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Chaostage – We Are Punks!

Film von Tarek Ehlail (2008)

Chaostage – We Are Punks! ist ein deutscher Independentfilm des Regisseurs Tarek Ehlail. Der Episodenfilm beruht auf dem Roman Chaostage des Zap-Herausgebers Moses Arndt. Für die Realisierung des Films konnte Ehlail zahlreiche bekannte Darsteller inner- und außerhalb der Punk-Szene gewinnen.

Filmdaten
OriginaltitelChaostage – We Are Punks!
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2008
Länge91 Minuten
AltersfreigabeFSK 18[1]
Stab
RegieTarek Ehlail
DrehbuchTarek Ehlail
Moses Arndt (Vorlage)
ProduktionTarek Ehlail
Benjamin Eicher
Timo Joh. Mayer
MusikAlec Empire
KameraMarc André Misman
SchnittLars Doneith
Besetzung

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Der Film hat keine stringente Handlung, sondern entwickelt sich aus mehreren Episoden hin zu einer Straßenschlacht zwischen neonazistischen Skinheads, Punks und der Polizei. Die einzelnen Szenen werden dabei von verschiedenen Szeneikonen, wie Moses Arndt (Herausgeber des Fanzines Zap und Verfasser des gleichnamigen Romans), Wolfgang Wendland, Karl Nagel, Ben Becker, „Tommy“ Koeppe (Molotow Soda), Willi Wucher (Sänger von Pöbel & Gesocks), Dirk Jora (Sänger von Slime), Wally Walldorf (Sänger von Toxoplasma), Tobias Scheiße (Hammerhead), Mike Spike Froidl, Archi Alert, Mirco „Micro“ Bogumil (ehemals Abstürzende Brieftauben) und Babette G. (The Vageenas) kommentiert.

Die Episoden handeln im Einzelnen von:

  • Didi, der unter Depressionen leidet, seit seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat und nun ihr nymphomanisches Dasein auslebt und sich als Striptease-Tänzerin ihr Geld verdient. Er besäuft sich allein in seiner Punk-WG und ertrinkt in der volllaufenden Badewanne. Durch das Gewicht des Wassers stürzt die Decke des Supermarkts ein.
  • Mitch, der eine Rechnung mit der Polizei zu begleichen hat und seinen Widersacher Kommissar Brunner und dessen Kollegen Severin (Bruder von Anita) mit einem Scharfschützengewehr erschießt.
  • Anita, Gespielin von Nazi-Skin Eddie und Schwester von Severin, die auch mit Mitch flirtet
  • einer Gruppe von Punks auf dem Weg zu und bei einem Konzert der Deutschpunk-Band Toxoplasma
  • einer Naziclique um Anführer Eddie, der mit S/M-Schwulenpornos sein Geld verdient

Nachdem die Decke des Markts eingestürzt ist, informieren die Punks alle ihre Freunde und veranstalten ein Freibierfest, das jedoch von der Polizei und den Neonazis (die Vergeltung für das Verprügeln eines „Kameraden“ wollen) gestört wird. Es entstehen Krawalle, die die Stadt in Schutt und Asche legen. Die Punk-Band Pestpocken spielt dazu auf. Mitch und Anita wollen zusammen durchbrennen und sehen die Krawalle vor Didis Wohnung. Mitch tritt aufs Gas. Der Film lässt offen, wie es mit den beiden weitergeht.

LiteraturvorlageBearbeiten

Auch wenn der Filmtitel Bezug auf die Chaostage nimmt und zum Teil auch Ausschnitte dieser Punkertreffen zu sehen sind, ist der Film in erster Linie eine filmische Aufbereitung des Romans von Moses Arndt.[2]

HintergrundBearbeiten

Chaostage wurde mit einem Minimalbudget von 70.000 Euro von Sabotakt Films (Ehlails Filmproduktion), Los Banditos Films (Benjamin Eicher und Timo Joh. Mayer), sowie Claude-Oliver Rudolphs DeChristo Media realisiert. Zudem wurde der Film durch eine Reihe von Sponsoren und auch durch die saarländische Filmförderung unterstützt. Gedreht wurde überwiegend in Homburg und im Umkreis von Saarbrücken. Der Auftritt von Toxoplasma wurde als Gratiskonzert im alten AJZ Homburg am Homburger Bahnhof realisiert und stellte eine der letzten Veranstaltung vor dem Umzug in den Homburger Stadtteil Erbach dar. Die meisten Darsteller stammen aus der Punkszene und wurden durch ein überregionales Casting oder vor Ort, im Rahmen zweier Gratiskonzerte, gefunden. Mit Ralf Richter, Claude-Oliver Rudolph, Stipe Erceg, Martin Semmelrogge und Helge Schneider sind aber auch namhafte Gäste im eigentlichen Filmgeschehen zu sehen.[2][3]

Der Soundtrack wurde von Alec Empire (Atari Teenage Riot) erstellt. Neben den im Film auftretenden Bands sind weitere Bands aus der Punkszene vertreten. Die Soundtrack-CD umfasst 24 Lieder und wurde von Nix-Gut Records veröffentlicht.[4] Das Album wurde am 21. Mai 2013 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.[5]

VeröffentlichungBearbeiten

Der Film wurde am 3. Oktober 2008 in Hannover, der Stadt der realen Chaostage, uraufgeführt. Im Vorfeld kam es zu Ausschreitungen zwischen enttäuschten Besuchern eines Punk-Konzertes, denen der Eintritt verwehrt wurde, und der Polizei. Bei der Randale wurden 74 Personen festgenommen, es gab 22 Verletzte, darunter vier Polizisten. Die anschließende Premiere verlief jedoch ruhig.[6] Die eigentliche Premiere fand am 30. Januar 2009 beim Filmfestival Max Ophüls Preis statt. Der Film lief jedoch nicht im Wettbewerb.[7][8]

Chaostage wurde von der FSK mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren freigegeben und erschien über Sabotakt Film als DVD.[9]

KritikBearbeiten

Chaostage – We Are Punks! ist in erster Linie ein Film von Punks für Punks. Doch auch bei diesen stieß der Film nicht überall auf Gegenliebe. So wurde Regisseur Tarek Ehlail dafür kritisiert, dass die Polizei und Coca-Cola als Sponsoren auftraten. In der Szene wurde der Film jedoch überwiegend positiv aufgenommen.[10] Von der allgemeinen Filmkritik hingegen wurde er überwiegend negativ bewertet.

„Die Interviews werden in derartigen Minihäppchen serviert, dass kaum jemals Interessantes zu erfahren ist. Natürlich ist der schnelle, aggressive Schnitt Programm, und hin und wieder geriert er in Kombination mit der collagenhaften, ‚dreckigen‘ Ästhetik eine stimmige Übertragung der Musik- in die Bildsprache – doch bleibt diese rein äußerlich, inhaltlich vermittelt sich darüber wenig. Zumindest eine Erkenntnis lässt sich doch noch mitnehmen: Wo sich Faschos und Punks gegenseitig in nichts nachstehen, jedenfalls wenn man diesen Film zugrunde legt, ist das Frauenbild. Das definiert sich im einen wie im anderen Milieu über den rein sexistischen Blick.“

Katharina Zeckau: film-dienst[11]

„Um es kurz zu machen: Chaostage – We are Punks! ist kein guter Film – zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Und will es vermutlich auch nicht sein. Getreu der Punkdevise des Do it yourself, die den Dilettantismus zum Wirkprinzip erhob, sucht – und findet – der nobel besetzte Film den Trash und wird so seine Zielgruppe sicherlich erreichen. Chaostage, so Tarek Ehlail in einem Interview mit Jan Sedelies der Peiner Allgemeinen Zeitung‚ sollte entweder mit einem Augenzwinkern oder mit drei Promille geschaut werden.‘ Na denn Prost!“

Joachim Kurz: Kino-Zeit.de[12]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Chaostage – We Are Punks! Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, April 2009 (PDF; abgerufen am 13. Februar 2018).
  2. a b CHAOSTAGE – DER FILM. Ox-Fanzine, Nr. 72, 2007, abgerufen am 28. Februar 2011.
  3. Chaostage – Das Magazin. (PDF) Offizielle Website, abgerufen am 28. Februar 2011.
  4. OST: Chaostage – We Are Punks. Discogs, abgerufen am 28. Februar 2011.
  5. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien: Bekanntmachung Nr. 6/2013 über jugendgefährdende Trägermedien vom 21. Mai 2013.
  6. Punkerrandale in Hannover. Express, 4. Oktober 2008, abgerufen am 20. Mai 2017.
  7. Chaostage- We are Punks ! Beim Filmfestival Max Ophüls Preis ! lifepr, 13. Januar 2009, abgerufen am 28. Februar 2011.
  8. Festival-Premiere von Chaostage – We Are Punks. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Filmfestival Max Ophüls Preis, 23. Januar 2009, ehemals im Original; abgerufen am 28. Februar 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/www.max-ophuels-preis.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Chaostage – We Are Punks in der Online-Filmdatenbank
  10. Ullah: Gegengerade – Drehbericht und Interview. In: Plastic Bomb. Nr. 74, 2011, S. 60–61.
  11. zitiert nach Kritikübersicht CHAOSTAGE. (Nicht mehr online verfügbar.) Film-zeit, archiviert vom Original am 21. Januar 2015; abgerufen am 28. Februar 2011.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.film-zeit.de
  12. Joachim Kurz: Kritik. Kino-Zeit.de, 9. April 2009, abgerufen am 28. Februar 2011.