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Der Mann aus dem Eis

Film von Felix Randau aus dem Jahr 2017

Der Mann aus dem Eis ist ein deutsch-italienisch-österreichischer Abenteuerfilm von Felix Randau, der am 8. August 2017 im Rahmen des Internationalen Filmfestivals von Locarno seine Premiere feierte. Die Geschichte des Films ist in prähistorischer Zeit in der Jungsteinzeit angesiedelt.

Filmdaten
Originaltitel Der Mann aus dem Eis
Produktionsland Deutschland, Italien, Österreich
Erscheinungsjahr 2017
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Felix Randau
Drehbuch Felix Randau
Produktion Jan Krüger
Kamera Jakub Bejnarowicz
Besetzung

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Vor über 5.000 Jahren, während der Jungsteinzeit in den Ötztaler Alpen in Südtirol hat sich ein neolithischer Clan in der Nähe eines Baches niedergelassen. Ziegen und Schweine bilden ihre Nahrung, Pelze sorgen für die nötige Wärme, und in Ritualen leben sie Zusammenhalt und Gemeinschaft. Ihr Führer Kelab spürt eine große Verantwortung, der Hüter des heiligen Schreins der Tineka zu sein. Während sich Kelab auf der Jagd befindet wird seine Siedlung angegriffen und dessen Mitglieder brutal ermordet. Unter den Toten befinden sich auch Kelabs Frau und sein Sohn. Nur ein Neugeborenes hat den Abgriff überlebt. Auch der Schrein der Tineka ist verschwunden.

Von Schmerz und Wut geblendet sinnt Kelab auf Rache, doch die Verfolgung der Angreifer entwickelt sich für ihn zu einer wahren Odyssee. Er muss nicht nur gegen die Kräfte der Natur kämpfen, die im Hochgebirge auf ihn warten, sondern auch um sein Überleben und das des Kindes. Als Kelab endlich den Mördern seines Clans gegenübersteht, muss er versuchen, nicht selbst zu deren Opfer zu werden, und seine Gier nach Rache vermischt sich mit ungewollter Barmherzigkeit. Letztlich erkennt er, dass Vergeltung ihm seine Liebsten nicht zurückbringen wird.

HintergrundBearbeiten

 
Um Ötzi herum wur­de im Film eine Le­bens­ge­schich­te erdacht

Der „Mann vom Tisenjoch“, bald nach seiner Auffindung im September 1991 unter dem Spitznamen Ötzi weltweit bekannt geworden, gilt als der wichtigste Mumien-Fund aus der Endphase der Jungsteinzeit in Europa. Seine Leiche blieb als gefriergetrocknete Mumie im Eis des Similaungletschers in den Ötztaler Alpen erhalten, woher der Spitzname oder auch die Bezeichnung Gletschermann rührt. Zudem wurden bei seiner Leiche typische Gerätschaften der Jungsteinzeit, wie Pfeil und Bogen und ein Kupferbeil, gefunden, das laut neuesten Analysen aus südtoskanischem Erz gewonnen wurde. Mit diesem Beil war es ihm möglich gewesen, Bäume zu fällen. Ötzi trug eine Jacke, die aus Ziegen- und Schaffellen hergestellt wurde.

Mithilfe der Radiokohlenstoffdatierung wurde der Todeszeitpunkt des Mannes auf die Zeit zwischen 3359 und 3105 v. Chr. bestimmt. Im Jahr 2007, sechs Jahre, nachdem man auf Röntgenaufnahmen der Mumie eine Pfeilspitze entdeckt hatte, wurde ein schlüssiges Szenario publiziert, wonach Ötzi wahrscheinlich durch eine Pfeilattacke getötet wurde.[2]

ProduktionBearbeiten

Stab und FinanzierungBearbeiten

Ein ursprünglich geplanter Filmtitel lautete Iceman, der Arbeitstitel lautete Rache. Regie führte Felix Randau, der auch das Drehbuch schrieb und hierbei um Ötzi herum eine fiktive Lebensgeschichte erdachte und dessen letzte Tage zu rekonstruieren versuchte. Randau beginnt den Film mit einem eingeblendeten Text, der den Zuschauer darüber informiert, dass die Figuren in einer frühen rätischen Sprache sprechen und dass keine Übersetzung erforderlich sei, um die Geschichte zu verstehen.[3] Dies sei eine kluge Entscheidung, so Alan Hunter von Screen Daily, denn selbst die besten Untertitel hätten seiner Ansicht nach den Zauber dieses Versuches, eine neolithische Kultur vorzustellen, zerstört. Auch wenn es keinen Dialog gebe, die man verstehen könnte und die Erzählung selbst einfach sei, so Hunter, interessiere man sich für die überzeugende Welt, die im Film dargestellt werde.[3] Andrey Arnold bemerkt in Die Presse, die Abwesenheit verständlicher Sprache akzentuiere zudem die Sinnlichkeit von Bild und Ton.[4]

Der Film wurde mit 316.000 Euro vom FilmFernsehFonds Bayern gefördert. Von der Staatsministerin für Kultur und Medien erhielt der Film eine Produktionsförderung in Höhe von 350.000 Euro[5], vom Medienboard Berlin-Brandenburg in Höhe von 250.000 Euro[6] und von Business Location Südtirol in Höhe von 560.000 Euro. Des Weiteren erhielt der Film vom Staatsministerin für Kultur und Medien eine Verleihförderung von 40.000 Euro, vom FilmFernsehFonds Bayern von 40.000 Euro und vom Medienboard Berlin-Brandenburg von 30.000 Euro.

Besetzung und DreharbeitenBearbeiten

Jürgen Vogel übernahm die Rolle von Kelab, dessen mumifizierte Leiche fast 5.300 Jahre später in den Ötztaler Alpen gefunden werden soll und von der Fachwelt den Namen Ötzi erhält. Susanne Wuest spielt seine bei dem Überfall getötete Partnerin Kisis. Die Südtiroler Nachwuchsschauspieler Paula Renzler und Martin Augustin Schneider spielen im Film Rasop, die Tochter des Steinzeitmenschen, und Gosar, den Sohn des verfeindeten Stammeshäuptlings.[7] Die Rolle der "Alten Frau/Hebamme" spielt die Südtirolerin Ann Birgit Höller.https://www.crew-united.com/?show=memberdetail&ID=356264 In weiteren Rollen sind André Hennicke, Franco Nero und Sabin Tambrea zu sehen. Die Dreharbeiten fanden zwischen 15. August und 1. Oktober 2016 im italienischen Südtirol, so im Passeiertal, im Schnalstal und im Pfitschtal[7], und damit dem tatsächlichen Lebensraum und Fundort von Ötzi statt. Als Kameramann fungierte Jakub Bejnarowicz. Christian Horn von der Gilde deutscher Filmkunsttheater bemerkt, Bejnarowicz habe das Hochgebirge an den Südtiroler Drehorten nicht in romantischen Heimatfilmmotiven gefilmt, sondern als das, was die Natur für die Menschen der Jungsteinzeit bedeutete: Eine Gefahr für Leib und Leben. Symptomatisch hierfür stehe eine betont lange Kamerafahrt einen Berghang hinauf, an deren Ende Kelab wie ein fragiler Punkt in rauer Wildnis wirke, so Horn.[8] Die Kostüme entwarf Cinzia Cioffi.

VeröffentlichungBearbeiten

Am 8. August 2017 feierte der Film im Rahmen des Internationalen Filmfestivals von Locarno in Anwesenheit des Regisseurs, des Produzenten Jan Krüger und vieler der Schauspieler, darunter Hauptdarsteller Jürgen Vogel[9], seine Weltpremiere[10], wo er auf der Freiluftleinwand der Piazza Grande gezeigt werden sollte[4], dann jedoch aufgrund schlechten Wetters in einem Kino vorgeführt wurde. Ab 7. Oktober 2017 wurde der Film beim Filmfest Hamburg gezeigt[11][12], wo er für den Art Cinema Award nominiert war.[13] Am 30. November 2017 soll der Film offiziell in die deutschen Kinos kommen.[14]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

Alan Hunter Screen Daily sagt, Iceman sehe beeindruckend aus, mit den gezeigten schneebedeckten Bergpfaden, den mörderischen Eisstürmen und hohen Gipfeln, die die physische Herausforderung von Kelab vermitteln, besonders eine Szene, in der sein schneller Abstieg in eine Gletscherspalte gezeigt wird, aus der es keine Hoffnung auf Rettung zu geben scheint. Die gezeigte Gewalt sei der Ära angemessen, so Hunter, in der nur die Stärksten überlebten. Über Hauptdarsteller Jürgen Vogel sagt Hunter, in der Rolle des verbitterten und traurigen Kelab trage dieser zu einem großen Teil dazu bei, dass der Film überzeuge.[3]

In der österreichischen Tageszeitung Die Presse beschreibt Andrey Arnold das Resultat als eine Kreuzung aus Braveheart und The Revenant. Die urtümliche Kraft, die vom Film ausgehe, sei dessen Ästhetik geschuldet, und die Wucht der archaischen Naturkulissen komme darin voll zur Geltung. Allgemein setze die Regie gern auf brachialnaturalistische Unmittelbarkeitseffekte, so Arnold, und nennt neben der drückenden Enge des Gletscherspalts auch die ruppige Brutalität eines Zweikampfs im Wald.[4]

AuszeichnungenBearbeiten

Filmfest Hamburg 2017

  • Nominierung für den Hamburger Produzentenpreis für Europäische Kino-Koproduktionen
  • Nominierung für den Art Cinema Award[15]

Internationales Filmfestival von Locarno 2017

  • Nominierung für den Variety Piazza Grande Award (Felix Randau)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Der Mann aus dem Eis. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 169078/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. E. Egarter Vigl, P. Gostner: Insight: Report of Radiological-Forensic Findings on the Iceman. In: Journal of Archaeological Science. Band 29, Heft 3, 2002, S. 323–326 doi:10.1006/jasc.2002.0824
  3. a b c Alan Hunter: 'Iceman': Locarno Review In: screendaily.com, 8. August 2017.
  4. a b c Andrey Arnold: Ötzis Rachetrip durch Schnee und Klischees In: Die Presse, 9. August 2017.
  5. Staatsministerin für Kultur und Medien, Grütters, fördert Film- und Drehbuchprojekte mit rund 5,7 Mio. Euro In: 8. Juni 2016.
  6. Berlin-Brandenburger Drehsaison läuft! Medienboard fördert neue Projekte von Wenders, Schweiger, von Trotta, Buck, Šuba, Schmid & Liefers In: .medienboard.de, 2. Mai 2016.
  7. a b Filmfestival Locarno: Uraufführung für 'Iceman' In: tol.it, 8. August 2017.
  8. https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/der-mann-aus-dem-eis/
  9. http://www.mediabiz.de/film/news/foto-des-tages-der-mann-aus-dem-eis-feiert-weltpremiere-in-locarno/421049
  10. Programm des 70. Filmfestivals von Locarno In: pardo.ch. Abgerufen am 6. August 2017. (PDF; 12,1 MB)
  11. Filme von A-Z In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 29. September 2017.
  12. Johanna Klug: Jürgen Vogel spricht über den Tod. FINK.HAMBURG, 11. Oktober 2017, abgerufen am 12. Oktober 2017.
  13. Der Mann aus dem Eis In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 5. Oktober 2017.
  14. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 6. August 2017.
  15. Der Mann aus dem Eis In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 5. Oktober 2017.