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Drezdenko (deutsch Driesen) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist dem Powiat Strzelecko-Drezdenecki (Kreis Friedeberg-Driesen) angegliedert.

Drezdenko
Wappen von Drezdenko
Drezdenko (Polen)
Drezdenko
Drezdenko
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Strzelecko-Drezdenecki
Gmina: Drezdenko
Fläche: 10,74 km²
Geographische Lage: 52° 50′ N, 15° 50′ OKoordinaten: 52° 50′ 21″ N, 15° 49′ 59″ O
Einwohner: 10.340
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 66-530
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSD
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 158: Gorzów Wielkopolski–Drezdenko
DW 160: Suchań–Miedzichowo
DW 164: Podlesiec–Drezdenko
DW 174: Drezdenko-Krzyż WielkopolskiCzarnków
DW 181: Drezdenko–DrawskoCzarnków
Schienenweg: Bahnhof Nowe Drezdenko: PKP-Linie 203 Kostrzyn nad Odrą–Tczew
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 27 Ortschaften
Fläche: 399,90 km²
Einwohner: 17.360
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 43 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0806023
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Maciej Pietruszak
Adresse: ul. Warszawska 1
66-530 Drezdenko
Webpräsenz: www.drezdenko.pl



Geografische LageBearbeiten

Drezdenko liegt in der Neumark auf einem Landkeil zwischen der Alten und der Faulen Netze. Die nächste größere Stadt ist Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe), 55 Kilometer in westlicher Richtung entfernt. Drezdenko liegt an keiner Fernstraße, jedoch an der Bahnstrecke Kostrzyn–Piła. Im Norden beginnt die Kroner Seenplatte mit dem Drawińskie-Nationalpark.

GeschichteBearbeiten

 
Driesen, um 1900
 
Driesen an der Netze nordwestlich der Stadt Posen und südwestlich der Stadt Schneidemühl auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)
 
Amtsgericht, erbaut 1887
 
Urkunde vom 22. Juli 1365 zu einem Grenzvertrag, in dem die seinerzeit im Besitz der Familie von der Osten befindliche Stadt Driesen genannt wird, deren Echtheit jedoch bezweifelt worden ist[2]

Vor dem Jahr 1000 erscheint der Ort unter dem Namen Osna, was ‚Fichtenwald‘ bedeuten soll.[3] Die erste Erwähnung von Driesen stammt aus dem Jahre 1233. Zu jener Zeit bildete die Netze die Grenze zwischen dem Herzogtum Pommern und dem Herzogtum Polen. Die polnische Befestigung Drzen auf einer Insel im Netzebruch wurde zu einem Zankapfel zwischen den beiden Herzogtümern. Angesichts der vielen Flussarme und Gräben der Netze bestand Uneinigkeit darüber, wo genau die Grenze bis zur Mündung des Flusses in die Warthe bei Zantoch verläuft. Deshalb wurde auch die dortige Schanze umkämpft. 1251 eroberte Herzog Barnim I. von Pommern Drzen, konnte die Burg aber nicht lange halten.

Durch die Heirat des Markgrafen Konrad I. mit Konstancja von Polen († 1281) kam Drzen zusammen mit Zantoch im Jahre 1260 als Heiratsgut an Brandenburg. Als die Polen 1273 Friedeberg zerstörten, eroberten sie Drzen zurück. Unter Markgraf Otto IV. nahmen die Brandenburger 1296 die Burg wieder ein und hielten sie bis 1309; als Władysław I. Ellenlang sie besetzte, blieb Drzen bis 1315 bei Polen. Markgraf Woldemar nahm sie erneut ein und verlieh sie 1317 an die Ritter Heinrich und Burkhard von der Osten.[4] In diesem Zuge wird erstmals auch die Stadt Driesen erwähnt. 1347 wird Driesen vom Wasserzoll befreit, der bei Zantoch erhoben wurde.[5] 1366 ließen sich die von der Osten Driesen und Zantoch auch vom polnischen König Kasimir dem Großen als Lehen reichen. Nach dessen Tode erkannten sie 1372 wieder die brandenburgische Lehnshoheit an.[2]

1402 ging Driesen als Teil der Neumark in den Besitz der Deutschordensritter über, die das Gebiet 1455 zurück an den Kurfürsten von Brandenburg verkauften. Wegen ihrer Lage am Fluss war die Stadt Driesen nicht ummauert, besaß aber drei Stadttore – das Deutsche, Polnische und das Holmtor. Zum Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt zum Sitz eines neun Dörfer umfassenden kurfürstlichen Amtes, dem sie als Immediatstadt aber nicht zugehörig war. 1603 ließ Kurfürst Joachim Friedrich die alte Burg (Schlossberg, nördlich der Stadt) auf der Gruse (östlich der Stadt) vom holländischen Festungsbaumeister Nicolas de Kamp durch eine fünfbastionige Festung ersetzen. Im Zuge der Kolonisation des Netze- und des Dragebruches entstanden eine Glashütte und 1604 eine Salzsiederei. Auch Bergbauversuche ordnete der Kurfürst an, diese wurden schon nach kurzer Zeit wegen Erfolglosigkeit wieder eingestellt.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die strategisch wichtige Festung vom kaiserlichen Heer besetzt und 1639 von den Schweden eingenommen, die dabei die Stadt niederbrannten. 1649 zogen die Schweden wieder aus Driesen ab. 1662 vernichtete ein Stadtbrand die gesamte Stadt. Im Siebenjährigen Krieg belagerten 1758 die Russen die Festung und hielten sie nach der Einnahme bis 1762. Da der Festungsbau im Krieg nicht seine Anforderungen erfüllt hatte, ließ Friedrich II. 1765 das zerstörte Bauwerk schleifen.

Unter der Leitung von Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff erfolgte in dieser Zeit eine großflächige Kolonisation des Netzebruches. Unterhalb der Stadt entstand das Flussbett der Neuen Netze. 1763 begann ebenfalls unter Brenkenhoff der Bau der „Neustadt“ zwischen der Stadt und der Festung. 1767 erfolgte der Bau der Synagoge. Wenig später folgte die Vorstadt vor dem polnischen Tor. Sowohl auf dem Gebiet des kurfürstlichen Amts als auch der Stadtkämmerei wurden Kolonien errichtet. 1811 erfolgte der Verkauf des Amtsbesitzes. Seit 1816 gehörte Driesen dem Landkreis Friedeberg Nm. an.

1898 wurde die katholische Kirche eingeweiht.

Von 1900 bis 1902 wurde eine massiv gebaute evangelische Kirche errichtet, ihre Vorgängerbauten waren dagegen Fachwerkbauten, wobei beim Stadtbrand von 1662 auch die Kirche zerstört wurde. Das Bauwerk von 1664 musste bereits 1752 wegen Einsturzgefahr abgerissen und ersetzt werden. Den von Architekten und preußischen Baubeamten Karl Wilde und Max Spitta aufgestellten Entwurf führten der zuständige Kreisbauinspektor Baurat Hohenberg und sein Mitarbeiter Regierungsbaumeister Zillmer aus. Am 3. April 1900 legte man den Grundstein. Die Einweihung der Kirche fand am 1. Juni 1902 statt. Die neue Orgel mit 30 Stimmen und elf Nebenregistern schuf Orgelbaumeister Wilhelm Sauer in Frankfurt (Oder). Das Orgelgehäuse stellte die Firma Gustav Kuntzsch, Anstalt für kirchliche Kunst, in Wernigerode nach einer im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten entworfenen Skizze her.[6] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche am 5. August 1945 zu einer katholischen Kirche umgeweiht, sie trägt heute den Namen Kirche der Verklärung.

Haupterwerbszweige in Driesen waren früher die Tuchmacherei und der Holzhandel. Die Lage der Stadt an der Trasse des 1857 eingeweihten Abschnitts der Preußischen Ostbahn zwischen Küstrin, Landsberg und dem Knotenpunkt Kreuz über den 1,5 Kilometer nördlich gelegenen Bahnhof Vordamm führte zur Ansiedlung von Industriebetrieben. Es entstanden eine Eisengießerei, eine Steingut- und eine Zündholzfabrik. Dagegen ging das Tuchmacherhandwerk nieder, da der auf den Osten orientierte Absatz durch die russischen Einfuhrzölle rapide zurückging. Im Jahre 1894 wurde der an der Netze bei der alten Burg gelegene Ort Kietz eingemeindet.

Die Grenzziehung durch den Versailler Vertrag entlang der Netze nach dem Ersten Weltkrieg führte für die meisten Unternehmen der Stadt zum Verlust ihrer Märkte, die ab 1920 in Polen lagen. Die Entwicklung der Stadt stagnierte, und die Einwohnerzahl sank. 1936 nahm die Grenzlandbahn, eine Nebenbahn nach Schwerin, ihren Betrieb auf. 1938 ging Driesen bei der Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen von der Provinz Brandenburg zusammen mit dem Kreis Friedeberg an die Provinz Pommern über.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im Januar 1945 die Driesener Altstadt kaum zerstört, bevor die Besetzung der gesamten Region durch die Rote Armee erfolgte. Nach Kriegsende wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Driesen erhielt nun den polnischen Namen Drezdenko. Die Bevölkerung der Stadt wurde in der Folgezeit vertrieben und durch Polen ersetzt.

Drezdenko gehörte von 1946 bis 1950 zur Woiwodschaft Posen, dann bis 1975 zur Woiwodschaft Zielona Góra und bis 1999 zur Woiwodschaft Gorzów.

EinwohnerzahlenBearbeiten

  • 1750: 0785[3]
  • 1772: 2029
  • 1840: 3643[3]
  • 1850: 3908, darunter 96 Juden[7]
  • 1860: 4039, darunter 92 Katholiken und 129 Juden[3]
  • 1875: 4255[8]
  • 1880: 4821[8]
  • 1905: 6359
  • 1925: 5837, darunter 450 Katholiken und 99 Juden[9]
  • 1933: 5886[8]
  • 1939: 5675[8]

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

  • Adam Krieger (1634–1666), deutscher Komponist und Kirchenmusiker
  • Karl Ludwig Hencke (1793–1866), deutscher Amateurastronom, Entdecker der Asteroiden Asträa und Hebe
  • Theodor Schönemann (1812–1868), deutscher Mathematiker, Gymnasialprofessor in Brandenburg an der Havel
  • Albert von Zimmermann (1813–1887), preußischer Generalmajor, Kommandant der Festung Saarlouis
  • Karl Ludwig Kahlbaum (1828–1899), deutscher Psychiater, Klinikleiter in Görlitz
  • Gustav Polensky (1846–1908), deutscher Bauunternehmer, Gründer von Polensky & Zöllner
  • Carl Spude (1852–1914), preußischer Landrat des Kreises Bochum
  • Fritz Polensky (1876–1959), deutscher Bauingenieur und Bauunternehmer, Mitinhaber von Polensky & Zöllner
  • Paul Volkmann (1914–1963), deutscher Journalist und Jugendbuchautor

Mit der Stadt verbundenBearbeiten

StädtepartnerschaftenBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof und Fernverkehrshalt Nowe Drezdenko liegt an der Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze, östlich davon liegt der Haltepunkt, ehemals Bahnhof, Stare Bielice, wo früher die Bahnstrecke Stare Bielice–Skwierzyna abzweigte, an der auch der Bahnhof Drezdenko lag.

Gmina DrezdenkoBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

Das Gebiet der Stadt- und Landgemeinde hat eine Fläche von 400 km², auf der 17.793 Einwohner (31. Dezember 2004) leben.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Stadt- und Landgemeinde umfasst die 27 Schulzenämter

  • Bagniewo (Sieb) mit Trzebicz
  • Młyn (Trebitschermühle)
  • Czartowo (Schartowswalde)
  • Drawiny (Dragebruch)
  • Goszczanowiec (Guschterholländer)
  • Goszczanowo (Guscht) mit Duraczewo
  • Goszczanówko (Guschterbruch)
  • Gościm (Gottschimm)
  • Górzyska (Bergdorf)
  • Grotów (Modderwiese) mit Jeleń (Bärenbruch)
  • Karwin (Hammer)
  • Kijów (Steinwerder)
  • Klesno (Salzkossäthen, Mühlendorf, Sehlsgrund)
  • Kosin (Neu Dessau)
  • Lipno (Liependorf) mit Tuczępy (Aarhorst)
  • Lubiatów (Lubiath)
  • Lubiewo (Brand)
  • Marzenin (Marienthal)
  • Modropole (Modderpfuhl)
  • Niegosław (Neu Anspach)
  • Osów (Neu Ulm)
  • Przeborowo (Friedrichsdorf, zuvor auch Neundorf/Niggerdorp) mit Hutniki und Lipowo
  • Rąpin (Eschbruch)
  • Stare Bielice (Alt Beelitz)
  • Trzebicz (Trebitsch)
  • Trzebicz Nowy (Trebitscherfeld)
  • Zagórze Lubiewskie (Langs Teerofen)
  • Zielątkowo (Schulzenwerder).

Drei Viertel des Gemeindegebietes sind Wälder.

LiteraturBearbeiten

  • W. Riehl, J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 453–455. (eingeschränkte Vorschau auf Google Bücher)
  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Band 3. Brandenburg 1856, S. 465–472. (eingeschränkte Vorschau auf Google Bücher)
  • Lucas David: Preußische Chronik. Band 8, Königsberg 1817, S. 127–139. (eingeschränkte Vorschau auf Google Bücher)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b Carl Wilhelm von Lancizolle: Geschichte der Bildung des preußischen Staats. Erster Theil. Erste (und zweite) Abtheilung. Nicolaische Buchhandlung, Berlin / Stettin 1828, S. 288 ff. (eingeschränkte Vorschau auf Google Bücher)
  3. a b c d Riehl und Scheu (1861), S. 453–455.
  4. Berghaus (1856), S. 414.
  5. Berghaus (1856), S. 460–461.
  6. Die neue evangelische Kirche in Driesen. In: Centralblatt der Bauverwaltung, 22. Jahrgang 1902, Nr. 103, S. 637 ff. (insbesondere S. 639)
  7. Berghaus (1856), S. 466. (eingeschränkte Vorschau auf Google Bücher)
  8. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. friedeberg.html#ew39edriesen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. http://stadt.driesen.kreis-friedeberg.de/