausstellung Kunsthalle Bremen, 12. August bis 16. September 1973
  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v Müller-Menckens: Eberhard Gildemeister – Ein Bremischer Architekt. 1973
  2. Ausschreibung eines Wettbewerbs eines Verwaltungsgebäudes für die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Bremen, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 47 (1927), S. 201, 377
  3. a b c Gerhard Müller-Menckens: Abschied von Eberhard Gildemeister. In: Der Aufbau 32 (1978) 3, S. 89
  4. Grabsteine: Friedhof Bremen-Riensberg. genealogy.net, abgerufen am 21. August 2017.
  5. Wettbewerbsentscheidungen. Bremen, Gewerkschaftshaus, in: Bauamt und Gemeindebau 8 (1926), S. 148
  6. P.: Das Nordwollehaus in Bremen, in: Die Bauwelt 23 (1932) 47, Kunstbeilage S. 11–16
  7. P.: Das Nordwollehaus in Bremen. Architekten: Hermann und Eberhard Gildemeister, Bremen, in: Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau 16 (1932), S. 577–582
  8. a b c Hans Heinrich Wendt: Wohnsiedlungen in Bremen 1900-1945, Bremen 1984
  9. a b c d e Eberhard Gildemeister, Bremen. Wohnhäuser - Siedlung – Hafengebäude. In: Moderne Bauformen 42 (1943), S. 237–252
  10. a b Arbeiten des Bremer Architekten Eberhard Gildemeister, in: Deutsche Bauzeitung 72 (1938), Kunstdruckteil, S. 116–119
  11. Ilse Windhoff: Landhäuser und Villen in Bremen. Band 1, 2008, S. 29–30.
  12. Adressbuch 1935
  13. Ilse Windhoff: Landhäuser und Villen in Bremen. Band 2, 2009, S. 15.
  14. Ilse Windhoff: Landhäuser und Villen in Bremen. Band 1, 2008, S. 42–44.
  15. Kirsch: Wohnbauten zwischen den Weltkriegen in Bremen. In: Skalecki (Hrsg.): Denkmalpflege in Bremen, Schriftenreihe des Landesamt für Denkmalpflege Bremen, Heft 10, Ed. Temmem. Bremen 2013, S. 8–23.
  16. Adressbuch 1938
  17. Adressbuch 1938
  18. Adressbuch 1938
  19. Bauakte, Bauordnungsamt Bremen
  20. Bremer Zentrum für Baukultur: Leichtes Zelt und feste Burg. Sakralbau in Bremen seit 1945. Schriftenreihe Band 12, Zweite und aktualisierte Auflage, Bremen 2016, S. 118.
  21. Strotmann: Die Roselius'schen Gärten. Historische Gartenanlagen in Schwachhausen. Teil 2. In: Schwachhauser Magazin. Bremen 2014, S. 30–31.
  22. "Martin-Luther-Kirche Lauenbrück" Website der Martin-Luther-Kirche. Abgerufen am 7. August 2017.
  23. Adressbuch 1956
  24. Adressbuch 1957
  25. Strotmann: Die Roselius'schen Gärten. Historische Gartenanlagen in Schwachhausen. Teil 2. In: Schwachhauser Magazin. Bremen 2014, S. 30+31.
  26. Bremer Zentrum für Baukultur: Leichtes Zelt und feste Burg. Sakralbau in Bremen seit 1945. Schriftenreihe Band 12, Zweite und aktualisierte Auflage, Bremen 2016, S. 156.
  27. Bremer Zentrum für Baukultur: Leichtes Zelt und feste Burg. Sakralbau in Bremen seit 1945. Schriftenreihe Band 12, Zweite und aktualisierte Auflage, Bremen 2016, S. 210.