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Daniel Prenn

deutscher Tennis- und Tischtennisspieler
Daniel Prenn (links) mit Hans Moldenhauer

Daniel Prenn (* 7. September 1904 in Vilnius, Litauen; † 3. September 1991 in Dorking, Surrey, Vereinigtes Königreich) war ein deutscher Tennis- und Tischtennisspieler. Bis zu seiner Flucht aus Deutschland im April 1933 war der jüdische Prenn einer der erfolgreichsten deutschen Tennisspieler.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Prenn kam 1904 in Vilnius zur Welt, dass damals zum Russischen Kaiserreich gehörte und wuchs zunächst in Sankt Petersburg auf. Nach der Februarrevolution 1917 entwickelte sich eine antijüdische Stimmung und die Familie beschloss – wie viele andere Juden auch – in den Westen überzusiedeln. 1920 ließen sich die Prenns schließlich in Berlin nieder. Daniel Prenn studierte an der Technischen Universität in Charlottenburg. Er wurde Mitglied von Rot-Weiß Berlin, wo er auch den russischen Schriftsteller Vladimir Nabokov kennenlernte und so Anschluss an die aristokratischen Kreise bekam. Er war in verschiedenen Sportarten aktiv, bevor er sich für Tennis entschied. Trotz der Inflation 1923/1924 blieb er in der deutschen Hauptstadt.[1] Er spielte auch für den SV Zehlendorfer Wespen.[2] 1928 gewann er das Herreneinzel bei den Internationalen Tennismeisterschaften von Deutschland in Hamburg gegen Hans Moldenhauer. 1929 schloss er sein Ingenieurstudium ab.[1] Von diesem Zeitpunkt an bis 1932 belegte er Platz 1 in der deutschen Rangliste.

In Berlin erreichte Prenn 1929 mit der deutschen Mannschaft das Finale im Davis Cup. Beim Spiel gegen das englische Team, zu dem Fred Perry gehörte, gewann er nach großem Kampf gegen den englischen Spitzenspieler Henry „Bunny“ Austin in 5 Sätzen. Damit hatte er maßgeblichen Anteil am Sieg des deutschen Teams, das so Sieger in der Europazone wurde. Insgesamt bestritt er von 1928 bis 1932 31 Spiele im Davis Cup (22 Einzel und 9 Doppel) von denen er 21 Spiele gewann. Beachtet wurde auch sein Sieg 1932 über den Amerikaner Frank Shields, worauf ihn ein amerikanisches Tennismagazin als „Europe’s number one man“ bezeichnete. In den Weltranglisten wurde er inzwischen unter den ersten Zehn geführt: Platz 8 in der Rangliste von Bill Tilden (1929), Rang 7 in der Liste von Arthur Wallis Myers (1932).

Der Einschnitt in Prenns Karriere und Leben erfolgte 1933. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten schloss der Deutsche Tennis Bund (DTB) jüdische Spieler nach und nach aus dem Vereinsleben aus,[3] sie erhielten z. B. keine Teilnahmeberechtigung für die internationalen Turniere. Daniel Prenns Name wurde ausdrücklich als einer derjenigen genannt, die nicht für den Davis-Cup 1933 gemeldet werden sollten.[1] Für Prenn, zu diesem Zeitpunkt Sechster in Myers' Weltrangliste, bedeutete dies das Ende seiner Karriere. Prenn, der sich im April 1933 im Ausland aufhielt, kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück, sondern emigrierte mit seiner Ehefrau Charlotte nach England und nahm die britische Staatsbürgerschaft an. Der Ausschluss Prenns löste im Ausland einige Reaktionen aus, da er im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 in Deutschland als ein prominentes Opfer nationalsozialistischer Rassenpolitik im Sport war.[4] Henry Austin und Fred Perry – Mitglieder der gegnerischen britischen Davis-Cup-Mannschaft im Vorjahr – kritisierten in einem offenen Brief in The Times diesen Vorgang. Der schwedische König Gustav V. soll nach einem Empfang bei Hindenburg und Hitler auf ein Tennismatch mit Prenn bestanden haben.

Prenn spielte in England noch einige Jahre Tennis, ohne aber die frühere Spielstärke wieder zu erlangen. Der Diplom-Ingenieur eröffnete ein Büro für Kommunikationstechnik und brachte es hiermit zu großem Wohlstand. 1955 gewann sein ältester Sohn Oliver (* 1938) den Juniorentitel bei den Wimbledon Championships. Daniel Prenn starb 1991 wenige Tage vor seinem 87. Geburtstag als wohlhabender Mann in England.

TischtennisBearbeiten

Prenn nahm 1926 mit der deutschen Mannschaft an der 1. Tischtennisweltmeisterschaft in London teil, man belegte den 7. Platz. 1928 wurde er in der deutschen Rangliste auf dem 2. Rang geführt.

Ergebnisse aus der ITTF-DatenbankBearbeiten

Verband Veranstaltung Jahr Ort Land Einzel Doppel Mixed Team
GER  Weltmeisterschaft[5]  1926  London  ENG   letzte 32  Viertelfinale  keine Teiln. 

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Julia Deiss: Der Emigrant. In: Deutscher Tennis Bund (Hrsg.): Tennis in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Duncker & Humblot, Berlin 2002. ISBN 3-428-10846-9.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Marshall Jon Fisher: A Terrible Splendor: Three Extraordinary Men, a World Poised for War, and the Greatest Tennis MatchEver Played, Crown/Archetype 2009, ISBN 9780307452146, Seite 56f.
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 11. September 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zehlendorfer-wespen.de
  3. Hans-Jürgen Kaufhold: Vom Licht ins Dunkel. Aus: Tennis in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2002, S. 136f.
  4. Arnd Krüger: Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung. Ihre außenpolitische Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der USA. Sportwissenschaftliche Arbeiten, Bd. 7 Berlin: Bartels & Wernitz 1972.
  5. Daniel Prenn Ergebnisse aus der ITTF-Datenbank auf ittf.com (abgerufen am 14. September 2011)