Hauptmenü öffnen
Dennis J. Snower (IfW, links) und Christoph M. Schmidt (RWI, rechts)

Christoph M. Schmidt (* 25. August 1962 in Canberra, Australien) ist ein deutscher Volkswirt und Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sowie Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zudem ist der Professor für Wirtschaftspolitik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB).[1] Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Angewandte Ökonometrie, insbesondere der arbeits- und bevölkerungsökonomischen sowie energiepolitischen Fragestellungen. Er setzt sich für eine CO2-Steuer zur Bekämpfung der durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung ein.[2]

LebenBearbeiten

Christoph Schmidt legte sein Abitur 1981 am Domgymnasium Fulda ab.[3] Anschließend studierte er Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim, wo er sein Studium 1987 als Diplom-Volkswirt abschloss. Er wechselte dann an die Princeton University, erlangte dort 1989 einen Master-Abschluss und wurde 1991 mit einer empirischen Arbeit zum deutschen Arbeitsmarkt promoviert. Sein Doktorvater war David Card, ein anderer Betreuer seiner Doktorarbeit der Nobelpreisträger Angus Deaton.[4] Schmidt habilitierte sich 1995 an der Universität München. Während seiner Ausbildung wurde er durch eine Princeton University Fellowship (1987–1990), die Alfred P. Sloan Doctoral Dissertation Fellowship (1990–1991) sowie mit einem Habilitandenstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1992–1995) ausgezeichnet.[5] 2016 wurde ihm der Gustav-Stolper-Preis des Verein für Socialpolitik verliehen für seine Leistung, „wichtige wirtschaftspolitische Themen in den Fokus der Diskussion zu stellen und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln“.[6]

Seit 1992 war er zunächst Research Affiliate, seit 1996 ist er Research Fellow des Centre for Economic Policy Research (CEPR) in London. Seit 1998 ist er Research Fellow des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. 1995 wurde er an den Lehrstuhl für Ökonometrie an der Universität Heidelberg berufen, den er bis 2002 innehatte. Seit 2002 ist er Professor an der Ruhr-Universität Bochum und Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Im März 2009 wurde Schmidt in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen, wo er den Platz von Bert Rürup einnahm.[5] Im März 2013 übernahm er den Vorsitz des Sachverständigenrates von Wolfgang Franz. Von 2011 bis 2013 war er sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität des Deutschen Bundestages. Seit 2014 ist er Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der er seit 2011 als Mitglied angehörte. Seit 2017 ist er stellvertretender Vorsitzender im Direktorium des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Akademienprojektes „Energiesysteme der Zukunft“, in dessen Rahmen er sich bereits seit dem Jahr 2013 engagiert.[7]

Schmidt war Mitherausgeber des Journal of Population Economics und des German Economic Review. Er hat in zahlreichen renommierten Fachzeitschriften publiziert wie dem European Economic Review, dem Journal of Economic Behavior and Organization, dem Journal of Health Economics, dem Journal of Public Economics, und dem Review of Economics and Statistics.[5]

Er ist zudem Ko-Autor des Lehrbuchs „Empirische Wirtschaftsforschung. Eine Einführung“.[8]

Schmidt ist Vorsitzender des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen sowie Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (2015),[9] der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste (2018), des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Kinderstiftung Essen,[10] im Wissenschaftlichen Beirat der Fritz-Thyssen-Stiftung, sowie im Wissenschaftlichen Beirat der wirtschaftspolitischen Zeitschrift Wirtschaftsdienst.[11]

PositionenBearbeiten

Christoph Schmidt steht für eine evidenzbasierte Politikberatung, deren Handlungsempfehlungen sich auf Erkenntnisse der empirischen Wirtschaftsforschung stützen und gleichzeitig die dahinterliegenden theoretischen Annahmen transparent offen legen.[12]

Im Zusammenhang mit Thilo Sarrazins Buch Deutschland schafft sich ab kritisierte er scharf dessen Methodik und warf ihm falsch verstandene Statistik und Rassismus vor. Sarrazin irre über die methodischen Grenzen statistischer Verfahren und gelange so zu absurden Schlussfolgerungen, mit denen er pseudowissenschaftlich rassistische Thesen zu untermauern suche.[13]

Im März 2013 forderte Schmidt wirtschaftspolitische Reformen in Deutschland, die er als Weiterentwicklung der „Hartz-Reformen“ der Jahre 2003 bis 2005 sieht. Dazu zählt er eine weitere Liberalisierung des Arbeitsmarkts und eine weitere Erhöhung des Rentenalters auf 69 Jahre im Jahr 2060.[14]

Einen Mindestlohn von 8,50 Euro bezeichnet Schmidt als „sehr hohe Hürde“ für das Ziel, Flüchtlinge und Geringqualifizierte in den Arbeitsmarkt zu integrieren.[15] Er sprach sich gegen eine Erhöhung aus, weil dadurch Arbeitsplätze insbesondere für Geringqualifizierte gefährdet würden. Bislang habe der Mindestlohn zwar noch zu keinen deutlich erkennbaren Beschäftigungsverlusten geführt, doch sei eine belastbare Bilanz erst in einigen Jahren möglich.[16]

Christoph Schmidt setzt sich für eine nachhaltige und kosteneffektive Energiewende im Rahmen einer europäischen Lösung ein.[17] Er befürwortet den Umstieg auf grüne Energieerzeugung, kritisiert jedoch die Einzelförderung von Technologien im Rahmen des nationalen Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) als ineffizient und sozial ungerecht. Hauptargumente der Kritik sind, dass wegen der Beteiligung deutscher Unternehmen am EU-Emissionshandel durch gleichzeitige nationale Alleingänge wie dem EEG keine einzige Tonne CO2 zusätzlich eingespart werden könne und dass insbesondere einkommensschwache Haushalte durch die EEG-Umlage besonders belastet werden. Gemeinsam mit dem Umweltökonomen Ottmar Edenhofer entwickelte Schmidt ein Steuerkonzept auf Basis einer CO2-Steuer, das auf die Bekämpfung des Klimawandels durch rein marktwirtschaftliche Mechanismen abzielt.[18][19]

Aufgrund der sozialen Schieflage im Bildungssystem befürwortet Christoph Schmidt die Einführung sozialverträglicher nachgelagerter Studiengebühren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern von der Australian National University hat er das Modell „BAföG Plus“ entwickelt, wonach alle Studierenden ein zinsfreies staatliches Darlehen zur Zahlung von Gebühren erhielten. Dieses würde nach Ende des Studiums einkommensabhängig als eine Art Graduiertensteuer zurückgezahlt. Das aufgrund einer Bedürftigkeitsprüfung zugestandene BAföG-Stipendium bliebe erhalten.[20]

EhrungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Ausgewählte VeröffentlichungenBearbeiten

  • T. K. Bauer, P. Breidenbach, C. M. Schmidt: "Phantom of the Opera" or "Sex and the City" – Historical Amenities as Sources of Exogenous Variation. In: Labour Economics, Jg. 37 (2015), S. 93–98. DOI: 10.1016/j.labeco.2015.05.005
  • T. K. Bauer, S. Bender, A. Paloyo, C. M. Schmidt: Do Guns Displace Books? The Impact of Compulsory Military Service on Educational Attainment. In: Economics Letters, Bd. 124 (2014), S. 513–515. DOI: 10.1016/j.econlet.2014.07.026
  • M. Frondel, C. M. Schmidt: A Measure of a Nation's Physical Energy Supply Risk. In: The Quarterly Review of Economics and Finance, Jg. 54 (2014), Heft 2, S. 208–215.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Startseite. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  2. Dohmen et al.: Neues Steuerkonzept: Wie jetzt der Markt das Klima retten soll. Spiegel+, 30. November 2018.
  3. Wiedersehen nach vielen Jahren – Patronatsfest an der Rabanus-Maurus-Schule, Fuldaer Zeitung, 8. Februar 2014.
  4. Presse - Archiv. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  5. a b c Christoph M. Schmidt beim RWI Essen
  6. Liste der Preisträger | Verein für Socialpolitik. In: www.socialpolitik.de. Abgerufen am 29. Dezember 2016.
  7. Energiesysteme der Zukunft. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  8. Thomas K. Bauer, Michael Fertig, Christoph M. Schmidt: Empirische Wirtschaftsforschung: Eine Einführung (= Springer-Lehrbuch). Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-00041-9 (springer.com [abgerufen am 19. Dezember 2018]).
  9. Mitgliedseintrag von Christoph M. Schmidt bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 6.11.17
  10. Kinderstiftung Essen e.V: Kinderstiftung Essen: Kuratorium. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  11. Wissenschaftlicher Beirat | Wirtschaftsdienst. Abgerufen am 4. Januar 2018.
  12. RWI Position. In: www.rwi-essen.de. RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, abgerufen am 19. Dezember 2018.
  13. Falsch verstandene Statistik und Rassismus (Memento vom 11. September 2010 im Internet Archive), Handelsblatt, 6. September 2010
  14. Experten für Fortsetzung von Schröders Agenda-Politik. Auf: www.welt.de, 10. März 2013.
  15. RP ONLINE: Lohnuntergrenze: Mindestlohn über 8,80 Euro? Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  16. Bert Losse: Wirtschaftsweiser Schmidt: Mindestlohn 2017 nicht erhöhen. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  17. WELT: Wirtschaftsweiser: Rein deutsche Energiewende macht keinen Sinn. In: DIE WELT. 29. Dezember 2013 (welt.de [abgerufen am 19. Dezember 2018]).
  18. Dohmen et al. (2018). Neues Steuerkonzept: Spiegel+, 30. November 2018. Wie jetzt der Markt das Klima retten soll. http://www.spiegel.de/plus/neues-steuerkonzept-fuer-deutschland-raus-aus-absurdistan-a-00000000-0002-0001-0000-000161087441
  19. Eckpunktepapier von Ottmar Edenhofer und Christoph Schmidt. In: www.rwi-essen.de. RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, abgerufen am 19. Dezember 2018.
  20. Mathias Sinning, Christoph M. Schmidt, Katja Fels: BAföG Plus: Deutschlands Hochschulfinanzierung neu. Nachgelagerte Studiengebühren können die soziale Schieflage in der Bildungsfinanzierung auflösen. Nr. 66. RWI Positionen, 2015 (econstor.eu [abgerufen am 19. Dezember 2018]).
  21. Gustav-Stolper-Preis, abgerufen am 11. September 2017.