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Cravant (Yonne)

Gemeinde im Département Yonne, Frankreich

Cravant ist eine Commune déléguée in der französischen Gemeinde Deux Rivières mit 852 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) in der Region Bourgogne-Franche-Comté im Département Yonne.

Cravant
Wappen von Cravant
Cravant (Frankreich)
Cravant
Gemeinde Deux Rivières
Region Bourgogne-Franche-Comté
Département Yonne
Arrondissement Auxerre
Koordinaten 47° 41′ N, 3° 42′ OKoordinaten: 47° 41′ N, 3° 42′ O
Postleitzahl 89460
Ehemaliger INSEE-Code 89130
Eingemeindung 1. Januar 2017
Status Commune déléguée
Website http://www.cravant-yonne.fr/

Unteres Stadttor Porte d’Orléans

Am 1. Januar 2017 wurde die Gemeinde mit Accolay zur Commune nouvelle Deux Rivières zusammengeschlossen. Die Gemeinde Cravant war dem Kanton Vermenton und dem Arrondissement Auxerre zugeteilt.

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt 18 Kilometer südlich von Auxerre an der Route nationale 6. In Cravant mündet die Cure in die Yonne. Durch das ehemalige Gemeindegebiet führt der Canal du Nivernais.

Auffällig sind die zahlreichen Kalksteinbrüche am Dorfrand, die unter dem Namen Carrières de la Palotte bekannt sind. Es handelt sich um einen unterirdischen Komplex von fast 35 Hektar Ausdehnung, der drei Höhlengänge und ebenso viele Hauptgalerien von fast 20 Meter Höhe umfasst.

GeschichteBearbeiten

NameBearbeiten

Cravan(t) ist eine keltische Wortkombination. Als ursprüngliches Cor-Ban wurde der Name zur gallo-römischen Zeit latinisiert, wobei es zur üblichen Lautverschiebung von b nach v kam. Cor bedeutet „Zusammenfluss“, Ban „Burg“. Cor-Ban ist somit jene Siedlung, wo die Cure in die Yonne mündet. Folgende Toponyme sind bekannt: Crevennum oder Crevannum im 9. Jahrhundert, Crevan vom 17. bis zum 18. Jahrhundert und schließlich Cravant.[1]

ChronikBearbeiten

Ein königliches Schreiben aus dem Jahre 1384 bezeichnet Crevan(t) als „den ersten Hafen an der Yonne, wo die Weine aus Beaune und dem Burgund für den Pariser Markt eingeschifft werden.“ Im selben Jahr gab König Karl VI. die Erlaubnis zur Befestigung der Stadt, um den Handel zu schützen.[2] Die äußere Fortifikation bestand ursprünglich aus einer Stadtmauer (nur deren Reste sind heute noch klar erkennbar) und drei Stadttoren sowie der Burg mit einem Donjon. Das untere Stadttor wurde Porte d’Orléans genannt, das obere Porte de la Poterne und das seitliche – nach einem ehemaligen Weiler – Porte d’Arbaud (auch Porte d’Arbault geschrieben).

 
Einer der Eingänge zum ehemaligen Flugzeugwerk

Im Zuge des Hundertjährigen Krieges wurden am 31. Juli 1423 die von Bourges anrückenden alliierten Truppen des französischen Königs Karl VII. und des schottischen Königs Jakob I. in der Schlacht von Cravant von den aus Auxerre kommenden und mit dem Herzogtum Burgund verbündeten Engländern vernichtend geschlagen. Zusammen mit der französischen Niederlage in der Schlacht von Verneuil ein Jahr später hatte dies zum Ergebnis, dass der noch jugendliche Karl VII. mit seinem Heer hinter die Loire zurückgetrieben und als „der kleine König von Bourges“ verspottet wurde.

Über fast 800 Jahre und bis 1935 wurde in den Steinbrüchen von Palotte Kalkstein für den Bau gewonnen. Zu Anfang des Zweiten Weltkriegs wurde hier ein unterirdisches Flugzeugwerk eingerichtet, das zunächst den französischen Bomber LeO 45 montierte. Nach dem Sieg der deutschen Wehrmacht über Frankreich nutzten die Besatzer die Fabrik als Wartungsstätte für ihre Jagdflugzeuge vom Typ Focke-Wulf Fw 190.

Von 1941 bis 1944 betrieb die deutsche Besatzungsmacht in einem anderen Teilbereich der Steinbrüche ein Konzentrationslager für jüdischstämmige Häftlinge aus Deutschland, die dort Kalkstein fördern mussten.[3] Zwei von ihnen, denen die Flucht gelang, stifteten später in der kleinen Vorortkirche Notre Dame d’Arbaud eine Votivtafel.[4] Wegen der Landung der Alliierten in der Normandie und deren Vormarsch wurde das Konzentrationslager im August 1944 evakuiert,[3] und die Wehrmacht zog ab. Trotzdem konnten noch weitere 70 Exemplare der Focke-Wulf unter der Bezeichnung NC-900 montiert und an die Escadrille française Normandie-Niémen abgegeben werden.

Nach Kriegsende wurden die Fabrikräume am 18. Februar 1946 endgültig geschlossen.[5]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Die Gemeinde zählte 1866 noch mehr als 1300 Einwohner. Die Zahl ging während des Ersten Weltkriegs auf rund 800 zurück und stagnierte seitdem.

Jahr 1936 1946 1954 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2008
Einwohner 726 776 750 747 755 748 756 794 824 808

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die Kirche Saint-Pierre-Saint-Paul geht auf das 14. Jahrhundert zurück, wurde später aber mehrmals verändert. Der Chor, der dreistöckige Glockenturm und die Kassettendecke stammen aus der Renaissance. Das Bauwerk steht seit 1906 unter Denkmalschutz.
  • Der Uhrturm Tour de l’Horloge (auch Beffroi de Cravant oder Tour du Guet genannt), ursprünglich aus dem Jahre 1387 und seit 1926 unter Denkmalschutz, steht im oberen Teil des Ortes.
  • Reste des alten Belagerungsrings sind erhalten. Der Stadtgraben wurde aufgeschüttet und in einen Spazierweg umgewandelt.
  • Am Dorfausgang in Fahrtrichtung Irancy befindet sich oberhalb der Weinberge ein Aussichtspunkt mit Blick über das Tal der Yonne mit den Städten Clamecy und Vézelay sowie über das Tal der Cure mit der Stadt Avallon.

WeinbauBearbeiten

Cravant hat Anteil an der Côte de Palotte, einem Anbaugebiet, das die leichten und fruchtigen Rot- und Roséweine hervorbringt, die unter der Herkunftsbezeichnung Irancy AOC vermarktet werden. Zudem werden in Cravant die regional stark verbreiteten Burgunderweine Aligoté, Bourgogne Grand Ordinaire, Crémant de Bourgogne und Passetoutgrain angebaut.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Léon Breton (1861–1940), Radsportfunktionär und Unternehmer

WeblinksBearbeiten

  Commons: Cravant (Yonne) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Annuaire historique du departement de l’Yonne, Bd. 4, S. 63. Reboul et Ed. Perriquet, Auxerre, 1840.
  2. Annuaire historique du departement de l'Yonne, Bd. 11, S. 14. Ed. Perriquet, Auxerre, 1847.
  3. a b Albert H. Keil: „Zu Hilfe kam [uns] niemand.“ Mußbach und die „braune Pest“. In: Marita Hoffmann und Bernhard Kukatzki (Hrsg.): „Im Morgengrauen des 18. März 1945 herrschte noch Totenstille.“ Zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Pfalz. Themenheft (= Pfälzisch-Rheinische Familienkunde). Band XVIII, Nr. 8/9. Verlag Llux, Ludwigshafen 2016, ISBN 978-3-938031-72-8, S. 99–103 (online).
  4. Votivtafel Arbaud. → Verlag PfalzMundArt, abgerufen am 16. Juli 2018.
  5. L’usine souterraine aéronautique de Cravant au coeur de la guerre 1939–1945. Broschüre, AVIATROGLO, 2006.