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Dirk Jora

deutscher Sänger der deutschen Punkbands Slime, C.I.A. und Rubberslime
Dirk Jora 2016

Dirk Jora (auch: „Dicken“, „DJ Celtic“, „Swami Assango“; geboren 1960 in Hamburg-Hamm) ist der Sänger der Punkband Slime. Er sang außerdem bei C.I.A. und Rubberslime.

Inhaltsverzeichnis

Leben und KarriereBearbeiten

Jora ist als Sohn eines Matrosen und einer Hausfrau mit Schlagermusik groß geworden. Als Teenager radikalisierte er sich in der Hamburger Hausbesetzerszene. Er sang zunächst in der Band The Kreislaufkollaps.[1]

1979 wurde er unter dem Namen „Dicken“ Mitglied der Punkband Slime, die kurze Zeit zuvor vom Gitarristen Michael „Elf“ Mayer, Bassisten Sven „Eddie“ Räther und Schlagzeuger Peter „Ball“ Wodok gegründet wurde. Als Sänger und Frontmann trägt er einen großen Mitverdienst an dem Erfolg der Band.[2]

Slime löste sich kurz nach der Veröffentlichung ihrer vierten Platte Live in Berlin 1984 einstweilig auf, unter anderem wegen eines gespaltenen Verhältnisses zur Szene. So erklärte der Schlagzeuger Stephan Mahler: „Uns ging der Vorwurf, kommerziell geworden zu sein, furchtbar auf die Nerven. (...) Auf der anderen Seite waren wir für andere, große Teile der Punkszene die “Helden”. (...) Wir wollten keine Helden sein und einige Leute wollten uns dazu machen. Wir sahen damals keine andere Lösung als aufzuhören.”[3] Dennoch spielte die Band in alter Besetzung weiterhin vereinzelte Konzerte. 1990 kam es zu einer Reunion und es entstanden die beiden Alben Viva la Muerte und Schweineherbst. 1994 kam es erneut zur Trennung der Band.

1998 gründete Jora mit seinem früheren Bandkollegen Elf die Band C.I.A. Es folgten das Album Codename Freibeuter und eine kurze Tour, danach stieg Jora aus der Band aus und C.I.A. löste sich auf.[4] C.I.A. veröffentlichte außerdem in Zusammenarbeit mit Axel Kurth von der Band WIZO und Bela B. eine Coverversion von Rio Reisers Lied König von Deutschland.

2003 gründete sich aus ehemaligen Mitgliedern der Bands Slime und Rubbermaids die Band Rubberslime. Anlass für die Gründung dieser Supergroup war ein Solidaritätskonzert für den FC St. Pauli. Für den Verein schrieb die Band auch den Song Viva St. Pauli. Jora trat nun in Anlehnung an seinen Lieblingsverein Celtic Glasgow unter dem Namen DJ Celtic auf und trug auch oftmals das Trikot des Clubs. Es entstanden die Alben First Attack (2004) und Rock'n'Roll Genossen (2005). 2005 trennte sich die Band aus persönlichen Gründen von Jora.

2008 wirkte Jora als Interviewpartner in dem Punkfilm Chaostage – We Are Punks! (Regie: Tarek Ehlail) mit. Auch alte Hits von Slime fanden ihre Platzierung im Kinofilm.

Seit 2010 haben sich Jora und Elf mit neuen Bandmitgliedern erneut zur Band Slime zusammengefunden und treten regelmäßig auf verschiedenen Bühnen auf.

SonstigesBearbeiten

Als es bei einem Konzert in den Berliner Pankehallen 1984 zu einer Auseinandersetzung mit Rechtsextremen kam, schrie Jora in einer berühmt gewordenen Ansage: "Passt auf, ihr Scheißer - ja? Uns ist das völlig egal, ob jemand aus Berlin kommt, aus Hamburg oder sonst woher. Ist uns völlig scheißegal, verstehst du? Scheißegal, ob jemand schwarz ist oder weiß, scheißegal, ob jemand Türke ist oder Deutscher, scheißegal! Versteht ihr mich, ihr Wichser? Ja? Und all die Leute haben Bock drauf, dass wir spielen. Und ihr kleiner Scheißhaufen werdet dieses Konzert nicht in' Arsch machen, sonst gibt es auf die Fresse, so satt und lang, wie ihr noch nie in eurem Leben auf die Fresse gekriegt habt! Klar, oder was?"[5]

Einem Booklet von Slime zufolge waren, nachdem das Lied Polizei SA/SS verboten wurde, während eines Konzerts vierzig Polizisten unter der Bühne versteckt. Für den Fall, dass die Band das Lied doch spielen würde, sollten sie die Veranstaltung auflösen. Dirk Jora berichtete den Konzertbesuchern von den wartenden Beamten und anschließend spielte die Band das verbotene Lied. Die Polizisten seien angeblich aus Angst vor der aufgebrachten Meute unter der Bühne geblieben.

DiskografieBearbeiten

Mit SlimeBearbeiten

Mit C.I.A.Bearbeiten

Mit RubberslimeBearbeiten

GastbeiträgeBearbeiten

  • 1987: Goldene ZitronenFür immer Punk auf Porsche, Genscher, Hallo HSV
  • 1988: The Legendary Nice Boys – My Youngest Son auf Hamburg ’88 (Sampler)
  • 2012: DeichkindDie rote Kiste auf Befehl von ganz unten
  • 2014: Die MimmisAll Cooks Are Bastards auf Fun Punks Not Dead
  • 2017: Antilopen Gang110 auf Atombombe auf Deutschland
  • 2017: Swiss und Die AndernWir Gegen Die auf Wir Gegen Die (EP)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daniel Ryser: Slime - Deutschland muss sterben. Wilhelm Heyne Verlag, München.
  2. Der Freitag: Faust hoch!
  3. Slime: Bandgeschichte
  4. Slime: Kurzbio Dirk
  5. taz: Action und Arbeiterklasse